Winterreise Quebec

Auch enttäuscht vom letzten Winter, der keiner war? Dann besser jetzt schon die Weichen stellen für ein Schneeabenteuer der Extraklasse nächstes Jahr im kanadischen Québec. Oder reicht es gar noch für einen Nachschlag im April?
Bereits seit 1884 kann man sich dem Château Frontenac ­rutschend nähern.  

Mit einem Schwung bremst man, drückt die Ski­kanten fest in den Schnee und bleibt stehen. Es klappt einfach nicht, gleichzeitig auf die Skipiste und in die Ferne zu gucken. Im Skigebiet Le Massif de Charlevoix muss man ab und zu für die Aussicht anhalten: Am Ende des Skihangs breitet sich der Sankt-Lorenz-Strom aus, und es fühlt sich an, als würde man am Meer Ski fahren. Sagenhafte 25 Kilo-
meter ist der Fluss breit, Eisschollen schwimmen darauf und Containerschiffe bahnen sich ihren Weg hindurch. Kanadas längster Fluss ist nicht nur Augenweide und wichtiger Transportweg, sondern floss auch in den Namen der Provinz Québec ein. In der Algonkin-Sprache bedeutet Kebec so viel wie »dort, wo der Fluss schmaler wird«. Denn dort, wo der Fluss drei Kilometer schmal ist, liegt Québec City.

Die hübsche Stadt ist der ideale Ausgangspunkt für winterliche Tagesausflüge. Skigebiete und Nationalparks erreicht man innerhalb einer Stunde, sodass man am Morgen noch einen Kaffee in der Old Upper Town trinken kann, bevor man in den nächsten Park aufbricht: den Parc national de la Jacques-Cartier etwa, benannt nach dem französischen Entdecker Cartier, der 1534 über den Sankt-Lorenz-Strom nach Kanada kam. Er blieb den ganzen Winter, wenn auch nicht ganz freiwillig, der vereiste Fluss verhinderte seine Rückfahrt. Besser also, man bleibt an Land.

Durch das Gletschertal des Nationalparks führen 20 Kilometer präparierte Fatbike-Trails. Auf den Mountainbikes mit extrabreiten Rädern radelt man nicht nur, man schlittert, rollt, gleitet, vorbei an schneegezuckerten Ahornbäumen und Schwarz­fichten – bis man wieder rasant zum Stehen kommt.

Winter wie im Bilderbuch: mit Huskys durch den Nationalpark.

Ist da ein Elch? Auf gelben Schildern am Wegrand sind Elche, Füchse und Baumstachelschweine abgebildet. Es ist wieder still. Nichts bewegt sich. Ein Tritt in die Pedale, die groben Stollen greifen sofort, weiter geht es in den Wald hinein.

Beim Abendessen zurück in Québec City, bei Poutin­­e und einem Boréale Blonde, erinnert man sich an einen weiteren kanadischen Wintertraum: eine Hunde­schlittenfahrt. Nordwestlich des Sankt-Lorenz-Stroms liegen die Laurentinischen Berge, wie dafür gemacht. Es gibt populäre Skigebiete wie Mont-Tremblant, aber auch weite Niemandsland-Fläche­­n. Fünf Huskys ziehen den Schlitten durch den Schnee wie die Könige des Winters, über die weißen Ebenen, gefrorenen Seen und Flüsse und durch Wälder. Mit Fausthandschuhen hält man sich gut fest. »Go« heißt los, »Whuuu« stopp. Die Huskys sind in ihrem Elemen­­t, und dick eingepackt wird man noch mehr vom Nordlandfieber mitgerissen.

Man könnte ja noch Eisangeln lernen oder abends in einer Yurte statt einem Pub einkehren. Die Schneesaison dauert von November bis Ende März, vielleicht April. Genug Zeit, um noch mehr Winterträume auszuprobieren.

Text: Cindy Ruch
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