Wide Path Camper: Der Wohnwagen fürs Fahrrad

Bei Mehrtagestouren mit dem Fahrrad hatte man bislang zwei Möglichkeiten: vollkommen autark mit Zelt in den Biketaschen oder komfortabel von Gästezimmer zu Gästezimmer. Mit dem Wide Path Camper kommt nun noch eine weitere Möglichkeit dazu. Er ist ist das Tiny House fürs (E-)Bike, lässt sich fast überall aufstellen und macht auch noch Eindruck.

»Ein Zimmer auf Achse vom Fahrrad gezogen – so einfach die Idee. Knifflig wird es bei all den gewichtsreduzierenden Detaillösungen.«

— Thomas Pedersen, Wide Path Camper

Am Zielort klappst du den Camper in wenigen Minuten auseinander und bekommst einen geräumigen Platz, in dem du nicht nur schlafen, sondern bei schlechtem Wetter auch essen kannst. Seit 2021 gibt es den Wide Path Camper fürs Fahrrad auch bei Globetrotter. Thomas Pedersen vom dänischen Hersteller Wide Path Camper erklärt, wie sein Unternehmen überhaupt zu dem Fahrradanhänger gekommen ist, wie die KäuferInnen ticken und was das Tiny House auf Rädern so besonders macht.

Thomas, Zweiräder sind ja schon immer Teil eures Unternehmens. Nur hatten die meist ein bisschen mehr PS, oder?

Das stimmt. Unser Familienunternehmen entstand Anfang der 1980er-Jahre auf Motorrad-Rennstrecken. Ich bin zuerst Rennen in Dänemark und anderen skandinavischen Ländern gefahren, später habe ich auch an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. Zu dieser Zeit habe ich den Grundstein für unser Unternehmen gelegt, indem ich Ersatzteile verkauft und Kontakte zu zahlreichen Händlern hergestellt habe. Mittlerweile bin ich aber nicht mehr selbst auf der Rennstrecke unterwegs, dafür aber mein Sohn Michael. Er hat schon die dänische Meisterschaft im Superbike gewonnen und ebenfalls an Europameisterschaften teilgenommen.

Und wie fand der Wide Path Camper den Weg in euer Unternehmen?

Unser Sortiment umfasst vor allem motorgetriebene Zwei- und Dreiräder. Dazu verkaufen wir allerlei Ersatzteile. Für Produkte mit besonderen Ideen haben wir aber immer ein offenes Ohr. Und der Wide Path Camper ist definitiv etwas Besonderes. Als wir ihn das erste Mal gesehen haben, waren wir von der Idee dahinter gleich begeistert und haben mit seinem Erfinder Kontakt aufgenommen und uns letztlich die Lizenz gesichert. Das war 2017.

Was macht den Camper so besonders?

Mal abgesehen davon, dass es sowieso schon besonders ist, mit einem Wohnwagen am Fahrrad unterwegs zu sein, ist der Camper sehr einfach zu bedienen. Man braucht weder viel Kraft noch viel Zeit, um ihn zu montieren und auszuklappen. Außerdem lässt sich der Anhänger mit verschiedenen Zubehörteilen ausstatten. Unsere KundInnen schätzen vor allem die komplette Ausstattung, also inklusive Tisch, Stühlen und anderen praktischen Teilen. Dann muss ich mich um nichts kümmern und kann einfach raus in die Natur.

An welche KundInnen verkauft ihr den Camper am häufigsten?

Der Großteil unserer KäuferInnen kommt nach wie vor aus Europa. Die meisten von ihnen gehen einfach gerne campen, zu zweit oder allein. Wer mit zwei Fahrrädern unterwegs ist, kann den Anhänger wunderbar gemeinsam nutzen und die Zweisamkeit genießen. Aber sicher ist der Camper auch interessant für diejenigen, die einfach gerne unabhängig reisen wollen und sich am liebsten selbst versorgen. Dazu eignet sich der WPC natürlich gut, schließlich lässt er sich auch mit einer Solarzelle ausstatten.

Warst du selbst schon damit unterwegs?

Leider bin ich immer sehr beschäftigt, für Urlaub bleibt da nicht viel Zeit. Wenn ich aber doch mal ein paar Tage freimachen kann, gehe ich gerne campen und habe natürlich auch den WPC ausprobiert. Ich war gerade zur Anfangszeit einige Male in Dänemark unterwegs und habe seine Funktionen getestet, um zu erfahren, wie wir den Anhänger noch verbessern können. Dänemark ist da ideal: viele Campingplätze, wenige Anstiege.

»Wir waren bei Thomas in Dänemark zu Besuch. Dort liegt nicht nur Benzin in der Luft, sondern auch Erfindergeist. Die Liebe und das Know-how, mit dem an jedem Bauteil – sprichwörtlich – gefeilt wird, hat mich begeistert.

— Nico Thomas, verantwortet das Camping-Sortiment bei Globetrotter

Am Hauptsitz des dänischen Unternehmens TMP werden die Wide Path Camper hergestellt und in alle Welt ausgeliefert. Mehrere hundert Anhänger verlassen jedes Jahr die Produktionshalle. Tendenz steigend.

Was habt ihr an dem Camper verändert, seit ihr ihn 2017 ins Sortiment aufgenommen habt?

Wir haben alle Teile des Anhängers neu entwickelt. Dazu haben wir Zeichnungen am Computer erstellt und stellen beinahe alle Teile hier in Dänemark her. Grund für die Neuentwicklung war das Ansinnen, so viel Gewicht wie möglich einzusparen. Dabei haben uns unsere Erfahrungen mit den Rennmotorrädern geholfen, die ja auch möglichst leicht sein müssen. Auch jetzt entwickeln wir den Camper ständig weiter und planen weitere Varianten herauszubringen.

In der Standardausstattung wiegt der Camper knapp 90 Kilo. Braucht man dafür zwingend ein E-Bike?

Nicht unbedingt, das kommt ganz auf den Einsatzort und natürlich auch auf die persönliche Fitness an. In flachen Ländern wie den Niederlanden kann der Camper problemlos mit einem normalen Fahrrad ohne Antrieb gezogen werden. Wer aber in bergigen Gegenden wie Österreich und der Schweiz unterwegs ist, dem empfehle ich auf jeden Fall ein E-Bike. Je nach Art der Tour natürlich mit einem entsprechend starken Akku.

Seit 2021 gibt es den Camper auch im Sortiment von Globetrotter. Wie kam es dazu?

Wir sind von Globetrotter kontaktiert worden, was uns sehr gefreut hat. Unser Camper passt schließlich gut zu den KundInnen hier, die ja alle gerne Zeit draußen verbringen und Neues ausprobieren. Nachdem wir die Zusammenarbeit mit unseren Ansprechpartnern als sehr nett und professionell erlebt haben, freuen wir uns, mit unserem Camper ein Teil von Globetrotter zu sein.

Die wichtigsten Fakten zum Wide Path Camper

  • 6 gute Gründe für einen Wide Path Camper
    1. Der Anhänger ist zusammengeklappt nur 1,5 Meter kurz.
    2. Der Camper lässt sich einfach per Weber-Deichsel an dein E-Bike koppeln.
    3. Am Zielort klappst du den Bicycle Camper ganz einfach und in wenigen Minuten auseinander.
    4. Der Tisch im Inneren bietet bis zu vier Erwachsene Platz.
    5. Im Bett kann man durchaus auch zu zweit liegen.
    6. Unter dem Bett hast du bis zu 300 Liter Stauraum.
  • Alle Details auf einen Blick
    • Fahrrad-Campinganhänger zum Ausklappen
    • Hartschalenkonstruktion; Heckteil wird über Front geklappt
    • Leicht zu bedienendes Faltsystem
    • In nur drei Minuten schnell aufzubauen, ohne Werkzeug
    • Klare Fenster aus bruchsicherem Polycarbonat
    • Korpus aus UV-beständigem Kunststoff
    • Sitzecke in ein Bett umwandelbar
    • Nachttisch am Kopfende
    • Mit Auflaufbremse für sicheres Fahren
    • Eingebaute Führungsschiene für das Sun Cover
    • Wasserfester Sperrholzboden
    • Belüftungsöffnung im Boden vorn
    • Mit einfach zu bedienendem Stützrad
  • Maße und Daten
    • Außenmaß gefaltet (LxBxH): 149 cm x 97 cm x 175 cm
    • Außenmaße ausgeklappt (LxBxH): 285 cm x 97 cm x 175 cm
    • Höhe im Camper: 142 cm (bequeme Sitzhöhe)
    • Bettgröße: 200 cm x 90 cm
    • Tischgröße innen: 50 cm x 75 cm
    • Höhe Camper-Fußboden über Erdboden: 50 cm
    • Stauraum: 300 Liter
    • Polsterdicke (Sitzbank bzw. Bett): 5 cm PU
    • Gewicht: 88 kg
    • Mit Weber E-Kupplung für Lastenanhänger (bis 100 kg Zuglast)

PIONIERE WIE WIR: Unser Start-up Programm

Globetrotter ist das Zuhause von Suchenden. Seit 1979 treffen sich Abenteurer und Pioniere bei uns, um sich über Erfahrungen auf der ganzen Welt auszutauschen. Und um Ausrüstung für Vorhaben zu entwickeln, die niemand zuvor gewagt hat. Damals waren wir selbst ein kleines Outdoor-Start-up mit nichts als einer Idee, Mut und Leidenschaft. Das InnoLab Start-up-Projekt führt diesen Weg fort: Es bietet Produkt-Pionieren freien Gestaltungs-Raum für ihre Innovationen.


Über das InnoLab

Unser Base-Camp für den Aufbruch in die Zukunft: Mit dem InnoLab geben wir unserem Pioniergeist ein Zuhause. Das Lab bietet Raum für neue Wege, Denkweisen und Arbeitsmethoden – intern und extern. Neben Projekten zur Start-up-Förderung, Campus-Stipendien oder Materialforschung entwickelt das InnoLab Ausstellungen, initiiert Kooperationen und widmet sich den Themen der Zukunft.

Text: Nina Probst