Winterliche Hüttentour mit Kindern

Präparierte Wanderwege eröffnen auch Familien winterliche Landschaften. Mit Hüttenübernachtung und Rodel wird daraus ein echtes Abenteuer, wie eine Tour zur Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal beweist.

Die kleinen Winterstiefel werden in den Schnee gedroschen. Der Gesichtsausdruck schwankt zwischen versteinertem Trotz und kindlicher Ratlosigkeit. Es dämmert. »Süßes oder Saures«, kommt noch über seine Lippen. Wir wissen, wenn wir heute noch auf der Hütte ankommen wollen, ist die Antwort einfach: Saure Schnüre in Geschmacksrichtung Erdbeer.

Unser Ziel ist die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal. Der Zustieg aus dem Skigebiet am Hohen Ifen wird täglich vom Hüttenwirt gewalzt. Rund 300 Höhenmeter müssen wir aus dem Tal bewältigen. Ausgeschrieben sind eineinhalb Stunden. Mit Schnee, Pausen und Kindern planen wir zweieinhalb Stunden ein. Unsere Söhne – fünf und drei Jahre – sind wander- und hüttenerfahren. Im Sommer waren wir erstmals auf einer mehrtägigen Hüttenwanderung. Warum also nicht auch im Winter?

Tourenwahl mit Kindern

Schon im Sommer ist die Hütten- und Tourenwahl als Familie mit Kleinkindern nicht trivial: Wanderweg ist besser als Forstweg. Steigungen dürfen steil, aber nicht lang sein. Lieber baumfreie Hänge mit Weitsicht als endloser Wald. Liftunterstützung erwünscht. Die Hütten sollten kinderfreundlich sein und über Mehrbettzimmer verfügen. Das schont die eigenen Nerven.

Versucht man als Tourenplaner diese Kriterien im Winter zu erfüllen, sind die Ziele oft nur mit Tourenski oder Schneeschuhen und entsprechender Erfahrung zu erreichen. Doch es gibt Ausnahmen. Diese befinden sich meist in mittleren Lagen und dienen ambitionierten Wintersportlern als Basislager für Gipfeltouren. Für Familien sind sie hervorragende winterliche Ziele.

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Unser Vorteil an diesem Wochenende ist das Wetter. Dies ist nicht so gut vorhergesagt, so dass etwaige Gipfeltouren im Nebel enden. Die sonst stark frequentierte Schwarzwasserhütte hat auch spontan noch Mehrbettzimmer frei. Der Weg zur Hütte ist auch bei bedecktem Himmel und Schneefall kein Problem. Ohne große Vorplanung buchen wir am Donnerstag Zimmer fürs Wochenende und freuen uns, aus der grauen Großstadt ins weiße Winterwunderland zu kommen.

Wir starten am Bergbahnparkplatz am Fuß des majestätischen Hohen Ifen. Die Kinder sind fasziniert vom bunten Treiben, den Ski-Doos und Pistenraupen. Erste Pause: viel gucken, ein kleiner Snack. Vom Trubel verabschieden wir uns gerne. Den Kindern fällt es sichtlich schwer. Mit dem Versprechen, hier morgen noch einen Rodelnachmittag einzulegen, lassen wir den Skibetrieb hinter uns.

Jenseits des gewalzten Wegs türmt sich der Schnee so hoch, dass man ohne Schneeschuhe oder Tourenki verloren wäre. Auf dem Weg lässt sich sogar ohne Grödel oder Spikes gut marschieren. Immer wieder loten unsere Kinder aus, ob der Schnee nun endlich bis zum Bauchnabel reicht. Schneeengel werden geformt. Wir hoffen nur, dass Hose, Jacke, Handschuhe und Co. dicht halten. Für doppelte Wechselwäsche war in den Rucksäcken kein Platz.

Vorteil im Winter

Viermal Hütten- und Nachtwäsche, Daunenjacken, Hüttenschuhe und -schlafsäcke, Wegzehrung, Kulturbeutel, drei Pixi-Bücher und ein UNO-Spiel füllen unsere beiden Tagesrucksäcke gut aus. Für die Rodelabfahrt schleppen wir außerdem vier Skihelme den Berg hinauf. Viel Gepäck ist man als Eltern gewohnt. Noch im letzten Sommer ließ sich unser Kleiner in der Kraxe chauffieren. Das gesamte Hüttengepäck ruhte dann auf den Schultern eines Elternteils. Jetzt haben wir als Kinder-Transport-Backup die Schlitten dabei.

Der Aufstieg zur Schwarzwasserhütte zieht sich durch das Schwarzwassertal. Erst langsam ansteigend geht es über Wiesen und durch Wälder. Große Felsen säumen den Weg. Mit ihren Schneehauben laden sie in eine Fantasiewelt ein. Hexen locken vom Wegesrand, kleine Monster verstecken sich in Schneebergen und immer wieder finden wir Tierspuren. Statt winterlicher Ruhe heißt es Märchenstunde.

Ab der Melköde wird der Weg steiler und zieht sich in Serpentinen ins Hochtal. Rund die Hälfte der Tour liegt hinter uns, einige Höhenmeter aber noch vor uns. Was morgen bei der Abfahrt Freudenschreie hervorrufen wird, bringt unseren Kleinen jetzt in Rage. Zu steil scheint der Weg, zu weit die Hütte noch entfernt (wir haben sie nämlich schon gesehen), zu kurz sind auf einmal die Beine. Nach all dem Stapfen im Schnee liegen die Nerven blank.

»Süßes oder Saures?«

Vor einigen Jahren sind wir mit Tourenski bereits einmal zur Schwarzwasserhütte aufgestiegen. Wir wissen also genau, was uns erwartet und konnten so bewusst spät starten. Pünktlich zum Abendbrot wollen wir die Hütte erreichen. Das erhöht zum einen den Kinder-Abenteuerfaktor und verkürzt die Zeit in der Hütte. Diese wollen wir möglichst knapp halten, denn wir vermuten, dass in der engen Hütte schnell Langeweile aufkommt. Lässt sich dies im Sommer noch mit dem Hüttenumfeld bekämpfen, türmt sich jetzt der Schnee vor den Fenstern. Auch zusätzliche Höhenmeter werden wir um die Hütte nicht mehr machen können, denn der präparierte Weg endet dort.

Eine Raupe nur für uns?

Süßes! Wir packen die Sauren Schnüre in Geschmacksrichtung Erdbeere aus, genießen die letzten Sonnenstrahlen an der imposanten Felskante des Hohen Ifen. Alle kauen genüsslich und nun ist sie wirklich da: die Stille der Bergwelt im Winter. Der Zuckerschub bringt neue Kraft und die Dämmerung treibt uns an. Unser Kleiner hat – dick eingemummelt in Decke und unsere Daunenjacke – auf dem Schlitten Platz genommen. Der tiefe Schnee, die kleinen Füße und die letzten Höhenmeter sind dann doch zu viel auf einmal. Er lässt sich bis zur Hütte ziehen.

Die Stirnlampen werden aufgesetzt. Die Temperatur sackt spürbar ab. Weit vor und auch weit hinter uns sind noch ein paar Skitourengeher unterwegs. Sonst sind wir alleine. Ein richtiges Abenteuer, findet der Große. Als dann noch die Schneeraupe vor uns aus dem Wald erscheint und den Weg extra für uns (das sagt zumindest der Hüttenwirt) noch einmal planiert, sind die letzten Meter ein »Kinderspiel«. Als der Wald offener Landschaft weicht, taucht ein Fahnenmast hinter einer Kuppe auf. Je höher wir steigen, desto mehr schält sich die dazugehörige Hütte aus der Dunkelheit. Ein heimeliges Örtchen auf 1651 Metern.

Wir freuen uns, dass das Abenteuer nun bald der warmen Stube weicht. Viel länger hätten wir nicht unterwegs sein dürfen. Schnell feiern wir unsere Tour mit dem üblichen Abklatschen und einem großen Lob an unsere Kinder. Die nassen Sachen lassen wir im Trockenraum und checken ein. Mit uns sind noch eine Gruppe Schneeschuhwanderer und mehrere Skitourengeher auf der Hütte. Wir sind die einzigen Schlittenfahrer. Mit mindesten 20 Jahren Abstand sind unsere Kinder die jüngsten Gäste. Dementsprechend groß ist die Bewunderung, die ihnen entgegenschlägt.

Je voller der Magen, desto müder die Kinder

Zum Abendessen gibt es eine Suppe, Gnocchi mit Pfannengemüse und Apfelküchlein mit Vanilleeis. Das ist nicht nur kindgerecht, sondern auch super lecker. Je voller der Kindermagen wird, desto tiefer sinkt der Kopf Richtung Tischplatte. Vorlesen und das Gute-Nacht-Lied können wir uns heute sparen. Beide Kinder sinken ins Bett und schlafen sofort ein. Wir schließen das eigentlich schon lange eingemottete Babyphone an und setzen uns ins Jägerstüberl.

An den Nebentischen wird der nächste Tag geplant. Wetter, Höhenlage, Lawinenbericht und persönliche Fitness werden diskutiert und Karten studiert. Unser Plan für morgen steht schon lange: mit dem Schlitten so schnell wie möglich zurück ins Tal und dann ein Rodelnachmittag im Skigebiet.


5 Tipps für Winter-Hüttentouren mit Kindern

  1. Die Hütte sollte über einen Winterwanderweg erreichbar und kinderfreundlich sein. Eine Auswahl an Hütten des DAV findest du hier. Plane die Tour so, dass du sowohl konditionell als auch zeitlich Reserven hast.
  2. Nutze die Infrastruktur der Hütte, um Gepäck zu sparen. Viele Hütten bieten eine Halbpension an. Für eine vierköpfige Familie (DAV-Mitglieder) musst du um 200 Euro für Übernachtung, Halbpension und Getränken rechnen.
  3. Die Motivation der Kinder ist wesentlich höher, wenn Freunde sie begleiten. Plane eure Tour mit einer anderen Familie.
  4. Denke auch an die Bedürfnisse der Kinder. Ein Schwimmbadbesuch, der Rodelnachmittag oder Iglubauen können ihr Antrieb sein, um die Hütte zu erreichen. Das muss dann aber auch eingelöst werden!
  5. Saure Schnüre, Apfelstücke oder Salzbrezeln wirken manchmal wunder. Sei es als Lockmittel oder wirklich für den kurzzeitigen Zuckerschub.
Text: Sebastian Lüke
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