(R)Ausbildung im Frühjahr

Praktisches Wissen rund um die Natur im Frühling.


#1 Kleine Pflanzenkunde

Quérine Wegman

Für manche Waldpflanzen ist im zeitigen Frühjahr die einzige Chance zu wachsen, denn sobald die Bäume ihre Blätter bilden, wird das Licht am Boden knapp. Es ist die Zeit, in der in Wald und Flur kulinarische Delika­tessen wachsen. Die Blätter des Bärlauchs (Allium ursinum)beispielsweise ergeben ein leckeres Pesto, das ganz nebenbei auch noch für deine Gesundheit gut ist: Es wirkt entzündungshemmend und entschleimend. 

Auch für alkoholische Spezialitäten hat der Wald etwas zu bieten. Waldmeister (Galium odoratum) mit seinen quirlig angeordneten Blättern ist die perfekte Zutat für eine Maibowle. Das typische, durch Cumarin entstehende Aroma entwickeln die Blätter allerdings erst im getrockneten Zustand. Aufpassen: Nicht nur der Alkohol in der Bowle kann für Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit am nächsten Tag verantwortlich sein, auch zu viel Waldmeister. Als Tee getrunken, lindert er Krämpfe und stärkt die Leber – optimal nach einer durchzechten Bowlen-Nacht.

Der Name einer Pflanze gibt oft einen Hinweis darauf, welche Wirkung ihr nachgesagt wird. Das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)galt früher sogar als Heilmittel bei Tuberkulose – damit traute man ihm allerdings zu viel zu. Tatsächlich hilft es nur bei leichten Atemwegserkrankungen. Die nach Gurken schmeckenden Blätter sind lecker im Salat, mit Spinat und in Suppen. Aber auch in Backteig frittiert machen sie geschmacklich einiges her. 

Auch später blühenden Pflanzen wie Engelwurz (Angelica sylvestris)oder dem Gewöhnlichen Blutweiderich (Lythrum salicaria) sollte man im Frühjahr schon Aufmerksamkeit schenken. Die Jungtriebe und geschälten Blattstängel des Engelwurz schmecken hervorragend. Wer es ganz exotisch mag, kann die Stängel sogar kandieren. Als Extra unterstützt man durch den Verzehr auch noch sein Immunsystem. Auch die jungen Triebe und Blätter des Blutweiderichs machen sich gut in Salaten. Zum Aufpeppen von Hochprozentigem kann man sie in Spiritu­osen ein­legen. Diese bekommen dadurch eine Obstnote, die an Dörrzwetschgen erinnert. Wie sein Name vermuten lässt, hilft er bei Nasen- oder Zahnfleischbluten und Menstruationsbeschwerden. 

Hinweis: Nie alle Blätter einer Pflanze sammeln, damit der Bestand geschont wird!

Zum Abschluss: Da sich viele Pflanzen ähneln und einige giftig sein können, sollte sich der Koch sicher sein, dass er die richtige Pflanze gesammelt hat. Die kleine Illustration oben reicht nicht zur Pflanzenbestimmung!


#2 Kröte vs. Frosch

Quérine Wegman

Germany’s next Superamphibie: Wenn Heidi Klum »ihre Mädchen« castet, stehen Haut, Figur und Gang im Fokus – nur »die Schönsten« kommen weiter. Würden Frösche und Kröten gegeneinander antreten, gäbe es einen klaren Gewinner: die Frösche. Mit ihrer meist glatten Haut, die bei manchen Arten sogar bunt schillert, können sie punkten. Die schlanke Silhouette und ihre langen, trainierten Hinterbeine wissen sie bei ihren weiten, präzisen Sprüngen elegant und grazil in Szene­ zu setzen. Im Gegensatz dazu zählt die Kröte mit ihrer warzigen, von Drüsen überzogenen Haut, dem gedrungenen Körper und dem watschelnden Gang eher zu den hässlichen Entlein. So hat Heidi kein Foto für sie! Für uns aber liegt Schönheit im Auge des Betrachters.


#3 Finger weg von Jungtieren

Zuckersüß aber nicht hilflos! 
Tierbabys sind unglaublich süß. Trifft man Rehkitz, Feldhasenbaby oder Vogelküken dann auch noch mutterseelenallein in Wald und Flur, greifen viele beherzt zu, um das vermeintliche Waisenkind vor dem sicheren Tod zu bewahren. Aber: Finger weg von Jungtieren! Es ist normal, dass Feldhasenmütter und Ricken ihren Nachwuchs den Großteil des Tages alleine lassen und nur zum Säugen kommen. So ist auch das einsame Vogelküken oft nur ein Bruchpilot. Die Vogelmutter hat es aber immer im Auge. Hilfe ist nur angebracht, wenn die Mutter nachweislich tot oder das Tierkind offensichtlich verletzt ist.



#4 Gefiederte Frühlingsboten

Quérine Wegman

Jetzt im Frühjahr, kehren sie zurück, all diejenigen, die sich im Winter auf- und davongemacht haben, um der ungemütlichen Jahreszeit zu ent­fliehen: unsere Zugvögel. Mönchsgras­mücke, Kuckuck oder Kranich kommen her, um für Nachwuchs zu sorgen und ihn großzu­ziehen. Während die Rückkehr der Mönchsgrasmücke dem Laien meist gänzlich entgeht, wird man des Kuckucks bei einem Waldspaziergang schnell gewahr. Sein charakteristischer Ruf ist fast jedem bekannt und nach dem stillen Winter schallt er im Frühling wieder durch den Wald.


Am lautesten verkündet aber der Kranichseine Ankunft. Der trompetende Ruf ist bis zu zwei Kilometer weit zu hören und gilt vielen Menschen als Startschuss für den Frühling. In den letzten Jahren verändert sich allerdings das Zugverhalten der Vögel.

Durch die wärmeren Winter ziehen viele Vögel nicht mehr so weit gen Süden oder bleiben sogar ganz hier – gut zu beobachten beim Storch. Ihn kann man immer häufiger auch im Winter auf den Feldern und Wiesen sehen. 
Unter den Vögeln gibt es aber nicht nur Zug- und Standvögel, also Vögel, die im Winter bei uns bleiben, sondern auch Teilzieher. Hierzu gehört unter anderem die Amsel. Bei ihr ziehen einige Individuen nach Süden, während andere einfach hier bleiben. 

KARTEDer Kranich rastet hauptsächlich in Nord­deutschland. Dem Rest Deutschlands bleibt nur der Blick gen Himmel.

WISSEN: Der riesige Eurasische Kranich: bis 1,2 m hoch, 6 kg schwer und eine Flügelspann­weite von 2,2 m. 


#5 Bau einer Nisthilfe für Bienen

Quérine Wegman Achtung: Neue Erkenntnisse zeigen, dass die Nisthilfe nur angenommen wird, wenn sie nicht baumelt und einen zusätzlichen Regenschutz besitzt. Das ist in der Skizze nicht zu sehen.

Biene Maja hatte noch das Glück, in einem alten Baumstumpf an einem Klatschmohnfeld aus der Wabe zu schlüpfen. So viel Glück haben heutige Bienen leider nicht. Passende Nistplätze für die über 560 heimischen Wildbienenarten sind  rar. Dabei brauchen wir die Bienen dringend als Bestäuber für unsere Pflanzen. Ein kleiner Beitrag gegen das Bienensterben ist der Bau einer Nisthilfe.

Und so geht’s: 

  1. Deckel einer leeren Konservendose entfernen.
  2. Bambus-, Schilf- oder Brombeerstängel auf Dosenlänge einkürzen. 
    Achtung: Wildbienen mögen keine gequetschten oder scharfkantigen Röhren. Daher sauber schneiden und vielleicht die Enden anschleifen.
  3. Stängel, soweit erforderlich, aushöhlen und ein Ende, zum Beispiel mit Biobaumwolle, abdichten, in die Dose stecken. Nun einen sonnigen Platz auf einem Mauervorsprung suchen, der bestenfalls noch überdacht, mindestens allerdings regengeschützt ist. Hier die Dosen mit Steinen gegen Wegrollen und Umstoßen gut schützen.
  4. Der Besiedlung zuschauen.

In einer früheren Version der #Rausbildung wurde nicht darauf hingewiesen, dass die Nisthilfe »baumelfrei« und mit einem zusätzlichen Dach ausgestattet werden sollte. Die Illustrationen sind weiterhin ohne diese Details versehen.

Text: Mira Klatt
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