(R)Ausbildung: Stars & Sternchen

Quérine Wegman
Rausgehen, die Natur erleben und Pflanzen und Tiere­ entdecken. Rausbildung ist deine kleine Outdoorschule im Globetrotter Magazin.
Quérine Wegman

#1 Holzapfel – verkannter Star

Weltweit gibt es circa 30.000 verschiedene Apfelsorten – die Stars unter ihnen: Elstar, Braeburn oder Jonagold. Sie sind berühmt und haben viele Fans. Der Holzapfel (Malus sylvestris) hingegen, der bei uns wild wächst und wahrscheinlich die »Mutter« heutiger Kulturäpfel ist, fristet eher ein Schattendasein. Nicht verwunderlich, denn er bringt nicht die typischen Starattribute mit. Seine Früchte sind klein und unscheinbar, ihr Geschmack herb-sauer bis süßlich und die Konsistenz eher holzig. Keine guten Voraussetzungen, um neben den Koryphäen glänzen zu können. Zwar wurden dem Holzapfel kleinere Rollen zuteil: zum Beispiel zur Römerzeit, als aus ihm Apfelwein hergestellt wurde oder heute, wo er wegen seines hohen Pektingehalts als Statist beim Eindicken von Marmelade mitwirken darf. Die großen Auftritte und damit eine große wirtschaftliche Bedeutung blieben dem Holzapfel aber verwehrt. Ganz anders in der Tierwelt: Hier ist er eine richtige Größe! Er bietet Nahrung, Schutz und Lebensraum für unzählige Säugetierarten, Insekten und Vögel. Damit ist er ein Tausendsassa, der in allen Rollen glänzt. Ob man ein Star ist, hängt eben vom Publikum ab.


#2 Wildkatze

Sie ist selten, scheu und in ­Sachen Tarnung macht ihr so schnell keiner etwas vor – die Wildkatze.

Quérine Wegman

Im Lebensraum Wald ist sie mit ihrem grau-gelblichen Gewand nur schwer auszumachen und durchaus mit unseren wildfarbenen Hauskatzen zu verwechseln. Nur durch ihre Größe und den zwei- oder dreifach schwarz geringelten und am Ende schwarzen, stumpfen Schwanz kann man sie unterscheiden. Die Wildkatze ist keine verwilderte Verwandte unserer Stubentiger – ganz im Gegenteil: Sie ist eine echte »Ureinwohnerin«. Knochenfunde belegen, dass schon der Steinzeitmensch Wildkatzen kannte. Sie streiften lange vor unseren Hauskatzen – die ein Importprodukt der Römer sind – durch die Wälder. Auch wenn es sich bei Haus- und Wildkatzen um zwei unterschiedliche Arten handelt, könnten sie sich miteinander paaren. Da die scheue Wildkatze menschliche Siedlungen aber weiträumig umgeht, besteht kaum die Chance, dass die beiden sich zum Liebesreigen treffen. Das ist auch gut so, denn sonst wäre die Wildkatze durch die immer weitere Vermischung mit der Hauskatze in ihrer Art gefährdet. Dabei hat der »Waldtiger« schon genug Probleme: die Zersiedelung der Landschaft und deren intensive Nutzung lassen nur wenige Inseln für die Wildkatze übrig. Die darin lebenden Populationen sind klein und dadurch anfällig für Inzucht und Krankheiten.


#3 Karsthöhlen

Steter Tropfen höhlt den Stein – und formt über Jahrmillionen ­beeindruckende ­Höhlen.

Quérine Wegman

Zumindest gilt das für die Karsthöhlen – also Höhlen in verwittertem Kalkgestein. Damit eine solche Höhle entstehen kann, braucht es Wasser und kleine Fugen im Gestein, durch die es eindringen kann. Fällt Regen auf die Erde, nimmt er auf seinem Weg durch die Humusschicht Kohlendioxid auf. Der jetzt kohlensäurehaltige Regen ist sauer und kann durch eine chemische Reaktion Teile aus dem Gestein lösen.

Die Fugen, durch die das Wasser eindringt, erweitern sich. Je größer sie werden, umso schneller wächst auch der dahinterliegende Hohlraum, denn mitgeführter Sand und feine Gesteinsteile wirken zusätzlich wie Schmirgelpapier.

Wasser ist aber nicht nur für die Aushöhlung verantwortlich, sondern auch für die fantastischen Skulpturen innerhalb der Höhle – die Tropfsteine. Sie entstehen durch die Erwärmung und Verdunstung des Tropfens in der Höhle. Dabei wird Kohlendioxid abgegeben. Daher kann das Wasser nicht mehr so viel Kalk binden – dieser fällt aus und bildet eine dünne Schicht. Dort, wo das Wasser von der Decke tropft, entsteht ein Stalaktit, wo er auf den Boden fällt, ein Stalagmit. Treffen diese beiden aufeinander, verwachsen sie zu Säulen – den Stalagnaten.


#4 Altweibersommer

Während des Altweibersommers Ende September, Anfang Oktober sieht man sie häufig: fliegende Spinnennetze. Sprachwissenschaftler vermuten, dass sie der Grund für die Namensgebung dieser Zeit sind. Jedoch nicht, weil sie an das Haar alter Damen erinnern, sondern weil im Althochdeutschen »weiben« für das Knüpfen von Spinnweben steht. Diese Spinnweben fliegen jedoch nicht grundlos durch die Luft – sie sind das Transportmittel für kleine Spinnen, wie zum Beispiel die Baldachinspinne. Mithilfe dieses sogenannten ­Balloonings erreichen sie neue Lebensräume.


#5 DYI: Blätterfaden

Ein Blätterfaden ist nicht nur dekorativ, er bietet dem ein oder anderen Nützling sogar ein Winterquartier. Benötigt wird ein stabiler Bindfaden, ein Stück Bambus, eine Nadel oder Draht – und natürlich Blätter. Vor allem große, feste Blätter, wie zum Beispiel von Ahorn oder Roteiche, eignen sich hierfür – die unterschiedliche Färbung macht das Ganze noch attraktiver.

  1. Schritt: Das Bambusstöckchen am Ende des Fadens fixieren, damit die Blätter halten. Das andere Ende des Fadens wird durch ein Nadelöhr gezogen oder an einem Draht fixiert.

2. Schritt: Die Blätter nacheinander auffädeln. Am besten immer mit der gleichen Seite nach oben. Je nach Anordnung der verschieden großen Blätter bekommt man unterschied­liche Formen.

3. Schritt :Die Nadel entfernen und den Blätter­faden in einen Baum hängen. Besonders schön wird es, wenn man mehrere Fäden ­nebeneinander und auf unterschiedlichen Höhen platziert.

Text: Mira Klatt
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