Reisen mit Diabetes

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes, die Zahl an nicht diagnostizierten Diabeteserkrankungen wird ebenso hoch geschätzt. Die Krankheit ist aber kein Grund, auf Urlaubsreisen, auch in weiter entfernt liegende Länder, zu verzichten solange gewisse Dinge beachtet werden.

Vor der Reise

Wiebke Mörig

Folgende Utensilien und Bescheinigungen sollten Sie mit sich führen:

  • Diabetikerausweis mit Angaben zur Krankheit und zur individuellen Behandlung auf Englisch, wenn möglich auch übersetzt in der jeweiligen Landessprache
  • ärztliche Bescheinigung auf Englisch über Wirkstoffe und Dosis der benötigten Medikamente 
  • bei Insulintherapie: entsprechende Spritzen sowie eine ärztliche Bescheinigung auf Englisch über das Mitführen von Injektionsmaterialien zum persönlichen Gebrauch
  • zwei- bis dreifacher Bedarf an Medikamenten und Teststreifen, aufgeteilt auf Koffer und Handgepäck, falls eins von beidem während der Reise abhandenkommt
  • neben dem eigentlichen Blutzuckermessgerät ist auch die Mitnahme eines Ersatzgeräts sinnvoll

Vordrucke für Bescheinigungen sowie Übersetzungshilfen für den Diabetikerausweis gibt es z. B. auf der Webseite der Deutschen Diabetes-Hilfe: https://www.diabetesde.org/reisen-menschen-diabetes

Alle in Deutschland empfohlenen Impfungen sollten überprüft und bei Bedarf aufgefrischt werden, hierzu gehören auch die Influenza- und die Pneumokokken-Impfung. Weitere Impfungen können je nach Empfehlung für das Reiseland hinzukommen. Die Cholera-Impfung ist zu einem gewissen Grad auch effektiv gegen Reisedurchfall, so dass auf diese Weise das Risiko einer durchfallbedingten Stoffwechselentgleisung gemindert werden kann. Ebenso kann eine Hepatitis-
B-Impfung sinnvoll sein, da alleine durch die Grunderkrankung bedingt ein erhöhtes
Risiko für einen Krankenhausaufenthalt im Reiseland besteht. Bei Malariamitteln sind mögliche Interaktionen mit der Regelmedikation des Diabetespatienten vor Antritt der Reise zu prüfen. Eine Auslandskranken- und Reiserücktrittsversicherung sollten vorher unbedingt abgeschlossen werden.

Während der Reise

Bei einer Zeitverschiebung ist eine einmalige Anpassung der Insulindosis am Reisetag notwendig. Fliegt man Richtung Osten, so verkürzt sich der Tag und die Dosis muss entsprechend reduziert werden, bei Reisen in den Westen verhält es sich genau andersherum. Während der ersten Tage am Urlaubsort sollte der Blutzucker häufiger als sonst kontrolliert und die Therapie an die geänderten Gegebenheiten (z. B. körperliche Aktivität, veränderte Essensmengen und -zeiten) angepasst werden. Für den Fall einer drohenden Unterzuckerung empfiehlt es sich, Traubenzucker zur Hand zu haben. In heißen Klimazonen sowie bei einem Höhenaufenthalt ist auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Leidet der Patient unter dem diabetischen Fußsyndrom, bei dem die Nerven geschädigt und dadurch die Schmerzwahrnehmung gestört sind, so ist ein angemessenes Schuhwerk essenziell. Andernfalls können leicht Verletzungen, Verbrennungen oder Erfrierungen entstehen. 

Insulin, Teststreifen sowie Messgerät müssen vor übermäßiger Kälte und Hitze geschützt werden. Intensive Sonneneinstrahlung sowie Temperaturen über 40 °C oder unter 2 °C inaktivieren das Insulin. Am besten geeignet für Transport und Lagerung ist eine handliche Kühltasche mit einer Temperatur zwischen 4 °C und 8 °C. Alternativ kann das Insulin im Kühlschrank des Hotels gelagert werden. Manche Glukose-Teststreifen sind ebenfalls empfindlich gegenüber UV-Strahlung und messen bei Temperaturen über 35 °C zu hohe bzw. bei unter 14 °C zu niedrige Blutzuckerwerte. Auch in großen Höhen funktionieren Messgeräte nicht zuverlässig.

Generell sollten Diabetiker nie allein verreisen, sondern von einer entsprechend geschulten Person begleitet werden. 

Text: Prof. Dr. Tomas Jelinek
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