Sachsen – Terra Saxonia

Klar, die Sächsische Schweiz haben wir auf dem Schirm! Was abseits der bekannten Touristenpfade noch so geht? Wir haben uns ­umgesehen. ­Unterwegs im ­unentdeckten Sachsen.

#1 Erzgebirge: Mit dem Bike auf der Blockline

Wie cool ist das denn? Ein wunderschön geschnitztes, riesiges Holzportal überspannt den Weg. Eine wilde Mischun­­g aus Erzgebirgs-Handwerkskunst und Totempfahl. Die Schnitzkunst ist eines der Highlights auf der neu gestalteten Mountainbikestrecke: Willkommen auf der Blockline! Wer Bike-Abenteuer liebt, ist hier richtig. Die Blockline liegt im Osten des Erzgebirges – zwischen Seiffe­n, weltbekannt für seine Holzkunst, und dem Winter­sportzentrum Altenberg. Auf 140 Bike-Kilometern – am Stück oder in drei Loops – fährt man auf der nagelneuen, komplett beschilderten Strecke durch dunkle, wilde Wälder, über Basaltkegel und über Wiesen mit mäandernden Bächen. Kanada-Feeling mitten in Sachsen! Auf den Bergwiesen blühen Bärwurz, Feuerlilien und blaue Teufelskrallen. Die Orte auf der Strecke haben so klingende Namen wie Bienenmühle oder Holzhau. Neben artenreichen Wäldern und Bergwiesen quert man – mit mittlerweile schlammverspritztem Helm, wenn man alles richtig gemacht hat – auch Moorgebiete. Mystisch zum Beispiel das Georgenfelder Hochmoor: Nur sehr wenige sind in derart gutem Zustand. Die Landschaft ist geprägt von der seltenen Moorkiefer, Moosbeeren und Sonnentau. Trunkels- und Heidelbeeren bedecken den Boden, während das Wollgras sich im leichten Wind wiegt.

Vom Kahleberg, der seinen Namen im Mittelalter bekam, als er tatsächlich fast kahl geschlagen war, hat man einen fantastischen Weitblick ins Dresdner Elbtal, in das Böhmische Mittelgebirge und in das Elbsandsteingebirge. Heute ist er übrigens alles andere als kahl, sondern wieder wild bewachsen. Nur die Kuppe ist licht und ermöglicht so die wunderbare Weitsicht.

Die Blockline ist ein Abenteuer, wie geschaffen für Familie­­n. In den Tälern fährt man an riesigen quietschenden und rauschenden Mühlrädern vorbei. Ein besonderes Ziel ist der Privatwald der Familie Martin: Die kreischenden Kettensägen, die bei der jährlichen Kettensägenweltmeisterschaft irre Kunstwerke aus den gigantischen Holzblöcken schnitzen, klingen einem förmlich im Ohr, wenn man die Skulpturen bestaunt. Eine vergleichbare Sammlung findet man vermutlich nirgends.

Info: www.blockline.bike


#2 Kammweg: Wandern im Welterbe

Überwucherte Halden, Gräben, eingestürzte Tiefbaugruben inmitten dichten Waldes. Der Erzbergbau prägt­e über 800 Jahre die Landschaft und Kultur der Region. Seine Überbleibsel machen die ohnehin wilde Natur noch wilder, mystischer. Auf dem Kammweg wandert man in geschichtsträchtiger UNESCO-Welterbe-Umgebung. Eine waldreiche Märchen- und Sagenwelt. Hier kann man sich wunderbar ins Spätmittelalter träumen, und schon wähnt man hinter so manchem Findling eine Horde Zwerge aus den dunklen Augen der Grubeneingänge kommen.

Der Kammweg verläuft durch den Naturpark Erz­gebirge-Vogtland. Man wandert durch schattige Wälder und entlang erfrischender Bäche und durch sumpfige Hochmoore. Die Menschen haben die für Bergbauregionen typische herzliche Bodenständigkeit, gepaart mit einer berührenden Heimatverbundenheit. Dafür steht auch das lokale Siegel »Heimatgenuss«. Findet man eine Gaststätte mit diesem Siegel, kann man sicher sein, die Küche ist regional und die verwendeten Zutaten sind im Erzgebirge gewachsen, hergestellt oder veredelt worden. Ein sprichwörtlicher Hochgenuss ist das, wenn man in Deutschlands höchstgelegener Stadt auf Genusssuche geht. Der Kurort Oberwiesenthal liegt am Fuß des 1215 Meter hohen Fichtelbergs, der, was die Höhenmeter angeht, auf jeden Fall der Höhepunkt des Kammwegs ist. Neben der ziemlichen Einsamkeit in der Natur, mit hin und wieder erholsamer Abwesenheit von Handyempfang, kann man am Wegesrand in Schauwerkstätten oder Dampflok-Bahnhöfen – in kleinen Portionen – den Lauf der Geschichte bestaunen. Ein erlebnisreiches Wandervergnügen entlang des böhmisch-sächsischen Gebirgskamms.

Info: www.kammweg.de


#3 Elberadweg: go with the flow

Das Teilstück in Sachsen ist für sich genommen schon eine Radreise wert. Um das leichte Gefälle zu nutzen – zum Beispiel, wenn man mit Kindern unterwegs ist – fährt man flussabwärts und beginnt seine Tour in der Sächsischen Schweiz. Entlang der Elbe, durch die grandiose Felsenwelt der Nationalparkregion mit majestätischen Tafelbergen, zerklüfteten Massiven und faszinierenden Ausblicken, radelt man entspannt in der majestätischen Kulisse des Elbsandsteingebirges. Nächster Höhepunkt: Dresden, mit seinen Schlössern, Museen, Theatern. Es folgt ein Abschnitt für Genussmenschen entlang der Sächsische­­n Weinstraße. Überhaupt kann sich jeder die Streck­e nach seinem Gusto zusammenstellen. Hier eine Übernachtung mehr, dort ein Stück mit der Bahn abgekürzt und zwischendurch die örtliche Gastroszene erkundet. Stromabwärts wartet die sehenswerte Altstadt von Torgau mit Schloss Hartenfels – und dann ein UNESCO-Welterbe-­Triple: die Lutherstadt Wittenberg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und die Bauhausstadt Dessau.

Auf der Website zum Radweg kann man das kosten­lose Elberadweg-Handbuch bestellen.

Info: www.elberadweg.de


#4 Oberlausitz: Wandern mit grenzenloser Fernsicht

Wandern zwischen Tälern und Berggipfeln. Weite Ausblicke von idyllischen Waldrändern. Schmucke Dörfer mit typischen Umgebindehäusern. Zu den Höhepunkten entlang des Wegs gehören die Spreequelle, der wie ein Bienenkorb aussehende Berg Oybin und die einzigartigen Zittauer Fastentücher. Lauschige Plätze und gemütliche Berggasthöfe laden zum Verweilen ein. In sechs Etappen wandert man von den Granitkuppen des Oberlausitzer Berglands über die Vulkanberge am tschechischen Grenzkamm zu den Sandsteinformationen im Zittauer Gebirge. Auf fast jedem Gipfel: Aussichtstürme mit atemberaubenden Fernsichten.

Wer gerne ohne Rucksack wandert, kann übrigens ein Komplettangebot nutzen, mit Übernachtungen, Gepäcktransfer, Wanderkarten, Lunchpaketen.

Info: www.oberlausitz.com/bergweg


#5 Leipzig: Radeln im Neuseenland

Touren durch die seenreiche Kraterlandschaft ehemaliger Braunkohletagebaue sind nichts für Sonntagsradelnde! Aber der Sprung ins Wasser bei einem Badestopp lädt jedes Mal aufs Neue den Akku. Vom Leipziger Stadtpark aus ist der Cospudener See mit seiner Marina und dem Strand in nur wenigen Radelminuten erreichbar. Hier sind wie am Markkleeberger, Zwenkauer oder Hainer See vielfältige Freizeitangebote wie zum Beispiel Stand-Up-Paddling angesagt. Oder Wildwasserrafting im Kanupark oder Tauchen oder Segeln, oder … Kultur: wie VINETA, die schwimmende Insel auf dem Störmthaler See.

Info: www.leipzig.region.travel


#6 Vogtland: Mountains und Musik

Die wichtigsten Orte des traditionellen Instrumentenbaus des vogtländischen Musikwinkels erradelt man entspannt auf dem etwas über 100 Kilometer langen Musikantenradweg. Wer musikbegeistert ist, kann hier ein tolles Museum­s-Hopping per Fahrrad betreiben. Sehens- und hörenswert! Wem das zu wenig Action ist, der besucht die Bikewelt Schöneck. Für MTB-Neulinge und Familien gibt es dort zum Beispiel den Flowtrail »Erich Popp« – ohne Hindernisse. Für Profis den Jumptrail »Bockmühle« mit 34 knackigen Sprüngen!

Info: www.vogtland-tourismus.de | www.bikewelt-schoeneck.de


#7 Sächsische Schweiz: Ein Dorf wird Bio

Ist es ein Dorf? Oder ein Bio-Hotel? Ein Refugium? Im »Bio- und Nationalpark Refugium Schmilka« verschwimmen die Grenzen zwischen urigem Dorf, Freilichtmuseum und weitläufigem Bio-Hotel. Das Dorf der Elbschiffer und Flößer vergangener Zeiten gilt heute als eines von Sachsens schönsten Dörfern. Eingebettet zwischen Sandsteintürmen liegt es am Ufer der gemächlich fließenden Elbe und ist gleichsam Wanderziel und Tor zur Sächsischen Schweiz. Die Nationalparkregion lockt mit über 1200 Kilometern ausgebauten Wanderwegen. Im Schluchtenwald wandert man zum Beispiel begeistert auf zahlreichen gut markierten Wegen durch canyon­artige Sandsteinformationen. Von der Elbe her grüßen die Kajaks und Kanus und immer wieder sausen E-Bikes auf dem ­Elberadweg – swooosh – an einem vorbei.

Info: www.schmilka.de

Text: Tom Jutzler
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