(R)Ausbildung: Ausgespäht

Rausgehen, die Natur erleben und Pflanzen und Tiere­ entdecken. Rausbildung ist deine kleine Outdoorschule im Globetrotter Magazin.

#1 Chemische Kriegsführung

Alle Lebewesen sind darauf ausgerichtet, zu überleben und über Fortpflanzung ihre Art zu erhalten. Pflanzen brauchen dazu Nährstoffe, Wasser, Licht und ausreichend Bodenfläche. Was aber, wenn zwei unterschiedliche Pflanzen um genau diese Dinge konkurrieren? Die Minze ist in diesem Fall gut gewappnet – sie setzt auf chemische Kriegsführung. In ihrem ätherischen Öl, das eigentlich für seine heilende Wirkung bekann­­t ist, schlummert eine tödliche Verbindung: Menthon. Dieses stößt in der unliebsamen Konkurrenz einen Prozess an, durch den sich die fein verzweigten, röhrenförmigen Eiweißstrukturen in den Zellen selbst zerstören. Der Konkurrent stirbt den Zelltod und geht ein. Die Minz­e selbst ist gegen diesen Prozess immun und kann nun mit ihren kräftigen unterirdischen Ausläufern das erkämpfte Gebiet erobern. Zurzeit wird geprüft, ob Menthon sogar als biologisches Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werde­­n kann, denn auf eiweißreiche Unkräuter wie Ampfer wirkt es zerstörend, auf einige Nutzpflanzen jedoc­­h sogar stimulierend.


#2 Kuckucks Kinderklappe

Kinder machen ist nicht schwer – Kinder haben umso mehr. Als Kuckuck kennt man die Lösung: Man schiebe den Nachwuchs kurzerhand zu Pflegeeltern ab. Diese, meist kleinere Wirtsvögel, kümmern sich jedoch nicht freiwillig um das Kuckuckskind – sie werde­n übertölpelt. Das Kuckucksweibchen spioniert sie aus und wartet auf den perfekten Zeitpunkt, um sein Ei mit ins Nest zu legen. Äußerlich ist das Kuckucksei eine perfekte Kopie, wenn auch größer. Das funktioniert, weil der Kuckuck sich nur auf einen Wirtsvogel spezialisiert. Schlüpft das Kuckucksjunge, wirft es die anderen Eier aus dem Nest und sicher­­t sich so die volle Fürsorge der Zieheltern. Genial!


#3 Wiesenbrüter

Wiesenbrüter haben es schwer – Vogelarten wie der Kiebitz geraten durch Landwirtschaft und Urbanisierung unter Druck.

Früher sah man sie häufig, die tollkühnen Flugmanöver des Kiebitz über offenen Wiesen und Äckern. Heute ist er selten, genau wie Rotschenkel, Fasan oder Großer Brachvogel. Sie sind auf wenig bewirtschaftete Wiesen und Feuchtwiesen angewiesen, die durch Trockenlegung und intensive Landwirtschaft immer mehr verschwinden.

Gerade häufiges Mähen, Walzen, Schleppen und Düngen bedrohen den Nachwuchs, denn als Bodenbrüter legen diese Vögel ihre Nester auf dem Boden an. Gelege und Jungvögel sind Mähdreschern und Walzen schutzlos ausgeliefert. Gegen natürliche Räuber wie Füchse und Marder ist die Brut durch das hohe Gras und die spezielle Tarnfärbung der Eier geschützt. Dadurch hat auch die Krähe, trotz luftigen Ausblicks, keine Chance auf fette Beute. Sie bedient sich eines anderen Tricks – sie setzt auf unfreiwillige Helfer. Durchstreifen Hunde oder Katzen die Wiese, stören sie hin und wieder einen Altvogel beim Brüten oder auf Nahrungssuche mit den Küken. Fliegt er panisch auf, weiß die Krähe genau, wo sie nach ihrem nächsten Snack suchen muss.


# 4 Grüße aus dem Urwald

Der deutsche Wald hat eine bewegte Geschichte: von den Germanen verehrt, im Mittel­alter gefürchtet, in der Romantik verklärt und während der Industrialisierung kommerzialisiert und zerstört. Unberührten Wald gibt es in Deutschland nicht mehr. Der vorhandene Wald wurde und wird vom Menschen geformt. Dürft­e Natur wieder Natur sein, wäre Deutschland von Buchen- und Buchenmischwäldern geprägt.

In einigen Ecken Deutschlands darf die Natu­­r wieder alleine herrschen – der Mensch greift nur ein, wenn notwendig. Hier ist Platz für Arten, die man eher in tropischen Urwäldern vermutet, wie den Frauenschuh – eine bei uns heimische Waldorchidee, die mit ihren exotischen Verwandten mithalten kann. Oder den blau leuchtenden Alpenbockkäfer, der auf Totholz angewiesen ist und zu den sogenannten Urwaldreliktarten gehört. Diese Arte­n sind wertvoll und spannend zugleich, denn sie öffne­­n ein Fenster in die Vergangenheit.


#5 Der Tarzan unter den Spinnentieren

»Weberknecht an der Wand! Du wanderst so elegant!«, so schreibt Guggenmos über das langbeinige Spinnentier. Das Auffälligste an ihm sind tatsächlich seine langen Beine, die es wahrlich in sich haben. Mit ihnen ist der Weberknecht extrem gut zu Fuß, er kann sie aber auch wie ein Lasso um Grashalme schlinge­­n und so Tarzan-like von Halm zu Halm schwingen. Bei Gefahr kappt er an einer vordefinierten Sollbruchstelle kurzerhand ein Bein und nimmt, während dieses zuckenderweise den Feind ablenkt, seine weiteren sieben in die Hand und sucht das Weite.

Expedition Natur – 50 heimische Insekten & Spinnen

Neben Infos zu den heimischen Insekten und Spinnen bietet diese Box spannende Quizfragen – nicht nur für Kinder.


#6 DIY: Kartoffelzucht auf dem Balkon

Um Kartoffeln anzubauen, braucht man wede­­r Acker noch Garten – ein kleiner Kübel auf dem Balkon reicht aus. Nur Sonne und ausreichend Wasser sind unverzichtbar.

Löcher einbohren
In den Boden eines ca. 80 cm hohen, dunkelwandigen Kunststoffkübels bei Bedarf mehrere Löcher bohren, um Staunässe durch Rege­­n oder Gießen zu verhindern.

Erde aufschichten
Die ersten 10 cm mit einer wasserdurchlässigen Schicht aus Blähton oder Kies befüllen und 15 cm Blumenerde darüberschichten. Wenn vorhanden, die Erde mit etwas Sand mischen.

Saatkartoffeln einpflanzen
1. Vier bis fünf Kartoffeln auf die Erde legen und feucht halten.
2. Sobald die Trieb­e zehn Zentimeter lang sind, so viel Erde darüberschichten, bis nur noch die Pflanzenspitzen zu sehen sind.
3. Das wiederholen, bis das Gefäß voll ist. Durch diese Technik bilden sich auf mehreren Ebenen Kartoffelknollen, die nach etwa 100 Tagen erntereif sind.

Text: Mira Klatt
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