So startest du sicher in die Wander-Saison
Die Vögel zwitschern, die ersten Blumen sprießen – wenn der Frühling erwacht, zieht es Wanderfans hinaus in die Natur. Im Flachland spricht nichts dagegen. Doch in den Mittelgebirgen und erst recht in den Alpen sollte man bei den ersten Touren der Saison einige Dinge beachten.
Während es unten im Tal schon angenehm frühlingshaft ist, hat sich in der Höhe der Winter noch nicht ganz zurückgezogen und mit ihm lauern typische Gefahren. In diesem Artikel erfährst du, worauf du dich beim Wandern im Frühling einstellen solltest – und wie du mögliche Gefahren souverän meisterst.
Das Wichtigste vorab: Schneelage ermitteln
Schnee birgt auf einer Frühjahrswanderung verschiedene Gefahren – dazu gleich mehr. In keinem Fall solltest du von Alt- oder Neuschnee überrascht werden. Informiere dich deshalb vorab, ob und wo genau auf einer möglichen Wanderroute noch oder wieder Schnee liegt. Am besten nutzt du dazu mehrere Möglichkeiten parallel:
- Schau dir die geplante Wanderroute auf einer Karte genau an. Achte dabei vor allem auf die Höhe und die Himmelsrichtung der Hänge, auf denen die Wege verlaufen. Faustregel: Je höher die Lage, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass dort Schnee liegt. Und während Südhänge im Frühjahr oft schon schneefrei sind, können sich an schattigen Nordhängen Schneereste bis in den Sommer hinein halten.
- In Onlineforen wie der Gipfelkonferenz kann man Tourenberichte anderer Bergsportler:innen lesen. Auch Facebook-Gruppen sind eine gute Quelle für aktuelle Informationen.
- Webcams ansehen. Vor allem Skigebiete sind gespickt mit Kameras, die einen Eindruck von der Schneelage in den umliegenden Bergen vermitteln.
- Viele Berghütten sind auch im Frühling geöffnet. Zögere nicht, dort anzurufen. Die Wirtsleute geben gerne Auskunft über die Schneelage auf den umliegenden Wegen.
- Wettervorhersage verfolgen und prüfen, ob der Winter in den Bergen vielleicht ein Comeback feiert.
Wichtig ist: Wenn du dir unsicher bist, wähle lieber eine Tour durch sonniges und niedrig gelegenes Gelände, das zuverlässig schneefrei ist.
Auf keinen Fall solltest du unreflektiert den Empfehlungen aus Wanderführern, dem Internet oder Touren-Apps folgen. Diese beschreiben in der Regel die Verhältnisse in der warmen Jahreszeit und berücksichtigen nicht die Besonderheiten des Frühlings.
Lawinengefahr bei Frühlingswanderungen
Auch wenn im Tal schon alles grün ist, kann in höheren Lagen noch so viel Schnee liegen, dass Lawinen abgehen können. Für Wanderer sind vor allem Lawinen gefährlich, die sich von selbst lösen, über Wege gleiten und zufällig vorbeikommende Personen mitreißen. Solche Gleit- oder Nassschneelawinen sind typisch für den Frühling und lösen sich meist mit zunehmender Tageserwärmung und Sonneneinstrahlung. Dementsprechend ist die Gefahr ab den späten Vormittagsstunden und an sonnenexponierten Süd- und Osthängen am größten.
Das kannst du tun, um die Lawinengefahr zu reduzieren:
- Betrete keine Regionen, die im Lawinenlagebericht als gefährdet ausgewiesen sind.
- Mache einen großen Bogen um Risse in der Schneedecke und meide vor allem darunter liegende Bereiche. Solche sogenannten Fischmäuler sind oft die Vorstufe einer Gleitschneelawine.
- Wenn man potenziell lawinengefährdete Ost- und Südhänge queren muss, dann in den Morgenstunden, solange die Sonneneinstrahlung die Schneedecke noch nicht destabilisiert hat.
- Besondere Vorsicht vor Rinnen! In steilen Bachläufen gehen im Frühjahr häufig Lawinen ab. Solche Gefahrenbereiche zügig queren, und am besten einzeln!
Informiere dich vor der Tour, ob für deine geplante Route Lawinengefahr besteht. Informationen dazu findet man in den regionalen Lawinenlageberichten. Diese werden in der Regel bis in den April hinein täglich aktualisiert.
Altschneefelder – eine tückische Gefahr
Wer im Frühjahr wandert, wird oft mit Altschneefeldern konfrontiert. Auch wenn der Wanderweg ansonsten schneefrei ist, kann ein nur wenige Meter breiter Abschnitt aus hartem Frühjahrsschnee bei entsprechender Steilheit zur tödlichen Gefahr werden. Diese Gefahrenstellen befinden sich typischerweise in schattigen Bereichen, also in nordseitigen Hängen, Karen und Rinnen. Vor allem in den Morgen- und Vormittagsstunden, wenn der Schnee noch hart gefroren ist, findet man selbst mit festen Wanderschuhen auf der rutschigen Oberfläche nicht genügend Halt, um sicher zu queren.
Die richtige Ausrüstung nimmt Altschneefeldern ihren Schrecken. Dazu gehören neben Wanderschuhen vor allem Grödel oder Leichtsteigeisen, die man vor der Querung unter die Schuhsohlen spannt. Auch Trekkingstöcke geben Halt und erleichtern das Balancieren.
Ob mit Grödel auf eisigem Untergrund oder mit der blanken Schuhsohle auf einem oberflächlich angetauten Schneefeld: Beherztes Auftreten ist Trumpf! Mit Spikes an den Füßen sollte möglichst großflächig Kontakt zum Untergrund hergestellt werden. Ohne Steighilfe verbessert es den Halt beim Queren, wenn man die Schuhsohle seitlich in den Schnee rammt und so eine kleine Trittleiste erzeugt.
Mitunter tückisch sind auch Schnee- und Eisreste auf den Wegen. Für längere Passagen lohnt es sich auch hier, die Grödel anzulegen. Und: Im Frühjahr taut der Boden zunächst oberflächlich auf und die Wege werden glitschig.
Unsere Globetrotter Ausrüstungstipps für Touren im Frühling
Weitere Tipps zur Tourenplanung
- Wie ist dein Fitnesslevel? Nach der Winterpause am besten mit einer kürzeren Tour in die Saison starten.
- Nordseitig und im Schatten kann es noch richtig kalt sein. Wenn du die Sonne genießen möchtest, suche dir eine Tour mit unbewaldeten Südhängen.
- Das An- und Ausziehen von Grödeln dauert seine Zeit, auf vereisten Wegen kommt man langsamer voran – plane deshalb für eine Tour im Frühling mehr Zeit ein als im Sommer.
- Je früher im Jahr, desto kürzer die Tage. Berücksichtige dies bei der Tourenplanung, um nicht in die Dunkelheit zu geraten.
Die ideale Ausrüstung zum Wandern im Frühling
Alles etwas robuster und wärmer als im Sommer – nach diesem Motto sollte die Ausrüstung für eine Frühlingswanderung zusammengestellt werden:
- Statt Ultraleichtschuhen sind bei einer Frühlingswanderung stabile und wasserdichte Wander-, Trekking- oder Bergstiefel angesagt. Sie geben ausreichend Halt, wärmen die Füße und lassen sich gut mit Grödeln kombinieren.
- Grödel wiegen nur wenige hundert Gramm, lassen sich leicht am oder im Rucksack verstauen und bei Bedarf einfach anlegen. Deshalb sind diese Spike-Überzieher ein Essential für alle, die ihre Wanderlust auch im Winter oder Frühjahr ausleben möchten.
- Auch wer im Sommer freihändig geht, sollte im Frühjahr Trekkingstöcke zumindest am Rucksack mitnehmen, um sie bei Bedarf einsetzen zu können.
- Die Frühjahrssonne wärmt schon. Doch sobald sie hinter einer Wolke verschwindet, kann es insbesondere im Gebirge empfindlich kalt werden. Die Wander-Shorts bleiben also noch im Winterschlaf. Stattdessen solltest du warme Hosen und Shirts anlegen und dich nach dem Zwiebelprinzip kleiden: mehrere Schichten übereinander, die man je nach Bedarf an- und auszieht. Im Rucksack sollte eine Isolierjacke stecken – für die Gipfelrast oder den schattigen Rückweg.
- Zu den Accessoires für eine Frühjahrswanderung gehören eine Mütze und dünne Handschuhe. Zur Sicherheit auch eine Stirnlampe.
- Sonnencreme nicht vergessen; die Frühlingssonne hat schon ordentlich Kraft.
Fazit: Sicher in den Wanderfrühling starten
Eine gründliche Tourenplanung mit besonderem Fokus auf die aktuelle Schneelage sowie die richtige Ausrüstung – von wasserdichten Bergschuhen über Grödel bis hin zu warmer Kleidung nach dem Zwiebelprinzip – bilden die Basis für entspannte Frühjahrstouren. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei die typischen Gefahren dieser Jahreszeit wie Altschneefelder, mögliche Lawinen und rutschige Wegpassagen.
Wenn du diese Aspekte berücksichtigst und deine Tour an die aktuellen Bedingungen anpasst, wirst du mit unvergesslichen Wandererlebnissen belohnt. Die klare Frühlingsluft, die ersten warmen Sonnenstrahlen und das Erwachen der Natur machen jede Tour zu einem besonderen Erlebnis. Im Zweifelsfall gilt dabei: Lieber eine leichtere Tour wählen oder bei unsicheren Verhältnissen umkehren – die Wandersaison ist lang und bietet noch viele weitere Gelegenheiten für genussvolle Touren.
TEXT: Ingo Wilhelm
FOTOS: Eva Hitzel