Planer: Wandern an der Côte d’Azur

Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles was du für eine Wanderreise an die Côte d'Azur wissen musst, erklären wir in diesem Artikel.

Inhalt:

Globetrotter Infos: Frankreich

Sprachen: Französisch.
Einwohner: 67,5 Millionen.
Größe: 544.000 km² in Europa, und somit etwa um die Hälfte größer als Deutschland. Rechnet man die Überseegebiete mit (Französisch-Guayana, Martinique, Guadeloupe, Réunion, Mayotte), sind es 643.000 km².
Bevölkerungsdichte: 122 Einwohner pro km² (Deutschland: 233 Einwohner pro km²).
Geld: Euro (€).
Zeitverschiebung: keine.
Reisezeit: Grundsätzlich das ganze Jahr möglich.
Reisebudget: Je nach Ansprüchen 50 € – 150 € pro Tag plus Anreise..

2 Fakten zur Côte d’Azur

1) An der Côte d´Azur versinken die Alpen im Mittelmeer, der Hauptkamm macht aber ein Stück weiter nördlich einen Bogen nach Osten und geht dann ins Apennin über.
Insbesondere im östlichen Teil zwischen Menton und Cannes ist die Küste felsig und steil, die nächstgelegenen hohen Gipfel sind nicht weit entfernt. Von Menton aus sind es gerade einmal rund 40 Kilometer Luftlinie zum südlichsten Dreitausender der Alpen, dem Mont Clapier (3045 m).

2) Einem Gesetz, dem loi littoral, ist es zu verdanken, dass die Küste für die Öffentlichkeit zugänglich ist und niemand ein Haus mit privatem Zugang zum Meer besitzen darf. Das schließt auch die teuersten Grundstücke Frankreichs am Cap Ferrat ein. Dort enden die Anwesen der Steinreichen wenige Schritte vor der Küstenlinie oft an einer Mauer oder einem Zaun, der letzte Meter gehört der Allgemeinheit. Dort verläuft meistens ein Sentier Littoral (Küstenweg), der aber an der Felsküste durchaus sportlichen Charakter haben kann.

Warum ist die Côte d’Azur eine gute Wanderregion?

Die traumhafte Landschaft mit Bergen und dem azurblauen Meer ist die perfekte Kulisse für Wanderungen in verschiedenen Varianten, von einfachen Touren auf breiten Wegen bis zu anspruchsvollen Unternehmungen in steilem Felsgelände. Ein dichtes Netz aus markierten Wanderwegen überspannt den gesamten Küstenstreifen samt Hinterland. Ein großer Pluspunkt ist außerdem das Klima: In keiner französischen Region gibt es mehr Sonnenstunden als an der Côte d’Azur. Sogar im Winter gibt es Tage mit T-Shirt-Wetter, während es in Deutschland meistens deutlich kälter ist.

Wo liegt die Côte d’Azur genau?

Die französische Mittelmeerküste zwischen Cassis (20 Kilometer östlich von Marseille) und Menton an der italienischen Grenze nennt sich Côte d´Azur. Dazu kommt auch noch das nahe Hinterland. Der Küstenstreifen von Marseille bis Cassis zählt oft auch noch dazu, dort befindet sich der Nationalpark Calanques mit den »Fjorden des Mittelmeers«.

Was sind lohnende Wanderungen an der Cote d’Azur?

Ein wahrer Segen für Wanderurlaube an der Côte d´Azur sind die markierten Küstenwege. Auf einem Sentier Littoral kann man sich kaum verlaufen, denn der Pfad verläuft fast immer direkt am Ufer. So kannst du ohne große Vorbereitungen an einem Ort starten und den gelben Markierungen praktisch beliebig lang folgen. Einer der schönsten Abschnitte ist die Umrundung der Halbinsel Presqu´île de Giens zwischen Toulon und Saint-Tropez.

Sehr zu empfehlen ist außerdem der Nationalpark Calanques, der unmittelbar am östlichen Stadtrand von Marseille beginnt. Krasser könnte der Unterschied von lärmiger Großstadt und unberührter Natur kaum sein. Wenn du mit dem Bus z.B. zum Stadtteil Les Goudes fährst, beginnt praktisch hinter der Bushaltestelle das Landschaftserlebnis. Das Meer hat dort tiefe Kerben in das karstige Felsgelände geschnitten. Aber Achtung: bei vielen Touren sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert.

Von den zahlreichen Inseln gibt es eine, die für eine Wanderung besonders zu empfehlen ist: die Île de Port-Cros im gleichnamigen Nationalpark, etwa in der Mitte zwischen Marseille und Menton. Die Fähre legt in einer kleinen Bucht an, dann geht es auf schmalen Pfaden in einigem auf und ab um die hügelige Insel mit der Steilküste im Süden. Im Gegensatz zur Nachbarinsel Porquerolles gibt es zur Île de Port-Cros nur wenige Überfahrten mit der Fähre, entsprechend ruhig ist es auf den Wanderwegen.

Wenn es an der Küste zu warm zum Wandern ist, kannst du im östlichen Bereich der Côte d´Azur schnell ins Hinterland ausweichen und eine Bergtour unternehmen. In den Alpes Maritimes (Seealpen) warten steile Aufstiege zu Gipfeln mit sensationeller Aussicht über die Bergwelt und das Mittelmeer.

Und noch ein Tipp: Eine sehr ergiebige Quelle bei der Suche nach Tourenvorschlägen ist das französische Tourenportal: www.visorando.com

Gibt es auch Mehrtagestouren an der Côte d’Azur?

Für eine mehrtägige Tour bietet sich der Fernwanderwg GR52 Balcons de la Méditerrannée zwischen Menton und Marseille an. Wie alle Wege in Frankreich der Kategorie GR (=Grande Randonnée) ist die Route mit rot/weißen Markierungen versehen und führt immer wieder an Unterkünften vorbei. Der GR52 verläuft allerdings nicht durchgehend an der Küste, sondern weicht an mehreren Stellen ins Hinterland aus, um Städte weiträumig zu umgehen. Die komplette Route ist über 500 Kilometer lang und lässt sich auf 20 bis 25 Etappen verteilen. Oder man pickt sich einzelne Abschnitte für eine kürzere Tour heraus.

Was muss ich beim Wandern an der Cote d’Azur beachten?

Obwohl viele Routen nicht in alpiner Höhe, sondern nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel verlaufen, muss man sich auf ähnliche Wege einstellen wie in den südlichen Alpen. Oft sind die Pfade recht steinig und ziehen sich durch abschüssige Hänge, in felsigem Gelände müssen auch mal die Hände zupacken. Wichtig ist deswegen vor allem gutes Schuhwerk: halbhohe Trekkingschuhe sind für die meisten Touren eine gute Wahl.

Bei der Wegfindung helfen meistens Farbmarkierungen: gelbe bei kleinen Routen, rot/weiße bei den Fernwanderwegen GR. Manchmal findet man auch blaue oder grüne Striche auf Steinen oder Baumstämmen. Trotzdem sollte man eine Touren-App aufs Smartphone laden und seine Routen aufzeichnen. Dann findest du immer wieder zum Startpunkt zurück. Für Neulinge eignet sich z.B. die kostenlose Rother App sehr gut.

Ein großes Problem im gesamten mediterranen Raum sind Waldbrände. Vor allem im Sommer kommt es zu großflächigen Bränden, die erst nach Tagen unter Kontrolle gebracht werden können. Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann üble Folgen haben. Immer wieder sperren die Behörden Wanderwege bei akuter Gefahr.

Zwar gibt es an den Wegen oft Infotafeln und Wegweiser, aber meistens nur auf Französisch. Ein digitales Wörterbuch oder ein Online-Übersetzungsprogramm helfen weiter, falls du die Sprache nicht beherrschst. Ein paar Floskeln sollte man sich auf jeden Fall merken, vom »bonjour« als Gruß über »comment arriver à..?« (wie komme ich nach..?) bis zu »bon courage!« beim Abschied vor einem schwierigen Wegabschnitt.

Welche Stadt an der Côte d’Azur sollte ich gesehen habe?

  • Marseille gehört streng genommen nicht mehr zur Côte d´Azur, aber der Urlaub beginnt oder endet hier normalerweise. Der Ruf von Frankreichs zweitgrößter Stadt war nicht immer der beste, doch ein oder zwei Tage muss man hier einfach verbracht haben. Die schöne Altstadt, der alte Hafen (vieux port) oder das Wahrzeichen der Stadt, das auffällige Gotteshaus Nôtre-Dame-de-la-Garde auf einem Hügel sind Orte, die man gesehen haben muss.
  • Cassis liegt am östlichen Ende der Calanques, also nicht weit von Marseille entfernt. Der Ort ist einer der hübschesten an der gesamten Küste. Ein Geheimtipp ist das allerdings nicht, an manchen Tagen kann es ziemlich voll werden.
  • Saint-Tropez ist mit seinen gerade einmal rund 4500 Einwohnern eigentlich nur ein Dorf. Im Sommer ist der Ort gnadenlos von Touristen überlaufen, im Winter kannst du das Postkarten-Idyll bei einem Kaffee am Hafen deutlich ruhiger genießen. Was man von den riesigen Luxusjachten halten soll, bleibt einem selbst überlassen.
  • Cannes liegt in einer weiten Bucht. Direkt vor der Altstadt befindet sich der Hafen, von wo aus Fähren zu den Îles de Lerin fahren, die direkt vor der Stadt aus dem Meer ragen und ein schöner Ort für einen Kaffee mit Aussicht sind.
  • Nizza liegt in der »Engelsbucht« im Osten der Côte d´Azur. Dort kann man durch die große Altstadt bummeln, wo abends immer etwas los ist. Oder entlang der Küste am Boulevard des Anglais an Palmen vorbei Spazieren gehen.
  • Am anderen Ende der Küste, im Hinterland von Nizza und Cannes, sind in die steilen Berghänge und auf Hügeln im Mittelalter einige der schönsten Dörfer Frankreichs gebaut worden, die Villages perchés. Enge Straßen mit unzähligen Kurven führen in Orte wie Gourdon, Gilette, Cabris, Aspremont, Courmes, Saint-Paul-de-Vence, Eze-Village, Saint-Agnès, etc. Die Anfahrt lohnt sich.
Calanques
Villa Eilenroc
Zug Côte d'azur

Welche Badebuchten sollte ich an der Cote d’Azur nicht verpassen?

Die meisten Strände und Badebuchten sind im Sommer gut besucht. Wer es gerne ruhiger mag, kann aber zu Fuß noch einen einsamen Strand in einer unberührten Bucht entdecken. Der Weg führt meistens über einen Sentier Littoral, manchmal kommt man also vor der Abkühlung im Meer ganz schön ins Schwitzen.

Mehrere einsame Buchten gibt es östlich von Saint-Tropez. Entweder von dort der Küste zu Fuß folgen, oder mit dem Auto zum Plage de Gigaro fahren und von dort Richtung Osten über den Küstenweg Richtung Cap Lardier gehen. Unterwegs kommt man an mehreren Badebuchten vorbei, die zumindest im Spätsommer einsam sind. Auch von Cassis aus lassen sich zu Fuß ein paar sehr ruhige – und schöne – Buchten erreichen. Vom Ort aus immer in Nähe der Küste bis zur Calanque d´en Vau gehen. Der letzte Abstieg in die Bucht ist allerdings ziemlich steil.

Welche kulinarische Highlights an der Cote d’Azur sollte man probieren?

  • Während in französischen Bäckereien vor allem das Stangenweißbrot Baguette angeboten wird, gibt es in der Provence samt Côte d´Azur häufig Fougasse, das aus weichem Hefeteig und Olivenöl hergestellt wird, ähnlich wie Focaccia in Italien.
  • Die Fischsuppe Bouillabaisse ist wohl eines der bekanntesten Gerichte aus dem Südosten Frankreichs. Für den typischen Geschmack sorgen Gewürze und bestimmte Sorten Fisch aus dem Mittelmeer, wie z.B. Rotbarbe, Dorade, Wolfsbarsch, Seeteufel oder Meeraal.
  • Ähnlich wie in Lokalen am Atlantik findet man auch auf vielen Speisekarten an der Côte d´Azur Moules Frites. Gemeint sind gekochte Miesmuscheln mit Pommes Frites.
  • Wer es lieber vegetarisch mag, bestellt Ratatouille. Für den geschmorten Eintopf verwendet man Zucchini, Tomaten, Paprika, Auberginen und Zwiebeln. Ursprünglich soll das Rezept aus der Gegend von Nizza stammen.
  • Ebenfalls aus Nizza stammt der längst überall bekannte Salade niçoise mit Tomaten, Paprika, Bohnen, Oliven, gekochtem Ei und Sardellen oder Thunfisch.
  • Seit Generationen leben Einwanderer aus Nordafrika in Südfrankreich. Deswegen gibt es viele Restaurants mit orientalischer Küche, von Couscous bis zu Tajine.
  • Natürlich gibt’s auch jede Menge süße Spezialitäten, wie vor allem Nougat mit einer klebrigen Masse aus Zucker, Eiweiß, Mandeln, Pistazien und Honig.

Was für kulturelle Highlights bietet die Cote d’Azur?

Kaum eine andere Region Europas hat Kunstschaffende so inspiriert wie der Südosten Frankreichs. Entsprechend hoch ist die Dichte an wirklich guten Museen, in denen die Werke ausgestellt werden. Empfehlenswert sind z.B. das Musée Chagall in Nizza oder das Musée Jean Cocteau in Menton. Zu den Promis unter den Malern zählt natürlich auch Pablo Picasso, der zeitweise in Vallauris gelebt hat. Dort kann man außer dem Museum auch Orte besuchen, an denen der Künstler Spuren hinterlassen hat.

Jedes Jahr im Winter – meistens im Februar – findet der Karneval in Nizza statt, der in einer Liga spielt mit dem Karneval von Rio de Janeiro oder Venedig. Über eine Million Menschen kommen dann nach Nizza, um das Treiben zu feiern.

Um eine Übersicht über das riesige Angebot an kulturellen Veranstaltungen zu bekommen, solltest du die Homepage des jeweiligen Orts aufrufen, in dem du dich aufhältst, wie etwa: marseille.fr, toulon.fr, cannes.com, hyeres.fr, nice.fr etc.

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Was kann dort noch für Outdoor-Aktivitäten unternehmen?

In vielen Küstenorten gibt es einen Hafen mit einem Bootsverleih, wo man von kleinen Jollen bis zu Motorseglern alle möglichen Wasserfahrzeuge anmieten kann. Voraussetzung ist meistens ein Bootsführerschein. Außer dem Preis für die Miete muss normalerweise noch eine Kaution hinterlegt werden.

Einfacher ist es, an einem organisierten Segeltörn teilzunehmen. Auch Anfänger können zwischendurch mal Hand anlegen, der Seegang ist meistens nicht allzu wild. Das kann aber auch dazu führen, dass die Segel stundenlang schlaff bleiben. Anbieter findest du mit wenigen Klicks im Internet.

Je nach Bedingungen zieht es viele Windurfer oder Wellenreiter aufs Meer, besonders im Golf von Saint-Tropez. Während sich der Hype ums Kitesurfen mittlerweile etwas gelegt hat, gibt es eine neue Trend-Sportart: Jetsurfen. Angetrieben von einem Elektromotor schwebt man dann mit dem Surfbrett etwa einen halben Meter über dem Wasser, die schnellsten schaffen bis zu 60 km/h.

Auch in den Bergen kann man sich halsbrecherisch auf dem Wasser bewegen, wenn man sich in den Schluchten in einem Kanu von den Fluten mitreißen lässt. Die Verdonschlucht gilt unter Experten als legendär.

Oder man bewegt sich zu Fuß durch den reißenden Strom in einer Schlucht. Einige Anbieter organisieren Canyoning-Touren, auf denen man sich mit einem Seil gesichert durch die Schlucht bewegt. Auch hierfür ist die Verdonschlucht die erste Adresse.

Die Berge der Seealpen laden außer zu Trekkingtouren natürlich auch zum Klettern ein, im Nationalpark Mercantour nördlich von Nizza findest du für alle Bergaktivitäten die perfekte Kulisse.

Wann ist die beste Reisezeit für die Cote d’Azur?

Der Winter von Dezember bis Februar ist für Wanderungen an der Küste gut geeignet. Oft sind die Temperaturen mild und die Luft ist relativ klar. Auf den Seealpen im Hintergrund liegt schon Schnee, am schönsten zu sehen von der Küstenstraße westlich von Cannes bei Théoule-sur-Mer. Außerdem sind die Kosten für die Unterkunft deutlich günstiger als im Sommer.

Im Frühling von März bis Mai sieht man schon wieder mehr Touristen in den Küstenorten als im Winter, dennoch ist die Jahreszeit für Trekkingtouren völlig ok. Im Mai kann es schon wieder relativ warm werden. Falls es einmal zu heiß wird, kannst du in die Seealpen ausweichen.

Der Sommer von Juni bis August gehört den Badeurlaubern, die allermeisten Unterkünfte sind dann belegt und ziemlich teuer. In den Seealpen beginnt im Juni die Saison für Bergtouren in alpinem Gelände. Im August sind normalerweise die Dreitausender schneefrei. Ein echtes Highlight im Sommer ist natürlich die Blütezeit der Lavendelfelder.

Der Herbst von September bis November eignet sich sowohl für Küsten- als auch Bergtouren ideal. Selbst die felsigen Berggipfel im Mercantour bleiben meistens bis in den Spätherbst schneefrei. Die Bergwege sind dann oft nur schwach frequentiert, auf den Küstenwegen ist eigentlich immer etwas los.

Wie viel Zeit sollte ich für eine Wanderreise die Cote d’Azur einplanen?

Natürlich hat auch ein Kurztrip seine Reize, aber für eine Reise entlang der ganzen Küste von Menton nach Marseille (oder umgekehrt) mit Aufenthalt in mehreren Orten sollte man schon 14 Tage Zeit haben. Für eine Trekkingtour zwischen den beiden Städten über den GR52 (siehe Mehrtagestouren) muss man schon vier Wochen einplanen.

Ist die Cote d’Azur auch ein Reiseziel mit Kindern?

Auf jeden Fall. Seit Jahrzehnten ist die Tourismusbranche auf Familien eingestellt. Deswegen gibt es unzählige Möglichkeiten zur Kinderbespaßung. Eine Ausnahme sind die Großstädte Nizza, Cannes, Toulon und Marseille. Die Küste hat besondere für die Kleinen Besseres zu bieten als Lärm und dichten Verkehr.

Was muss mit auf die Packliste für die Côte d’Azur?

Je nach Jahreszeit benötigt man entsprechend leichte oder dicke Bekleidung. Für Trekkingtouren unbedingt gute Wanderschuhe mit solider Sohle einpacken, um nicht bei jedem Schritt die Steine auf dem Weg zu spüren. Die Sonne darf man nicht unterschätzen, deswegen macht eine Kopfbedeckung Sinn, Sonnencreme sowieso. Teleskopstöcke geben in unwegsamen Gelände guten Halt, ansonsten reicht die Standard-Ausrüstung, die auch für andere Wandergebiete geeignet ist.

Für das Smartphone gibt’s einige Apps, die nützlich sein können, wie z.B. eine Tourenapp, dazu kann man vorab eine Offlinekarte für die Region installieren; ein digitales Wörterbuch macht ebenfalls Sinn, falls man ohne Netzabdeckung schnell die Übersetzung der Speisekarte braucht. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist eine Pflanzenerkennungs-App, um im Zweifel genießbare von giftigen Früchten unterscheiden zu können. Für die Côte d´Azur besonders gut geeignet ist PlantNet, die App wurde in Frankreich entwickelt. Damit man nicht bei leerem Akku unvermittelt in der digitalen Steinzeit landet, sollte eine geladene Powerbank im Rucksack nicht fehlen.

Ist es überall an der Côte d’Azur sehr teuer?

Das Preisniveau für Übernachtungen oder Lokale ist in allen beliebten Küstenorten sehr ähnlich. Je näher am Meer gelegen, umso mehr klettert der Preis in die Höhe. Große Preisunterschiede gibt es zwischen Neben- und Hauptsaison. Im Sommer ist die selbe Unterkunft oft drei Mal so teuer wie beispielsweise im billigsten Monat November. Auch Parkplätze oder Eintrittskarten sind in der Hauptsaison oft teurer als sonst, Fahrkarten für Bus und Bahn natürlich nicht.

Wie verständige ich mich an der Côte d’Azur?

Es ist keine Überraschung, dass praktisch alle fließend Französisch sprechen, abgesehen von einigen Touristen. Obwohl den Franzosen der Ruf anhaftet, nicht gerne Fremdsprachen zu lernen, wird man in den meisten Hotels auf jemanden treffen, der gut Englisch spricht, manchmal sogar Deutsch.

Eine gute Möglichkeit, die Sprachbarriere zu überwinden, ist das Nutzen einer Übersetzungs-App, z.B. Google Translator. Da manche Wörter aber verschiedene Bedeutungen haben, lassen sich kleine Missverständnisse nicht immer vermeiden.

Wenn du dir aber vor der Reise etwas Zeit nimmst, kannst du relativ schnell 100 Begriffe oder Redewendungen im Kurzzeitgedächtnis speichern. Kostenlose Apps gibt’s online.

Wo übernachtet man an der Côte d’Azur am besten?

Die Reisekasse entscheidet über die Art der Unterkunft. Am billigsten ist es normalerweise auf Campingplätzen. Es gibt durchaus Plätze in sehr schöner Lage, z.B. in Agay im Esterelmassiv, westlich von Cannes. Von Oktober bis März sind aber die meisten Zeltplätze geschlossen. Wild campen ist an manchen Orten erlaubt, an anderen verboten, z.B. am Meer oder in Naturschutzgebieten.

Die Reise mit einem Wohnmobil ist in Frankreich generell relativ beliebt. Außerhalb von Campingplätzen gibt es aber einige Einschränkungen, über die man sich vorher besser informieren sollte.

Bleibt man nur kurz an einem Ort, dann wird man in einem Hotel oder in einer Pension (auberge) ein Zimmer nehmen. Auf den Onlineportalen gibt’s eine gute Übersicht für die Hoteldichte in der gewünschten Gegend und das aktuelle Preisniveau.

Wer aber drei Tage oder länger im gleichen Ort bleiben möchte, sollte darüber nachdenken, ein Appartement zu buchen. In der Nebensaison stehen die meisten Ferienwohnungen leer, deswegen gibt’s dann für kleines Geld oft gute Unterkünfte. Wegen der einmaligen Pauschale für die Endreinigung und die Bearbeitungsgebühr lohnt sich das erst für einen Aufenthalt von mehreren Tagen.

Lieber geführt oder individuell reisen?

Zwei Gründe sprechen für eine organisierte Gruppenreise: Erstens lernt man neue Leute kennen, zweitens spart man sich die Zeit für Recherche und Organisationsarbeit.

Ansonsten spricht vieles für eine individuell organisierte Reise: Frankreich ist nicht viel anders strukturiert als Deutschland, man findet sich schnell zurecht und braucht eigentlich nicht unbedingt Hilfe, um die Reise selbst zu gestalten. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, selber Entdeckungen zu machen. Spontane Änderungen der Pläne sind dann kein Problem.

Vielleicht könnte es aber interessant sein, an einer Tagestour in den Bergen teilzunehmen. Von einheimischen Guides erfährst du sicher Dinge, die anderen verborgen bleiben. Online findet man solche Angebote schnell.

Wilde Côte d'azur
Buch von Cannes
Sandstrand südlich von Saint-Tropez

Wie komme ich am besten an die Côte d’Azur?

Auf dem Luftweg: Es gibt täglich Direktverbindungen von mehreren deutschen Flughäfen nach Marseille (MRS) oder Nizza (NCE). Von dort gibt es Busse in die Innenstädte. Wenn man früh bucht, kostet der Flug nicht viel mehr als ein Mal falsch parken in Marseille.

Mit der Bahn: Auch mit der Bahn gibt es Direktverbindungen von deutschen Städten nach Marseille. Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV braucht z.B. nur acht bis neun Stunden von Frankfurt nach Marseille, bei früher Buchung sind die Tickets nicht teuer. Wenn du nach Nizza möchtest, sieht das schon weniger günstig aus. Dann dauert die Fahrt 14 Stunden, vier Mal muss man umsteigen.

Mit dem Bus: Zwar kommt man mit dem Fernbus z.B. von Frankfurt mit nur ein Mal umsteigen nach Marseille, die Fahrt dauert aber mehr als 20 Stunden.

Mit dem PKW, Motorrad oder Wohnmobil: Im Beispiel Frankfurt/Marseille dauert die Fahrt etwas länger als mit dem TGV. Die Route führt über Lyon und das Rhonetal auf der A7, der Autoroute du Soleil, bis nach Marseille. Nach Nizza fährt man am besten durch die Schweiz, dann über Mailand und die italienische A10, die Autostrada dei Fiori, bis nach Menton und Nizza. Wer genug Zeit hat, fährt über Genf nach Grenoble und dann über die landschaftlich herausragende Landstraße Route Napoléon bis nach Cannes. Alle Autobahnen außerhalb Deutschlands sind mautpflichtig, mit einem Wohnmobil wird’s vor allem in Frankreich richtig teuer.

Wie reise ich vor Ort an der Côte d’Azur?

  • Mit dem Zug: Entlang der Küste gibt es eine Bahnlinie, die alle etwas größeren Orte miteinander verbindet. Fahrplan: www.sncf.fr
  • Mit dem Bus: Ähnlich wie in Deutschland gibt es in den größeren Städten samt Umland ein relativ enges Netz an Buslinien. Eine gute Seite, auf der man alle Verbindungen finden kann (nicht nur in Frankreich) ist www.rome2rio.com
  • Mit dem Fahrrad: Der Radsport genießt in Frankreich einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland. Trotzdem ist das Netz aus Radwegen nicht wirklich gut. Zu oft müssen sich Radfahrer und PKW die engen Straßen teilen.
  • Mit dem Auto: Die Autobahn A8, die Provençale, verbindet oft etwas abseits der Küste Aix-en-Provence mit Menton bzw. der italienischen Grenze. Entlang der Strecke gibt es immer wieder Mautstellen, die den Verkehrsfluss bremsen und die Reisekasse etwas schmelzen lassen. Auf den Küstenstraßen geht es deutlich langsamer voran, im Hochsommer bildet sich eine endlose Kolonne, die sich nur im Schneckentempo bewegt.

Was sind die ungefähren Kosten einer Reise an die Côte d’Azur?

In der Low-Budget-Variante bucht man für einen günstigen Termin die Zugfahrt hin und zurück für 150 Euro. Dazu kommen 50 Euro am Tag für Übernachtung im Zelt, Mahlzeiten und Busfahrkarten. Mit ein wenig mehr Komfort sind schnell 80 Euro oder mehr am Tag verbraucht, nach oben ist diese Kalkulation natürlich völlig offen.

Der Autor und sein Bezug zur Côte d’Azur:

Autor Marokko Reiseplaner

Michael Wellhausen, Journalist und Reiseführer-Autor

Die erste Fernreise als 15-jähriger mit Schulfreunden sollte nicht folgenlos bleiben: Nach zwei Wochen Côte d´Azur mit einem Minimal-Budget stieg er zur Heimfahrt in den falschen Zug und wurde kurz vor Bordeaux vom Schaffner an die frische Luft gesetzt. Trotzdem blieb eine tief verwurzelte Begeisterung für die vielleicht schönste Küste der Welt und die Berge im Hinterland.

Später nutze Michael die Semesterferien für Reisen nach Afrika, durch vermintes Gelände der Westsahara mit einem Rebellen der Polisario als Guide. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war eine Trekkingtour in Kaschmir, die eine nachhaltige Begeisterung für die hochalpine Bergwelt ausgelöst hat.

Schließlich beginnt Michael Wellhausen, seine Bergtouren zu publizieren. Es folgen Reportagen aus dem Irak für deutsche Tageszeitungen. Außerdem ist er Autor für Wanderführer des Rother Verlag: Zuerst über Marokko, dann Armenien und – die Côte d´Azur. Aktuell sind drei weitere Projekte in Arbeit, darunter ein Reiseführer für Kirgistan und Usbekistan. Den Reiseplaner Marokko hat er auch schon für Globetrotter geschrieben.

Text: Michael Wellhausen
Autor: