(R)Ausbildung im Winter

Praktisches Wissen rund um die winterliche Natur.


#1 Auf den Spuren der Rumtreiber

Quérine Wegman
Quérine Wegman

Im Schnee siehst du, was findige Tiernasen längst erschnüffelt haben: die Spuren und Fährten der Tiere.

Was bei Harry Potter die »Karte des Rumtreibers« ist, die nach einem Zauberspruch die Spuren der Schlossbesucher sichtbar macht, ist in unserer Welt der Schnee: Er verrät uns, wer in Wald und Flur unterwegs ist. Was unsere Wald­tiere im Schnee hinterlassen, nennt man Spur oder Fährte – je nachdem, ob das Tier Pfoten oder Schalen hat. Fuchs, Luchs oder Hase hinterlassen Spuren; Reh, Wildschwein oder Hirsch Fährten. Die Abdrücke, die auch Trittsiegel genannt werden, verraten uns einiges über die nächtlichen Rumtreiber: Tierart, Laufrichtung, Größe und sogar die Gangart sind daraus abzuleiten.

Tierart und Laufrichtung sind meist leicht zu erkennen. Wer Größe und Gangart bestimmen will, muss genauer hinschauen: Hier ist die Weite des Schranks, der Abstand zwischen rechtem und linkem Trittsiegel, wichtig.

Je nach Gangart können sich die Trittsiegel verschiedener Tierarten zum Verwechseln ähnlich sehen. Die Spur eines hoppelnden Hasen ist eindeutig: Er setzt die Hinterpfoten vor die Vorderpfoten. Ein einzelner Pfotenabdruck eines galoppierenden Hasen kann aber leicht mit dem eines Fuchses verwechselt werden – würde der Fuchs nicht schnüren. Beim Schnüren setzt der Fuchs die Hinter­pfote genau in den Abdruck der Vorderpfote. Dadurch sehen die Trittsiegel aus, als wären sie an einer Perlenschnur aufgefädelt.

Schnüren kann auch der Luchs. Im Gegensatz zum Fuchs sieht man in seinem Abdruck allerdings keine Krallenabdrücke, da er seine Krallen einziehen kann. Aber ­Achtung: Schmelzender Schnee kann die ­Spuren verzerren!


#2 Schlafen, bis es warm wird

Heizung an und ab unter die Decke, das funktioniert bei Wildtieren im Winter nicht. Sie haben andere Strategien entwickelt, um der Kälte zu trotzen: Manche flüchten in den Süden, andere verschlafen die kalte Jahreszeit. Igel beispielsweise halten Winterschlaf. Sie senken ihre Körpertemperatur und verlangsamen Herzschlag und Atmung, um Energie zu sparen. Dachse legen sich ebenfalls aufs Ohr und auch sie senken ihre Vitalwerte, ihr Schlaf ist aber nicht so tief – sie wachen während ihrer Winterruhe ab und zu auf, um zu fressen. Reptilien und Amphibien wie Frösche hingegen fallen in Winterstarre – ihre Körpertemperatur senkt sich entsprechend der Außentemperatur mit ab. Damit ihre Körperflüssigkeiten nicht einfrieren, dient ihnen Glukose als Frostschutzmittel.


#3 Denk an die Vögel

Quérine Wegman

Vogelfutterstation selber bauen

Im Winter wird das Futter für viele daheimgebliebene Vögel knapp. Wer ihnen helfen will, braucht dazu nicht viel: einen Tontopf mit Loch, einen Ast, eine Schnur, gekauftes oder selbst gemischtes Vogelfutterund ­Kokosfett. 

Und so geht’s: 
1. Die Schnur am oberen Drittel des Astes festknoten, Ast und Schnur durch das Loch des Tontopfes stecken und die Schnur oberhalb des Tontopfes noch mal um den Ast knoten. 
2. Kokosfett leicht erwärmen, bis es flüssig ist, Kerne dazugeben und umrühren. 
3. Die breiige Masse mit einem Löffel in den Tontopf ­füllen, abkühlen lassen und fertig ist das Hängebuffet für die Vogelschar.

Einfach mal nicht schneiden

Wer einen naturnah bepflanzten Garten hat, kann auf Vogelbuffets verzichten. Allein die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, lockt über 60 verschiedene Vogelarten mit ihren kleinen roten Beeren an. Sie ist ein idealer Baum, um Vögel durch den Winter zu bringen. Der Rückschnitt sollte allerdings ins Frühjahr verlegt werden. ­­
Um auch insektenfressende Vögel zu unterstützen, hilft ein nicht allzu aufgeräumter Garten mit Laubhaufen oder ungeschnittenem Efeu. Hier verkriechen sich viele Insekten vor der Kälte und bilden damit einen reich gedeckten Tisch für Weichfresser. Aber auch die Vögel selbst nutzen Efeudickicht, um vor der Kälte Schutz zu suchen.


#4 Oh Tannenbaum

Quérine Wegman

Tannen sind definitiv die zahmeren Weihnachtsbäume, denn ihre Nadeln sind vorne abgerundet und sehr weich.

Zur Weihnachtszeit darf er in keinem Haushalt fehlen: der Weihnachtsbaum. Aus einem heidnischen Brauch entstanden, zog der Weihnachtsbaum in Form einer geschmückten Weißtanne erst im 18. Jahrhundert mehr und mehr in die Haushalte ein.

Die Weißtanne (Abies alba) war damals ein weitverbreiteter Baum und als Weihnachtsbaum sehr beliebt. Erst später, als die Nachfrage nach Weihnachtsbäumen stieg und nicht mehr durch Tannen gedeckt werden konnte, wurde sie teilweise durch Fichten (Picea abies) ersetzt. Tannen sind definitiv die zahmeren Weihnachtsbäume, denn ihre Nadeln sind im Gegensatz zu denen der Fichte vorne abgerundet und sehr weich. Die Nadeln der Fichte­ sind vorne spitz – und so kann das Schmücken des Weihnachtsbaumes zu einer echt unangenehmen Herausforderung werden.

Quérine Wegman


Wer draußen wissen will, welchen Baum er vor sich hat, kann sich an mehreren Dingen orientieren: Zum Beispiel ist die Rindenfarbe der Fichte rötlich (daher wird sie auch Rottanne genannt, obwohl sie gar keine Tanne ist). Bei der Weißtanne ist die Rinde, wie der Name schon sagt, eher weißlich. Um sich die unterschiedliche Position der Zapfen an Fichte und Tanne zu merken, gibt es eine Eselsbrücke: TOFU – Tanne oben, Fichte unten. Außerdem: Die nach unten hängenden Zapfen der Fichte fallen ab, wenn sie reif sind. Die Tanne wirft nur die Deckschuppen und Samen ab, die zu Boden schweben. Die Zapfenspindeln bleiben am Baum und erinnern so an einen mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum.

Wiebke Mörig

Text: Mira Klatt