Von Hundehütten und Raumwundern

Wieviel Zelt hättest du gern?

Finn Krützfeld ist Redakteur bei Globetrotter. Im Interview verrät er, wie wichtig die richtige Zeltgröße ist und welches Modell im Sortiment fast den Quadtratmeterpreis einer Münchener Mietswohnung hat. 

Finn, wie groß muss ein Zelt sein?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die Größe des Zeltes hängt von der Art der Fortbewegung und den eigenen Komfortwünschen ab. Familien, die in den Sommerferien einen zweiwöchigen Aufenthalt auf einem Campingplatz planen, greifen zu einem geräumigen Familienzelt – am besten mit Stehhöhe und ausreichend Platz für ein paar Stühle und einen Tisch. Paddler und Radreisende entscheiden sich für ein kleines Zelt, das dennoch etwas Komfort bietet. Es wiegt dadurch zwar ein paar hundert Gramm mehr als Trekkingzelte, bietet jedoch Stauraum für die Packtaschen. Thru-Hiker oder Ultralight-Fans geben sich mit weniger Komfort zufrieden, hier zählt Performance und Gewicht.

Kurz gesagt: Das Zelt sollte deinen Ansprüchen in Sachen Gewicht, Packmaß, Platzbedarf und Robustheit entsprechen.

Und wie hoch sollte es sein?

Das richtet sich nach deiner Körpergröße. Die meisten Leute kommen mit einer Innenzelthöhe von 90 cm gut aus, um vernünftig sitzen zu können. Kleinere Personen werden aber auch in einem Wechsel Pathfinder mit nur 75 cm Sitzhöhe auskommen. Große Menschen hingegen greifen besser auf ein Modell mit 100 cm und mehr Innenzelthöhe zurück. Am besten misst du deine Sitzhöhe aus und entscheidest dich dann je nach Komfortwünschen für eine entsprechende Höhe.

Lieber 100 Gramm weniger oder einen halben Quadratmeter mehr?

Ich persönlich, und ich glaube, das geht den meisten anderen auch so, sind mit einem halben Quadratmeter mehr besser beraten. Bei schlechtem Wetter und besonders, wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist, freut man sich einfach über ein bisschen mehr Platz. Inzwischen gibt es auch Leichtzelte, die ein entsprechend großes Platzangebot bieten.

Ein Eingang oder zwei Eingänge?

Bei Tunnelzelten ist ein Eingang ausreichend, da du mit dem Kopf zum Innenzelteingang schläfst und beim Verlassen des Zeltes über niemanden drübersteigen musst. Bei Kuppelzelten sind ab zwei Personen auch zwei Eingänge sehr sinnvoll, um Krabbelmanöver in der Nacht zu vermeiden.

Und die Apsiden?

Diese sollten so groß bemessen sein, dass du deine Ausrüstung vernünftig und trocken unterbringen kannst. Wer mit viel Gepäck reist, greift daher gerne auf ein Tunnelzelt zurück. Einige Modelle bieten mit einem zusätzlichen Gestängebogen in der Apsis sehr viel Stauraum. Beim Wandern sollte genügend Platz für den Rucksack eingeplant sein. Die Schuhe lagert man hingegen besser im Zelt, zum Beispiel am Fußende, wenn sie nicht allzu dreckig sind. Füchse stehlen nämlich nicht nur Gänse…

Stichwort Liegelänge. Habt ihr eine Faustformel, sodass ich sicherstellen kann, dass weder Kopf noch Schlafsackende am Innenzelt anstoßen und nass werden?

Das kommt auf die Konstruktion des Zeltes an. Bis auf wenige Ausnahmen fällt bei Tunnelzelten der Fußbereich flach ab. Hier solltest du auf eine Innenzeltlänge von mindestens 220 cm setzen. Größere Personen orientieren sich besser an Innenzeltlängen von 230 cm aufwärts. Bei Kuppelzelten ragen die Wände hingegen bei vielen Modellen steil auf. Hier sind 220 cm fast immer ausreichend.
Kleiner Tipp: Das Zelt vor dem Schlafengehen immer noch einmal gut abspannen, da sich das Material durch Kälte und Feuchtigkeit ausdehnt und dann aufs Innenzelt absacken kann.

Stichwort Tropfsteinhöhle. Ist Raumgröße auch gleich Raumklima?

Nicht nennenswert. Wichtig für das Raumklima ist eine gute Belüftung und die richtige Ausrichtung zum Wind, damit dieser die feuchte Luft nach außen transportieren kann. Die beste Belüftung wird durch eine Kombination aus großen Lüftern, einem hochgezogenen Außenzelt und einem Innenzelt mit großen Mesh-Flächen erreicht. Im Sommer eine hervorragende Wahl. Sobald ab Herbst aber eisiger Wind weht, wird es schnell unangenehm. Hier haben 3-Jahreszeiten-Zelte die Nase vorn, bei denen die Mesh-Flächen entweder abgedeckt werden können oder gleich gegen ein dicht gewebtes Material ausgetauscht wurden.

Aber: Die beste Belüftung bringt nichts, wenn du dich bei Windstille auf feuchtem Boden befindest. Dann wird es erfahrungsgemäß morgens beim Verlassen des Zeltes etwas ungemütlich und du erhältst die erste unfreiwillige Dusche bei Kontakt mit der Innenseite deines Zeltes. Wer unter allen Umständen trocken bleiben will, wird beim Zelten nicht glücklich.

Kleiner Tipp: Eine Zeltunterlage reduziert Kondenswasser. Das Problem lösen sie aber nicht vollständig.

Stichwort Liegebreite. Was ist eng und ab wo beginnt der Komfortbereich?

Als Faustformel gilt eine Breite von 60 cm pro Person. Darunter wird es ganz schön kuschelig. Wer Komfort zu schätzen weiß und etwas Platz für die Ablage der Ausrüstung benötigt, der rechnet mit 70-80 cm Breite pro Person. In unserer Zeltkategorie auf www.globetrotter.de kannst du dir passende Zelte übrigens auch nach Innenzeltlänge und Innenzeltbreite anzeigen lassen (über die Auswahl in der Filter-Spalte links).

Was ist in deinen Augen die perfekte Isomattengröße in Bezug auf die Zeltgröße?

Neben der Länge der Isomatte, die sich nach der eigenen Körpergröße richtet, ist auch die Mattenbreite entscheidend. Personen unter 180 cm, aber mit breiten Schultern, mussten früher häufig auf lange Matten zurückgreifen, da nur diese breit genug geschnitten waren. Inzwischen gibt es auch reguläre Längen mit Extrabreite, die häufig als RW (regular wide) gekennzeichnet sind. Sie bieten trotz der Länge eine komfortable Breite von rund 60 cm. Entsprechend der Mattenbreite sollte also auch das Innenzelt geschnitten sein.

Trägt auch die Zeltfarbe zum Raumempfinden bei?

Auf jeden Fall. Sowohl die Farbe des Außenzelts als auch die des Innenzelts spielen eine Rolle. Ein sandfarbenes Außenzelt und ein beiges Innenzelt zaubern ein angenehm warmes und helles Licht – auch bei Regenwetter. In einem dunkelgrünen Zelt ist es dafür etwas dunkler, was dem einen oder anderen vielleicht mehr Schlaf in den Sommermonaten ermöglicht.

Welches Zelt in eurem Sortiment hat den höchsten Quadratmeterpreis?

Das Samaya 2.0 schlägt mit rund 445 € pro m² jede Mietwohnung in München. Dafür fällt der Preis allerdings nur einmal an und auch der Umzug in eine neue Gegend ist ohne Umzugshelfer möglich.

Finn Krützfeldt

Redakteur für Zelte, Schlafsäcke, Isomatten, Möbel, Küche, Fahrrad Hartware, Messer, Elektronik, Kleinteile und Reiseartikel. Passion: Radreisen, Wandern, Paddeln. Am liebsten mit der Familie und besonders gerne im Baltikum.

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TEXT: Moritz Schäfer

FOTOS: Michael Neumann

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