Repair Center Ludwigslust: »Tolle Ausrüstung retten und erhalten«

Andreas Krüger
Im schönen Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) sitzt nicht nur die Globetrotter Lager-Logistik, sondern auch das hauseigene Repair Center. Dort werden Schlafsäcke gewaschen, Zelte runderneuert und Jacken gerettet. Britta Kruse hat uns erklärt, wie das funktioniert.

Britta, bei euch im Repair Center landen die kaputten Lieblingsteile der Globetrotter Kunden. Seid ihr so eine Art MacGyver-Truppe, die mit Tape und Kabelbindern alles wieder hinbekommt?

Britta: Tape und Kabelbinder sind zum Improvisieren auf Tour nützlich, aber wir machen das lieber richtig (lacht). Unser meistgenutztes Gerät ist die Nähmaschine. Oft müssen wir erst Tape-Reste von Notreparaturen entfernen, bevor wir richtig rankönnen. Im Idealfall sieht das Produkt dann aber auch aus wie neu.

Wie groß ist das Repair Center und wie seid ihr ausgestattet?

Derzeit sind wir sechs Mitarbeiterinnen, davon drei gelernte Näherinnen. Ich bin ausgebildete Schneiderin. Auf rund 180 Quadratmetern haben wir einen ganz ordentlichen Gerätepark: Mehrere Industrienähmaschinen, Waschmaschinen und Trockner. Dazu Spezialgeräte: eine Tape-Maschine zum Abdichten der Nähte, eine Zwei-Nadel-Maschine für Doppelnähte zum Beispiel bei Außenzelten. Dann gibt es eine Keddelmaschine zum Versäubern von Nähten – und eine Freiarm-Nähmaschiene, damit kommt man etwa bei Rucksäcken wirklich an jede Stelle …

Außerdem besitzen einige Globetrotter Filialen wie Dresden, Leipzig, Hannover und Berlin eigene kleine Werkstätten. Die Kollegen vor Ort führen kleine Reparaturen selbst durch, nehmen defekte Ausrüstung an und können bewerten, ob sich eine Reparatur noch lohnt.

Was ist die typische Reparatur?

Reißverschlüsse. Ist auch kein Wunder, denn die Zipper sind die meistbewegten Teile an Jacken, Zelten und auch Rucksäcken. Ist der Zipper dahin, kannst du das Produkt in der Regel nicht mehr benutzen, selbst wenn es sonst super in Schuss ist.

Wie repariert man Reißverschlüsse?

Manche bekommen wir ganz einfach wieder hin und tauschen nur einen Schieber aus. Aber oft muss der Zipper komplett erneuert werden. Also Nähte auf, einen passenden Zipper finden, vernähen, meist auch tapen. Das kann, je nach Lage und Verarbeitung des Reißverschlusses, sogar mehrere Stunden dauern. Aber für eine tolle Outdoor-Jacke, die ein paar hundert Euro wert ist, lohnt sich natürlich auch ein größerer Aufwand.

Andreas Krüger

Habt ihr für jedes Produkt passende Ersatzteile?

Wo immer möglich. Um beim Beispiel Reißverschlüsse zu bleiben: Da gibt es tausende Varianten. Größe, Material, Sprialen und Zähne, Ein- und Zweiweg – und all das wiederum in zig Längen und Farben. Wir horten alles, was wir kriegen können und haben inzwischen ein wirklich umfassendes Sortiment. Wenn wir zum Beispiel wegen der Farbe nicht sicher sind, kontaktieren wir den Kunden und schicken Fotos. Meist heißt es dann: Passt, bitte einnähen!

Das Repair Center ist »Gore-Tex-zertifiziert«. Was bedeutet das?

Dass wir Gore-Tex-Produkte, vor allem natürlich Jacken, bearbeiten können. Dafür benötigt man nämlich spezielle Tapes, Techniken und Geräte. Das ist ganz schön kniffelig und wir sind dafür extra geschult worden. Inzwischen hat sich eine Kollegin sogar aufs Tapen spezialisiert.

Verdient das Repair Center ordentlich Geld?

(lacht) Das wage ich zu bezweifeln. Natürlich müssen wir größere Reparaturen außerhalb der Garantie in Rechnung stellen, klären aber die Kosten immer vorher mit den Kunden ab. Die Motivation für den ganzen Aufwand ist der Nachhaltigkeitsgedanke: Reparieren statt Wegwerfen, tolle Produkte retten und erhalten. Das ist ein Dienst am Kunden und an der Umwelt, der zur Globetrotter Philosophie passt. Auch persönlich finde ich das super, unsere Arbeit ist nützlich und erfüllend.

Bekommt ihr auch mal Feedback von den Kunden?

Ab und zu schon. Ein Dankeschön, oder einen fröhlichen Kommentar wie diesen zu einem uralten, aber reparabelem Rucksack, Modell Berghaus Munro: »Danke, dass ich mein geliebtes altes Teil weiter verwenden kann und keine schnöde Neuanschaffung nötig ist.«

Gibt es auch mal Schäden, die ihr euch kaum erklären könnt?

Die Klassiker sind Stürze, Verschleiß und schlechte Pflege, aber einmal bekamen wir eine sehr gute Jacke, deren Ärmel waren völlig hinüber. Erklärung: Die Jacke hing am Stuhl und der Hund hat begeistert beide Ärmel zerkaut.

Müsst ihr mal Reparaturen ablehnen, weil nichts zu machen ist?

Kommt vor. Wenn Außenstoffe so abgewetzt sind, dass sie durchscheinend werden. Manchmal sind auch Nähte so ungünstig aufgerissen, dass die Reparatur unmöglich oder unverhältmäßig aufwendig wäre. Speziell Taschen in Jacken sind da problematisch. Viele Kunden schicken erst Fotos und fragen, ob da noch was zu machen sei. Wir schauen uns jeden Fall an und sagen unsere Meinung. Manchmal leider auch: Sorry, dein Produkt hat es hinter sich.

Wären manche dieser traurige Nachrichten denn vermeidbar gewesen?

Einer unserer »Klassiker« auf jeden Fall. Es hält sich immer noch das Gerücht, Outdoor-Produkte bräuchten keine Pflege. Wäscht man zum Beispiel eine Jacke nicht regelmäßig, setzen sich Schweiß und Körperfette ab und zerstören die Konstruktion. Wenn sich dann die Tapes zu lösen beginnen, ist es zu spät. Das kriegen auch wir nicht mehr hin. In unserem Blog könnt ihr nachlesen, wie man seine Bekleidung pflegt.

Oh je. Noch mehr Survivaltipps?

Ausrüstung regelmäßig reinigen, immer gut trocknen, dann erst verpacken, damit ist schon viel gewonnen. Detaillierte Pflege-Tipps gibt es im Globetrotter Blog oder in den Filialen.

Was passiert mit unrettbaren Produkten?

Auf Wunsch bekommt sie der Kunde natürlich zurück. Sonst werden sie bei uns ausgeschlachtet, quasi als Organspender für andere Patienten: Zipper oder Stoffflicken können wir immer brauchen. Und das ist ja viel besser als das Teil in den Müll zu werfen.

Letzte Frage: Neuerdings können Kunden ihr altes Equipment an Globetrotter verkaufen. Seid ihr da auch im Spiel?

Sind wir. Alle Produkte kommen zuerst zu uns, werden durchgecheckt und aufbereitet. Wenn ihr als im Globetrotter Gebrauchtmarkt günstig ein gut erhaltenes Teil ergattert, dann hatten wir das hier auch schon in den Händen. In diesem Sinne: Viel Spaß damit.

Britta, vielen Dank für das Gespäch.

Text: Stephan Glocker
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