Stiftung Wackertest

Kompromisslos, unbestechlich und ein bisschen verrückt: Seit 25 Jahren testet Frank Wacker für das »Outdoor-Magazin« Ausrüstung. Ein Traumjob, aber auch harte Arbeit.

Frank, wir kennen uns schon lange. Deshalb ein ehrliches Kompliment unter Kollegen: In Sachen Outdoor-Ausrüstung vereint kein anderer Journalist so viel Erfahrung, Kompetenz und Leidenschaft auf sich wie du. Aber auch ein Gear-Guru hat mal klein angefangen, oder? 

Frank Wacker: (lacht) Danke für die Blumen. Ja, schon als Kind habe ich begeistert Ausrüstungskataloge gewälzt. Das Schlüsselerlebnis als Zehnjähriger: Meine besorgten Eltern hatten mir fürs Pfadfinder-Lager einen guten Schlafsack geschenkt, den Femund von Ajungilak. Und als Einziger im 20-Mann-Zelt habe ich nicht gefroren. Ab da war klar: Gute Ausrüstung macht draußen gute Laune. Ich stürzte mich voll rein in das Thema. 

Und wie hat das Outdoor-Magazin dich gefunden?

Das Outdoor-Magazin verschlang ich wie andere Kids die Bravo. Die hatten die meiste Ahnung und die besten Tests. In Heft 6/1993 las ich, dass die Redaktion fähige Leute für ihr Testteam suchte. Ich rief an. Da hatten sich wohl  Hunderte Outdoor-Freaks beworben. Aber ich konnte punkten, als ich dem damaligen Ausrüstungsredakteur Robert Bartscher von meinem Lieblingsrucksack vorschwärmte – dem Dana Design Arclight Glacier. Den hatte Robert auch. 

Jetzt wird es nerdig. Dana Design kannten damals in ganz Deutschland nur 20 Leute, oder?

Genau. Nur ganz wenige Händler hatten ein kleines Kontingent, darunter Globetrotter in Hamburg. Ich war extra nach Berlin zu AFT gereist, weil man nur dort Rucksäcke der drei US-Topmarken vergleichen konnte: Gregory, Osprey und Dana Design. Aus AFT, »Alles für Tramper«, wurde übrigens drei Jahre später Globetrotter Berlin. 

Das war die Eintrittskarte ins Outdoor-Testteam? 

Ja. Im Februar 1994 der erste Job: Test von Edelzelten. Und gleich in die Vollen. Wir maßen die Wassersäulen nach und stellten schockiert fest, dass die Außenzelte von Hilleberg und The North Face gemäß DIN-Norm nicht dicht waren. 1300 mm waren das Minimum, wir lagen knapp drunter. Riesendrama! Wir organisierten ähnliche Zelte, die seit Jahren in Gebrauch waren – und dabei vollkommen dicht. Gleiches Ergebnis. Am Ende wurde uns klar, dass die DIN-Norm selbst am Ziel vorbeischoss. Die Wassersäule, also die Simulation von Wasserdruck, ist oft ein sinnvolles Kriterium, aber eine Aus­nahme von der Regel sind doppelt silikonisierte Außenzelte.

Klingt kompliziert … 

Eigentlich nicht. Wenn Regentropfen nicht in ein Material eindringen könne­n, wie bei beidseitig mit Silikon beschichteten Außenzelten, sagt die Wassersäulen-Messung wenig aus. Anders ist es bei günstigerem, PU-beschichtetem Material. Da saugt sich der Außenstoff voll, die Oberflächen­spannung des Wassers wird zerstört und es findet leichter den Weg nach innen. Wie leicht, das kann die Wassersäule gut messen. 

Und die Moral von der Geschicht? 

Für uns war es eine wichtige Erfahrung, die bis heute gilt: Die Testmethode muss zum Produkt und zur Praxis passen.  

Und dann wurdest du Vollzeit-Tester?  

Noch nicht, obwohl mir die Redaktion 1994 schon ein Angebot machte. Ich steckte damals in einem dualen Studium bei einer Bank, davor hatte ich ein Bauingenieur-Studium versucht. Aber ich übernahm neben dem Testteam kleine Jobs, etwa bei der ersten Outdoor-Messe in Friedrichshafen. Jemand sollte das Rucksack- und Schuhtestgelände betreuen. Dort traf ich derart viele interessante Leute, dass mir nach einem Tag klar war: In dieser Branche werde ich irgendwann arbeiten.  

Als Ingenieur oder Banker sicheres Geld verdienen und Outdoor-Trips als Hobby – das ist doch auch ein Plan … 

Das Bauingenieur-Studium hatte ich abgebrochen, weil  auf dem Bau Planung und Umsetzung strikt getrennt sind – hier der Ingenieur, dort der Arbeiter. Sowas wollte ich nicht. Die Bank war ganz interessant, aber richtig glücklich würde ich dort auch nicht werden, das spürte ich. Und eines Tages sagte mein Chef, ich solle vielleicht doch lieber was mit Zelten machen … 

Frank Wacker (Jahrgang 1971), verheiratet, wohnt bei Stuttgart. Als Kind Pfadfinder, dann begeisterter Outdoor- und Survival-Fan. Erste Wintertour mit 17 in Kanada, wo er ein Jahr verbrachte. Seit 2003 ist Frank Redakteur beim Outdoor-Magazin – und gilt weltweit als einer der kompetentesten Ausrüstungsexperten. 

Wieso wusste der Bank-Chef von deinem Zelt-Fimmel? 

Der war offensichtlich. Wenn mir das Outdoor-Magazin Zelte zum Testen schickte, wollte ich nicht bis zum Feierabend warten  und habe sie in der Mittagspause schon mal zum ersten Check aufgebaut – mitten im Großraumbüro.  

Kein Studium, keine Bank. Was kam dann?  

Ganz ohne Ausbildung wollte ich nicht sein. Zum Glück hatte Bernd Woick gerade seinen Outdoor-Laden bei Stuttgart auf­gemacht. Ich absolvierte bei ihm eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufman­­n und war auch gleich für den Katalog zuständig. Und Zelte durfte ich aufbauen, so viel ich wollte. 

Das war 1995. Wie sah die Ausrüstungswelt aus? 

Überschaubar. Auf einer Fachmesse reichte ein Tag, um sich alles anzuschauen. Heute schafft man in vier Tagen nicht ein Zehntel des Angebots. Doch Produkte zum Niederknien gab es auch damals schon.

Zum Beispiel?

Die erwähnten Rucksäcke von Dana Design, Schlafsäcke von Western Mountaineering, Zelte von Hilleberg – das war kaum zu toppen. Heute bekommst du vergleichbare Produkte allerdings viel günstiger. Mein Dana-Design-Rucksack hatte mich 900 Mark gekostet – inzwischen gibt es perfekte Trekking-Rucksäcke für 300 Euro. Die Materialien sind leichter und stabiler. Auch viele exklusive Details sind Standard geworden. Ich weiß noch, wie The North Face die erste Jacke mit einer mitdrehenden Kapuze präsentierte. Ermöglicht hat das ein ebenso genialer wie einfacher Schnürzug. Damals eine Sensation, heute in jeder besseren Jacke normal … 

»Gute Ausrüstung macht draußen gute Laune. Ich stürzte mich voll rein in das Thema.«

Hat die Ausrüstungs-Leidenschaft nie nachgelassen? 

Das nicht, aber nachdenklich gemacht. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, und ich machte mir Sorgen, dass ich als Gear-Freak vielleicht so eine Art Tanz ums Goldene Kalb veranstalte. Deswegen habe ich mir nach Beendigung der Lehre eine kurze Auszeit genommen und war auf einer Bibel-Schule. Kurz habe ich überlegt, ob ich vielleicht Pfarrer werde – aber dann wollte ich doch zurück in die Outdoor-Branche. 

Wie hast du das angestellt? 

Ich beriet Hersteller wie Tatonka, Salewa oder Dana Design. Da ging es zum Beispiel um Schlafsack- und Rucksackdesign, um clevere Detail­lösungen und neue Materialien. So ging das eine Weile und es hat mir großen Spaß gemacht. 1999 kam ein weiteres Fulltime-Angebot vom Outdoor-Magazin. Ich sagte wieder Nein, absolvierte aber ein umfangreiches Redaktionspraktikum. 

In dieser Zeit haben wir zusammengearbeitet: du bei der Ausrüstung, ich als Reiseredakteur. Wenn wir anderen mittagessen gingen, schnappte sich Praktikant Wacker immer einen Test-Rucksack, belud ihn mit 30 Kilo und marschierte eine Stunde durchs Remstal. Zusätzlich zum regulären Test. Wir waren schon etwas in Sorge, ob du so eine Art Übermotivations-Störung hast. 

(lacht) Ja, ich erinnere mich. Nach zwei Wochen hatte ich alle Kandidaten durch und dabei viel gelernt. Aber dieser Extra-Aufwand hat unsere Tests immer ausgezeichnet  – und tut es noch, denke ich. Und so schlimm kann ich als Praktikant nicht gewesen sein: 2003 kam wieder der Vorschlag, als Ausrüstungsredakteur anzufangen. Ich sagte zu. Diesen Job mache ich – gemeinsam mit meinem Kollegen Boris Gnielka – bis heute, und habe es nie bereut. 

Boris Gnielka Seit dem 60-Kilo-Rucksack (siehe Infokasten, unten) geht Frank nun doch lieber mit Pulka auf Wintertour. 

Dann erzähl doch mal: Was macht heutzutage einen Produkttest beim Outdoor-Magazin aus? 

Erstens: Wir nehmen es sehr genau – und messen und wiegen alles nach. Wer weiß, ob ein »60 Liter«-Rucksack auch 60 Liter fasst? Das prüfen wir mit granulatgefüllten Säckchen in verschiedenen Volumina. Zweitens: Alle technischen Prüfungen stellen wir in Relation zu praktischen Erfahrungen. Zum Beispiel bei unseren Zelt-Tests. Da kam die Idee auf, die Sturmfestigkeit mit einer Windmaschine zu testen. Klingt gut – aber wie macht man das genau? Ein Freund aus dem Testteam hatte die Zelte dann über eine lange Zeit in Skandinavien im Einsatz, und hat bei jeder Windstärke Fotos und Notizen gemacht. Diese haben wir ausführlich studiert und abgeglichen – bis wir guten Gewissens sagen konnten: Unser Testaufbau mit der Windmaschine ist praxisnah. 

»Nur ein Laden hatte alle Topmodelle: AFT, inzwischen Globetrotter Berlin.«

Einer der wichtigsten, aber verzwicktesten Werte ist die Wasserdampfdurchlässigkeit, auch »Atmungsaktivität« genannt. Wie geht ihr vor?

Mit einer eigenen Messmethode. Zunächst orientieren wir uns am bekannten MVTR-Modell (Dampfdurchgangs­messung), ermitteln also, wie viel Feuchtigkeit durch ein Material entweichen kann. Im Gegensatz zur normalen MVTR-Methode achten wir allerdings darauf, dass die Innenseit­­e des Testmaterials feucht wird – so wie im realen Leben auf Tour. Im Idealfall nimmt die Innenseite diese Feuchtigkeit auf und verteilt sie großflächig. Dadurch vergrößert sich die Verdunstungsfläche und der Schweiß kann tun, wozu er da ist: den Körper herunterkühlen. Außerdem beurteilen wir die Luftdurchgängigkeit eines Materials, denn die Erfahrung zeigt: Je luftdurchlässiger ein Material, desto atmungsaktiver ist es. Maximal luftdurch­lässigen Membranen gehört auch die Zukunft, denke ich.  

Ihr seid bei euren Messungen also unabhängig von Herstellern oder Instituten? 

Inzwischen ja. In den frühen Jahren waren wir mal bei Gore-Tex im Labor oder haben Testinstitute beauftragt. Aber mit unseren eigenen Messungen sind wir schneller, effektiver und auf Dauer auch schlauer: Bei den Isolationswerten von Schlafsäcken habe ich 7000 Messungen in meiner Datenban­­k, das hilft ungemein bei der Einordnung neuer Modelle.  

Und was taugt die EU-Norm für Schlafsäcke? 

Die ist okay, und im Großen und Ganzen lassen sich die Werte vergleichen. Trotzdem bleibt es bei einem Laborwert, der die Praxis nicht korrekt widerspiegelt. Wenn du eine Schlafsackkapuze hast, die nicht sauber anliegt, dann ändert sich beim Test mit einem beheizten Dummy nichts. Der liegt regungslos da und strahlt ab. Aber in der Realität bewegt man sich, die Kapuze verrutscht und Wärme geht flöten. Deshalb kombinieren wir Labor und Praxis. 

»7000 Schlafsack-Isolationsmesswerte habe ich in meiner Datenbank, das hilft bei der Einordnung neuer Modelle.«

Was ist die maximale Zahl von Testprodukten? 

Mittlerweile sind es so acht bis zwölf Produkte pro Test. Aber die natürlich jeweils in den gängigen Damen- und Herrengrößen. Noch umfangreicher ist ein Schuhtest, wo wir sechs Damengrößen und zehn Herrengrößen anfordern. Dann bist du plötzlich bei 160 Paar Schuhen. 

Wie sucht ihr die Testkandidaten aus?

Man versucht, den Markt abzubilden – nimmt also  vorwiegend Standardmodelle; aber auch ein, zwei Newcomer, die man vielleicht auf einer Messe entdeckt hat. Wir reden viel mit Händlern. An manchen Produkten kommt man gar nicht vorbei: Wenn der meistverkaufte Schuh von Lowa überarbeitet wird, muss er dabei sein. 

Okay, das Line-up steht, nun wird es konkret …

Laborwerte ermitteln wir in der Regel zuerst. Dann folgt die Praxisphase des Testteams, mit bis zu 14 Leuten. 

Drei Wochen nach Kanada? 

Haha, das schlage ich mal meinem Chefredakteur vor. Leider nein. Meist schicken wir die Produkte einige Wochen vorab ans Testteam, damit die schon mal loslegen und Eindrücke sammeln können. Dann folgt ein gemeinsames Testwochenende, oft auf der Schwäbischen Alb.  

Womit müsste ich dich heute beeindrucken, wenn ich ins Outdoor-Testteam wollte?

Mit Gespür. Wir suchen Leute aus, bei denen wir merken, dass sie Unterschiede spüren und diese auch formulieren können. Es passiert oft, dass ein Greenhorn mehr konkrete Ergebnisse liefert als ein alter Hase, der glaubt, schon alles zu kennen. 

Früher gab es im Outdoor-Magazin eine Seite und mehr pro Produkt, heute handelt ihr oft zwölf Produkte auf vier Seiten ab. Ist das nicht bitter bei all dem Aufwand? 

Die Zeiten ändern sich. Die meisten Leser wollen kompakte, glasklare Infos – und kein seitenlanges Fachchinesisch mehr. Die Umstellung war nicht einfach, aber mittlerweile sehe ich eine Chance darin. Du sitzt da und musst aus all den Ergebnissen wirklich die Essenz rausholen. Einerseits muss es für den Leser logisch und verständlich sein, andererseits weißt du, dass viele Produktprofis der Outdoorbranche diese Texte sezieren und jedes Komma auf die Goldwaage legen. Man lernt wirklich, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren. 

»Bei uns gilt: Die Testmethode muss zum Produkt und zur Praxis passen.«

Gibt es andere Magazine, die ähnlich intensiv testen? 

Im Outdoorbereich kenne ich nichts. Es gibt US-Hersteller, die lassen unsere Tests übersetzen, weil sie uns vertrauen. Da bekommen sie auf dem Silbertablett, was das eigene Produkt und was die Konkurrenz kann. Unser Mix aus Labor und Praxis ist weltweit einzigartig, dafür bekommen wir viel Anerkennung. 

Und ich kaufe dann den Testsieger?  

Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Wir küren zwar die technisch oder konzeptionell besten Produkte, aber das heißt nicht, dass sie perfekt für dich sind. Individuelle Aspekte wie Passform oder Einsatzbereich sind sehr wichtig, da kann für jemanden auch mal das viertplatzierte Produkt die beste Lösung sein. Wir geben den Lesern wertvolle Hinweise, können ihnen aber nicht die Eigenve­rantwortung bei der Produktauswahl abnehmen. 

Also ab in den Outdoor-Shop? 

Da führt kein Weg dran vorbei: in den Laden, beraten lassen, Sachen probieren. Für einen Blindkauf im Internet sind die meisten Produkte viel zu komplex. In guten Stores wie Globetrotter probierst du drei oder fünf interessante Rucksäcke mit Test­gewichten, du investierst etwas Zeit, aber dann hast du auch einen Rucksack fürs Leben. Probier das mal online … 

Globetrotter macht dieses Jahr fünf neue Filialen auf, ein klares Zeichen für die persönliche Beratung. Konkurriert der Verkäufer dort mit deiner Arbeit? 

Im Gegenteil. Wenn du – ausgerüstet mit unserem Basiswissen – an einen kompetenten Fachberater gerätst, kann dir nichts Besseres passieren. 

Kann die Schwarmitelligenz im Internet denn nicht Fachjournalisten und Berater ersetzen? 

Du bekommst online haufenweise Infos, manche gut, manche nicht. Es gibt keine Einordnung. Jeder empfiehlt, was er selbst hat, aber kaum jemand hat wirklich professionell Produkte verglichen. Ich teste seit 25 Jahren, mancher Berater im Laden hat sogar eine noch längere Berufserfahrung. Daher beantworte ich die Frage ganz unbescheiden: nein, definitiv nicht. 

Boris Gnielka Morgens Jacken wachsen, mittags Zelte plattblasen – ein normaler Arbeitstag. 

Apropos 25 Jahre: Wie hat sich dein Job verändert? 

Aus der kleinen Nische Outdoor ist eine richtige Branche geworden. Früher sprach man fast immer mit den Firmengründern, die selbst draußen unterwegs waren, heute auch mal mit Quereinsteigern. Ich fand und finde es toll, wenn Leute für das brennen, was sie machen. Mike Pfotenhauer, Mastermind von Osprey, habe ich 1994 kennengelernt – und er hat immer noch den gleichen Schalk im Nacken. Legenden wie Bo Hilleberg oder Bernd Kullmann von Deuter ziehen sich zwar zurück, aber es gibt auch in der Nachfolge-Generation interessante Persönlichkeiten. Etwa Martin Axelhed, CEO von Fjällräven, der hat als Produktmanager für Rucksäcke angefangen und mir schon persönlich Hüftgurte an Prototypen genäht. 

Ist bei der Produktentwicklung auch viel passiert? 

In Sachen Atmungsaktivität hat sich in den letzten 15 Jahren enorm viel getan, ebenso bei der Isolierung durch Kunstfaser. Dann die Softshell-Entwicklung. Neue Verarbeitungstechniken machen Bekleidung immer leichter. Nur ein Beispiel: Ich habe im Schrank noch die erste Alpha SV-Jacke von Arc’teryx – und die neueste Version der Jacke ist 300 Gramm leichter, aber genauso robust! Also ganz ehrlich: Die aktuelle Generation von Outdoor-Klamotten ist schon sensationell gut … 

Was kommt als Nächstes? 

Rein technisch klingt »Futurelight« sehr spannend, ein neuer Funktionsstoff, den The North Face eben auf der ISPO vorgestellt hat. Wenn er alle Versprechen hält, wäre er für Gore-Tex und Co. eine harte Konkurrenz – ich freue mich schon aufs Testen. 
Auch interessant klingt Primaloft Bio. Da geht es darum, dass sich bestimmte Bakterien an die Kunstfaser andocken, um die Zersetzung zu beschleunigen. Wenn so etwas tatsächlich funktioniert, ist das Nobelpreis-verdächtig. Wenn du das auf jegliches Plastik anwenden könntest: statt 500 Jahre Verrottungsdauer nur fünf! Natürlich sollte es nur unter bestimmten Bedingungen verrotten – und nicht während einer Kungsleden-Wanderung.
Neben solchen Hightech-Themen wird die Nachhaltigkeit der Produkte immer wichtiger. 

»Die aktuelle Generation von Outdoor-Klamotten ist schon sensationell gut.«

Wer fällt dir derzeit positiv auf? 

Vaude und Patagonia sind Pioniere, aber auch andere Marken geben Gas. Fjällräven etwa: Während viele Firmen Öko-Stoffe zukaufen, entwickeln die Schweden eigene Materialien – mit sehr beeindruckender Konsequenz. Ihr Daunen­qualitätssiegel »Down Promise« hat sogar den Segen der überaus kritischen Tierschutz­organisation »Vier Pfoten«.

Die ideale Outdoor-Tour für dich? 

Früher Wintertrips, gerne mit vollem Gepäck drei Wochen durch den Sarek. Heute hat die Lust auf lange Anreisen stark nachgelassen. Wenn ich raus will, will ich raus. Ich ziehe oft zuhause los, gerne mit Karten, die alte Jagd­wege zeigen. Du bist nur 500 Meter vom Wanderweg entfernt, hast aber das Gefühl von völliger Wildnis. Aber natürlich geht’s ab und an mal weiter weg: Letzten Sommer war ich Trekken in den Rocky Mountains – traumhaft. 

Deine drei Dinge für die berühmte einsame Insel? Nur drei, bitte!

1.) Meine Frau. 2.) Meine Bibel. 3.) Ein Satelliten-Handy mit Solarlader – damit bestelle ich dann bei Globetrotter, was ich brauche: Exped Downmat, Hilleberg Keron 3 GT, Patagonia Micro Puff Hoody, Primus Stove Set, Yeti Passion, Bach Overland, Katadyn Befree Bottle, Gränsfors-Axt, … (wir blenden an dieser Stelle aus, die Redaktion 😉  

Text: Stephan Glocker
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