Wandern mit Kindern

Kinder bedeuten Veränderung. Das ist auch in der Freizeit so und speziell bei familiären Outdooraktivitäten wie Wandern mit Kindern. Doris Kordon vom Deutschen Alpenverein weiß, was es für den perfekten Familien-Wanderausflug braucht.

Doris Kordon ist beim Deutschen Alpenverein Bildungsreferentin für Familienbergsteigen. In dieser Funktion plant und organisiert sie Bildungsangebote und Veranstaltungen für Familien und betreut die Kampagnen »Mit Kindern auf Hütten« und »Bergferien«. Zu ihren Aufgaben gehören die Leitung des Lehrteams und der Kommission Familienbergsteigen.

Warum sollte ich mit Kindern raus gehen?

Die Natur und die Berge sind ein einmaliger Erlebnisraum für Kinder. Dort können sie sich ausprobieren, die Natur erleben, aktiv sein, spielen und Abenteuer erleben. Kinder brauchen keinen Gipfel. Sie suchen stattdessen spannende Abenteuer und Geheimnisvolles in der Natur und in den Bergen. Begegnungen mit Tieren und Pflanzen sind eindrucksvoll für sie; Wasser lädt immer zum Spielen ein. Besonders spannend wiederum kann für Kinder eine Übernachtung auf einer einfachen Hütte in den Bergen sein.

Wenn wir als Erwachsene versuchen, in die Kinder-Perspektive zu wechseln, tun wir uns leichter, sie zu verstehen. Sie nehmen uns mit in ihre Natur. Durch ihre Augen lernen wir die ganze Welt neu kennen. Wer sich als Erwachsener auf die kindliche Erlebniswelt ein- und sich von der Fantasie und Entdeckerlust der Kinder mitreißen lässt, wird ähnlich viel Freude wie die Kleinen haben. Langeweile ausgeschlossen.

Ist es nicht kindgerechter einen Spielplatz zu besuchen, als eine anstrengende Wandertour zu machen?

Spielplätze sind okay, aber kein Spielplatz kann so reichhaltig, voller Varianten, Abenteuer und Leben sein, wie die Natur mit ihren Pflanzen, Tieren, Blumen, dem Wetter, Steinen, Wasser, Feuer, tageszeitlichen Veränderungen und unterschiedlichen Menschen, die man unterwegs trifft. Ihre Berufe sind meist ganz andere, als die der Eltern und regen so die Fantasie der Kinder an.

Famillienwandern rund ums »Brünnsteinhaus« (1342 m) und den »Brünnstein« (1634 m)bei Oberaudorf.
Jens Klatt / DAV Famillienwandern rund ums »Brünnsteinhaus« (1342 m) und den »Brünnstein« (1634 m)bei Oberaudorf.

Was zeichnet eine kindgerechte Wanderung aus?

Das Kind ist der Chef. Planung und Durchführung sollten sich nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Kinder richten, gerne auch die Kinder bei der Planung berücksichtigen: Was interessiert Euch? Wasser, Steine, Bäume, Felsen … Wichtig ist:

  • die Gehzeiten und Pausen den körperlichen Voraussetzungen und dem Alter der Kinder anpassen
  • ausreichend Pausen einplanen
  • gute Vesper mitnehmen
  • schon im Vorfeld schon überlegen: Wo man etwas am oder im Wasser bauen, etwas mit Blättern basteln, eine Schnitzeljagd machen, Spiele wie »mit verbunden Augen das Umfeld erforschen« spielen kann.

Als Richtwert lassen sich die folgenden Touren-Gehzeiten empfehlen. Wichtig ist dabei allerdings immer die Tagesform des Kinds zu beachten, denn diese schwankt im Kindesalter stärker als bei Erwachsenen:

  • 3-6 Jahre: 3-4 Stunden
  • 6-10 Jahre: bis zu 5 Stunden
  • 10-14 Jahre: 6-7 Stunden

Empfehlungen zu Outdooraktivitäten für jedes Kindesalter findest du auf der Webseite des Alpenvereins: Unsere Empfehlungen, für welches Alter welche Aktivitäten geeignet sind, findest du hier: Link 1 | Link 2

Wie motiviere ich meine Kinder fürs Wandern?

Jens Klatt / DAV Wenn es um die Motivation geht, darf es auch mal Extragewicht kosten: hier eine Lupe.

Das beginnt bereits vor der Tour mit der Planung. Hier gilt es, die Kinder früh zu integrieren. Ein Highlight könnte beispielsweise sein, die Route vorher aufzuzeichnen und zu malen – mit allen Besonderheiten in der Natur wie Wasser, Höhlen und natürlich Hütten und Unterständen. Diese Karte kommt dann mit auf Tour und ermöglicht den Kindern, selbst die Wanderung zu verfolgen. Unterwegs gilt es dann, ausreichend Pausen zum Spielen, Basteln und Erkunden einzuplanen. Als begleitende Erwachsene sollte man darauf achten, auch selbst nicht am oberen Limit der körperlichen Belastbarkeit zu sein. Das geht mit Kraxe, einem Kind auf den Schultern oder beim Hopserlauf schneller, als man denkt.

Worauf sollte ich besonders achten, wenn ich mit Kindern unterwegs bin?

  • Gute Planung: Gehzeiten, Wetter, Pausen, Route müssen an das »schwächste« Mitglied der Gruppe angepasst sein und viel Abwechslung bieten.
  • Passende Ausrüstung, ggf. Wechselklamotten: Ein Familienausflug kann schnell zur Materialschlacht werden. Es gilt einen Mittelweg zwischen nötiger Ausrüstung und unnötigem Zusatzgewicht zu finden.
  • Genug zu Trinken und Essen: Gummibärchen können müde Kinderbeine wieder zum Laufen bewegen.
  • Nette Gesellschaft: Am besten mit anderen Kindern und Familien zum Wandern starten. »Wie weit ist es denn noch?« wird wesentlich seltener zu hören sein!

Was sind gut Ziele fürs Wandern mit Kindern?

Alles, was den Kindern im jeweiligen Alter Spaß macht: abwechslungsreiche Landschaften mit Wasser, Felsen, Höhlen, Blumen, Pflanzen, Almen, Pfade statt Forstwege. Am besten in Wohnortnähe, um lange langweilige Anfahrten zu vermeiden. Mit Superlativen kann man bei kleinen Kindern kaum punkten, ob es nun der höchste Berg Deutschlands ist oder ein Aussichtspunkt in der Eifel, ist ihnen egal. Mit »gewöhnlichen« Zielen haben meist die Eltern ein größeres Problem als die Kinder. Ausflug ist Ausflug! Das ändert sich bei Jugendlichen.

Was ist bei der Tourenplanung zu beachten?

Eine sorgfältige Tourenplanung verhindert Stress, Enttäuschung und vielleicht sogar Gefahr. Sie führt außerdem zu positiven und vertrauensstärkenden Erlebnissen bei den Kindern.

  • Beim Wandern mit Kindern die Bedürfnisse und Vorraussetzungen aller Familienmitglieder gleichberechtigt bewerten und in die Tourenplanung einfließen lassen.
  • Planung frühzeitig beginnen und Gepäck und Proviant am Vortag packen, um Stress am Morgen zu verhindern. Früh mit genügend Zeitreserven starten.
  • Die Tour anhand der körperlichen Verfassung, Fitness und Interessen der Teilnehmer bewerten. Abkürzungen, verschiedene Tourenziele einplanen, um auf der Tour dynamisch auf die Tagesform reagieren zu können.
  • Höhen und Gefahren werden von Kindern anders wahrgenommen. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit der Kinder bei der Planung berücksichtigen. Absturzgefährliches Gelände meiden oder ganz bewusst entsprechendes Sicherheitsequipment mitführen.
  • Das Wetter ist am Vortag und am Morgen vor Start zu prüfen, um dann die richtige Entscheidung treffen zu können. Gehen wir, gehen wir nicht, was brauchen wir, wo gehen wir hin? Gewitter in den Bergen sind immer sehr gefährlich und können lebensbedrohend sein.
DAV / Jens Klatt Neue Prager Hütte am Großvenediger: Antrieb war ein Becher Kakao.

Was ist bei der Touren-Ernährung zu beachten?

Alles was schmeckt, Energie liefert und vielleicht sogar noch zum Gipfelsturm antreibt, gehört in den Rucksack. Dabei sollte man das Energie-Gewicht-Verhältnis im Blick haben. Da grade Kleinkinder ihren Proviant noch nicht selbst tragen, kann es sonst für die Erwachsenen anstrengend werden. Verpackungsmüll sollte man vermeiden und einen kleinen Müllsack mitführen.

Bewegung an der frischen Luft fördert bei allen den Appetit. Unterschätze also nicht den Hunger deiner kleinen MitwandererInnen. Eine Überraschung in Form von Schokolade, Gummibärchen oder sommerlichem Obst hat schon viele Kinder auf den Gipfel getrieben.

Wenn es die Zeit und auch das Gepäck zulassen, kann die Zubereitung eines warmen Essens – zum Beispiel einer Tütensuppe oder eines Instant-Gerichts – zu einem Highlight beim Wandern mit Kindern werden. Entsprechende Kocher gibt es heute im Hosentaschenformat.

Eine gesunde Brotzeit besteht aus ausreichend Flüssigkeit, Obst, Gemüse und einem Brot.

Welche Ausrüstung brauche ich fürs Wandern mit Kindern?

Wie bei uns Erwachsenen bestimmt insbesondere das Terrain die Ausrüstung. Kinder bewegen sich meist gekonnt und sicher durchs Gelände. Ihre Alltagsbekleidung setzen sie tagtäglich auf dem Spielplatz und in der Schule Belastungen aus, wie wir es nur von großen Touren kennen. Für viele Ausflüge liegt somit schon die passende Ausrüstung im Kinder-Kleiderschrank parat. Einige Details sollte man allerdings beachten:

  • Wanderschuhe: Wenn wir auf einer Tour die Bergstiefel herausholen, sollten auch die Kinder entsprechend besohlt sein. Das zeigt ihnen, dass sie dazugehören und erhöht die Trittsicherheit am Berg. Eine wasserdichte Membran hat sich bei Kindern bewährt, da sie vergleichsweise wenig schwitzen, aber immer wieder die Nähe zum Wasser suchen. Die Schuhgröße sollte immer wieder kontrolliert werden, da Kinderfüße schnell wachsen.
  • Kleidung: Diese sollte leicht sein, locker sitzen und schnell trocknen. Auch bei Kindern sollte man auf das Zwiebel-Prinzip setzen. Grade bei Kleinkindern gehört Wechselkleidung ins Gepäck. Wenn das Wetter umschlägt, es sehr kalt wird oder regnet, ist es wichtig, den geeigneten Schutz für alle Kinder und Erwachsene dabei zu haben.
  • Rucksack: Ein vollwertiges Gruppenmitglied ist man aus Sicht vieler Kinder erst, wenn man sein Gepäck selbst trägt. Der Rucksack muss altersgerecht sein. Maximal zehn Prozent des eigenen Körpergewichts sollte er beladen wiegen.
  • Sonnenschutz: Maximalen Sonnenschutz bieten lange Bekleidung, eine Sonnenmütze mit Schirm, Sonnenbrille und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Vom Start-Up Ajuma gibt es einen kleinen UV-Strahlenmesser. Dieser warnt vor erhöhter UV-Belastung und verhindert Sonnenbrand.
Jens Klatt / DAV Die Familienwanderung endet nicht nach der Hüttenankunft. Da heißt es für die Erwachsenen, die Kräfte gut einzuteilen.

Was gilt es bei Kleinkindern in der Kraxe zu beachten?

Die Kinderkraxe ermöglicht es jungen Familien, ihre Kleinkinder mit auf Tour zu nehmen. Das ist aber erst möglich, wenn die Kinder alleine, frei und über einen längeren Zeitraum sitzen können. Meist ist dies mit einem Jahr der Fall. Vorher können Babys körpernah in einem Tuch mit auf Tour. Hierbei ist zu beachten, dass die Kinder der Körperwärme und dem Schweiß des Tragenden direkt ausgesetzt sind. Entsprechend ist Wechselkleidung einzuplanen. In der Kraxe verhält es sich anders: Hier kühlen die Kinder schneller aus, da sie sich an exponierter Stelle befinden und nicht von der Körperwärme des Tragenden profitieren. Besonders im Winter muss man darauf achten, dass die Kleinen nicht auskühlen.

Kraxen-Kindern sollte man in den Pausen immer die Möglichkeit geben, sich zu bewegen. Besser noch: Sie dazu animieren, kürzere Wegstrecken selbst zu laufen.

Das Tourenportal des Alpenverein bietet beste Planungstools für Wanderungen mit Kindern – nicht nur in den Alpen.

Gibt es auch Kinderwagen-Wanderungen?

Kinderwagen sind für eine spezielle Altersgruppe ein guter Weg, mit in die Berge zu kommen. Allerdings bleibt man auf Forstwege und breitere Pfade beschränkt. Unter www.alpenvereinaktiv.com lassen sich Touren gezielt nach Kinderwagentauglichkeit filtern. Dafür einfach im Suchfeld »Wandern mit Kinderwagen« und die entsprechende Region eingeben. Für das Allgäu haben wir eine solche Liste bereits vorbereitet: Wanderungen mit Kinderwagen im Allgäu

Was gehört in die Familien-Notfall-Ausrüstung?

Die klassische Erste-Hilfe-Ausrüstung für den Outdoor-Bereich reicht auch für Familien aus. Ich packe außerdem noch Pflaster (wasserfest) in ausreichender Anzahl ein, sowie ein kühlendes Gel für Hautabschürfungen und Mückenstiche. Beides ist nicht lebensnotwendig, kann aber eine Tour retten oder zumindest das »Leid« mildern.

Weitere tipps zum Thema Sicherheit findest du auf der Webseite vom DAV: Apropos Sicherheit

Wo finde ich weitere Inspirationen fürs Wandern mit Kindern?

Es gibt unzählige Literatur zu bestimmten Destinationen und speziell zum Reisen mit Kindern. Zum Thema Familienbergsteigen bietet der Alpenverein ein Portal mit vielen nützlichen Tipps: www.alpenverein.de/Bergsport/Familie/. Speziell für Übernachtungen auf familienfreundlichen Hütten und Bergferien mit Kindern gibt es zwei Broschüren.

Sucht man Kontakt zu Gleichgesinnten, sind die Sektionen des Deutschen Alpenvereins ein guter Anlaufpunkt. Fast alle besitzen Familiengruppen. Ausgebildete FamiliengruppenleiterInnen wissen genau, was man mit Kindern machen kann, wo Gefahren lauern und vermitteln auch nachhaltiges Verhalten in der Natur.

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