(R)Ausbildung im Herbst

Diplom-Biologin Mira Klatt erklärt uns die Flora und Fauna unserer heimischen Wälder. 

In Deckung die Pilze schiessen

STEINPILZ VS. GALLENRÖHRLING: Stein­ pilze (Boletus edulis) kann man nicht züchten, denn sie leben in Symbiose mit einem Baum – er ist also ein echter Wildpilz. Man findet ihn in Laub­ und Nadelwäldern und an Waldrändern mit moosigem Unter­ grund. Sein Hut kann alle Schattierungen von Brotrinde haben. Unter dem Hut besitzt er ein zartes, weißes bis gelbes Röhrenge­ flecht. Der Stiel ist weißlich oder blassbraun und zumindest im oberen Bereich mit einem Netz überzogen. Das ist auch das beste Merkmal, um ihn vom ungenießbaren Gal­lenröhrling zu unterscheiden. Der sieht dem jungen Steinpilz zum Verwechseln ähnlich, sein Netz zieht sich aber am ganzen Stiel entlang und ist bräunlich. Wer ganz sicher­ gehen will, dass er keinen Gallenröhrling erwischt hat, macht die Kostprobe mit der Zunge: extrem bitter! Allein ein Gallenröhr­ ling kann ein ganzes Gericht verderben. Such-Tipp Steinpilze: nach moosigen Stellen mit Farn Ausschau halten!

PFIFFERLING: Zu finden ist der Pfifferling (Cantharellus cibarius) in Nadel­ und Laubwäldern – oft im Fichtendickicht. Auch er lässt sich nicht züchten (s. Steinpilz). In manchen Alpentälern sprießt er wie Un­ kraut. Wichtigstes Erkennungsmerkmal ist die dottergelbe Farbe. Der Hut ist trichter­ oder kreiselförmig. Sein Geruch ist ange­ nehm würzig, fast aprikosenartig, und sein Geschmack ist pfeffrig – daher auch der Name: Pfifferling. Verwechseln kann man ihn mit dem Falschen Pfifferling (essbar, aber kein Speisepilz). Such-Tipp: Hänge mit Morgensonne suchen!

PARASOLPILZ: Woher der Parasol oder Riesenschirmling (Macrolepiota procera)seinen Namen hat, ist offensichtlich. Mit seiner beeindruckenden Größe von bis zu 25 Zentimeter Durchmesser und derselben Höhe ist der größte Blätterpilz Europas schon von Weitem gut sichtbar. Sein Stiel ist hell, darauf zackig braun quer gebändert. Wenn man ihn anritzt, muss er hell bleiben und sich nicht orange färben, sonst hat man einen Safranschirmling vor sich, der zu Durchfällen und Koliken führen kann. Such- Tipp: Parasole lieben Ameisenhaufen.

Hinweis: Bei Unsicherheit lieber einmal mehr die Experten von der Pilzberatung fragen.

WOOD WIDE WEB

James Cameron spinnt in seinem Kinofilm »Avatar« eine Fiktion: Mittels elektrochemischer Signale kommunizie­ ren alle Lebewesen seines Mondes Pandora. So verwalten sie Ressourcen und kommunizieren über weite Distanzen. Die Fiktion des Hollywood­ regisseurs hat ein Äquivalent in der Natur: Pilze spinnen in unseren Wäldern ein fadenfeines, unterirdisches Netz. Über diese Informationsbahnen werden Nährstoffe, aber auch Warnungen vor Schädlingen über Kilometer weitergegeben. Davon profitieren nicht nur die Pilze selbst, sondern auch größere Lebewesen wie Buche, Eiche und Mirabelle.

Der Bestseller zur Entdeckung der verborgenen Wood-Wide-Web-Welt (26.32.99, 19,99 €).

ROSSKASTANIE UND ESSKASTANIE teilen außer ihrem Namen wenig. Die weitverbrei­ tete Rosskastanie gehört zu den Seifen­ baumgewächsen, während die Esskastanie den Buchengewächsen zugeordnet wird. Am besten sind die beiden durch ihre Fruchtbecher zu unterscheiden: Während man die Rosskastanie einfach aufheben kann, sollte man für die Esskastanie Hand­ schuhe tragen – ihre langen, feinen Stacheln pieksen. Die Früchte sehen sich wiederum relativ ähnlich, die der Rosskastanie sind allerdings runder und dicker. Die Früchte der Esskastanie (zur Info: Maronen sind die Früchte der Edel-­Esskastanie) eignen sich prima für Suppen, als Snack oder für süßen Aufstrich. Die Rosskastanie ist nur als Heil­mittel nutzbar: Rosskastanien helfen bei Rheuma, Gicht oder Hämorrhoiden. Auch ihr Name leitet sich hieraus ab. Es heißt, sie lindert Pferdehusten.

IM HERBST BEREITEN SICH DIE IGEL auf ihren Winterschlaf vor. Sie fressen sich eine ordentliche Fettschicht an, um in den kalten Monaten davon zu zehren. Für einen unge­störten Winterschlaf braucht der Igel aber auch ein passendes Nest. Die einzigen An­forderungen daran: Es muss relativ schnee­ und regendicht sein und an einem ruhigen, schattigen Platz liegen. Will man dem Igel helfen, kann man ihm ein Igelhotel im Gar­ten bauen. Unsere kleine Bauanleitung:

1. Spalthölzer aufeinanderstapeln, um ei­ nen Hohlraum zu konstruieren. Diesen deckt man mit kleineren Hölzern von oben ab. 

2. Darauf Laub anhäufen – viel Laub. 

3.  Damit das Laub nicht davonfliegt, bedeckt man es mit Tannen­ oder Fichtenzweigen – fertig ist das Igelhotel.

ROTHIRSCH & REH – WAS DENN NUN?

Die große Verwechslungsmisere in heimischen Wäldern, an der »Bambi« sicher nicht ganz unschuldig ist: Auf der Leinwand springt ein Weißwedelhirschkalb durch den Wald, dessen Vater ein kapitaler Weißwedelhirsch ist, doch die deutsche Synchronisation des Films spricht von einem Rehkitz, also dem Nachwuchs eines Rehs. Das verwirrt seit Generationen. Dabei ist es einfach: Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch. Rehe und Hirsche, oder besser gesagt Rothirsche, sind unterschiedliche Tierarten. Die Frau vom Rothirsch ist die Hirschkuh, ihr Nachwuchs das Hirschkalb – beide haben kein Geweih. Bei den Rehen heißt die Frau Rehgeiß oder Ricke, das Männchen Rehbock und das Jungtier Rehkitz. Alles klar, Disney?

Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, bekommt großes Hörspielkino mit Gänsehautgarantie.


BRUNFTZEIT in der Stadt: Tiefergelegte, laut röhrende Autos fahren mit offenem Fenster und lauter Musik vorbei. Man(n) will auf sich aufmerksam machen.

Laden die Temperaturen nicht mehr zum Offenen­-Fenster­Fahren ein, ändern sich das Ensemble und der Schauplatz – ab Sep­tember gibt’s im Wald ganz schön was auf die Ohren, die Brunftzeit der Hirsche beginnt. Man hört sie röhren, knarzen, knötern und orgeln. Sie beschallen den Wald mit bis zu 75 Dezibel, so laut wie der röhrende Auspuff eines PS­starken Sportwagens – und alles nur, um die Damenwelt für sich zu gewinnen. Wer das lauteste Organ hat, steht ganz hoch im Kurs beim Kahlwild (Hirschkühe), denn das steht für einen großen Resonanzkörper und somit für eine stattliche Größe. Auch die Konkurrenz soll mehr beeindruckt denn bekämpft werden. Dafür wird das Geweih gegen Bäume geschlagen, die stattliche Hals­ mähne präsentiert und im Imponierschritt parallel zum Konkurrenten die eigene Größe und Stärke demonstriert.

Ganz anderes haben Jäger im Sinn. Sie imitieren die Lockrufe des Geweihträgers mit allerlei Hilfsmitteln, um das Wild vor die Büchse zu locken. Aber auch sie messen sich einmal im Jahr, ein Video der Show findest du auf www.globetrotter.de/hirschbrunft

Hirschbrunft gibt’s auch vor deiner Haustür. Die besten Destinationen: www.rothirsch.org/erleben

Text: Globetrotter Magazin
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