Planer: Wildnispaddeln Kanada

Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles, was du übers Wildnispaddeln in Kanada wissen musst, findest du in diesem Artikel.

Inhalt:

Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund 41 % Nordamerikas ein. 

Globetrotter Infos: Reisen in Kanada

Sprachen: Englisch, Französisch
Einwohner: 37.894.799 (Stand 2020)
Größe: 9.984.670 km²
Bevölkerungsdichte: 3,8 Einwohner pro km² (Deutschland: 233 Einwohner pro km².)
Geld: Kanadischer Dollar (CAD)
Zeitverschiebung: MEZ –4,5 bis –9h
Reisezeit: Hauptsaison ist zwischen Mai und September.

Reisebudget: ~600-1200 €/Woche

1) Die Besiedlung Kanadas durch die First Nations begann vor 12.000 Jahren, die Inuit folgten vor rund 5000 Jahren. Ab dem späten 15. Jahrhundert landeten Europäer an der Ostküste und begannen um 1600 mit der Kolonisierung. 

2) Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Northwest-Territories.

Wann ist die beste Reisezeit für Kanutouren in Kanada?

Die besten Wasserstände findet man in Kanada zwischen Ende Juni und Mitte September.

Wer, wie die meisten, in British-Columbia, im Yukon Territory oder in den Northwest Territory paddeln will, kommt zwischen Ende Juni und Mitte September.

Vorher sind die Wasserstände durch die Schneeschmelze meist noch zu hoch und gegen Ende September droht in manchen Regionen der erste Dauerfrost.

Wer dagegen die ebenfalls sehr beliebten Seen an der Ostküste im Sinn hat, profitiert von einem je einen Monat größeren Zeitfenster.

Wie bereite ich mich auf eine Kanutour in Kanada vor?

Natürlich sollte man die erste Kanutour seines Lebens nicht in der menschenleeren Wildnis Nordamerikas machen. Aber auch wer schon mal paddeln war, sollte vorab ein paar Touren bei sich daheim machen, um eingerostete Techniken zum Leben zu erwecken und die geplante Ausrüstung am besten auf einer Mehrtagestour durchzuchecken.

Und keine Angst: mangelnde Grundkondition kann auf langen Touren durch maßvolle Tagesetappen kompensiert werden. Nur wer längere Mindestetappen schaffen muss, um rechtzeitig am Ausstieg anzukommen, sollte seine Muskulatur schon daheim regelmäßig für die Strapazen trainieren – am besten natürlich durch Paddeln.

Was kostet mich eine Kanutour in Kanada?

Für die Flüsse Kanadas braucht man in der Regel kein kostspieliges Permit. Je nach Ausgesetztheit des Paddelprojekts ist jedoch ein mehr oder weniger teurer Shuttle nötig. Am Stikine etwa muss man mit dem Wasserflugzeug samt Material zum Einstieg geflogen werden. Und den Unterlauf kann nur paddeln, wer sich anschließend per Jetboat abholen und zum Einstieg in Telegraph Creek zurückshutteln lässt. Da kommen schnell einige tausend Euro zusammen.

Günstiger ist eine Rundtour auf einer Seenkette in Ontario oder den sehr lohnenden Bowron Lakes in BC. Hier bekommt man die notwendige Logistik schon ab 400 CAN$ für eine Woche Paddeln fernab jedweder Zivilisation.

Eine komplett organisierte 10-Tage-Tour auf dem vielleicht schönsten Wildnissfluss Kanadas, dem Tatshenshini, kostet mit allem Drum und Dran dagegen stolze 4250 CAN$, das sind etwa 2700 Euro – und jeden einzelnen davon absolut wert.

Wie lange dauert eine Kanutour in Kanada?

Angesichts der langen und manchmal komplizierten Anreise mit dem Flieger, verbieten sich alle Trips nach Kanada kürzer als 14 Tage. Die Mehrtagestouren selbst reichen dann von vier Tagen bis vier Wochen.

Wer will, kann gar den ganzen Yukon runterschippern, dass sind dann einige tausend Kilometer und mehrere Monate.

Mehr Kanada im Globetrotter Blog

Einmal durch die Weiten Nordamerikas paddeln, das ist der Traum vieler Globetrotter. Das zweitgrößte Land der Erde hat Potenzial für gleich mehrere Paddlerleben.

Reiseplaner Great Divide Trail

Geschützt: Planer: Thruhiking auf dem Great Divide Trail

Es gibt keinen Textauszug, da dies ein geschützter Beitrag ist.

Paddeln auf den Bowron Lakes

Verfahren kann man sich nicht: Einfach viermal rechts abbiegen, und schon ist man wieder am Start der 116 km langen Kanu-Runde auf den Bowron Lakes. Dass es während der 10-tägigen Tour nicht langweilig wird, dafür sorgen die atemberaubende Landschaft, wilde Tiere und ein Wetter, welches den Namen auch verdient hat.

Planer: Wildnispaddeln Kanada

Wildnispaddeln in Kanada ist das Ziel vieler Globetrotter und es ist nicht so unerreichbar und schwierig wie du denkst. Hier gibt’s alle Tipps.

Kanada am Meer

Für einen Mutter-Tochter-Trip wählte unsere Autorin gleich einen Superlativ. Der West Coast Trail gilt als schönstes Mehrtagestrekking Kanadas – reicht das, ­­­­­um einen Teenager bei Laune zu halten?

Ist eine Kanutour in Kanada auch familientauglich?

Absolut. Besonders die Seetouren in Ontario eignen sich perfekt als Einstieg ins Familienpaddeln. Aber auch die Bowron-Lake-Runde mit ihrem Mix aus See, Fluss und Portagen ist ein spannendes Abenteuer für die Kleinen – sofern die Großen genügend Skills mitbringen, um stets für ein Gefühl der Sicherheit zu sorgen. Wenn Papa schon beim Einsteigen als Erstes baden geht, sollte man seinem Plan dagegen nochmal überdenken.

Wählt man einen ausreichend großen Kanadier, können die Kinder bequem in Bootsmitte mitfahren und wahlweise mitpaddeln, spielen oder Bauklötze staunen.

Aber immer dran denken: während einem selbst gehörig warm ist beim Paddeln, kühlen die Kids in Ruhezeiten schnell aus. Und das stets Tragen einer gut sitzenden Schwimmweste (am besten mit Schrittgurt), ist für alle Paddler obligatorisch: zum einen schützt sie vor dem Untergehen, zum anderen hat man damit in Notsituationen die Hände frei, um anderen helfen zu können.

Ist Kanufahren in Kanada gefährlich?

Es gilt durchaus eniges zu beachten, will man sich nicht unnötig in Gefahr begeben. Das wäre zum einen die goldene Kanutenregel: Dress for water, not for air. Selbst wenn draußen 30 Grad herrschen, nutzt einem das bei einem Schwimmer im vier Grad kalten Gletschersee nicht wirklich. Wer daher eine ernsthafte Unternehmung plant, kommt um einen sogenannten Trockenanzug nicht herum. Dieser hält einen in nahezu jeder Situation trocken und damit warm und die Isolation kann mittels Zwiebelprinzip angepasst werden.

Die größte Gefahr beim Paddeln auf Flüssen sind die sogenannten »Strainer«. Treibholzverhaue, gern in Außenkurven, durch die der Fluss wie ein Sieb hindurchfließt – man selbst aber eher nicht. Daher sollte der Vordermann im Kanu immer genau schauen, ob derartige Gefahrenstellen stromab lauern, um rechtzeitig reagieren zu können.

Grundsätzlich sollte man sich bei allem, was man tut, klar darüber sein, dass die Rettungskette in vielen Regionen nicht oder nur langsam funktioniert. Daher besser auf das befahren zweifelhafter Stromschnellen und die Axtwurf-Wettbewerbe am Abend verzichten.

Wie komme ich zum Fluss?

Bus und Bahn sind aufgrund der Größe Kanadas und der geringen Besiedlung nur selten eine Option. Da viele eine Kanutour mit einem Roadtrip kombinieren, führt wenig an einem Mietwagen vorbei. Dieser bringt einen zielsicher zum Outfitter, wo man sich das Material für die Tour ausleiht, oder direkt zum Einstieg, falls man sein eigenes Luft- oder Faltboot dabei hat.

Wer beispielsweise nach Whitehorse einfliegt, kann sich natürlich auch am Airport vom Tourveranstalter abholen lassen. Ob man dann vor Ort einen Fluss wählt, dessen Ein- und/oder Ausstieg nur mit dem Wasserflugzeug zu erreichen ist, oder einen mit Straßenzugang, ist in erster Linie eine Frage des Geldbeutels. Das stilgerechte Fliegen mit einem Wasserflugzeug, über deren Kufen die Kanadier befestigt sind, hat aber durchaus seinen Reiz.

Geführt oder indivuell – welche Variante bietet sich für Kanutouren in Kanada an?

Greenhorns sollten sich besser einem Tourveranstalter anschließen, während der Vollblut-Paddler, der etwas auf sich hält, dies niemals in Betracht ziehen würde. Beide Varianten haben jedoch ihren Reiz: auf sich allein gestellt sind die Erlebnisse mit Sicherheit nochmal um einiges intensiver, während es manchmal auch durchaus legitim ist, das Rundum-Paket zu wählen.

Die kanadischen Guides sind absolute Meister darin, ihren Gästen das maximale Erlebnis zu bieten und man gewöhnt sich schnell daran, weniger Verantwortung zu tragen und dafür mehr zu genießen. Manche Flüsse, für die ein Permit gilt, wie etwa die Kombi aus Tatshenhini und Alsek, sind auf eigene Faust ohnehin so gut wie unmöglich.

Wie übernachtet man unterwegs?

Nur ganz selten findet man unterwegs eine Cabin, die einem ein sicheres Dach über dem Kopf bietet. Daher ist die eigene Leinwandvilla unverzichtbar. Und da man als Paddler im Kofferraum seines Bootes mehr Platz hat als in einem Rucksack, den man dann auch noch selbst tragen muss, kann man sein Zelt ruhig eine Nummer größer wählen. Ein Regentag zu zweit in einem Vierpersonen-Zelt bekommt so durchaus seinen Reiz.

Muss ich ein guter Paddler sein, um in Kanada zu paddeln?

Nicht zwingend. Moderne Kajaks und Kanadier verfügen meist über eine sehr gute Kenterstabillität und sind zudem leicht zu manövrieren. Oft reicht ein Tag Probepaddeln unter fachkundiger Anleitung, um unnötige Anfängerfehler auszumerzen.

Rookies sollten sich allerdings eine Paddelstrecke aussuchen, die wenig bis keine Gefahren ausweist. Die weltweit gültige Schwierigkeitsskala reicht von Wildwasser I bis VI. Taucht in der Streckenbeschreibung daher eine II und höher auf, sollten Anfänger Abstand nehmen.

Welche Ausrüstung brauche ich?

Je nach Anspruch der Tour braucht es angepasste Paddelbekleidung. Das reicht von der Surfshort auf den badewarmen Seen Ontarios bis zu erwähntem Trockenanzug. Die gesunde Mitte bei kalten Gewässern sind Longjohns aus Neopren, kombiniert mit einer an den Handgelenken dicht schließenden Paddeljacke.

Während man Boot, Paddel und Schwimmweste meist vor Ort bekommt, macht es Sinn, sich die Paddelkleidung schon daheim zu besorgen und auszuprobieren. Nichts ist beim Paddeln schlimmer als Kleidung, die beispielsweise unter den Achseln scheuert.

Dazu kommt die klassische Trekkingausrüstung fürs Übernachten im Zelt und kleinere Wanderungen links und rechts des Flusses und das Lagerleben. Man bekommt zwar so einiges im Kanu unter, sollte aber akribisch darauf achten, alles 100 % wasserdicht in robusten Packbeuteln (etwa von Ortlieb) zu verpacken. Alles, was auf keinen Fall nass werden darf – wie Lebensmittel oder der Daunenschlafsack –, verpackt man am besten doppelt, so dass es zu 200 % trocken bleibt.

Leihe ich die Ausrüstung besser vor Ort oder bringe ich alles mit?

Fast überall, wo man schön paddeln kann, haben sich Outfitter angesiedelt, die einem mit allem versorgen, was es zum Paddeln braucht. Besonders wer die Paddeltour nur als einen Teil eines großen Roadtrips durch Kanada auf der Agenda hat, kann sich vor Ort mit (fast) allem ausstatten, was es braucht.

Allein wer daheim eine sogenanntes Reiseboot hat, welches sich klein zusammenpackeen lässt, kann darüber nachdenken, dieses samt der restlichen Paddelausrüstung im Flieger mitzubringen und so vor Ort Kosten zu sparen und maximal flexibel zu sein.

Minimalisten, die sich primär auf Fließgewässer fortbewegen und keine allzu langen Distanzen zurücklegen wollen, können auch ein ultraleichtes Packraft mitbringen.

Was ist bei einer Bärenbegegnung zu beachten?

Egal wo man in Kanada paddelt, eine Bärenbegnung ist überall möglich. Und damit dabei weder Mensch, noch Ausrüstung sowie Meister Petz Schaden nehmen, gilt es einige Regeln zu beachten.

Besonders an Land sollte man es tunlichst vermeiden, einem Bären aus Versehen zu nahe zu kommen: sei es beim Wandern oder auch nur beim Feuerholzsammeln. Besonders wenn Bärennachwuchs im Spiel ist, reagiert Mama Bär oft recht zickig. Um das zu vermeiden, sollte man keinesfalls leise durchs Unterholz schleichen, sondern stets akustisch auf sich aufmerksam machen: sei es durch lautes Reden, ein Lied auf den Lippen oder eine Glocke am Revers.

Zweites Gebot in Bärenland: möglichst nicht nach gebratenem Speck riechen, wenn man im Zelt liegt. Will heißen: Zelt und Kochstelle liegen mindestens 30 bis 40 Meter auseinander und bevor man ins Zelt geht, zieht man am besten ein Schlafdress an, dass wenn überhaupt nach Persil riecht. Kochuntensilien und Lebensmittel, aber auch Deo und Zahnpasta, kommen in geruchsdichte Behältnisse und werden idealerweise an einem gespannten Seil zwischen zwei Bäumen aufbewahrt.

Kommt es tatsächlich zu einer Bärenattacke, gelten folgende Regeln: nie weglaufen, der Bär ist schneller. Leider startet dieser oftmals Scheinangriffe, bei denen es schwer fällt, nicht wegzulaufen. Trotzdem: nicht weglaufen. Im Nahkampf selbst, was einem Sechser im Lotto gleichkommt, helfen Pfefferspray und Platzpatronen, »Bearbanger« genannt.

Grundsätzlich gilt: je größer die Gruppe desto unwahrscheinlicher irgendwelche gefährlichen Bärenbegnungen.

Gibt es andere wilde Tiere, die mir auf einer Kanutour in Kanada gefährlich werden können?

Wolf, Vielfraß oder Stachelschwein sehen zwar gefährlich aus, man bekommt sie aber nur seltenst zu Gesicht und direkte Begegnungen kommen so gut wie nicht vor. Anders verhält es sich mit Elchen. Diese haben einen hohen territorialen Anspruch (ganz anders als Bären etwa) und sobald sie glauben, ihr Revier verteidigen zu müssen, wird es brenzlig.

Ich kenne zwei Paddler, die mal von einem Elchbullen fliehen mussten und in einem Felsspalt Schutz suchten – es dauerte über 24 Stunden, bis sich der Elch davor endlich trollte.

Der Autor und seine persönlichen Kanada-Tipps:

Michael Neumann | Chefredakteur Globetrotter Magazin

War 1996 das erste Mal in Kanada unterwegs. Es folgten Wildnistouren auf den Bowron Lakes, die erste Komplettbefahrung des Stikine in zwei Akten (1999 und 2001) sowie eine Tour auf dem Tatshenshini bis in den Golf von Alaska. Nächstes Projekt auf der Bucketlist ist der Mountain River in den Northwest Territories. Oder doch lieber der South Nahanni? Dann aber unbedingt in einem atmungsaktiven Trockenanzug, den man von morgens bis abends tragen kann – sei es beim Paddeln oder am Lagerfeuer. Die kurzen Neoprenhosen am »Tat« bei einer Woche im einstelligen Temperaturbereich waren jedenfalls nicht das Mittel der Wahl. Und auch der »Bearbanger« wird beim nächsten Mal vor der Tour ausprobiert, um eine Panne wie am Stikine zu vermeiden: da passten Auslöseeinheit und Platzpatrone leider nicht zusammen, was aber erst am letzten von zehn Tagen in der Wildnis auffiel.

Text: Globetrotter | Illustration: Susanne Mader
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