Schneeschuhwandern im Schwarzwald

Der Schwarzwald ist ein Winterwunderland. Die beste Art es zu entdecken: eine Schneeschuhwanderung mit Hüttenübernachtung.

Der Schwarzwald ist Deutschlands höchstes und größtes zusammenhängendes Mittelgebirge – ein echter Tourismusmagnet. Trotzdem hat sich die abwechslungsreiche Region im äußerten Südwesten von Baden-Württemberg außerhalb der touristischen Hotspots seinen ländlichen Charme erhalten. Besonders im Winter, wenn die Höhenzüge im Schnee versinken und in den Tälern zur Rheinebene kaum an Winter zu denken ist, entfacht der Schwarzwald seinen Reiz.

Wintersport im Hochschwarzwald

Der Hochschwarzwald südlich einer Linie zwischen Freiburg und Donaueschingen umfasst die höchsten Gipfel des Mittelgebirges. Er bietet für Winterfans ein vielfältiges Betätigungsfeld mit unzähligen schönen Touren. Ob man in lieblichen Hochtälern schlendert, als Genießer über die kuppigen Höhen bummelt oder ambitioniert auf alpinen Pfaden durch steile Kare unterwegs ist: Das Wandern in klarer, erfrischend kühler Bergluft auf bis zu 1493 Meter Höhe, verbunden mit der Einkehr in eine gemütliche Stube, ist bestens geeignet, um vom Alltagsstress abzuschalten und bei einem intensiven Naturerlebnis auf andere Gedanken zu kommen.

Schneeschuhwanderungen erschließen dir diesen Wintertraum in seiner schönsten Weise. Einzige Voraussetzung: eine ausreichende Schneelage. Und mit der kann man zumindest in den Hochlagen des Schwarzwald ab Anfang Januar rechnen.

Herzogenhorn und Spießhorn – Beliebte Wintergipfel über der Krunkelbachhütte

Sofern man dem 1448 Meter hohen Feldbergtrabanten Seebuck seine Eigenständigkeit aberkennen will, ist das Herzogenhorn mit 1415 Meter der zweithöchste Berg im Schwarzwald. Da es dem Feldbergmassiv im Süden vorgelagert ist, sind die Fernblicke zu den Alpen meist noch besser als vom höheren Nachbarn. Die Besteigung des Gipfels von Bernau-Hof gehört nicht nur zu den bekanntesten Skitouren im Südschwarzwald sondern ist unter Schneeschuhwanderern ebenso beliebt. Auch wenn man nicht auf die Horden an Menschen trifft, die zum nördlichen Nachbargipfel Grafenmatt »hinaufliften«, wird man hier eher selten alleine unterwegs sein. Dafür ist das wintertouristische Angebot auf den Bernauer Almen einfach zu attraktiv: Die präparierte Strecke von Hof zur Krunkelbachhütte kann auch ohne Schneeschuhe begangen werden, zudem hat man hier die Möglichkeit, mit dem Schlitten zurück ins Tal zu gleiten.

Die Hütte selbst ist eine gemütliche Einkehr auf knapp 1300 Metern. Sie lädt nicht nur mit leckeren Speisen zu einer Rast, sondern bietet auch die Möglichkeit einer Übernachtung. Und genau hier liegt das Geheimnis. Die Übernachtungsplätze sind begrenzt. Die Wintersportler um die beliebten Gipfel meist Tagesgäste. So hat man am Morgen und Abend die Winterlandschaft für sich.

Matthias Schopp

Schneeschuhtour – das muss mit

Mit Schneeschuhen bist du oftmals im weglosen Gelände unterwegs. Du musst damit rechnen, dass der Winter mit all seiner Unwirtlichkeit zuschlägt. Das Zwiebelprinzip hat sich hier bewährt. Kleide dich maximal warm für Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Je nach Umgebungstemperatur und Aktivitätslevel verstaust du Kleidungsstücke in dem Rucksack.

Basisausstattung sollten von innen nach außen Skiunterwäsche, warme Socken, eine wetterfeste Wanderhose aus schnell trocknendem Material, eine Isolationsjacke, eine Hardshelljacke, Mütze, Schal oder Halstuch und Handschuhe mit Verstärkung in den Handflächen sein.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Schuhwahl beim Schneeschuhwandern. Wander- und Bergschuhe der Kategorie C sollten es sein. Moonboots oder leichte Wanderschuhe sind nicht geeignet. Sie leiden bei der Nutzung mit Schneeschuhen extrem. Gamaschen verhindern, dass Schnee von oben in deine Schuhe fällt. 

Als Rucksack musst du ein etwas größeres Exemplar als auf eine Sommertour mitnehmen, da du für deine Wechselklamotten und die nicht genutzten Schichten Platz benötigst.  Deine persönliche Ausrüstung vervollständigen eine Sonnenbrille mit hoher Abdunklung und UV-Schutz, Sonnencreme und Tourenverpflegung.

Das Herzstück deiner Ausrüstung bilden Schneeschuhe mit Metall-Unterkonstruktion. Sie werden mittels Riemen an deinem Stiefel befestigt. Sie verhindern durch Vergrößerung der Auftrittsoberfläche das Einsinken in den Schnee. Teleskopskistöcke oder auch Trekkingstöcke mit großen Schneetellern geben dir zusätzliche Stabilität. Zum erstmaligen Ausprobieren lassen sich Schneeschuhe und Stöcke in den meisten Wintersportgebieten leihen.

In lawinengefährdeten Regionen brauchst du außerdem ein Lawinenset bestehend aus Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel. Der Umgang mit diesen Geräten sollte geübt sein. Auch im Schwarzwald gab es in den letzten Jahren immer wieder Lawinenabgänge. Hält man sich bei dieser Tour aus den Osthängen des Herzogenhorns fern, ist diese Tour allerdings wenig gefährdet (siehe Infokasten weiter unten).

Die Tourenbeschreibung

Unsere zweitägige Tour starten wir im Bernauer Ortsteil Hof. Von dort werden wir das Herzogenhorn besteigen, zur Krunkelbachhütte absteigen, übernachten und vor den ersten Tagesgästen den Aufstieg zum Spießhorn machen. 

Wir verlassen den Parkplatz Hof auf dem Hofeckweg, der in einen präparierten Winterwanderweg übergeht und rechts der Skipisten des Hofeck-Liftes bergan führt. Der Wegweiser warnt uns vor Schlittenfahrern und dem Pistenbully, denn die Strecke ist auch ein beliebtes Ziel von Rodel-Fans. Langsam zieht sich der Weg den Berg empor, schon jetzt bieten sich erste schöne Aussichten zum Blößling-Massiv und zu den Alpen. Im Anstieg haben wir Zeit uns an das ungewohnte Laufen mit den Schneeschuhen zu gewöhnen. Wir traversieren noch wenige Meter auf der Trasse und steigen dann nach links die Schneise hinauf, die uns zunächst in moderater Steigung dem Gipfel näher bringt. Erst am Ende steilt das Gelände ein wenig auf und erfordert je nach Schneeverhältnissen einen sicheren Tritt, um nicht abzurutschen.

Mit herrlichem Panorama im Rücken steigen wir schließlich über die Südflanke bergan und können schon bald das große Gipfelkreuz auf dem Herzogenhorn auf 1415 Metern ausmachen. Oben empfängt uns eines der umfassendsten Panoramen im gesamten Schwarzwald: vom Feldberg-Massiv im Norden über die Spießhörner in Richtung Schwäbische Alb, dann die Alpenkette vom Säntis über den Tödi und die Berner 4000er zum 230km entfernten Montblanc, zudem Jura und Vogesen. Das Herzogenhorn macht uns den Gipfelaufenthalt zum Genuss. Je nach Schneelage können wir unsere Rast auf einer der Panoramaliegen verbringen und ein wenig in der Sonne dösen. An sonnigen und windstillen Tagen fällt der Abschied schwer, dafür lockt bereits das Tagesziel Krunkelbachhütte. Die Einkehr in die beheizte Stube, das zünftige Abendessen und das gemütliche Nachtlager machen die Anstrengungen des Tages rasch vergessen.

Der 2. Tag: von der Krunkelbachhütte zum Spießhorn

Wenn wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück auf die Hüttenterrasse treten, empfängt uns eine prächtige Winterlandschaft mit glitzerndem Pulverschnee in klirrender Kälte. Beim Anschnallen werden die Finger rasch eisig, also nichts wie los in Richtung unseres zweiten Gipfelziels. Dazu folgen wir den oft vorhandenen Spuren von der Hütte nach Nordosten, traversieren in etwa gleichbleibender Höhe die Freiflächen und steuern eine Ecke am Waldrand an.

Dort angekommen nimmt uns ein Pfad auf, der über die eine oder andere kleine Stufe zum Aussichtspavillon auf dem Spießhorn führt. Vis-à-vis erhebt sich die 1299 Meter hohe Schnepfhalde über dem Menzenschwander Tal, die Alpen zeigen sich selbstverständlich auch. Vom Gipfel schwenken wir nach Süden ein und wandern ohne nennenswerte Höhenunterschiede zum Sattel zwischen Großem und Kleinen Spießhorn. Anschließend kehren wir zurück zur Krunkelbachhütte und haben nun die Qual der Wahl: Abstieg auf Schneeschuhen oder Rodelgaudi? Wir entschließen uns, diese Frage bei einem zweiten Frühstück und einer heißen Schoki in der Gaststube zu erörtern. 

Ganz gleich wie du unterwegs bist: Am Ende dieser Genießertour werden wir alle auf ein besonderes Schwarzwald-Erlebnis zurückblicken, das Lust auf mehr macht!

Pavillion auf dem Spießhorn
c Pavillion auf dem Spießhorn
Text: Matthias Schopp
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