Rausbildung: Herbstgold

Rausgehen, die Natur erleben und Pflanzen und Tiere­ entdecken. Rausbildung ist deine kleine Outdoorschule im Globetrotter Magazin.
Illustrationen: Quérine Wegman/www.hellodeer.nl

Auf uns wirkt die Herbst­färbung der Blätter magisch – für Pflanzen ist sie eine Überlebensstrategie.

Um den Winter zu überstehen, müssen ­unsere Laubbäume und Sträucher ihre Blätter abwerfen, denn über sie verdunstet Wasser. Wenn der Boden gefriert, haben Bäume und Sträucher jedoch keinen Mechanismus parat, um den Blättern Wasser nachzuliefern – sie würden vertrocknen. Warum aber werden die Blätter nicht einfach grün abgeworfen? Klar ist: Werden die Tage kürzer, wird das Chlorophyll in den Blättern langsam abgebaut, also der grüne Farbstoff, der für die Photosyn­these und somit für die Glucose­gewinnung verantwortlich ist. Da Chlorophyll aber nicht der einzige Farbstoff in den Blättern ist, zeigen sich nun Farben, die vorher nicht zu sehen waren – rot, gebildet durch Anthocyane, und gelb, das durch Karotinoide­ hervorgerufen wird. Im Herbst werden sogar zusätzlich Anthocyane gebildet. Vermutlich wirken diese für den Baum wie ein UV-Schutz, der die Blätter im Herbst vor Licht- und Kältestress und damit vor vorzeitigem Verfall schützt. Zudem wird die Entstehung aggressiver freier Radikale verhindert – so kann der Baum länger Photosynthese betreiben und die für den Winter notwendigen Reserven bilden. So lohnt sich die Färbung und der vorübergehende Erhalt der Blätter.


Ziegenmelker: schon mal gehört?

Illustrationen: Quérine Wegman/www.hellodeer.nl

Einige Tier- und Pflanzennamen ­lassen uns schmunzeln oder wundern: Denn wie käme man darauf, dass ein Ziegenmelker ein Vogel, der Klappertopf eine Pflanze und der Warzen­beißer eine Heuschrecke ist? Namen können verschiedene Hintergründe haben, manche sind im Aberglauben begründet, andere lassen auf das Aussehen schließen oder geben Hinweise auf besondere Fähig­keiten. Doch oft gelten diese Namen nur regional, sind Teil einer Mundart. Wer Verwechslungen ausschließen möchte, bedient sich besser des lateinischen, eindeutigen Namens. 


Illustrationen: Quérine Wegman/www.hellodeer.nl

In vier Tagen bis in die Sahelzone?  Kein Problem für den Distelfalter.

Hübsche Vagabunden: Im Zickzack  steuern Schmetterlinge eine Blüte nach der anderen an, dabei wirken sie auf uns wenig zielgerichtet und effizient. Es fällt schwer, zu glauben, dass einige dieser filigranen Wesen auch Langstreckenflüge von bis zu 4000 Kilo­metern absolvieren. Bei uns sind der Admiral (Vanessa atalanta) und der Distelfalter (Vanessa cardui) sehr ­bekannt. Auf ihren herbstlichen Wanderungen schaffen es einige Distelfalter bis in die Sahelzone, um dort zu überwintern. Aber wie macht der Schmetterling das? Der Trick: Distelfalter nutzen günstige Windströmungen in Höhen von bis zu 1000 Metern, von denen sie sich tragen lassen. So können sie ihre Geschwindigkeit auf bis zu 45 Kilometer pro Stunde erhöhen und die lange Reise übers Mittelmeer in die Sahelzone teilweise in nur vier Tagen schaffen.


Mythos: Hoch-Zeit des Wildwechsels

Rehen, Wildschweinen & Co. wird nachgesagt, besonders im Herbst oft in Unfälle verwickelt zu sein. Stimmt nicht, sagt die Statistik. Tatsächlich ist nur das liebestolle Damwild zu dieser Zeit häufiger auf Straßen unterwegs und wird zum Problem. 

Für alle anderen Wildtiere gilt: Über das Jahr verteilt, variieren die Wildtiersichtungen von Region zu Region stärker als mit den Jahreszeiten. Andere herbstliche Gefahren, wie ­Nebel, feuchtes Laub und Regen, geben mehr Grund zur Sorge. Es gilt: Wachsam fahren das ganze Jahr!


DIY: Totholz-Upcycling ­­

Als Sichtschutz zum Nachbarn lieben die Deutschen ihre akkurat gestutzten Thujen- oder Lorbeerkirschhecken. Doch wer Vögeln, Eidechsen und Igeln etwas Gutes tun will, upcycelt seinen Strauchschnitt und baut lieber aus Totholz eine Benjeshecke.

1. Den Rahmen bauen

Holzpfähle im Abstand von etwa 60 cm und einer Höhe von 1,50 m in den Boden schlagen.

2. Den Strauchschnitt stapeln  

Holzschnitt zwischen die Pfähle stapeln: dicke Äste nach unten innen, dünne nach außen. Wichtig: Es muss Licht in die Mitte der Hecke gelangen.

3. Abwarten und gedeihen lassen  

Geduld. Die von Vögeln und anderen Tieren in den Holzstapel eingetragenen Samen keimen und wachsen zu einer arten­reichen Hecke. 

Text: Mira Klatt
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