Wildcampen in Deutschland: Was ist erlaubt und welche Alternativen gibt es?

Wildcampen übt auf viele Outdoor-Liebhaber einen besonderen Reiz aus. Doch: Was ist eigentlich erlaubt und welche Möglichkeiten gibt es? Ein Überblick.

Sebastian Stiphout

Ganz allein auf einer Lichtung aufwachen oder unter dem freien Sternenhimmel direkt an einem See einschlafen: Einfach irgendwo in der Natur sein Lager aufzuschlagen, übt auf viele Outdoor-Begeisterte großen Reiz aus. Doch nicht überall ist das erlaubt. Die Fakten – und mögliche Alternativen.

Was ist Wildcampen?

Grundsätzlich gilt: Wildcampen ist in Deutschland verboten. Darunter versteht man das Übernachten im Zelt, Camper, Wohnmobil, Dachzelt oder ähnlichem an Orten in der Natur, die nicht als Campingmöglichkeit benannt sind und dir nicht gehören. Das bloße Lagern, um etwa eine Rast einzulegen, fällt nicht darunter. Heißt also: Das Zelt auf der Wiese an einem See aufzuschlagen, mit dem Camper auf einem Forstweg stehen zu bleiben oder mitten im Wald ein Lager aufzuschlagen ist nicht erlaubt, insofern du dort übernachten möchtest, und kann zu einer hohen Geldstrafe führen (üblicherweise zwischen 10 und 2.500 Euro). Verstöße werden in letzter Zeit häufig geahndet.

Ohne Zelt einfach unter freiem Himmel zu schlafen oder im Winter in einem Iglu zu übernachten, nennt sich biwakieren. Das ist in Deutschland erlaubt, insofern es aus einer Notsituation heraus geschieht. In den meisten Bundesländern darfst du für eine solche Notüberachtung auch ein Tarp, also eine Schutzplane, aufspannen. Da Bergwacht, Ranger und Förster allerdings damit rechnen, nur in notgeratene Naturliebhaber nachts anzutreffen, haben Taschenlampen oder gar offenes Feuer oft schon Rettungseinsätze ausgelöst. Man sollte mit nächtlichem Besuch rechnen. In besonders geschützten Bereichen ist auch biwakieren aus Naturschutzgründen untersagt.

Wie ist die Rechtslage zum Wildcampen in Deutschland?

Die Rechtslage in Deutschland ist nicht ganz klar und je nach Bundesland gelten im Detail andere Regeln. Vor allem, was das Betretungsrecht angeht. Daher ist bei jeder Outdooraktivität wichtig, sich vorab darüber zu informieren, ob du dich in dem Gebiet überhaupt aufhalten darfst. Im Bundesnaturschutzgesetz Kapitel 7 steht dazu: »(1) Das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung ist allen gestattet (allgemeiner Grundsatz). (2) Das Betreten des Waldes richtet sich nach dem Bundeswaldgesetz und den Waldgesetzen der Länder sowie im Übrigen nach dem sonstigen Landesrecht.«

Insbesondere ist aber überall in Deutschland das Übernachten etwa in Naturschutzgebieten oder Nationalparks verboten. In Bayern beispielsweise drohen laut Bußgeldkatalog beim Wildcamping in geschützten Gebieten mit dem Zelt Strafen von 15 bis 500 Euro und mit dem Wohnmobil von bis zu 2.500 Euro. Handelt es sich um Privatbesitz, solltest du vorab den Eigentümer um Erlaubnis bitten, auf seinem Grund dein Nachtlager aufzuschlagen oder mit dem Camper dort zu stehen. Tust du das nicht, kann er dich anzeigen. Fragen kostet nichts und wer freundlich ist, hat gute Chancen auf eine positive Antwort – und nette neue Kontakte.

Wenn du mit dem Camper oder dem Wohnmobil unterwegs bist, darfst du an öffentlichen Plätzen, wo es nicht ausdrücklich durch die allgemeinen Regelungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) oder durch Verkehrszeichen untersagt ist, für eine Nacht schlafen, um die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen. In der Regel geht man dazu von etwa zehn Stunden aus. Aber Achtung: Schlafen ist nicht campen. Heißt, die Campingmöbel bleiben im Fahrzeug und auch sonst darfst du dich an dem Platz nicht häuslich einrichten. Nur die Reifen berühren den Boden.

Wo in Europa ist Wildcampen erlaubt?

In Österreich ist die Regelung ähnlich wie in Deutschland, das Wildcampen ist verboten und Biwakieren unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Wie genau die Regelungen sind, unterscheidet sich ähnlich wie in Deutschland auch je nach Bundesland: In Kärnten, Niederösterreich und Tirol ist das Zelten außerhalb von Campingplätzen verboten, in Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg gibt es kein explizites Verbot, die Gemeinden können jedoch Einschränkungen festlegen. Eine vorherige Abklärung ist deshalb empfehlenswert. Aktuelle Informationen gibt’s auf der österreichischen Plattform oesterreich.gv.at.

Italien und die Schweiz sehen das etwas lockerer, hier kommt es aber stark auf die Region und die Zeit an, ob du dein Zelt in der freien Natur aufschlagen darfst. Die Strafen können aber – insbesondere in der Schweiz –  empfindlich hoch sein. Ebenso beim Biwak. In Ländern wie Portugal, den Niederlanden oder Kroatien beispielsweise ist auch das verboten.

Sicher hast du schon einmal etwas vom »Jedermannsrecht« gehört. In Bezug auf das Wildcampen gibt es das in den Skandinavischen Ländern Finnland, Schweden und Norwegen. Hier ist Wildcampen für alle erlaubt, die nicht-motorisiert unterwegs sind. Wer statt mit dem Zelt mit dem Camper übernachten möchte, darf das nur an Rastplätzen oder am Straßenrand. Achtung: In Dänemark gibt es dieses Recht nicht, hier sind die Regelungen ähnlich wie bei uns in Deutschland.

In Schottland ist Wildcampen (ohne Auto) erlaubt. Die genauen Bestimmungen dafür findest du im »Scottish Outdoor Access Code«. Wohnmobile und Camper sollten sich an speziell ausgewiesene Stellplätze halten.

Was muss ich beim Wildcampen beachten?

Ob nun mit dem Zelt oder dem Camper, im Biwaksack oder in einer Hängematte: Wer in der Natur übernachtet, muss diese achten und mit seinem Verhalten schützen. Gerade dort, wo Wildcampen nicht ausdrücklich verboten ist, sondern nur geduldet wird, kann der respektlose Umgang mit dem Schlafplatz dazu führen, dass es zu Verboten kommt. Auch Geldbußen sind möglich. Um unserer Natur mit deinem Outdoor-Abenteuer nicht zu schaden, solltest du diese Punkte unbedingt beachten:

  • Alles wieder mitnehmen: Lass‘ auf keinen Fall deinen Müll oder andere Gegenstände an deinem Nachtlager zurück. Daher ist es wichtig, immer eine Tüte für Essensreste, Verpackungen und Co. dabeizuhaben. Auch Bananenschalen und Apfelreste nimmt man wieder mit nach Hause.
  • Ruhig sein: Laut Musik hören und bis in die Nacht hinein laut unterhalten, solltest du vermeiden, um die Nachtruhe der Tiere oder Anwohner nicht zu stören.
  • Kein Feuer machen: Nur dort, wo es ausdrücklich erlaubt ist, solltest du in der Natur ein Lagerfeuer machen. Gerade in den trockenen Sommermonaten und in Waldgegenden ist die Brandgefahr enorm.
  • Toiletten aufsuchen: Gerade wer im Zelt oder kleinen Camper unterwegs ist, hat keine Toilette dabei. Meist bieten sich öffentliche Toiletten oder Restaurants an. Das große Geschäft solltest du nicht in der Natur hinterlassen.

Welche Alternativen zum Wildcampen gibt es?

Es gibt gute Alternativen zum Wildcampen in Deutschland, die komplett legal sind und dem Naturerlebnis in nichts nachstehen. Zum Beispiel gibt es je nach Region einige Plätze, die extra zum Übernachten ausgeschrieben sind. Verstärkt gibt es auch immer mehr Trekkingplätze in einigen Bundesländern (siehe unten), die du für einen kleinen Betrag buchen kannst.

Für alle, die mit Camper oder Wohnmobil unterwegs sind, bieten sich solche Trekkingplätze natürlich nicht an. Doch auch für diese Outdoor-Urlauber gibt es Plattformen, mit denen »Wildcampen« ganz einfach und legal möglich ist. Wir haben euch vier davon herausgesucht:

  • Alpaca Camping: Nein, mit Alpacas hat das nichts zu tun. Auf dieser Plattform können Landwirte oder andere Grundbesitzer Flächen anbieten, etwa an einem Weinberg, auf einer Wiese oder direkt auf ihrem Hof, wo du dich mit deinem Fahrzeug hinstellen und übernachten kannst. Je nach Platz kostet das meist zwischen 5 und 25 pro Nacht und Fahrzeug.
  • Landvergnügen: Mit einer Jahresmitgliedschaft von 50 Euro hast du die Möglichkeit, bei verschiedenen ländlichen Gastgebern in ganz Deutschland für maximal eine Nacht mit deinem Fahrzeug zu stehen und dort zu übernachten. Hast du einen passenden Stellplatz gefunden, kannst du die Besitzer einfach anrufen und deinen Besuch ankündigen.
  • Campspace: Ähnlich wie »Alpaca Camping« funktioniert diese Plattform, auf der du nach Plätzen zum Übernachten suchen kannst – ob mit dem Van, Zelt oder Wohnmobil. Hier findest du auch außerhalb von Deutschland tolle Orte in der Natur, an denen du gegen Bezahlung campen darfst.
  • Park4Night: Mit dieser App kannst du nach Wohnmobilstellplätzen, Campingplätzen oder Parkplätzen im Grünen suchen und dabei auf die Bewertungen anderer Nutzer zurückgreifen. Meist sind Details zu Kosten, Regelungen sowie Bilder verfügbar. Du kannst in der App deine Lieblingsplätze markieren und direkt deine Route dorthin planen. Aber Achtung: In diese App kann jeder Stellplätze eintragen, daher sind nicht alle angegebenen Stellplätze auch automatisch legale Stellplätze. Hier muss man etwas gesunden Menschenverstand mitbringen.

Globetrotter Experten-Interview

Jana und Patrick Heck sind echte Experten für Biwakplätze und deren Besuch mit Kindern. Im Kurzinterview geben sie Tipps, worauf man achten muss.

Globetrotter Tipp: Fünf Regionen in Deutschland mit tollen Biwakplätzen zum Wildcampen

In den vergangenen Jahren sind in Deutschland in vielen Regionen Biwak- und Trekkingplätze eingerichtet worden – teils mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail. Wir haben fünf besondere Tipps für dich:

1. Sachsen, Elbsandstein, Forststeig

Simon Michalowicz

Wer im Elbsandsteingebirge (linkselbisch) auf dem Fernwanderweg Forststeig unterwegs ist, findet dort insgesamt vier Biwakplätze –perfekt für ein innerdeutsches Trekkingabenteuer. Die Plätze dürfen von April bis Oktober genutzt werden. Das Übernachten in bis zu fünf Zwei-Personen-Zelten in der Zeit von 16 bis 10 Uhr jeweils für eine Nacht erlaubt. Zuvor ist ein Pflegebeitrag zu bezahlen (Trekkingticket). Die Biwakplätze haben eine Schutzhütte für schlechtes Wetter und eine Sitzgruppe aus Holz. Außerdem haben die Plätze je eine Komposttoilette – Toilettenpapier ist selbst mitzubringen, Trinkwasser ebenfalls. Reservierung nicht erforderlich, kostenpflichtig. Mehr Infos: www.forststeig.sachsen.de


2. Baden-Württemberg, Schwarzwald

Naturpark Südschwarzwald e.V. / S. Schröder-Esch

In insgesamt neun Trekking-Camps im gesamten Schwarzwald, die von Mai bis Oktober gebucht werden können, ist das Übernachten im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, im Nationalpark Schwarzwald sowie im Naturpark Südschwarzwald ganz offiziell erlaubt. Die Camps liegen alle abseits der Ortschaften, sind nur zu Fuß zu erreichen und verfügen über Stellplätze für bis zu drei Zelte, eine Feuerstelle und ein kleines Toilettenhäuschen. Mehr nicht. Wasser und Verpflegung müssen die Trekker selbst mitbringen, Müll muss wieder mitgenommen werden. Viel schöner kann man in der Natur nicht nächtigen! Reservierung erforderlich, kostenpflichtig. Mehr Infos: www.trekking-schwarzwald.de


3. Rheinland-Pflanz, Rhein-Hunrück, Soonwaldsteig

Naturpark Soonwald-Nahe

Entlang des Soonwaldsteigs gibt es vier perfekt gelegene Trekkingcamps. Frei nach dem Prinzip: »Hinterlasse nichts, außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit, außer deinen Eindrücken« wurden die Camps naturnah konzipiert: Mit nur sechs Lagerplätzen, einer Feuerstelle und einer Toilette ausgestattet, bieten sie alles für ein kleines Abenteuer. Lärmen ist tabu – der Fokus liegt auf der Erholung in der Stille. Straßen befinden sich zwar in der Nähe, mit dem Auto kommt man jedoch nicht zu den Plätzen. Hier sind eine naturnahe Erholung und Abenteuerfeeling bei der Übernachtung garantiert! Reservierung erforderlich, kostenpflichtig. Mehr Infos: www.soonwaldsteig.de


4. NRW/Rheinland-Pfalz, Eifel

Naturpark Nordeifel e.V. / Nils Nöll

Trekking – das bedeutet Wandern mit Rucksack und Zelten mitten in der Natur, auf eigene Faust. Im »Naturpark Hohes Venn – Eifel« ist das problemlos möglich: Auf abgeschiedenen Naturlagerplätzen kannst Du ganz legal Dein Zelt aufschlagen – und die Idylle der Natur genießen. Wer einmal von dort den Sternenhimmel gesehen hat, wird ihn so schnell nicht wieder vergessen. Jeder Naturlagerplatz ist mit einer Komposttoilette ausgestattet und bietet auf einer Zeltplattform Platz für bis zu zwei Zelte. Alle Standorte sind nur zu Fuß über Wanderwege erreichbar. Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Reservierung erforderlich, kostenpflichtig. Mehr Infos: www.trekking-eifel.de


5. Bayern, Altmühltal, Bootsrastplätze

Sebastian Stiphout

Die Altmühl ist ein ideales Kanurevier für Anfänger und Familien – inkl. perfekter Infrastruktur an Bootsvermietern. Auch an die Mehrtagestouren-Paddler ist gedacht: Nach einem langen Tag auf dem Fluss können sie direkt am Wasser in freier Natur übernachten. Zu diesem Zweck wurden entlang der Altmühl eigene Bootsrastplätze zum Übernachten ausgewiesen – die aber gerne auch von Wanderern und Radfahrern genutzt werden dürfen. Die maximale Übernachtungsdauer beträgt zwei Nächte, Gruppen (ab 10 Personen) müssen sich die Plätze über das Informationszentrum Naturpark Altmühltal reservieren lassen. Reservierung nicht erforderlich, kostenpflichtig. Mehr Infos: www.naturpark-altmuehltal.de


Text: Globetrotter
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