Kaufberatung Merinowolle

Riecht nicht, kratzt nicht und wärmt auf angenehme Weise. Merinowolle hat unzählige gute Eigenschaften. Hier erfährst du alles, was du über Merinowolle wissen musst!

Merinowolle

Die weiche Naturfaser Merinowolle ist nicht nur bezogen auf Outdoorbekleidung in aller Munde. Ob Unterwäsche, Shirt oder Wolljacke – das feine, elastische Material ist unglaublich beliebt. Im Sommer genauso wie im Winter. Warum das so ist und ob zu Recht, klären wir in dieser Beratung rund ums Thema Merinowolle.

Wenn du dich in unserem Sortiment umschaust, wirst du sehen, dass wir ein großes Angebot an wunderschönen & gleichzeitig funktionellen Merino-Produkten führen. Besonders umfangreich ist das Angebot der neuseeländische Firma Icebreaker. Aber auch viele andere Firmen wie Ortovox, Smartwool oder super.natural sind große Namen, wenn es um Merinowolle geht. Auch sie haben ein absolut überzeugendes Angebot an Merino-Unterwäsche, Merino-Shirts, sowie Wolljacken & Wollpullover!

Wo kommt Merinowolle eigentlich her?

Kurze Antwort: Vom Merinoschaf! Heutzutage stammen 88 % der weltweit verfügbaren Merinowolle aus Australien. Neuseeland ist der zweitgrößte Lieferant, außerdem gibt es Merinowolle aus Südafrika und Südamerika (Uruguay, Patagonien).

Was sind die Eigenschaften von Merinowolle?

Bekleidung bzw. Unterwäsche aus Merinowolle bringt gleich eine ganze Reihe guter Eigenschaften mit:

  • Sie ist unglaublich weich und elastisch
  • Sie kratzt nicht
  • Sie ist auch nach längerem Tragen überraschend geruchsneutral
  • Sie wärmt effektiv und ist dabei verhältnismäßig leicht
  • Sie wärmt auch in feuchtem Zustand auf angenehme, natürliche Weise
  • Auf der anderen Seite überhitzt man in Merinowolle nicht
  • Sie trocknet zwar nicht so schnell wie Kunstfasern, aber viel schneller als Baumwolle
  • Sie bietet einen natürlichen UV-Schutz (ja nach Dichte des Materials bis zu 50)
  • Sie lädt sich nicht elektrostatisch auf
  • Sie ist sehr formastabil und knitterfrei
  • Es handelt sich um einen nachwachsenden, natürlichen Rohstoff

Warum kratzt Merinowolle nicht?

Die Faserstärke von Merinowolle ist so fein und dünn (viel feiner als menschliches Haar oder die Wolle anderer Schafsrassen), dass sich die Berührung von Merinowolle auf der Haut anders anfühlt als die von normaler Wolle. Die Enden dickerer Fasern können auf der Haut »pieken«, Merinowolle ist für diesen unangenehmen Effekt schlichtweg zu dünn.

Allerdings gibt es sehr sensible, empfindliche Menschen, die auch mit Merinowolle Probleme haben. Für diese Menschen empfehlen wir Merino-Mischfasern wie zum Beispiel eine Mischung aus Merinowolle und Modal. Zu den Mischfasern findest du ganz an Ende der Kaufberatung noch weitere Informationen.

Warum riecht Merinowolle nicht?

Dass Wolle so geruchsneutral ist, liegt an zwei Eigenschaften: An dem in Wolle enthaltenen Eiweiß Keratin und an der schuppigen Faseroberfläche der Wolle. Keratin ist ein Eiweiß, das die geruchsverursachenden Bakterien abbaut. Schweiß an sich ist zwar geruchsneutral, bildet jedoch den Nährboden für Bakterien, die während ihres Stoffwechselprozesses die typischen Schweißgerüche produzieren. Und die schuppige Oberfläche der Wolle sorgt dafür, dass sich diese Hautbakterien nur schwerlich ansiedeln können. Ein Segen!

Warum wärmt Merinowolle so effektiv?

Die feine Merinowolle hat eine in sich sehr stark gekräuselte Struktur. Das führt dazu, dass im gesponnenen Garn (das sich ja aus vielen Einzelfasern zusammensetzt) eine Menge Luft eingeschlossen wird – und Luft ist bekanntlich ein schlechter Wärmeleiter bzw. eine sehr effektive Isolierung. Luft sorgt dafür, dass die vom Körper produzierte Wärme am Körper gehalten wird. Daune funktioniert übrigens auf die gleiche Art und Weise.

Warum wärmt Merinowolle auch in feuchtem Zustand?

Das liegt unter anderem daran, dass Wolle eine Hohlfaser ist, die in ihrem hohlen Inneren viel Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf aufnehmen kann (etwa ein Drittel ihres Eigengewichts), gleichzeitig aber an der Oberfläche trocken bleibt. Eine sehr bemerkenswerte Eigenschaft, die bewirkt, dass sich feuchte Wollbekleidung auf der Haut lange trocken anfühlt und auch die typische Verdunstungskälte erst später einsetzt als bei anderen feuchten Fasern.

Wie ist es dann möglich, dass Merinowolle auch kühlt?

Wenn die Außentemperatur hoch ist (und es trocken ist), führt dass dazu, dass die in den Hohlräumen der Wolle aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgegeben wird, sie verdunstet. Für diesen Vorgang ist Energie nötig – und diese Energie wird der unmittelbaren Umgebung in Form von Wärme entzogen (Verdunstungskälte).

Dieser Effekt ist aber nicht spezifisch für Merinowolle, viele Kunstfasern funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Manchmal kann die Verdunstungskälte bei Kunstfasershirts sogar als etwas zu viel des Guten empfunden werden, da die Shirts im Gegensatz zur Wolle sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen und diese schnell wieder abgeben. So wird der Umgebung viel Wärme entzogen. Bei der Wolle findet dieser Vorgang gleichmäßiger statt, da sie mehr Feuchtigkeit speichert.

Bringt Merinowolle auch Nachteile mit sich?

Ja. Diese Nachteile beziehen sich allerdings nicht auf die Funktionalität der Wolle, sondern auf das Tierwohl. Gemeint ist das Thema Mulesing, das sich glücklicherweise immer mehr Zugang zur Öffentlichkeit verschafft. 

Was ist Mulesing? Mulesing ist der Begriff für das, was die Schattenseite der Schafhaltung in Australien verdeutlicht (zur Erinnerung: 88 % der Wolle stammen aus Australien): Den Lämmern werden ohne Betäubung die oberen Hautschichten rund um den After herausgeschnitten. Zurück bleibt eine offene Wunde – und große Schmerzen. Der Grund für Mulesing ist der mögliche Befall der Schafe mit Fliegenmaden, die sich unter Umständen in den stark ausgeprägten und verdreckten Hautfalten der Merinoschafe rund um den After einnisten. An dem Madenbefall würden die Schafe wiederum innerhalb von ein paar Tagen elendig zugrunde gehen.

Eine der Alternative zu Mulesing ist das häufigere Scheren der beschriebenen Region rund um den After, was die Haltung der Merinoschafe sehr viel aufwendiger und die Wolle damit teurer macht. Auch die Züchtung von Merinoschafen, die weniger Hautfalten ausbilden, könnte eine Lösung sein. Damit würde der Ertrag sinken und somit würde auch in diesem Fall der Preis der Wolle steigen …

Leider können wir dir keine grundlegende Lösung für dieses vielschichtige Problem anbieten, aber wir können dir unseren Beitrag anbieten: Globetrotter legt großen Wert darauf, zu 100 % Mulesing-freie Merinowolle im Sortiment zu haben!

Das umfangreichste Merino-Angebot haben wir wie schon dargestellt von der neuseeländischen Firma Icebreaker. Eine Firma, die das Thema Tierwohl sehr ernst nimmt. Icebreaker ist schon vor vielen Jahren langjährige Verträge mit den Schafzüchtern eingegangen, um gegenseitiges Vertrauen, Verlässlichkeit und Preisstabilität zu etablieren. Den bei Icebreaker unter Vertrag stehenden Züchtern ist es verboten, Mulesing zu praktizieren. Außerdem sind die Grundsätze der artgerechten Tierhaltung verankert.

Eine weitere gute Nachricht: Ende 2018 wurde Mulesing in Neuseeland komplett verboten.

Auch alle anderen Hersteller in unserem Sortiment verwenden mulesing-freie Wolle! Selbstverständlich achten wir auch beim Einkauf der Merinowolle für unsere Eigenmarke Frilufts auf die teurere, mulesing-freie Qualität.

Letztendlich hast du mit deinem Kaufverhalten die große Chance, Einfluss zu nehmen! Frag beim Kauf nach, wo die Wolle herkommt und ob die Hersteller mulesing-freie Wolle verwenden. Du kannst Part der Lösung sein, indem du deine Merino-Produkte achtsam kaufst.

Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?

Schurwolle bedeutet einfach, dass es sich um neue, nicht recycelte Wolle vom lebenden Tier handelt. Soweit nicht anders deklariert (also als recycelte Wolle) handelt es sich bei Merinowolle also immer auch um Schurwolle, auch wenn es nicht explizit draufsteht. Umgekehrt muss Schurwolle an sich aber nicht Merinowolle sein. Sie kann von jeder Schafrasse stammen.

Wie wasche ich Merinowolle? Und womit wasche ich Merinowolle?

Erstmal eine grundsätzliche und erleichternde Tatsache: Merinowolle ist überraschend pflegeleicht. Du kannst deine Merino-Produkte problemlos in der Waschmaschine waschen. Es wird sogar explizit zur Maschinenwäsche geraten, nicht zur Handwäsche, da bei der Handwäsche die mechanische Belastung zu groß ist. Wir empfehlen einen schonenden Waschgang. Es muss nicht unbedingt der Wollwaschgang sein, aber auch nicht unbedingt ein zweistündiger Waschmarathon. Sehr wichtig ist dabei, alle Klettverschlüsse und Reißverschlüsse aller Bekleidungsstücke in der Waschmaschine zu schließen. Mechanische Belastung kann reine Merinowolle vor allem in feuchtem Zustand nicht gut ab.

Wenn es um Wolljacken oder Wollpullover aus Merinowolle geht (die du also nicht wirklich durchschwitzt), sei noch erwähnt, dass es häufig reicht, diese Produkte auszulüften.

Zum Waschen nimmst du einfach ein ganz normales Waschmittel, am besten natürlich ein ökologisches, nachhaltiges Produkt. Wichtig ist, dass es keine Enzyme enthält (Achtung: Auch Wollwaschmittel enthalten manchmal Enzyme, da das für gröbere Wolle unproblematisch ist). Und du solltest keinen Weichspüler oder Bleichmittel verwenden. Das mögen Merino Shirts & Co gar nicht. Auch einen Wäschetrockner mag Wolle nicht. Am besten, du trocknest die weiche Wolle liegend oder hängend auf einem Wäscheständer.

Was ist der Vorteil, wenn Merinowolle mit anderen Fasern gemischt wird?

Es gibt immer mehr Shirts & Co, bei denen Merinowolle mit einer Kunstfaser wie Polyester oder Nylon oder mit einer Zellulosefaser wie Lyocell oder Modal gemischt wird.

Bei der Mischung mit Polyester ist der Fokus auf einem besseren Feuchtigkeitsmanagement, zweitrangig wird es etwas robuster. Nylon sorgt in erster Linie für ein abriebfesteres bzw. robusteres Material, das außerdem schneller trocknet als reine Merinowolle.

Bei der Mischung mit Modal wird das Material noch weicher, was besonders für Menschen mit empfindlicher Haut sehr interessant ist. Lyocell (z.B. Tencel von Lenzing) sorgt ebenfalls für ein weicheres Material, sorgt für kühlend Eigenschaften und ist von daher im Sommer sehr beliebt.

Text: Globetrotter
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