Stille Stars: Tipps für Reisen in Kanada

Hier zeigt sich das Ahorn-Land von seiner typischen Seite: malerische Steilküste, verzweigte Flussläufe, die sich durch dichten Wald schlängeln, einsame Inseln. Fünf Tipps für Kanadas maritime Seiten im Osten.

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Reisen in Kanada – Tipp 1: Grüne Fluchten im Sankt-Lorenz-Golf

Tiefgrün leuchtende Fichten krallen sich kraftstrotzend in die felsige Steilwand der kleinen Schlucht. Unsere Füße stehen im blubbernden Wasser eines Bachs. Moose bewachsen die vom Schmelzwasser der letzten Eiszeit zurückgelassenen Findlinge. Willkommen im Kanada, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorgestellt haben. Willkommen im Canyon-de-la-Chicotte, auf Anticosti.

Wer Wildnis sucht, ist hier gut aufgehoben. Das Schmelzwasser der letzten Eiszeit hat für zahlreiche Schluchten gesorgt. In den größeren Flüssen springen Lachse und immer wieder kreuzen Weißwedelhirsche die Wege der Gäste. Übrigens gehört die Insel zur Provinz Quebec, es wird also französisch gesprochen. Wobei man kaum Gelegenheit hat, seine Fremdsprachenkenntnisse auszuprobieren, da nur etwa 300 Menschen auf der riesigen Insel leben. Etwas mehr französische Klänge hören wir auf den Iles de la Madeleine. Ursprünglich lebten auf den etwas südlicher gelegenen Inseln hauptsächlich Fischer und Schiffbrüchige, die sich dorthin retten konnten. Ihre Nachfahren halten die traditionelle Fischerei in Ehren, was dazu führt, dass wir uns quasi ausschließlich von fangfrischen »Fruits de Mer« ernähren.

Fahrrad ausleihen oder durch die Dünen spazieren

Während wir genießend vor der Fischbude in den Dünen sitzen, schauen wir den waghalsigen Aktionen der Kitesurfer zu, die über die Brandungswellen am schier unendlichen Strand springen. Wir steuern lieber den Fahrradverleih an. Uns reicht es, wenn der salzige Wind uns die Haare zerzaust.

Die unglaubliche Ruhe auf den Inseln tut der Seele gut. Beim Spaziergang durch die Dünen begegnen uns nur wenige Insel-Gäste. Als wir von der Fähre rollten, überkam uns sofort Ferienfeeling. Hier lässt man los, schaltet ab und entspannt.

Mehr Infos gibt’s hier: www.tourismeilesdelamadeleine.com

Reisen in Kanada – Tipp 2: Eintauchen in die indigene Kultur von Manitoulin Island

Als Manitou die Welt erschuf, behielt er das beste Stück für sich: Gitchi Manitou – die Insel des Großen Geistes. Manitoulin Island, in Ontario, ist die größte Insel der Welt in einem Binnenmeer und überzogen von heimeligen Kiefernwäldern. Wasserfälle rauschen. Wir springen in angenehm warme Badeseen. Die Anishinaabe, die das Überleben ihrer uralten Sprache und Kultur auf ihren Pow Wows feiern und uns bleichgesichtige Gäste stolz, aber freundlich dabei willkommen heißen, leben ihr indigenes Erbe intensiv. Auf Paddeltouren, bei Sprachkursen und Workshops tauchen wir in die uralte Kultur der Inselbevölkerung ein.

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Ethan-Meleg Mit dem Seekajak Manitoulin island erkunden.

Für die Anishinaabe war die Insel immer schon heiliges Gebiet. Für uns ist es ein Outdoorparadies jenseits ausgetretener Pfade, dem wir beim Seekajaken oder auf einer Wanderung auf dem Cup and Saucer Trail mit Ehrfurcht begegnen. Schließlich bewegt man sich in dieser grandiosen Natur auf einem Weg durch 10 000 Jahre Geschichte.

Mehr Infos gibt’s hier: www.destinationmanitoulinisland.com

Reisen in Kanada – Tipp 3: The Island Walk auf PEI: wilde Weite und Entschleunigung pur

Die flache Prince Edward Island (kurz: PEI) vor New Brunswick und Nova Scotia ist eine eigenständige Provinz und ein Paradies für Leuchtturmfans. Gleichzeitig wird sie Canada’s Food Island genannt. Der perfekte Ort für Genusswanderungen. Auf dem neu geschaffenen Wanderweg  »The Island Walk« kann die ganze Insel zu Fuß umrundet werden. Zumindest, wenn man einen Monat Zeit hat. Auf 32 Etappen und 700 Kilometern erwartet die Wandernden ein Mix aus Küstenpanoramawegen und Abschnitten durch scheinbar unendliche Wälder mit mäandernden Flussläufen. Natürlich kreuzt der Weg auch Dörfer und kleine Städtchen. Da wir nicht ganz so viel Zeit mitbringen, gehen wir einfach ein paar Teilstücke.

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Tourism-PEI Im dichten Mischwald im Norden kreuzt der Island Walk den Larkins Pond.

In Charlottetown gibt’s Kanada-Feeling pur. Bunte Holzhäuser und Backsteingebäude beherbergen Meeresfrüchte-Restaurants, Teeläden, Cafés, Shops für regionales Kunsthandwerk und das eine oder andere Museum, wie zum Beispiel das »Beaconsfield Historic House« mit seiner viktorianischen Architektur und detailverliebten Einrichtung. Das moderne Confederation Centre of the Arts ist Kulturzentrum, Ausstellungsraum und Spielstätte für darstellende Künste und lohnt einen Besuch, will man etwas vom aktuellen Lebensgefühl der Bevölkerung mitbekommen. An einem Loop des Rundwanderwegs liegt das schwarz-weiß gestreifte West Point Lighthouse. Es ist Kanadas erster aktiver Leuchtturm, der nicht nur besichtigt, sondern in dem auch übernachtet werden kann.

Mehr Infos gibt’s hier: https://theislandwalk.ca

Reisen in Kanada – Tipp 4: Gewaltige Naturerlebnisse in der Bay of Fundy

Diese Tide ist die Wucht. Bei Ebbe legt sie meterhohe, rot leuchtende Felswände frei. Was vorher noch pittoreskes Inselchen war, ist nun abenteuerlicher Sandsteinturm mit waghalsig auf der Klippe balancierenden Kiefern. Der hübsche kleine Bootsanleger verwandelt sich zu einem seltsamen Holzgerippe mit zehn Meter langer Leiter und schier unendlich hoher Pierkonstruktion. Wie Mikadostäbe stecken die Holzstämme im Schlick.

Die Bay of Fundy zwischen New Brunswick und Nova Scotia hat weltweit die höchsten Gezeiten. Wenn es darum geht, die riesige Bucht zu erkunden, heißt der Geheimtipp in jedem Fall: Kajaken. Die Chancen, auf Orcas, Finn-, Buckel-, Zwerg- und Blauwale zu stoßen, sind viel größer als auf Booten mit Motorenlärm.

Bay-of-Fundy
Thomas Jutzler

Wir paddeln die Küste entlang, umrunden skulpturähnliche Felsen und erkunden kleinste Höhlen. Eine Paddeltour mit dem Kajak um die beeindruckenden Flowerpots, die Blumentopf-Formationen im Hopewell Rocks Park, ist in jedem Fall ein überwältigendes Erlebnis. Allerdings sollte man unbedingt die Gezeiten im Blick haben, denn der bis zu 21 Meter hohe Tidenhub verändert die Küste teilweise grundlegend. Die Flowerpots sind bei Ebbe natürlich besonders beeindruckend, wenn die Felsen komplett vom Wasser freigegeben werden.

Die Flut hingegen ist notwendig, um Tidal Bore Rafting zu erleben: Während das Wasser beim Tidenhub in die Flussmündungen an der Küste drückt, fahren wir – fürwahr abenteuerlustig – mit dem Schlauchboot hinaus und begeben uns auf eine echte Achterbahnfahrt.

Advocate Harbour ist ein Fischerort mit einer der schönsten Küsten der Umgebung. Im nahe gelegenen Cape Chignecto Provincial Park kann man ins Hinterland wandern oder mit dem Kajak zur Felsformation der Three Sisters paddeln.

Mehr Infos gibt’s hier: www.bayoffundytourism.com

Reisen in Kanada – Tipp 5: Wow-Momente vor der Küste Neufundlands und Labradors

Steht man nicht gerade an Deck der »Titanic«, sind vorbeiziehende Eisberge ein geradezu meditatives Naturschauspiel. Wenn diese weiß glitzernden Riesen im Schneckentempo an uns vorüberziehen, können wir nur staunend stehen und schauen.

In leuchtendem Weiß und Türkisblau schwimmen sie leicht und schwer zugleich, unmerklich kleiner werdend, als Botschafter Grönlands oder der kanadischen Arktis durch das Gebiet zwischen der Küste von Labrador und der Nordostspitze von Neufundland.

»Die Küste hier zählt zu den weltweit besten Orten, um Eisberge zu sehen. Neben den weißen Riesen tauchen immer wieder Wale und Delfine auf, als wären sie genauso beeindruckt und neugierig, wie wir es sind.«

Ende Mai und Anfang Juni ist Hochsaison auf der Iceberg Alley. 10 000 Jahre alte Eisberge machen sich dann auf den Weg in den Süden. Unser Tipp: Am besten bestaunt man die Giganten vom Seekajak aus!

Mehr Infos gibt’s hier: www.newfoundlandlabrador.com

Noch mehr Tipps: Nationalparks und Co. für Natursüchtige

Wer Abenteuer in der Natur oder einfach einen Platz zum Durchatmen sucht, wird in Kanadas Parks garantiert fündig. Auf dem Weg zwischen Manitoulin Island und der Atlantikküste liegt der Algonquin Provincial Park. Einer der idealtypischen Parks Ontarios, mit riesigen Waldgebieten, unzähligen Seen und mit einer Vielzahl an Wildtieren. Er ist durchzogen von Wanderwegen und es gibt Campingplätze und allerlei Ausrüster für Outdooraktivitäten.

Der Cape Breton Highlands National Park am Cabot Trail in Nova Scotia besticht mit seiner Küstenlinie. Der Sable Island National Park Reserve ist bekannt für Wildpferde und nur per Flugzeug oder Boot erreichbar. Der Kejimkujik-Nationalpark liegt im Landesinneren Nova Scotias. Seine Seen laden zum Paddeln und Schwimmen ein. Wenige Gäste sind in den Nationalparks in Neufundland und Labrador zu erwarten. Der spannendste ist wohl der Torngat Mountains National Park: Dort befindet man sich bereits auf Höhe der Südspitze Grönlands.

Mehr Infos gibt’s hier: www.pc.gc.ca.

Text: Tom Jutzler