Wassersäule bei Zelt, Jacke & Co.

Wasserdicht oder wasserabweisend? Auf dem Papier gibt die Wassersäule die Antwort. Wir erklären, was dahintersteckt und wieso dieser Wert allein nicht immer entscheidend ist.

Was bedeutet überhaupt Wassersäule?

Die Wassersäule gibt an, ab wann ein Stoff oder eine Membran durchlässig für Wasser wird. Bei Zelten und wasserdichter Bekleidung wird sie in Millimetern angegeben – je höher der Wert, desto wasserdichter ist das Material. 1000 mm Wassersäule entsprechen etwa einem Druck von 0,1 bar.

Wie wird die Wassersäule bestimmt?

Der Name »Wassersäule« verrät schon, wie das Verfahren zur Prüfung der Wasserdichtigkeit aussieht: Beim sogenannten Suter-Test wird das Material unter einen genormten Zylinder gespannt, der so lange mit Wasser aufgefüllt wird, bis der Druck ausreicht, um die ersten Tropfen durch das Textil zu drücken. Die Höhe des eingefüllten Wassers entspricht der Wassersäule.
Zugrunde liegen verschiedene Normen wie die internationale ISO 811, die EU-Norm EN 343:2003 oder der US-amerikanische AATCC-Standard 127.

Was ist der Unterschied zwischen wasserabweisend und wasserdicht?

Während wasserabweisende Stoffe Nässe nur zeitweise vom Eindringen abhalten, halten wasserdichte Textilien dem Wasser dauerhaft stand. In Deutschland gilt Bekleidung der Kategorie 3 (hoher Anspruch) ab einer Wassersäule von 1300 mm als wasserdicht und darf entsprechend gekennzeichnet werden. Strenger ist die Eidgenössiche Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) aus der Schweiz. Hier muss ein Wert von 4000 mm erreicht werden.

wassersäule Gore-Tex

Wie hoch sollte die Wassersäule bei einem Zelt sein?

Zelt in den Bergen bei dunklem Himmel
Lars Schneider

Wie immer steht an erster Stelle die Frage des Einsatzzwecks: Besuchst du im Sommer ein Festival oder willst du auf große Trekkingtour nach Skandinavien? Grundsätzlich gilt: Der Zeltboden sollte eine höhere Wassersäule als das Außenzelt aufweisen. Schon im Stehen erzeugt eine Durchschnittsmann (ca. 80 kg, Schuhgröße 43) einen Druck von etwa 0,22 bar. Im Knien oder in der Hocke auf dem Vorfuß steigt der Druck durch die geringere Auflagefläche schnell auf über 0,4 bar. Ein Zeltboden mit einer Wassersäule von 3000 mm wäre dann schon nicht mehr dicht. Mit einem Wert von 5000 mm bist du dauerhaft und zuverlässig auf der sicheren Seite. Ultraleicht-Fans müssen entsprechend Kompromisse eingehen und im Regen darauf achten, dass sie möglichst wenig punktuellen Druck auf den Zeltboden ausüben.

Beim Außenzelt entsteht der Druck auf das Material nur durch Regen und Wind. Ist das Zelt so konstruiert, dass sich keine »Wassersäcke« bilden können, reicht eine Wassersäule von 3000 mm absolut aus. Zudem arbeiten viele Hersteller mit PU- oder Silikon-Beschichtungen ihrer Zeltstoffe. Diese Beschichtung lässt das Wasser gut vom Material abperlen und so gar nicht lange genug liegen bleiben, um vom Wind durch das Material gedrückt zu werden.

Welche Wassersäule sollte eine Regenjacke haben?

Regentropfen perlen von Jacke ab
Paolo Sartori

Heute findet man kaum noch eine hochwertige Regenjacke zum Laufen, Wandern oder Radfahren mit einer Wassersäule unter 10.000 mm, was also deutlich über der geforderten Norm liegt. Dieser Wert reicht unter normalen Bedingungen völlig aus und hält auch Wind, Bewegung und Dauerbelastung stand.

Wer lange Touren unter extremen Bedingungen macht oder mit viel Gepäck unterwegs ist, sollte eine Hardshell-Jacke mit einer Wassersäule von etwa 20.000 mm wählen. Besonders die Träger eines schweren Rucksacks üben enormen Druck auf die nasse Membran der Jacke aus. Auch hier gilt: Regelmäßiges Imprägnieren erhält die Wasserdichtigkeit deiner Regenbekleidung.

Ist die Wassersäule ein zuverlässiges Kaufargument?

Die Wassersäule gibt Aufschluss über die Wasserdichtigkeit des Stoffs oder der Membran – nicht aber über die Verarbeitung des gesamten Produkts. Nähte, Reißverschlüsse oder die Konstruktion der Kapuze sind Schwachstellen, die dich sprichwörtlich im Regen stehen lassen können. Achte also darauf, dass Nähte wasserdicht getaped oder verschweißt sind, hochwertige Zipper verwendet werden und dass der Schnitt einen bestmöglichen Schutz vor eindringendem Wasser bietet.

Vor allem bei Zelten solltest du wissen, dass die Wassersäule in den USA anders ermittelt wird als in Europa. Dort wird das Material vor dem Test künstlich fünf Jahre gealtert. Entsprechend niedriger sind die Werte. Als Daumenregel kannst du die amerikanische Wassersäule mit dem Faktor 2 bis 3 multiplizieren, um sie ungefähr mit der europäischen Norm zu vergleichen.

Ist wasserdichtes Material trotzdem atmungsaktiv?

So funktionieren Membrane oder Beschichtungen: Tropfen bleiben draußen, Wasserdampf kann entweichen.

Fakt ist: Die dichteste Jacke nützt wenig, wenn sie Wasserdampf nicht nach außen entweichen lässt. Denn dann wirst du zwar nicht vom Regen nass, dafür aber durch deinen eigenen Schweiß. Grundsätzlich gilt: Je wasserdichter ein Stoff, desto weniger dampfdurchlässig ist er. MVTR- oder RET-Wert geben Aufschluss.

Beim MVTR-Wert wird gemessen, welche Menge an Wasserdampf durch einen Quadratmeter des Materials in 24 Stunden hinausgelangt. Je höher der Wert, desto besser. Ab 10.000 g/m2/24h gelten Stoffe als sehr atmungsaktiv, es gibt aber auch Werte bis hin zu 40.000 g/m2/24.

Der RET-Wert beschreibt den Widerstand, den ein Stoff dem Wasserdampf entgegensetzt. Entsprechend ist hier die Devise: Je niedrigerer der Wert, desto atmungsaktiver ist das Bekleidungsstück. RET-Werte werden in der Regel wie folgt unterteilt:

  • 0-6: Sehr hohe Atmungsaktivität, funktioniert auch bei starker körperlicher Belastung. Hoher Tragekomfort.
  • 6-10: Gute Atmungsaktivität, reicht bei moderater körperlicher Belastung (Wanderung oder Alltag) völlig aus.
  • 10-20: Ausreichende Atmungsaktivität, okay bei wenig bzw. kaum schweißtreibender Belastung.20: Sehr schlechte Atmungsaktivität, in erster Linie für den Ruhezustand geeignet.

Eine wasserdichte Jacke wird also immer weniger atmungsaktiv sein als eine wasserdurchlässige Fleecejacke. Dennoch schaffen moderne Membrane wie Gore-Tex und Co. den Spagat zwischen Wetterschutz und Atmungsaktivität ausgesprochen gut.

Welche Wassersäule für Outdoor-Ausrüstung?

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, wie hoch die Wassersäule für verschiedene Ausrüstungsteile etwa sein sollte:

Empfehlungen für die Wassersäule
Zeltbodenab 5000 mm
Außenzeltab 3000 mm
Regenjackeab 10.000 mm
Regenhoseab 15.000 mm
Hardshellab 20.000 mm
Wintersporthosenab 15.000 mm
Wintersportjackenab 10.000 mm
Kinderbekleidung (Regen/Winter)ab 5000 mm
Text: Globetrotter
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