Planer: Patagonien Roadtrip

Patagonien – Sehnsuchtsziel für passionierte Outdoor-Enthusiasten mit einsamen Andengipfeln, monumentalen Gletscherlandschaften, endlose Weiten der Pampa, Regenwäldern und Fjorden. Perfekt für einen Roadtrip mit Trekking. Die besten Tipps und Ziele dafür findest du in diesem Artikel.

Inhalt:

Patagonien ist kein Land, sondern eine Region und umfasst grob gesagt die Südspitze Südamerikas. Der größte Teil der Fläche liegt in Argentinien, ein kleinerer auf der Westseite in dem schmalen Streifen zwischen Küste und Anden in Chile.

Globetrotter Infos: dein Patagonien-Roadtrip

Sprache: Spanisch
Einwohner: ca. 3 Mio. (weniger als Berlin)
Größe: ca. 1.043.000 km² (fast so groß wie Europa)
Bevölkerungsdichte: 2,82 Einwohner pro km²
(Deutschland: 233 Einwohner pro km²)
Geld: Argentinische Pesos (ARS) und Chilenische Pesos (CLP)
Zeitverschiebung: Buenos Aires: MESZ -5 Stunden. Santiago de Chile: MESZ -6 Stunden Reisezeit: ideal: Oktober bis April, ganzjährig möglich (Winterbedingungen im europäischen Sommer)
Reisebudget: ca. 700 €/Woche

2 Fakten zu Patagonien:

1)  Ein Himmel für Schafe: Alleine auf dem argentinischen Teil Patagoniens grasen rund 9,5 Millionen Schafe – rund fünfmal mehr als die Region Einwohner zählt.

2) Härtetest für die Frisur: In Patagonien ist Sturmfrisur angesagt. Nicht selten erreichen die föhnartigen Fallwinde von den Anden Geschwindigkeiten von über 100 km/h.

Wo liegt und was zählt alles genau zu Patagonien?

Patagonien ist kein Land im üblichen Sinne, sondern bezeichnet eine Region. Grob gesagt: der Südteil Chiles und Argentiniens. Die Bezeichnung geht auf den portugiesischen Seefahrer und Entdecker Ferdinand Magellan zurück. Die groß gewachsenen Ureinwohner beeindruckten ihn. Er nannte sie deshalb Patagonier, was soviel bedeutet wie »Großfüßler«.

Patagonien liegt in Chile und Argentinien.

Feste Grenzen für die Region Patagonien gibt es nicht. In der Regel wird damit aber das Gebiet zwischen den Flüssen Río Colorado in Argentinien bzw. dem Río Bío Bío in Chile und der Magellanstraße. Bisweilen wird auch die Inselgruppe Feuerland am äußersten Südzipfel Südamerikas mit dazu gezählt. Viele denken bei Patagonien spontan an die Gegenden entlang der Anden. Doch Patagonien erstreckt sich über die gesamte Breite des südamerikanischen Kontinents vom Pazifik bis zum Atlantik. Mit Ausnahme größerer Städte, die sich vor allem entlang der Ostküste befinden, ist Patagonien sehr dünn besiedelt.

Wann ist die beste Reisezeit für Patagonien?

Oktober bis April ist die angenehmste Reisezeit für Patagonien, dann herrscht auf der Südhalbkugel Sommer. Im Landesinneren kann es dann mitunter sehr heiß werden. Generell sind Reisen auch im südamerikanischen Winter möglich. Bariloche zählt zu den führenden Skigebieten in Südamerika. Allerdings ist dann insbesondere in Bergregionen mit Schnee auch auf den Straßen zu rechnen. Trekkingtouren in höher gelegenen Gebieten der Anden sind dann nicht möglich.

Das Klima Patagoniens ist regional sehr unterschiedlich. Entlang der Pazifikküste ist das Wetter das ganze Jahr über sehr wechselhaft – mit den besten Chancen auf längere Schönwetterphasen im Sommer. Auf der Westseite der Anden stauen sich die vom Pazifik heranziehenden Wolken. Östlich des Andenkamms herrscht oft eine Art Föhneffekt mit besserem Wetter, aber trotzdem häufig sehr starken Winden. Im Landesinneren und an der Ostküste ist das Klima eher trocken. Je nach Region sind die Temperaturen vergleichbar mit Mittel- und Südeuropa.

Planer Pagatonien Pinguin
Magellan Pinguine findet man unter anderem auf der Halbinsel Valdès.
Fitz Roy
Pagatonien
Das berühmte Massiv des Fitz Roy bei El Chaltén
Planer Pagatonien Trekking
Wer nach Patagonien reist sollte unbedingt eine Trekking-Tour planen.

Wie komme ich am besten nach Patagonien?

Von Europa aus am besten mit dem Flugzeug. Abhängig von den weiteren Zielen bieten sich Santiago de Chile im Nordwesten oder Buenos Aires an der argentinischen Ostküste an. Aber auch vor Ort sind die Entfernungen enorm. Beispiele:

  • Santiago de Chile – Punta Arenas: 3000 km
  • Buenos Aires – El Calafate: 2750 km

Die zeitsparendste Lösung für die Weiterreise in die Regionen Patagoniens deiner Wahl ab Santiago de Chile oder Buenos Aires sind Inlandsflüge oder Fernbusse. 20 Stunden Fahrt für längere Distanzen sind in Patagonien keine Seltenheit.

Was für ein Auto miete ich für einen Roadtrip in Patagonien?

Autovermietungen gibt es in Patagonien in allen größeren und touristisch relevanten Orten. Wer von Schnäppchenpreisen der Autovermieter in Europa verwöhnt ist, wird in Patagonien ein ernüchterndes Erwachen erleben. Mietwagen sind deutlich teurer als in Europa. Das gilt besonders für Allrad-Fahrzeuge. Erste Wahl sind deshalb einfache Klein- und Mittelklassewagen. Das ist ohnehin eine gute Entscheidung, wenn es darum geht, Langfinger nicht zu provozieren. Etwas günstiger als die großen internationalen Vermieter sind in der Regel lokale Autovermieter.

Preisbeispiel:

  • Kleinwagen für 3 Wochen in El Calafate, Oktober 2021: ab ca. 60 Euro/Tag
  • Toyota Hilux 4×4 für 3 Wochen in El Calafate, Oktober 2021: ab ca. 165 Euro/Tag

Für Reisen von bis zu 90 Tagen reicht der deutsche nationale Führerschein. Ein internationaler Führerschein kann dennoch bei eventuellen Polizeikontrollen von Vorteil sein. Grenzübertritte von Argentinien nach Chile und umgekehrt müssen vorher angemeldet werden und kosten extra. Eine Rückgabe des Fahrzeugs im jeweils anderen Land ist in der Regel nicht möglich.

Was ist die ideale Strecke für einen Roadtrip durch Patagonien?

Als »Roter Faden« für einen Roadtrip bietet sich die Ruta Nacional 40, sprich: »Ruta Cuarenta« an. Diese Straße ist längst Legende, sozusagen das Gegenstück zur Route 66 in den USA. Entlang dieser Nord-Süd-Traverse Südamerikas reihen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie an einer Perlenkette auf. Zubringerstraßen in die Andenregionen und ins Landesinnere zweigen von ihr ab. Die meisten Abschnitte der Ruta 40 in Patagonien sind mittlerweile geteert. Teils erinnert die Ruta 40 an einfache Landstraßen. Du solltest als deutlich mehr Zeit für die Fahrstrecken einplanen als auf europäischen Autobahnen.

Planer Pagatonien Ruta 40
Die Ruta 40 führt durch den Argentinischen Teil von Patagonien.
Pagatonien Lodge
Unterkünfte findet man in allen Klassen. Hier die Eco Lodge im Nationalpark Torres del Paine.
Planer Pagatonien
Viel Platz ist ein Merkmal von Patagonien.

Vorschlag für einen Roadtrip von Bariloche nach El Calafate:

  • Bariloche: Trekking-Tour oder Tageswanderungen Nationalpark Nahuel Huapi.
  • El Bolson: Ein traumhafter See, eine großartige Bergkulisse und Regenwälder warten im kleinen Nationalpark Lago Puelo.
  • Lago Buenos Aires: Auf der chilenischen Westseite des Sees gibt es im türkisfarbenen Wasser bizarre Gesteinsformationen und Höhlensysteme zu bestaunen. Die Marmorkathedralen – die Catedral und Capillas de Marmol.
  • Nationalpark Perito Moreno: Auf dem Weg Richtung Süden lohnt ein Abstecher in den Nationalpark Perito Moreno (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Gletscher nahe El Calafate). Der Nationalpark ist einer der ältesten und abgelegensten – hier ist wildes Patagonien garantiert. In den türkisblauen Seen gibt es sogar Flamingos.
  • Nationalpark Los Glaciares: Hier heißt es ordentlich Zeit einzuplanen, denn das Gebiet bietet Outdoor-Möglichkeiten für Monate. Zu den Highlights zählen die Gegend um das Trekking-Mekka El Chaltén mit den Berglegenden Fitz Roy und Cerro Torre. Ein Stück weiter nahe El Calafate ist der Besuch der Aussichtsplattform am Perito Moreno Gletscher ein Muss.
  • Torres del Paine Nationalpark: Wer am Ende der Tour immer noch einige Tage Zeit hat, der fährt von El Calafate 255 Kilometer weiter in den Torres del Paine Nationalpark auf chilenischer Seite – das nächste Mekka für Trekkingtouren.

Gesamtstrecke: mindestens 2000 Kilometer (einfach)

Sollte ich mir auch Feuerland ansehen?

Das hängt vom Zeitbudget ab. Die Wege in Patagonien sind weit. In einen zwei- bis dreiwöchigen Roadtrip lassen sich längst nicht alle Sehenswürdigkeiten packen, ohne in Freizeitstress zu geraten. Tipp: Konzentriere dich bei einem zwei- bis dreiwöchigen Roadtrip auf eine Region, zum Beispiel Nord- oder Südpatagonien.

Eine Reise in den Süden mit Highlights wie dem Torres del Paine Nationalpark lässt sich mit Feuerland verbinden. Die Entfernung von Torres del Paine bis Ushuaia beträgt aber immer noch rund 850 Kilometer. Der raue Mix Feuerlands mit beinahe menschenleeren Berglandschaften und Fjorden ist sicher eine Reise wert. Andererseits Seite finden sich ähnliche Landschaften und Erlebnisse auch weiter nördlich.

Mehr Patagonien im Globetrotter Blog

Du planst eine Reise nach Patagonien? Oder hast nun so richtig Lust bekommen, die wilde Region im Süden von Chile und Argentinien mit den atemberaubenden Landschaften und dem stürmischen Wetter zu bereisen. Wir haben einige Inspirationsquellen in unserem Blogarchiv für dich:

Dougs Vermächtnis

Vor fast fünf Jahren ist der Umweltaktivist Douglas Tompkins bei einem Kajakunfall in Patagonien ums Leben gekommen. Eines der letzten Interviews mit dem Gründer der Marken…

Stürmische Zeiten in Patagonien

Die Landschaft um die Torres del Paine in Patagonien ist atemberaubend schön und der gleichnamige Nationalpark entsprechend gut besucht. Doch mit Zelt auf der großen Trekkingrunde findet man noch immer einsa­me Momente, wie GM-Redakteur Julian Rohn festgestellt hat.

Patagonien: Das Tor zu Feuerland

Einen Monat ist es jetzt schon her, dass wir in Argentinien angekommen sind. Mittlerweile zählt der Kilometerzähler von unserem kleinen Oliver knapp 4500 Kilometer mehr, unzählige…

Welche Nationalparks sollte ich in Patagonien besuchen?

Die Westküste und die Anden Patagoniens zählen zu den wildesten noch erhaltenen Naturlandschaften der Erde. Wie an einer Perlenkette reihen sich Nationalparks von Nord nach Süd. Hier eine Auswahl der Sehenswertesten:

Nationalpark Los Glaciares

Berge wie Monumente, riesige Gletscher, türkisfarbene Seen – im Nationalpark Los Glaciares stehen Granitlegenden wie der Cerro Fitz Roy und der Cerro Torre – Ziel zahlreicher Profi-Bergsteiger. Aber auch imposante Tages-Trekking-Touren sind möglich. Ideale Ausgangspunkte für Unternehmungen: El Calafate und das Örtchen El Chalten. Zu den »Stars« des Nationalparks zählt der Perito Moreno Gletscher nahe El Calafate – der weltweit letzte noch wachsende Gletscher.
Info: www.argentina.gob.ar/parquesnacionales/losglaciares

Nationalpark Torres del Paine

Südlich des Nationalparks Los Glaciares schließt sich auf chilenischer Seite der kaum minder spektakuläre Nationalpark Torres del Paine an. Ein Traumziel für Trekking-Fans. Auch hier erheben sich mächtige Gletscher und Granitberge – beeindruckende Kulisse und imposanter Kontrast zur golden leuchtenden Pampa. Wahrzeichen ist das Bergmassiv Torres del Paine.
Info: www.conaf.cl/parques/parque-nacional-torres-del-paine

Bernardo O’Higgins Nationalpark

Der größte Nationalpark Chiles umfasst die Küstenkordillere am Pazifik und einen guten Teil des Südpatagonischen Inlandseises – der größten zusammenhängenden Gletscherfläche mit Ausnahme von Grönland, Nord- und Südpol. Eine in weiten Teilen unberührte Region mit wilden Bergmassiven, Gletschern, urwaldartigen Regenwäldern und einer reichhaltigen Tierwelt.
Info: www.conaf.cl/parques/parque-nacional-bernardo-ohiggins

Nationalpark Nahuel Huapi

Weiter nördlich, nahe Bariloche, liegt der Nationalpark Nahuel Huapi. Er zählt zu den ältesten Nationalparks Argentiniens. Die Region ist touristisch sehr gut erschlossen. Auf Wanderungen kommt man sich beinahe vor wie in der Schweiz.
Info: www.nahuelhuapi.gov.ar

Tompkins Conservation

Wenn es um Patagoniens Nationalparks geht, darf auch Douglas Tompkins Beitrag dazu nicht fehlen. Der Gründer der Marken The North Face und Esprit setzte einen Großteil seines Vermögens für die Erhaltung ursprünglicher Naturlandschaften in Patagonien ein. Zusammen mit seiner Frau Kristine gründete und unterstützte er 15 Nationalparks in Chile und Argentinien. Eines der bekanntesten Projekte ist der Pumalin Park.

Info: Einen guten Überblick bietet die Website der Tompkins Conversation. Douglas Tompkins Frau Kristine führt nach seinem Tod bei einem Paddelunfall die Arbeit der Stiftung weiter.

Ruta de los Parques

Vom Chilenischen Puerto Mont bis ans Kap Horn. Die 2500 Kilometer lange Ruta de los Parques verbindet 17 Nationalparks mit einer Fläche so groß wie die Schweiz. Eine perfekte Steilvorlage für einen unvergesslichen Road-Trip.
Info: www.rutadelosparques.org

Halbinsel Valdès

Pinguine aus nächster Nähe, Robben jagende Orcas, Whale-Watching, einsame Strände – im Naturreservat der Halbinsel Valdès an der argentinischen Ostküste zeigt sich Patagonien von einer überraschend maritimen Seite. Das Naturreservat zählt zum UNESCO Welterbe.
Info: www.puertopiramides.gov.ar

Pagatonien Nahuel Huapi
Der Nationalpark Nahuel Huapi in der Nähe von Bariloche.
Planer Pagatonien Cerro Torre
Trekking zur Laguna Torre mit dem Cerro Torre im Hintergrund.
Planer Pagatonien Torres del paine
Die Cuernos del Paine im Nationalpark Torres del Paine.

Welche Trekkingtour sollte ich in Patagonien machen?

Möglichkeiten für Trekkingtouren gibt es in Patagonien so zahlreich wie Stürme, die bereits über die Region gefegt sind – endlos viele. Hier eine kleine Auswahl an Highlights:

El Chalten: Laguna Torre

Die leichte Tageswanderung führt von El Chalten zur Laguna Torre. Hinter dem See ragt imposant der Gipfel des legendären Cerro Torre auf. Strecke: ca. 17 km, 6 Stunden.

Feuerland: Circuito Dientes de Navarino

Die südlichste Trekking-Route der Welt: wilde, windumtoste Gebirgszüge, kristallklare Bergseen und beeindruckende Fjordlandschaften. Startpunkt ist der Fischerort Puerto Williams. Der 53 Kilometer lange und teils weglose Trek umrundet die zerklüfteten Bergspitzen der Dientes de Navarino. Strecke: 53 km, ca. 4-5 Tage.

Torres del Paine: W-Trek

Der Trekking-Klassiker im Torres del Paine Nationalpark. Er führt direkt an den Granittürmen vorbei und bietet atemberaubende Blicke auf den Grey-Gletscher. Dauer: 4-5 Tage.

Bariloche: Pampa Linda – Colonia Suiza

Eine der faszinierendsten und anspruchsvollsten Mehrtages-Trekkingtouren im Nationalpark Nahuel Huapi. Die Route ist nicht immer leicht zu finden, bietet dafür aber grandiose Ausblicke auf Berge und Seen. Dauer: 4-6 Tage

Villarica: Vulkan-Tour

Unübersehbar und faszinierend – die Vulkane Patagoniens. Eine der einfachsten Möglichkeiten, in einen dampfenden und blubbernden Krater zu schauen, ist eine geführte Tour auf den Villarica bei Pucon im chilenischen Seengebiet.

Pferde-Trekking

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Patagonien gleicht einer riesigen Westernlandschaft. Perfekt für eine Trekking-Tour im Pferdesattel. Eine der besten Adressen dafür: die Estanzia der weiblichen Gaucho-Legende Carol Jones.

Finden auch Nicht-Profis in Patagonien was zum Klettern?

Cerro Torre, Fitz Roy – hier wurde Klettergeschichte geschrieben. Die sturmumtosten Kletter-Klassiker beherrschen mit ihren anspruchsvollen Routen im Expeditionsstil immer noch die Schlagzeilen in der Kletterszene. Doch Patagonien ist auch ein Paradies für Normalo-Kletterer – egal ob Bariloche oder El Chaltén, ob im Norden oder Süden, fast jede Region mit touristischer Infrastruktur bietet mittlerweile auch abgesicherte Sportkletterrouten.

Eines der besten Felsklettergebiete in Patagonien ist Piedra Parada. Das Gebiet mit beeindruckend leuchtenden Felsformationen liegt 130 Kilometer östlich des argentinischen Städtchens Esquel. Hier warten in 35 Sektoren fast 300 abgesicherte Sportkletterrouten ab Schwierigkeitsgrad 4a. Als Basecamp gibt’s einen Campingplatz. Einen guten Eindruck von Piedra Parada und viel Kletterspaß vermittelt das Video vom Petzl RocTrip in Piedra Parada 2012.

Planer Pagatonien Periton Moreno
Am Perito Moreno Gletscher bei El Calafate kann man spektakuläre Eisabrüche erleben.
Pagatonien Villarica
Der Vulkan Villarica in Chile bei Pucon.
Pagatonien Torre de Paine
Die drei Torres del Paine geben dem Nationalpark den Namen.

Welche Touristenattraktionen sollte man trotzdem noch mitnehmen?

Planer Pagatonien Guanako
Guanakos kann man oft einfach von der Straße aus beobachten.

Die erweiterte Bucket-List lohnender Outdoor-Unternehmungen in Patagonien reicht für mehr als ein Leben. Da kann man sich manchen Standard-Tipp aus dem Reiseführer ruhig sparen. Trotzdem sollte man manche touristische Attraktion ruhig mitnehmen. Hier unsere Top 10:

  1. Vom Aussichtspunkt dem Perito Moreno Gletscher beim Kalben zuschauen (auch mit Bootstour und Mini-Gletschertrekking buchbar)
  2. Bosque Petrificado: Reste eines Waldes aus versteinerten Baumstämmen, die ihren Ahnen aus Holz bis auf kleinste Fasern verblüffend ähnlichsehen. Zu bestaunen 38 Kilometer südöstlich des Ortes Sarmiento in der Provinz Chubut.
  3. Aussichtspunkt Torres del Paine: Auf der Suche nach einem Motiv für viele Insta-Likes oder eine Foto-Tapete? Der Blick auf die Torres del Paines ist einfach ein Muss.
  4. La Chocolateria in El Chaltén: Anabels Laden im Herzen von El Chaltén ist längst eine Institution. Hier trifft man ausgehungerte Bergsteigerlegenden nach ihren Expeditionen. Und außer Schokolade gibt es abends auch Pizza.
  5. Vulkan-Tour Villarica: Dem aktiven Vulkan in seinen dampfenden und blubbernden Schlund schauen. Zum Krater auf 2847 Meter Höhe geht’s nur per geführter Tour.
  6. Whale Watching: Näher als auf der Halbinsel Valdéz kommt man den Giganten der Meere nur selten.
  7. Guanakos gucken: Wo? Fast überall in Patagonien. Oft tauchen die sprungfreudigen, wilden Verwandten der Lamas unvermittelt am Straßenrand auf.
  8. La Trochita: Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Equel nach El Maitèn – wie in einem alten Westernzug.
  9. Rodeo: Im Land der Gauchos ein Muss. Am authentischsten sind kleine, lokale Veranstaltungen.
  10. Cueva de las Manos: Die Höhlenzeichnungen, die aussehen wie Graffiti von Händen, geben Forschern bis heute Rätsel auf. Zu besichtigen südlich der Stadt Puerto Morena in Argentinien.

Kann man auch ohne Auto durch Patagonien reisen?

Für einen Roadtrip durch Patagonien ist nicht zwingend ein Auto erforderlich. Das Netz an Fernbussen und regionalen Bussen ist in Chile und Argentinien sehr gut. Allerdings ist auf langen Strecken ordentlich Sitzfleisch gefragt. Zugfahren kommt wegen des nicht ausreichenden Schienennetzes weniger in Frage. Fahrpläne lassen sich zum Beispiel über www.checkmybus.de abfragen.

Wieviel Zeit sollte ich für Patagonien einplanen?

Zwei Wochen sind Minimum, schon wegen der Zeitumstellung. Und so richtig interessant wird es wegen der weiten Distanzen eigentlich erst ab drei Wochen und mehr. Tipp: Nimm dir nicht zu viel vor. Je weniger Zeit du hast, desto weniger Kilometer solltest du dir vornehmen. Konzentriere dich lieber auf eine kleinere Region und genieße die dafür intensiver.

Brauche ich ein Visum für Patagonien?

Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Chile und Argentinien sowie für den Aufenthalt von bis zu 90 Tagen als Tourist kein Visum. Als Reisedokument ist ein Reisepass erforderlich. Planst du einen längeren Aufenthalt oder willst du in Argentinien arbeiten ist, solltest du dich vor Reiseantritt an das argentinische bzw. chilenische Konsulat wenden. Außerdem gilt es, je nach Infektionslage, die aktuellen Covid19-Bestimmungen zu beachten.

Planer Pagatonien Illustration

Was kostet eine Reise nach Patagonien?

Unterm Strich ist eine Reise nach Patagonien mit Reisen in Europa vergleichbar. In Argentinien sind die Preise für Unterkunft, Hotels, Essen etwas günstiger als zuhause. Doch Mietwagen sind teurer. Die Preise in Chile sind generell höher als in Argentinien.

  • Direktflug Buenos Aires ab Frankfurt: ab ca. 750 Euro; Santiago de Chile ab ca. 900 Euro (abhängig von der Reisesaison)
  • Benzin: Argentinien 0,84 Euro/Liter; Chile: 1,05 Euro/Liter
  • Hostels: ab ca. 15 Euro/Person
  • Bed & Breakfast: ab ca. 30 Euro/Person
  • Verpflegung: 15 bis 40 Euro pro Tag

Ist Patagonien auch ein Reiseziel mit Kindern?

Patagonien ist kein klassisches Ziel für Reisen mit Kindern. Aber je nach Vorhaben steht einer Reise mit der kompletten Familie nichts entgegen. Die Infrastruktur ist in etwa vergleichbar mit Südeuropa. Je nach Region sollten die Kids auf jeden Fall unternehmungslustig und wetterfest sein. Die langen Distanzen zwischen den einzelnen Regionen sollte man sich gut aufteilen.

Was muss mit auf die Packliste für Patagonien?

  • Wetterfest: Eine wind- und wasserdichte Hardshell-Jacke ist Pflicht. Ebenso eine Hardshell-Hose, zumindest in kühleren Regionen.
  • Stabile, robuste Trekkingschuhe für längere Wanderungen
  • Zelt: Wichtig ist eine windfeste Konstruktion.
  • Mehrtagesrucksack: Wirklich tief in die faszinierenden Landschaften und die Ruhe Patagoniens eintauchen wirst du nur auf mehrtägigen Touren. Ein Mehrtagesrucksack sollte deshalb unbedingt mit.
  • Warme Sachen: Gerade in den Anden kann es auch im Sommer empfindlich kühl werden. Und die legendären, starken Winde machen die Sache nicht angenehmer. Regensachen, Mütze und Handschuhe sollten deshalb auf jeden Fall ins Gepäck.
  • Outdoor-Utensilien: Die Auswahl an Outdoor-Ausrüstung wie Isomatten, Kocher, Schlafsäcken und Outdoor-Bekleidung ist in Argentinien und Chile deutlich geringer als zuhause. Gute Sachen sind in Patagonien zudem teuer und nicht ohne weiteres an jedem Ort erhältlich. Wichtige Teile also am besten schon zuhause besorgen.

Ist Patagonien gefährlich?

Patagonien grundsätzlich nicht gefährlicher als Europa. Wie fast überall auf Reisen sollest du aber gerade in Städten auf der Hut sein. Das vollgepackte Auto am besten nachts nicht unbewacht stehen lassen, vorher leerräumen. Keine Wertsachen im Auto lassen.

In abgelegenen Gebieten abseits der Tourismusregionen bewährt es sich, freundlich und zurückhaltend aufzutreten. Oft sind die Bewohner dort Touristen nicht gewohnt oder nicht an ihnen interessiert. Die sozialen Strukturen sind dort bisweilen noch etwas archaisch. Die Reaktionen auf Fremde sind eher reserviert, in Einzelfällen auch harsch. Was aber nicht bedeutet, dass sich auch bei solchen Begegnungen eine intensive Gastfreundschaft entwickeln kann.

Wie verständige ich mich in Patagonien?

Wenn du Spanisch sprichst (und auch etwas verstehst), und sei es nur die wichtigsten Brocken, bist du auf der sicheren Seite. In touristisch entwickelten Regionen wie El Chaltén oder Torres del Paine und größeren Städten kommt man auch mit Englisch ganz ordentlich durch.

Wo übernachtet man in Patagonien am besten?

Wie in Europa steht dir die ganze Palette offen – von Campingplätzen über bewirtschaftete Hütten, Hostels, Bed & Breakfast, Pensionen bis zu luxuriösen Lodges. Wildes Campen ist in den Nationalparks mit Ausnahme offizieller Camp-Grounds teils verboten, jedenfalls in der Nähe touristischer Hotspots. Ansonsten wird wildes Campen in der Regel geduldet. Teils sind weite Landstriche in Privatbesitz und gehören zu Estanzias. Dort am besten vorher erkundigen. Möglichst wenig Spuren und keinen Müll zu hinterlassen, sollte ohnehin selbstverständlich sein.

Wie bezahlt man in Patagonien?

In Argentinien und Chile bezahlst du mit Pesos. Beide Länder haben aber ihre eigene Währung.

  • Argentinien: 1 Euro = ca. 116 Argentinische Pesos
  • Chile: 1 Euro = ca. 876 Chilenische Pesos

In größeren Orten und touristischen Regionen werden Kreditkarten akzeptiert. In sehr abgelegenen Regionen solltest du auf jeden Fall eine gewisse Bargeldreserve dabeihaben. Selbst wenn es dort Geldautomaten gibt, kann es sein, dass sie nicht funktionieren. Vor ein paar Jahren gab es selbst im recht touristischen Ort El Chaltén nur einen Geldautomaten und der konnte auch mal für mehrere Tage leer sein – ehe der nächste Geldtransport kam.

Was isst und trinkt man in Patagonien?

Planer Pagatonien Mate
Mate-Tee ist das Getränk überhaupt in Patagonien.

Patagonien ist ein typisches Einwanderungsland. So vielfältig wie die Wurzeln der Bevölkerung, so bunt ist die Küche. Was auch auf den Teller kommt: Vegatarier haben es in Patagonien nicht leicht.

Asado: Grillparty auf Patagonisch – bevorzugt kommt bei Barbecues mit Freunden oder mit der Familie Fleisch von Rind und Lamm aufs Feuer – in allen Variationen und am besten in Massen. Beilagen werden eher in homöopathischen Dosen gereicht. Dazu gibt’s exzellenten Malbec oder andere heimische Weine, viele greifen aber auch zum Bier.

Fisch: Am Meer kommen regelmäßig Fisch und Meeresfrüchte auf den Tisch. Beim chilenischen Cancato wird der Lachs mit Tomate, Zwiebel, Käse und einer Longaniza, einer Rohwurst, gefüllt und gegrillt.

Choripan: Chorizo heißt die Bratwurst in Patagonien. Pan das Brot. Fertig ist das Choripan – ein Mix aus Burger und Bratwurstsemmel, nur viel leckerer. Würziges Chimichurri, eine Soße mit Kräutern, Zitrone, Knoblauch und Gewürzen wirkt wie eine Aromabombe.

Empanadas: Wie in fast ganz Südamerika fehlen auch in Patagonien die gefüllten Teigtaschen nicht. Klassisch mit Rindfleisch gefüllt, vegetarisch mit Spinat, mit Lachs, … die Fantasie der Empanada-Bäcker kennt kaum Grenzen.

Mate-Tee: Wird traditionell aus kleinen ausgehölten Kürbissen (Kalebasse) mit einem metallenden Strohhalm (Bombilla) getrunken. Dabei werden die Teeblätter direkt in die Kürbis-Tasse gegeben und mit heißem Wasser immer wieder aufgegossen. Der erste Aufguss sind sehr bitter und wird oft weggegossen.

Rotwein: Argentinien und Chile sind für ihre guten (Rot-)Weine bekannt. Kaum ein Assado kommt ohne Rotwein aus. Wein ist in Argentinien günstiger als in Deutschland.

Der Autor und seine persönliche Patagonien-Erfahrung:

Christian Penning | Freier Autor und Fotograf

Bereits vier Mal war Christian in Patagonien – und es werden für den begeisterten Outdoor-Sportler und Outdoor-Fotografen wohl noch ein paar Reisen mehr an den Südzipfel Südamerikas dazukommen. Zwei seiner Trips verschlugen ihn zusammen mit seinen Bergsteigerfreunden und Patagonien-Experten Jacob Slot und Cornelia Zamernik auf das Patagonische Inlandseis nahe El Chalten. Nicht weniger begeistert war Christian aber auch von den Vulkanen Chiles, einem rustikalen Ski-Roadtrip im Winter von Bariloche nach El Chalten und einem Abstecher zu den Stränden an der Ostküste im Naturpark der Halbinsel Valdez. Selbstverständlich schaute er auf dem Weg dorthin auch im Klettergebiet Pietra Parada vorbei. Trotz Tausender Kilometer, die er schon durch Patagonien gereist ist, hat Christian das Gefühl, nur einen minimalen Bruchteil dieser riesigen, wilden Region zu kennen.

Text: Hanns-Christian Nicken | Illustration: Susanne Mader
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