Wandern mit Bären und ­anderen Genießern

Einmal abschalten bitte! In der Region ­Arosa Lenzerheide kann man wunderbar offline ­gehen. Vor grandioser Kulisse.

Einmal abschalten bitte! In der Region ­Arosa Lenzerheide kann man wunderbar offline ­gehen. Vor grandioser Kulisse. 

Ich. Muss. Da. Rein. Ja, in einzelnen Wörtern, großgeschrieben mit Punkt. So absolut verlockend ist der Schwellisee. Glasklar, grünlich-blau schimmernd liegt er  vor uns.  Also Klamotten runter und rein. Oh Gott, und jetzt muss ich ganz offensichtlich sterben. Ist das kalt! Unwillkürlich beginne ich zu lachen. Es geht nicht anders. Ich ent­steige – wiedergeboren – dem Wasser, lege mich zum Trocknen in die piksende Wiese.  Noch mal, noch mal!

Johannes Fredheim Tischlein deck dich im Freien. Auf einer Wanderung macht den Kindern das Picknick doppelt Spaß.

Das Schöne am Schwellisee ist, dass er nur eine knappe Stunde Fußmarsch vom Ortskern Arosas entfernt liegt. Man kann also immer wiederkehren. Zum Beispiel nachts, wenn der Vollmond auf der spiegelglatten Oberfläche glitzert. Im Dunkel, in der Stille der Nacht, hören sich die zahlreichen Bächlein, die den See speisen, wie flüsternde Berggeister an. 

Ein anderer See – etwas kleiner und künstlich angelegt – ist die Wasserstelle im riesigen Außengehege des Arosa Bärenlands. In diesem badet gerade – sichtlich entspannt – Napa, als wir dem Gehege am nächsten Tag unseren Besuch abstatten.

Thomas Jutzler Im Bärenland kommt man Napa ganz nah.

Napa ist einer von mittlerweile drei Bären, die in Zusammenarbeit mit der Tierschutz­organisation Vier Pfoten aus misslichen Verhältnissen gerettet wurden. Sie haben nun in dem fast drei Hektar großen Gelände an der Mittelstation der Weisshornbahn ein neues Zuhause gefunden.

Möchte man auf die Besucherplattform gelangen, muss man zunächst durch eine Art unterirdisches Labyrinth aus schwarzen ­Eisenstangen und schwer von der Decke hängenden Ketten. Es ist beklemmend und man fühlt sich tatsächlich befreit, wenn man auf die Terrasse der Plattform gelangt. Man fühlt mit den ehemaligen Tanzbären. Wir sind beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und dem Engagement, mit dem diese – ­immerhin auch – touristische Attraktion in Angriff genommen wird.

Runterkommen in der Höhe

Vorbei an grasenden Kühen, die sich gänzlich unbeeindruckt von der wilden Nachbarschaft zeigen, spazieren wir über blühende Kräuterwiesen talabwärts ins Dorf, werfen einen Blick ins 1493 erbaute Bergkirchli, das schon stand, als die Bären noch ganz ­natürlicher Teil der Fauna in den Schweizer Bergen waren.

Die Region Arosa Lenzerheide ist perfekt für erholsame Wanderungen. Das weite, offene Tal der Lenzerheide ist lichtdurchflutet und strahlt eine sanfte Gelassenheit aus. Wir haben uns vorgenommen, den ­Modebegriff »Entschleunigung« beim Wort zu nehmen und tatsächlich mal jedem ­Höher-Schneller-Weiter zu widerstehen. 

So trödeln wir von Berggasthaus zu Hütte,  schlendern auf eine Gerstensuppe zur Alp Fops, legen uns in die Wiesen des überaus sanft ansteigenden Piz Scalottas und lassen uns auf dem Globi Wanderweg gar noch von den Kindern überholen, die hier eifrig von Station zu Station eilen, auf den Spuren der fröhlichen schweizerischen Kinderbuchfigur spielerisch Natur und Technik entdecken und gar nicht merken, wie sie von ihren ­hinterlistigen Eltern an das Bergwandern herangeführt werden. Immer wieder sitzen Familien im Schatten der Bäume und genießen Panorama und Picknick.

Würde es uns nicht ohnehin so gut gehen, man könnte neidisch werden. Am Abend buchen wir uns in der Revier Mountain ­Lodge in Lenzerheide ein. Hier sind alle Zimmer komplett mit Holz ausgekleidet. Cool und gemütlich ­zugleich. Da sitzen wir nun im Schneidersitz auf ­unserem Bett und schauen durch das riesige Panoramafenster über den Heidsee auf die in sanftes Abendlicht getauchte Heide, bis sich die Dunkelheit über das gesamte Tal legt. So geht Abschalten.

Text: Thomas Jutzler