Zurück vom Dach der Welt

Johannes Lau, geboren am 19. Februar 1983, ist ein passionierter Bergsportler und seit 2019 Mitarbeiter bei Globetrotter Ausrüstung in der Abteilung für Bergsport und Fahrrad, in Dresden. Mit beeindruckenden Besteigungen von Gipfeln wie dem Pik Lenin, Spantik, Aconcagua und Himlung Himal hat er seit 2007 bedeutende Erfahrungen im Hochgebirge gesammelt, insbesondere in Nepal. Nun ist er vom 7.246 m hohen Putha Hiunchuli zurückgekehrt. 

In unserem Interview spricht Johannes über seine Erlebnisse und Einsichten aus seiner beeindruckenden Expedition zum Putha Hiunchuli. Seine Geschichten über die physischen und mentalen Herausforderungen, die Bedeutung der richtigen Ausrüstung und Vorbereitung sowie seine Gedanken über Umweltschutz und die Bedeutung von Teamarbeit bieten eine inspirierende Perspektive für alle Outdoor-Enthusiasten. Dieses Interview ist nicht nur ein Einblick in das Leben eines erfahrenen Bergsteigers, sondern auch eine Quelle der Inspiration und Motivation für all jene, die sich für die majestätische Welt des Hochgebirgsbergsteigens interessieren.

Globetrotter: Lieber Johannes, herzlichen Glückwunsch und Willkommen daheim! Wie hast du dich auf die Expedition zum Puhta Hiunchuli vorbereitet?

Johannes Lau: Vielen Dank! Ich habe mich mit Ultra Trails in den Alpen vorbereitet, darunter Strecken von über 60 bis 100 km und bis zu 20 Stunden. Zusätzlich habe ich meinen Arbeitsweg von 40 km oft mit dem Fahrrad zurückgelegt und regelmäßig das Fitnessstudio besucht.

Globetrotter: Welche körperlichen und mentalen Herausforderungen sind mit einer solchen Expedition verbunden?

Johannes Lau: Früher startete ich zu schnell, wollte so schnell sein wie die Sherpas. Jetzt bleibe ich im unteren Pulsbereich und setze mich nicht unter Druck. Wichtig ist auch, viel zu trinken und am Anfang viel zu essen, da die Nahrungsaufnahme in der Höhe abnimmt.

Globetrotter: Welche Ausrüstung hältst du für unverzichtbar bei einer Himalaya-Expedition?

Johannes Lau: Ein guter Schlafsack, eine Isomatte, Expeditionsschuhe für eisige Temperaturen und eine dicke Daunenjacke beziehungsweise ein Daunenanzug sind unverzichtbar. Auch dicke Fausthandschuhe, aus Daune oder PrimaLoft, sind wichtig.

Globetrotter: Wie wichtig ist das Teamwork bei solchen Expeditionen?

Johannes Lau: Bergsteigen ist keine Teamsportart, aber aus Sicherheitsgründen sollte man mindestens zu zweit sein.

Globetrotter: Wie hast du dich ernährungstechnisch auf die Herausforderungen in großer Höhe vorbereitet?

Johannes Lau: Ich habe versucht, 2-3 kg zuzunehmen, da man normalerweise 5-6 kg verliert. Meinen Magen und Darmtrakt habe ich mit Perenterol auf die Expedition vorbereitet. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich starte mit einer »Kur« schon vor der Tour und nehme es dann durch. Vor Ort muss man trinken, trinken, trinken.

Globetrotter: Welche Rolle spielten lokale Sherpas und Guides bei deiner Expedition?

Johannes Lau: Ohne Sherpas, Koch-Team und Guide geht es nicht. Bei unserer Expedition waren 18 Gäste, 5 Sherpas, ein 4-köpfiges Küchenteam und 72 Mulis, die später auf 62 Yaks umgestellt wurden am Start. So etwas kann man nicht so einfach von zu Hause aus organisieren. Es braucht die Partner vor Ort.

Globetrotter: Wie gehst du mit den extremen Wetterbedingungen im Himalaya um?

Johannes Lau: Wichtig ist natürlich die richtige Kleidung. Der Wetterbericht ist entscheidend. Den sollte man immer im Blick behalten. Vor allem die Kälte kann in Kombination mit Wind gefährlich werden. Bei Windgeschwindigkeiten über 45 km/h wird es wegen Erfrierungsgefahr an den Extremitäten und im Gesicht heikel. Da sollte man nichts riskieren.

Globetrotter: Was motivierte dich, den Putha Hiunchuli zu besteigen?

Johannes Lau: Die Region ist kaum touristisch erschlossen. Ich habe auf der ganzen Tour kaum andere Touristen getroffen. Die Ursprünglichkeit des Lebens und der Seltenheitswert der Expedition waren große Anreize. Zwar war unsere Gruppe recht groß, aber ansonsten waren wir ziemlich alleine. Was auch mit der langen Wanderung hin zum Berg zu tun hat.

Globetrotter: Gab es Momente der Furcht oder Unsicherheit während der Expedition?

Johannes Lau: Auf dem Rückweg vom Gipfel gab es ein Whiteout, bei dem die Sicht nur einen Meter weit reichte. Dies führte zu einer beängstigenden Situation, da die Fußspuren nicht mehr sichtbar waren, und ich war froh, als ich ein Orientierungsfähnchen fand, als sich der Himmel kurz aufklarte.

Globetrotter: Wie hast du dich an die große Höhe und die dünne Luft angepasst?

Johannes Lau: Langsames Gehen und das Einplanen von Ruhetagen waren entscheidend. Zusätzlich unternahm ich kleine Ausflüge zu höheren Punkten und kehrte dann zurück, um mich an die Höhe anzupassen, was bis zu einer Höhe von 5.300 Metern gut funktionierte. Ab 5.300 Metern wurde es jedoch anstrengender, da Symptome wie Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen auftraten. Da muss man dann durch.

Globetrotter: Gab es besondere Herausforderungen oder unerwartete Ereignisse während der Expedition?

Johannes Lau: Ja, am Anfang war es sehr heiß, dann gab es Regen und Schnee. Der Wind war bei dieser Expedition signifikant und stetiger Begleiter. Durch viel Schnee im Vorfeld war der Weg besonders herausfordernd, und die Route musste erst gefunden werden. Die Sherpas gingen in einem Abschnitt eine andere Route. Wir haben uns nicht auf den Weg einigen können. Nur auf das Etappenziel. Es sind aber alle angekommen. Zum Glück hatte ich Schneeschuhe dabei. Ohne die wäre es sehr schwierig geworden.

Globetrotter: Wie hast du dich nach der Rückkehr von der Expedition erholt?

Johannes Lau: Nach der Rückkehr habe ich gleich gearbeitet und eine Veranstaltung bei Globetrotter durchgeführt, also gleich eine 12-Stunden-Schicht. Vorher, in Kathmandu, hatte ich mich nach 3 Wochen erstmals geduscht; dort war es angenehm warm. Die Erholung kam mit dem zunehmenden Sauerstoffgehalt der Luft. Bis ich dann zurück in Deutschland war, ging es ganz gut. Die Schicht im Store war machbar.

Globetrotter: Hat die Expedition deine Sichtweise auf das Bergsteigen oder das Leben im Allgemeinen verändert?

Johannes Lau: Ja, insbesondere im Hinblick auf das Thema Umweltschutz. Die vielen Expeditionen in der Region haben mich sensibler für das Müllproblem gemacht. Es ist notwendig, dass wir eine Lösung für den anfallenden Müll finden, was mich sehr nachdenklich stimmt. Dort in den Dörfern und dann später in der Wildnis gibt es ja keine Abfallwirtschaft. Alles muss einfach verbrannt oder vergraben werden. Oder man nimmt alles wieder mit zurück. Es ist etwas, worüber man sich im Klaren sein muss. Da brauchen wir Bergsteiger Ideen!

Globetrotter: Was würdest du anders machen, wenn du die Expedition noch einmal durchführen würdest?

Johannes Lau: Ich würde darauf achten, dass die Gruppengröße angemessen ist. Die Gruppe bei unserer Expedition war etwas groß, was ich beim nächsten Mal im Voraus besser überprüfen würde. Interessanterweise waren von der großen Gruppe am Ende nur ich und ein Sherpa tatsächlich auf dem Gipfel.

Globetrotter: Welche Botschaft oder welchen Rat würdest du angehenden Bergsteigern geben?

Johannes Lau: Es ist wichtig, ruhig anzufangen und nicht gleich einen 7000er als erstes Ziel zu setzen. Es ist besser, Schritt für Schritt vorzugehen, zunächst in den Alpen Erfahrungen zu sammeln und Trekking-Touren zu machen. Man sollte bedenken, dass nicht jede buchbare Tour bei einem Reiseveranstalter für jeden machbar ist.

Globetrotter: Wie unterscheidet sich der Putha Hiunchuli von anderen Gipfeln, die du bestiegen hast?

Johannes Lau: Der Putha Hiunchuli ist sehr windig und steht in erster Reihe in Richtung Indien. Dies führt zu viel Wind und Schnee. Der Berg ist ziemlich flach, was bedeutet, dass sich der Schnee hält und das Gehen schwieriger macht. Außerdem sind auf dem Putha Hiuchuli nur wenige Menschen unterwegs.

Globetrotter: Wie hat dein Arbeitgeber Globetrotter Ausrüstung dich unterstützt?

Johannes Lau: Globetrotter hat mich durch Urlaub und das Sammeln von Überstunden unterstützt. Ich konnte so insgesamt 33 Tage für die Expedition nutzen. Sie stellten auch einen Anzug zur Verfügung und ich profitierte von einem Mitarbeiterrabatt um mich mit weiterer Ausrüstung einzudecken.

Globetrotter: Was kostet eine Reise nach Nepal ungefähr?

Johannes Lau: Die Kosten variieren je nach Art der Reise. Flüge nach Nepal kosten normalerweise zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Unterkunft und Verpflegung sind in der Regel günstig, können aber je nach Komfort variieren. Für eine geführte Trekkingtour über 14 Tage mit einer Agentur inklusive Flug sollte man zwischen 2.200 € und 2.800 € einplanen.

Tipps von Johannes für dein Abenteuer in der Höhe

Das Bewältigen von Höhenlagen kann für Menschen, die nicht an große Höhen gewöhnt sind, eine Herausforderung darstellen, da die Luft dort dünn ist und weniger Sauerstoff enthält. Hier sind einige bewährte Tipps, um die Höhe zu bewältigen.

1. Langsam anpassen: Reduziere dein Aufstiegstempo und gib deinem Körper Zeit, sich an die verminderte Sauerstoffversorgung in großen Höhen anzupassen. Steige nicht zu schnell auf, insbesondere wenn Du über 3.000 Metern bist.

2. Höhenprofil beachten: Plane deine Route so, dass du nach Möglichkeit allmählich ansteigst und Übernachtungen auf mittlerer Höhe einplanst. Dies ermöglicht deinem Körper eine bessere Anpassung.

3. Viel trinken: Halte dich gut hydratisiert, da Dehydrierung die Anpassung an die Höhe erschweren kann. Trinke regelmäßig Wasser und vermeide übermäßigen Alkoholkonsum.

4. Richtige Ernährung: Iss leicht verdauliche Mahlzeiten und vermeide schwere, fettige Speisen. Kohlenhydratreiche Lebensmittel können die Anpassung an die Höhe unterstützen.

5. Vermeidung von Alkohol und Nikotin: Alkohol und Nikotin können die Symptome der Höhenkrankheit verschlimmern. Es ist ratsam, diese Substanzen während deines Aufenthalts in großer Höhe zu meiden.

6. Medikamente: In einigen Fällen kann dein Arzt dir Medikamente verschreiben, um die Symptome der Höhenkrankheit zu lindern oder vorzubeugen. Diese sollten jedoch nur nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.

7. Ausreichend Schlaf: Schlafe ausreichend, um deinem Körper die Erholung und Anpassung zu ermöglichen, die er in großen Höhen benötigt.

8. Achte auf Symptome: Höhenkrankheit kann Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Atembeschwerden verursachen. Wenn Du solche Symptome bemerkst, solltest Du auf niedrigere Höhen absteigen, bis sich dein Zustand verbessert. Ignoriere diese Symptome nicht, da sie in schwereren Fällen lebensbedrohlich sein können.

9. Höhenakklimatisierung: Wenn Du vorhast, dich längere Zeit in großer Höhe aufzuhalten, ist es ratsam, sich an die Höhe zu akklimatisieren, indem Du langsam aufsteigst und regelmäßige Pausen einlegst.

10. Sauerstoff: In einigen Fällen kann die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff die Symptome der Höhenkrankheit lindern. Dies sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Was kostet eine Reise nach Nepal in etwa?

Flugkosten: Die Flugpreise können stark variieren, abhängig von deinem Abflugort, der Reisezeit und der Fluggesellschaft. Ein internationaler Flug nach Nepal kann normalerweise zwischen 1.000 und 1.500 Euro oder mehr kosten.

Unterkunft: Die Unterkunft in Nepal kann sehr günstig sein, insbesondere in einfachen Gästehäusern und Hostels. Die Preise können jedoch je nach Standort und Komfortniveau variieren. In günstigeren Unterkünften kannst Du ab etwa 10 bis 20 Euro pro Nacht übernachten, während hochwertigere Hotels und Resorts mehr kosten können.

Verpflegung: Das Essen in Nepal ist in der Regel erschwinglich. Mahlzeiten in einfachen Restaurants und Straßenständen kosten oft weniger als 5 Euro pro Mahlzeit. In gehobenen Restaurants und touristischen Orten können die Preise etwas höher sein.

Aktivitäten: Die Kosten für Aktivitäten hängen von deinen Interessen ab. Trekkingpermits und Führungsgebühren für beliebte Trekkingrouten wie das Everest Base Camp oder das Annapurna-Base-Camp können zwischen 20 und 40 Euro pro Tag liegen. Andere Aktivitäten wie Rafting, Mountainbiking oder Sightseeingtouren haben unterschiedliche Preise.

Transport: Die Kosten für den Transport variieren je nachdem, wie du sich fortbewegst. Busse und lokale Taxis sind in der Regel günstig, während Inlandsflüge und private Fahrer teurer sein können.

Insgesamt kannst du in Nepal mit einem Budget von etwa 30 bis 50 Euro pro Tag reisen, wenn du sparsam bist. Für einen mittleren bis gehobenen Reisestil solltest du mit einem Budget von 50 bis 100 Euro pro Tag rechnen. Trekking- oder Abenteuerreisen können zusätzliche Kosten verursachen. Es ist ratsam, im Voraus zu planen und dein Budget entsprechend anzupassen.

Für eine geführte Trekkingtour über 14 Tage mit einer Agentur inkl. Flug sollte man mindestens zwischen 2.200 und 2.800 Euro einplanen.



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