(R)Ausbildung: Endlich Sommer

Rausgehen, die Natur erleben und Pflanzen und Tiere­ entdecken. Rausbildung ist deine kleine Outdoorschule im Globetrotter Magazin.

Quérine Wegman / www.hellodeer.nl

#1 Ruhig ist das Meer, doch unter der Oberfläche gibt’s auch in Nord- und Ostsee viel zu entdecken.

Kennst du den Roten Knurrhahn, das ­Petermännchen oder die Samtschnecke? Nein? Sie leben allesamt in der Nord- und Ostsee. Doch nur selten wird man sie zu ­Gesicht bekommen. Anders als Exemplare des Gemeinen Seesterns (Asterias rubens), der Großen Pfeffermuschel (Scrobicularia plana) oder der Blauen Nesselqualle (Cyanea lamarckii) werden ihre Kadaver nur selten zu Strandgut. Dabei sind sie hochinteressant.So kann eine Begegnung mit dem Petermännchen (Trachinidae) schmerzhaft oder sogar tödlich enden. Trotz des possierlichen ­Namens gehört er zu den gefährlichsten ­Unterwasserbewohnern der deutschen ­Küste. Er besitzt mit Giftdrüsen bewehrte Stacheln, die er zur Verteidigung – zum Beispiel gegen einen menschlichen Fußtritt im knietiefen Wasser – einsetzt. 

Im Gegensatz dazu ist der Rote Knurrhahn (Chelidonichthys lucernus) harmlos. Er sieht zwar etwas merkwürdig aus, ist aber nicht giftig. Seinen Namen verdankt er einer ­besonderen Fähigkeit: Mit einem speziellen Muskel kann er seine Schwimmblase vibrieren lassen, sodass ein Knurren entsteht.

Von Luft und Liebe leben kann auch die ­Grüne Samtschnecke (Elysia viridis) nicht. In Hungerzeiten reichen ihr aber Licht und CO2. Dazu baut sie in guten Zeiten Pflanzenteile, die Photosynthese betreiben, einfach in ihren eigenen Körper ein. Findet sie keine Nahrung mehr, lebt sie kurzfristig von den Endprodukten der Photosynthese.


#2 Invasion der Steinmännchen

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Als einsame Türmchen weisen hierzu­lande die Steinmännchen Wanderern und Bergsteigern im Hochgebirge den richtigen Weg. Mittlerweile gibt es eine steinerne­­ ­Invasion – wie Pilze sprießen die Stein­skulpturen aus dem Boden. Umwelt­schützern ist das ein Dorn im Auge: Auf Teneriffa werden die Türme mittlerweile demontiert. Denn an ihrer ursprünglichen Position bieten die Steine Insekten und Reptilien Lebensräume, sie halten Pflanzen in der Erde und verhindern Erosion. Sind sie aufgestapelt, ver­lieren sie diese wichtigen Funktionen. ­Hinzu kommt, dass Steinmännchen häufig abseits der Wege entstehen. Ganze Flächen werden zertrampelt, oft empfindliche Ökosysteme zerstört. Also am besten: ­Steine liegen lassen, bestehende Türme ­bewundern und weiterlaufen.


#3 Fast vergessen: Kaffee und Kümmel vom Blühstreifen am Wegesrand

Blühstreifen sind in der heimischen Kultur­landschaft fast so selten geworden wie vierblättrige Kleeblätter. Dabei sind diese nicht beackerten, gedüngten und gespritzten Feld­ränder wichtig für Tiere und Pflanzen, als Bodenschutz und zur Wasserreinhaltung. Neuntöter, Feldhase, Bienen, Marienkäfer und viele andere Tiere finden hier Nahrung und Schutz.

Aber auch uns Menschen haben diese Blühstreifen etwas zu bieten: Wer die Augen offen hält, entdeckt hier Pflanzen, die man nicht unbedingt auf unseren Wiesen vermutet. So zum Beispiel Echten Kümmel (Carum carvi). Kümmel liebt sonnige Wiesen und sobald seine Früchte reif sind, verströmt er den typischen Geruch. Die reifen Samen kann man zum Kochen verwenden, sie sind aber auch als Tee aufgebrüht hilfreich bei ­Magenproblemen. Eine wunderschöne, aber sehr selten gewordene Pflanze ist die Wegwarte (Cichorium intybus). Sie ist eine Verwandte des Chicorées und macht sich prima als koffeinfreier Kaffee­ersatz. Schon im 18. Jahrhundert wurde der Muckefuck aus ihr gebraut – nachdem ­Friedrich II. von Preußen die Einfuhr von überteuertem Überseekaffee verbot. Auch ­heute wird der Zichorienkaffee im Rahmen einer gesunden Ernährung immer beliebter.

Quérine Wegman / www.hellodeer.nl


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#4 Schnecken vs. Gärtner

Gartenbesitzer fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser: Schnecken. Sie gelten als erntevernichtende Plage. Viele Gehäuseschnecken sind aber Gartenhelfer. Die hübschen Bänder­schnecken (Cepaea) entfernen Pilze und ­Algen von Pflanzenstängeln. Weinberg­schnecken (Helix pomatia) vertilgen Gartenschnitt und halten die gefürchtete nackte Wegschnecke in Schach, indem sie deren Eier fressen. Das ­gruselige Aussehen des nackten Tigerschnegels (Limax maximus) täuscht: Er gehört zu den Guten, denn auch er hat die Eier und junge Wegschnecken zum Fressen gern.


#5 DIY Mückenschreck ­selber machen

Quérine Wegman / www.hellodeer.nl

An milden Sommerabenden sind ungebetene Gäste oft nicht weit: fiese Stechmücken. Wer sie fernhalten will, kann Duftkerzen mit Geranien- oder Zitronenmelissenöl basteln.

1. Schritt: Docht einsetzen

Als Gefäß eignen sich ausge­höhlte Orangen oder Zitronen, in die man mittig Flachdochte aus dem Bastelladen einsetzt.

2. Schritt: Wachs einfüllen

Docht mit Zahnstochern fixieren. Kerzenreste in eine Plastiktüte füllen, im Wasserbad schmelzen und eines der Öle (erhältlich in der Drogerie) unter­mischen. Das Wachs vorsichtig einfüllen.

3. Schritt: Auskühlen

Die Schalen nun nicht mehr bewegen und auskühlen lassen. Fertig ist dein eigener Upcycling-­Mückenschreck.

Text: Mira Klatt
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