Familie Robinson

Der Schweizer David Bittner hat mit seiner Familie zehn Wochen auf einer einsamen Insel in der Südsee verbracht. Hier ist ein Einblick in das Leben der Einsiedler.

Im Sommer 2017 brechen David Bittner, seine Frau Cécile und die beiden Töchter Léonie (damals sechs Jahre alt) und Rowena (damals vier) zu einem unvergesslichen Abenteuer auf: Zehn Wochen will die Familie auf einer unbewohnten Pazifik­insel ver­bringen, fernab der Zivilisation, ganz auf sich allein gestell­t. »Die Insel sollte unbewohnt sein und ich wollte, dass man von ihr aus Wale beobachten kann«, umreißt David das Wunschprofil. Nach gründlicher Recherche ist klar: Eine Insel im Norden des Königreichs Tonga (der Name bleibt geheim ;-)) passt perfekt zur Schweizer Robinsonade. Sie ist so klein, dass man sie im Laufschritt in zehn Minuten umrunden kann.

David Bittner Rowena (4), Léonie (6), Cécile (41) und David (40) auf den Spuren von Robinson Crusoe.

Aber darf man einfach so eine Insel in Beschlag nehmen? David findet heraus, dass ein lokales Forschungsprojekt Helfer sucht: Es soll überprüft werden, ob sich auf der Insel erneut Ratten angesiedelt habe­n, nachdem diese vor rund 15 Jahren ausgerottet worden waren. Als Biologe ist David für das Projekt perfekt geeignet. So bekomm­t die Familie problemlos die Erlaubnis der Behörden.

Langeweile? Gab es nie!

Mit Sack und Pack fliegen David, Cécile und die beiden Kinder von Zürich nach Neuseeland. Von hier geht es ebenfalls per Flieger nach Nuku’alofa (Tongas Hauptstadt) und weiter in den Norden des Atolls. Danach wartet eine sechsstündige Bootsfahrt auf die Familie – vier Tage dauert die Anreise.

Doch schon mit den ersten Schritten durch den weichen Sand »ihrer Insel« sind alle Stra­pazen vergessen. »Wir waren jeden Tag schnorcheln, haben geangelt, die Insel erkundet und fast täglich vorbei­ziehende Buckelwale beobachtet – ein echtes Paradies!«, schwärmt David. Kam nie Langeweile auf? »Kein einziges Mal! Es gab immer etwas zu tun. Die Kinder haben teilweise stundenlang mit Einsiedlerkrebsen gespielt oder mir beim Angeln geholfen.« 

Streichhölzer gegen Hummer

Die Familie ernährt sich von Kokosnüssen, selbst gefangenen Fische­­n und von den wenigen Lebensmitteln, die sie mit auf die Inse­l gebracht hat. Darunter 100 Liter Frisch­wasser – diesen Vorra­t füllen sie mithilfe der wöchentlichen Niederschläge immer wieder auf. Und ansonsten? Gab es wirklich keinen Kontakt zu anderen Mensche­­n, keine Versorgung zwischendurch? »Ein einziges Mal kamen ein paar Fischer vorbei, die Über­raschung war auf beiden Seiten groß. Wir habe­­n uns mit Händen und Füßen unterhalten – und zum Abschied mit ihnen ein paar Streichhölzer gege­n fangfrischen Hummer getauscht«, erinner­t sich David. Natürlich haben die Bittners für Notfälle ein Satellitentelefon und eine Tasche voller Medi­kamente dabei. Doch abgesehen von ein paar Pflastern bleibt beides unberührt. Und die Kinder? Die reden noch heute fast täglich von der Reise. Léonie kann aus dem Stegreif rund zwei Dutzend Südseefische bestimme­n, Rowena hat im Riff vor der Insel schwimmen gelern­t. Der Trip hat beide Mädchen stark geprägt.

Viel zu schnell sind die zehn Wochen vorbei. Das Fazit des Forschungsprojekt­s: Die Insel ist nach wie vor rattenfrei. Auf dem Rückweg wartet noch ein absolutes Highlight: Schnorcheln mit Buckelwale­n. Vom Boot aus kommen die Bittners bis auf wenige Meter an die bis zu 15 Meter großen Säugetiere heran. »Die Wale halten naturgemäß einen gewissen Abstand. Das änderte sich, als Rowena ins Wasser sprang: Plötzlich kam eine Mutter mit ihrem Kalb ganz nah heran. Wir hätten das Junge berühren können – das war ein magischer Moment, den keiner von uns je vergessen wird«, schwärmt David.

»Tonga trägt den Spitznamen »Friendly Islands« – Südsee-Romantik pur.«

Zurück in der Heimat, braucht die Familie ein paar Woche­n, um sich im geregelten Alltag zurechtzufinden. Ständig sehne­n die vier sich zurück auf »ihre Insel«, wo die Sonn­e und die Gezeiten den Tages­ablauf bestimmten. Schnell treffen sie einen Entschluss: Familie Robinson wird wieder­kommen – dann jedoch auf eine noch abgelegenere Insel.

Mehr über David Bittner auf www.davidbittner.ch

Text: Moritz Schäfer
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