Reiseplaner Great Divide Trail
Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles was du über den Great Divide Trail in Kanada wissen musst, erklären wir in diesem Artikel.

Inhalt:

Reiseplaner Kanada
Kanada liegt in Nordamerika und reicht von der Pazifikküste bis an den Atlantik. Die einzigen richtigen Landesgrenzen befinden sich im Süden und Nordwesten zu den USA. Im Norden grenzt Kanada an das Nordpolarmeer.

Globetrotter Infos: Kanada und der Great Divide Trail

Sprachen:  Englisch, Französisch
Einwohner: 37.894.799 (Stand 2020)
Größe: 9.984.670 km²
Bevölkerungsdichte: 3,8 Einwohner pro km² (Deutschland: 233 Einwohner pro km².)
Geld: Kanadischer Dollar (CAD)
Zeitverschiebung: MEZ –4,5 bis –9h
Reisezeit: Hauptsaison ist zwischen Mai und September, Wandern auf dem GDT zwischen Juli und September.
Reisebudget: ~600-1200 €/Woche 

2 Fakten zum Great Divide Trail

1)  Der Great Divide Trail beginnt, wo der Continental Divide Trail endet! Besonders passionierte Thru-Hiker können so von der Grenze Mexikos bis zum Lake Kakwa durchwandern! Ein Sommer wird für die 6000 km aber kaum reichen.

2) Die Idee des GDT kam 1966 einigen Pfadfinderinnen die als erste vorschlugen, die gesamte Länge der Grenze zwischen British-Columbia und Alberta zu wandern – 45 Jahre später ist der Trail immer noch nicht offiziell anerkannt, aber es gibt eine Route, die stetig erweitert. Der GDT ist also work in progress!

Was ist Thru-Hiking?

Ein Thru-hike (oder Through-Hike) lässt sich als Fernwanderweg übersetzen. Meistens legt man als Thru-Hiker mehrere tausend Kilometer zu Fuß an einem Stück zurück. Die bekanntesten Trails sind der Pacific Crest Trail (PCT), Appalachian Trail (AT), Continental Divide Trail (CDT), der Te Araroa in Neuseeland oder der Jakobsweg in Spanien. Thru-Hiker sind eine eingeschworene Gruppe und haben ganz eigene Riten und Bräuche! Sie geben sich Trailnamen wie »Coyote«, »Lighthouse« oder »Trial by fire« und verbringen regelmäßig ihre Sommermonate draußen. Thru-Hiker erkennt man leicht an einem flotten Wandertempo (Tagesdistanzen >40 km sind nicht unüblich), einer minimalistischen Ausrüstung (ein Rucksack >15 kg wiederum ist eher unüblich) und einem etwas wildem Äußeren. Aus Gründen des Gewichts wird auf Luxus wie Seife, zusätzliche Kleidung und Koch-Equipment verzichtet.

Reiseplaner Great Divide Trail

Was ist der spezielle Reiz des Great Divide Trail?

Wenn einem 5000 km auf dem PCT zu weit sind und man eine Herausforderung mit mehr Wildnis und Einsamkeit sucht, ist der Great Divide Trail (GDT) in Kanada keine schlechte Wahl. Der GDT ist kein offizieller Wanderweg und somit oftmals nicht mehr als ein unwegsamer Pfad durch die kanadische Wildnis. Die Rocky Mountains sind weit und majestätisch und trotz zahlreicher Herausforderungen ist der GDT ein Geheimtipp unter erfahrenen Thru-Hikern. Weniger als 100 Menschen versuchen jährlich den GDT in seiner vollen Länge zu wandern! Einigen Abschnitte sind so abgelegen, dass man drei Tage wandert, ohne überhaupt eine Menschenseele zu erblicken. Doch diese Abgeschiedenheit und die Einfachheit der Tage ist erfüllend: Alles was man braucht trägt man auf dem Rücken und blickt abends Stolz auf den Tag zurück.

Wie lang ist der Great Divide Trail und wo führt er lang?

Der Great Divide Trail ist ein recht kurzer Thru-hike mit ca. 1100 Kilometer durch die Rocky Mountains. Er ist in 7 Sections von ca. 105-210 Kilometer unterteilt. Man folgt dabei der Wasserscheide (Great Divide) entlang der Grenze von Alberta und British-Columbia. Alle Flüsse östlich dieser Wasserscheide münden in den Atlantik, während alle Flüsse im Westen im Pazifik enden. Über die gesamte Distanz steigt man ca. 30.000 Höhenmeter auf und wieder herab. Die meisten Wanderer starten am südlichen Ende, also an der US-Grenze nahe Waterton, und wandern Richtung Norden (NOBO = »north-bound«) zum Mount Robson oder zum erweiterten Ende am Lake Kakwa.

Wie lange braucht man für den Great Divide Trail?

Das hängt ganz davon ab, wie schnell man wandert. Die FKT (fastest-known-time) sind 20 Tage und sech Stunden, aber das sind dann 55 Kilometer am Tag! Die meisten gehen es etwas gemütlicher an und brauchen ca. acht Wochen. Zum Vergleich: Wir haben den Trail in 42 Tagen bewältigt und sind im Schnitt 24 Kilometer am Tag gewandert. Verglichen zu anderen Thru-Hikes legt man auf dem GDT täglich kürzere Distanzen zurück, da die Bedingungen auf dem Trail schwieriger sind. Oft liegen Bäume quer oder der Weg verliert sich im Dickicht.

Kann man auch nur einzelne Etappen des GDT laufen?

Klar! Wer nicht die Zeit oder Erfahrung mitbringt um acht Wochen durch die Rocky Mountains zu wandern, kann auch einfach nur eine Section wandern. Das lässt sich zum Beispiel prima mit einer Autorundreise durch den Osten Kanadas kombinieren. Besonders zu empfehlen für Anfänger die Thru-Hiking Luft schnuppern wollen, ist die Section C von Kananaskis nach Field. Dieser Abschnitt führt 208 Kilometer durch drei Nationalparks mit gutem Trail und dem »Matterhorn der Rockies«, dem Mount Assiniboine!

Wann ist die beste Reisezeit für den Great Divide Trail?

Das Zeitfenster in dem der GDT begangen werden kann ist recht kurz: Ab Anfang Juli ist das Wetter für 10-12 Wochen bis Mitte September ausreichend gut. Vor Juni sind viele Pässe durch üppigen Schneefall noch unpassierbar und zum Ende der Saison nehmen die Temperaturen schnell ab und das Wetter wird unbeständiger. Aber selbst im Hochsommer muss man mit Wetterextremen (Starkregen, Schnee, hohe Temperaturen >30°C) rechnen.

Kanada Great Divide Trail Zelt
Jan Torge Fahl
Jan Torge Fahl
Kanada Great Divide Trail
Jan Torge Fahl

Brauche ich ein spezielles Visum für Kanada?

Nein, für deutsche Urlauber wird für einen touristischen Aufenthalt bis zu sechs Monaten kein Visum benötigt. Wenn man allerdings mit dem Flugzeug einreist, muss vor Reiseantritt eine elektronische Reisegenehmigung (electronic Travel Authorization – eTA) beantragt werden. Diese eTA kostet 7 CAD (ca. 5€) und ist über die Website der kanadischen Behörden erhältlich.

Brauche ich ein Permit für den Great Divide Trail?

Ja und Nein, ein allgemeines Permit für den GDT gibt es nicht. Allerdings muss man für die Nationalparks einen Discovery Pass kaufen und Zeltplätze reservieren, um dort übernachten zu dürfen. Die Zeltplätze in den Nationalparks sind so populär, dass es jedes Jahr im Januar einen wahren Run auf das Reservierungstool der Nationalparkbehörde gibt und Zeltplätze für die gesamte Saison innerhalb von 30 Minuten ausgebucht sind. Gute Vorbereitung und Akribische Planung sind also entscheidend! Das schreckt (verständlicherweise) viele Wanderer ab, denn im Prinzip muss man im Januar bereits wissen wann man wo schlafen möchte, ohne dass man Unwägbarkeiten wie Wetter etc. kennt. Zum Glück hat die Great Divide Trail Association (GDTA) hat einen detaillierten Guide geschrieben, wie man den Trail am besten organsiert. Mitunter kann auch ein Anruf bei den entsprechenden Nationalpark-Büros hilfreich sein!

Reiseplaner Great Divide Trail

Für wen ist der Great Divide Trail ein realistisches Ziel?

Man muss ehrlich sein: Der GDT ist nichts für Anfänger! Selbst erfahrene Wanderer müssen sich neuen Herausforderungen stellen. Das Terrain ist anspruchsvoll mit unzähligen steilen Anstiegen, exponierten Pässen und unwegsamen Gelände (zum Beispiel machen sogenannte »Blow Downs«, wo Lawinen die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt haben, ein Fortkommen mühsam). Der Trail ist vielerorts nicht markiert und kaum mehr als unscheinbarer Pfad durch dichte Wälder. Man muss also geübt sein im Gebrauch von Karte und GPS sein und das Navigieren anhand von Merkmalen in der Landschaft beherrschen. Flussquerungen und nasse Füße gehören zum Alltag dazu, mitunter reicht einem das Gletscherwasser in den reißenden Flüssen bis zu den Hüften. Die wechselnde Witterungsbedingungen mit Schneefall im Juli wurden bereits oben erwähnt. Aber auch größere Waldbrände sind im Sommer nicht ungewöhnlich und man sollte deren Entwicklung aufmerksam verfolgen! Nicht zuletzt muss man auch mit der Einsamkeit fertig werden: Netzabdeckung mit dem Handy ist eine Ausnahme und der Trail ist so abgelegen, sodass man nicht vielen Wanderern begegnet. Eher trifft man auf Grizzlys und Schwarzbären, die in den Rocky Mountains heimisch sind. Vorsicht ist besonders dann geboten, wenn Bären ihre Jungen dabeihaben!

Wie bereite ich mit körperlich auf den GDT vor?

Wie immer gilt: Die Berge sind kein Spielplatz, ein Minimum an Ausdauer und Fitness ist also zwingend erforderlich. Aber man muss auch nicht regelmäßig einen Marathon laufen, um den GDT zu meistern. Wenn man sein Tagespensum vorsichtig aufbaut, sind nach kurzer Zeit auch größere Distanzen möglich. Je nach Gelände und Fitness kann man mit 15 Kilometern täglich anfangen und diese Distanz nach und nach steigern. Beispielsweise wandert man in der ersten Woche 15 Kilometer täglich, in der zweiten Woche 20 Kilometer täglich und so weiter. Viele Wanderer überschätzen sich am Anfang und müssen ihren Thru-Hike wegen möglicher Überlastungen und Blessuren (Blasen am Fuß, Achillesfersen-Reizung, etc.) abbrechen. Schon zuhause sollte sich und sein Equipment testen und probieren, ob alles wie geplant funktioniert. Warum nicht mal den Rucksack packen und von der Haustür aus 15 Kilometer in die Natur wandern und ein Mikroabenteuer machen? Das bringt einen nicht nur in Stimmung für den GDT, sondern zeigt auch wo eventuell noch nachgebessert werden muss und welches Material man einfach zuhause lassen kann.

Kanada Landschaft

Was muss ich an Logistik vorbereiten?

Da der GDT durch recht entlegene Regionen führt und nur gelegentlich eine Ortschaft passiert, kann die Planung schwierig sein. Es ist zu empfehlen einige Tage eher nach Calgary zu fliegen (Direktflug Air Canada von Frankfurt), um hier dann die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. In Calgary gibt es von Supermarkt bis zum Outdoor-Fachgeschäft alles, sodass man alles Notwendige (Ursack, Bearspray, Energieriegel etc.) vor Ort besorgen kann. Dann empfiehlt es sich Pappkartons zu kaufen und diese an die Postoffices oder »Trail Angels« (freiwillige Helfer, die Wanderer unterstützen) entlang der Route zu verschicken. In so eine Resupply Box packt man dann die Essensrationen, das Kartenmaterial und sonstiges Equipment für die folgende Section. Ist man einmal auf dem Trail unterwegs und erreicht man dann das Etappenziel, holt man dort einfach die Box ab und hat direkt alles für die bevorstehende Section parat. So vermeidet man auch dass man unterwegs noch Verpflegung kaufen muss. Ein kleiner Tipp am Rande: Bereitet euch mit kleinen Überraschungen selbst eine Freude! Zum Beispiel wirken eine Tafel Schokolade oder eine andere Lieblingsspeise Wunder auf die Moral nach einer anstrengenden Section.
Wenn ihr Resupply Boxes verschickt müsst ihr auf jeden Fall die Öffnungszeiten der Postoffices beachten! Es gibt nichts schlimmeres, als Samstagabend eine Ortschaft zu erreichen und bis Montag warten zu müssen, bevor das Postoffice wieder öffnet. Zudem müssen die Resupply Boxes gekennzeichnet werden (»Please hold for Great Divide Hiker«), damit sie länger als üblich eingelagert werden.

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Wie komme ich zum Anfang des Trail und am Ende wieder zurück?

Airport Shuttle Express bietet einen Transfer von Calgary Airport nach Waterton, also dem südlichen Ende des GDT. Das nördliche Ende Mount Robson oder Lake Kakwa sind nicht durch öffentliche Verkehrsmittel angebunden, sodass man am besten Hitchhiked, oder sich mit anderen Wanderern auf dem GDT kurzschließen muss! Der Lake Kakwa Provincial Park liegt so abgelegen, dass man noch zwei weitere Tage wandern muss, bevor man den 75 Kilometer entfernten Highway 16 erreicht. Grundsätzlich empfiehlt es sich in der Facebook Gruppe der GDTA nachzufragen ob nicht noch jemand zum Trail Head reist. Die Kanadier sind außerordentlich gastfreundlich und unterstützen Thru-Hiker gern bei der An- und Abreise.

Was muss mit auf die Packliste für den Great Divide Trail?

Die Anzahl an Hütten lässt sich an einer Hand abzählen, daher sind ein leichtes Zelt samt Schlafsack und Isomatte unerlässlich! Ein Must-Have ist auch ein sogenannter Ursack, der die Nahrung nachts sicher vor Bären verwahrt. Apropos Bären: Man sollte unbedingt Bearspray kaufen und immer griffbereit bei sich tragen! Als unerwartet hilfreich haben sich auch leichte Wanderstöcke erwiesen, die zusätzlichen Halt beim queren reißender Flüsse bieten. Da die Füße ohnehin ständig nass sind, sind leichte Trailrunningschuhe besser geeignet als schwere Wanderstiefel. Als sonnenempfindlicher Wanderer greife ich gerne zu einem leichten Longsleeve, aber auch Merinoshirts eignen sich prima und man riecht weniger streng.

Das Buch Hiking Canada’s Great Divide Trail von Dustin Lynx ist ein essenzieller Führer, der die Route mitsamt aller Tücken detailliert beschreibt. Eine leichtere Kindle Version ist ebenfalls verfügbar. Auf dem Handy solltet ihr die FarOut App (erhältlich für Apple und Android) herunterladen, da hier andere Wanderer wertvolle Informationen zu beispielsweise Flussquerungen und Wasserquellen teilen. Zusätzlich haben wir die App Topo Maps Canada (kostenlos auf Apple und Android) genutzt. Zur Stromversorgung kann man zu einer tragbare Batteriebank greifen. Auch Kopfhörer sollten nicht fehlen, denn wenn man 15 Kilometer einem Highway entlangwandert, ist es schön den Lärm der Straße durch Podcasts oder Musik auszublenden. Grundsätzlich gilt es jedoch: Nur so viel nötig und so wenig wie möglich mitnehmen! Zwei Unterhosen reichen völlig aus. Unsere Packliste ist online verfügbar, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Wie groß sollte der Rucksack sein?

Thru Hiker sind echte Gramjäger und tragen oft weniger als 10 Kilogram auf dem Rücken. Völlig zurecht – denn ein leichter Rucksack macht es erst möglich so große Distanzen zurückzulegen. Wichtig ist hierbei allerdings: »Mach dein Ding!« (Oder »Hike your own hike« in thru-hiker-lingo). Wenn man persönliche Gegenstände absolut nicht missen will (Kamera, eine extra Unterhose etc.) muss man in den sauren Apfel beißen und das zusätzliche Gewicht tragen. Beispielsweise haben wir uns bewusst entschlossen Gas und Titantöpfe zu tragen, um auch an kalten Tagen etwas Warmes essen zu können.

Unsere Ausrüstung haben wir auf zwei Tatonka Yukon mit 60 Liter verteilt – wahrlich kein Leichtgewicht und in Zukunft würden wir zu einem kleineren und leichteren Modell greifen. Es gilt zu beachten, dass der Rucksack schon die Verpflegung für mindestens 7 Tage fassen muss. Wenn man 1 Kilo pro Person pro Tag rechnet, sind das auf einigen Sections mindestens 7 Kilo Essen. Ein Rucksack mit weniger als 40 Liter Volumen ist da schon eng. Insgesamt war unser Rucksack am Anfang der Sections ca. 18-20 kg schwer, und wurde mit jedem Tag um 1 Kilogramm leichter – ein netter Nebeneffekt des ständigen Bärenhungers!

Was muss ich mitnehmen und was kann ich unterwegs einkaufen?

Der Great Divide Trail führt durch abgelegene Täler der Rocky Mountains und man kommt nur etwa alle 7 Tage durch einen Ort. Alles was man benötigt muss man also vorher besorgen und bei sich tragen. Gelegentlich quert man auch größere Ortschaften wie Banff oder Field, allerdings sind in diesen Touristenhochburgen die Preise gepfeffert, sodass man besser beraten ist so viel wie möglich im Voraus zu organisieren. Sollten aber die Schuhe nach 500 Kilometer im unwegsamen Gelände kaputt gehen, haben die oben genannten Orte allerdings einige gut sortierte Outdoor-Fachgeschäfte, um Ersatz zu besorgen. Es ist ein logistischer Albtraum alles am Anfang auf einen Schlag zu kaufen, in Boxen zu verteilen und anschließend zu verschicken, aber es ist die Mühen wert, denn so könnt ihr auf dem Trail völlig abschalten.

Kanada GreatDivideTrail Camp
Jan Torge Fahl
Kanada GreatDivideTrail Kochen
Jan Torge Fahl
Jan Torge Fahl

Trifft man unterwegs viele Leute?

Ja und Nein. Thru-Hiker müssen sich auch allein wohl fühlen, denn einige Abschnitte sind geradezu entvölkert. Allerdings muss man auch mit dem Bild des romantischen einsamen Wanderers aufräumen: Durch das kurze Zeitfenster trifft man viele Gleichgesinnte, die in einem ähnlichen Zeitraum starten. Oft schließt man sich dann wie von selbst zu größeren Gruppen zusammen und wird sehr offenherzig aufgenommen. Thru-Hiker sind ein eigener Schlag Menschen und haben oft völlig unterschiedliche Hintergründe oder Jobs. Auf dem Trail ist das völlig egal, der gemeinsame Weg schweißt einen zusammen. Diese Gruppen sind zwanglos und richten sich nach dem Tempo der einzelnen Wanderer. Wenn man ein ähnliches Tempo hat, geht man zusammen, wenn das Tempo nicht passt, trifft man sich nur abends am Zeltplatz. Wir lagen in unserem Zelten und unterhielten uns unter lautem Gelächter von Zelt zu Zelt. Kam keine Antwort mehr, sind die anderen eingeschlafen. Da alle der gleichen Route folgen, trifft man sich immer wieder auf dem Trail was für freudige Zusammenkünfte sorgt. Irgendwann wird man das förmlich getauft und vollends in die Thru-Hiker Gemeinschaft aufgenommen- inklusive Trailnamen. Tagestouristen wiederum trifft man besonders in den leicht zugänglichen Nationalparks und Städten entlang des Trails.

Ist der Great Divide Trail gefährlich?

Durch die Abgeschiedenheit ist man oft auf sich allein gestellt. Besonders plötzliche Wetterwechsel, Waldbrände oder Flussquerungen können gefährlich werden. Die Flüsse führen das Wasser von Gletschern und werden im Laufe des Tages oft zu reißenden Strömen. Das eisige Wasser, die trübe Färbung und ein glatter Grund haben schon einige Wanderer von den Füßen gerissen. Auch durch Regenfälle können Flüsse rasant anschwellen und ein Passieren unmöglich machen. Es ist also Vorsicht geboten und empfiehlt sich sorgfältig eine geeignete Stelle zum Queren zu wählen. Wenn das Queren partout nicht gelingt, sollte man erwägen am Fluss zu campieren, um am nächsten Morgen bei einem niedrigeren Pegelstand den Fluss zu queren. Mit Lawinen muss man nicht rechnen, aber man hört immer wieder das Donnern von Felsstürzen und sollte grad an steilen Hängen absolut trittsicher sein. In den Tälern wiederum ist der Pfad vielerorts so unwegsam und diffus, dass er sich leicht im Unterholz verliert. Dann bleibt einem nichts anderes übrig als langsam zurückgehen, bis man den Trail wiedergefunden hat. Also gilt es: Immer ein Auge für den Trail haben und ein Auge für Bären, die hier in den Rocky Mountains heimisch sind.

Reiseplaner Great Divide Trail

Wie gehe ich mit Bären um?

Man sieht ständig frische Spuren von Bären (Abdrücke, Kot etc.) aber auch bei keinen Anzeichen sollte man sich nicht in falscher Sicherheit wägen, denn Bären kann man überall treffen. Beim Wandern sollte man Lärm machen (z.B. »Hey Bear!« rufen, eine Bärenglocke tragen oder laut singen), damit Bären rechtzeitig das Weite suchen können. Trifft man doch auf einen Bären gilt es vorerst Ruhe zu bewahren. Man hält Blickkontakt und geht langsam zurück, während man beruhigend auf den Bären einredet.

Das Bearspray sollte griffbereit sein und man sich etwas größer aufbauen. Meistens reicht das bereits, damit ein Bär sich trollt. Parks Canada einen detaillierte Guide zum richtigen Verhalten mit Bären geschrieben. Weglaufen gehört nicht dazu! Ich hatte so eine unverhoffte Begegnung mit einem Grizzlybären samt Jungen und das hat mir einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die Situation hat sich zum Glück von selbst entschärft, aber trotzdem war ich froh, dass ich zumindest halbwegs wusste, wie man sich richtig verhält.

Auch das Camp sollte immer bärensicher sein. Dazu muss man alle seine geruchsintensiven Gegenstände wie Nahrungsmittel, Zahnpasta, Sonnencreme etc. luftdicht verpacken und ca. 50 Meter weit weg vom Zelt deponieren. Diese Gegenstände packt man dann in einen robusten Ursack, oder man hängt es an einem dünnen Seil hoch zwischen zwei Bäumen auf. Essen im Zelt ist tabu – der Geruch kann dem Zeltstoff noch länger anhaften und Bären anlockt. Stattdessen kocht ihr in ca. 50 Meter Entfernung auf der Leeseite des Zeltes.

Baum

Was sind die härtesten Passagen?

Ich kann mich nicht an »die eine Passage« erinnern die besonders fordernd war. Es ist die Summe der einzelnen Faktoren die einen an die Grenzen bringt: Wenn man seit drei Stunden durch den Regen wandert, einen eisigen Fluss queren muss, die Zehen völlig taub von der Kälte sind und man dann den Trail verliert – das geht schon an die Substanz! Oder morgens, während der Regen noch leicht auf die Zeltplane tröpfelt, aus den warmen Schlafsäcken in schmutzige und nasse Kleider vom Vortag zu schlüpfen macht wenig Freude. Auch das Essen kann irgendwann sehr eintönig werden und man malt sich mit aller Fantasie aus, was man in der nächsten Stadt so essen wird. Ich habe durch das Wandern sieben Kilogramm abgenommen, einfach weil das Gelände so unwegsam und die Tage so kräftezehrend waren.

Wie rufe ich auf dem Great Divide Trail im Notfall Hilfe?

Die Netzabdeckung in den Rocky Mountains ist schlecht. Es gehört zur Ausnahme, dass man mit seinem Handy Empfang hat. Deswegen greifen immer mehr Wanderer zu GPS-Geräten zurück, mit denen sie in Notfällen Hilfe anfordern können. Unter Thru-Hikern erfreuen sich die kleinen und kompakten Garmin inReach Mini Geräte zunehmender Beliebtheit. Navigieren ist hiermit nicht zu empfehlen, aber sie stellen eine wertvolle Verbindung zur Außenwelt sicher und ermöglichen es im Notfall Retter zu informieren. Wer den Kauf eines solchen Gerätes (samt benötigtem Abo!) scheut, kann auch in Deutschland so ein Gerät mieten und nach absolvierter Wanderung das Gerät wieder zurückgeben.

Was sind die wichtigsten Tipps für den Great Divide Trail?

Do‘s:

  • Einfach loslegen und machen! Zauderer sollten das Ticket nach Kanada buchen und sich so eine Frist setzen! Der Rest kommt schon.
  • Zeros & Neros nehmen. Der Körper braucht auch mal eine Pause! An manchen Tagen entweder nicht wandern (Zero) oder bewusst wenige Kilometer machen (Nero).
  • Packt euch eine Überraschung in die Resupply Boxes! Euer späteres Wander-Ich wird euch von Herzen für eure Weitsicht danken!
  • Fragt um Rat! Nicht nur andere Wanderer auf dem Trail, wenn es um die Bedingungen voraus geht (zum Beispiel Wasser auf dem Trail), sondern auch bereits bei der Planung! Die Facebook-Gruppe der GDTA ist ein Sammelbecken für passionierte Wanderer, die gerne ihre Erfahrungen teilen.
  • Cocos Café in Jasper hat die besten Bagel und Frühstück und ist ein Treffpunkt für viele Thru-Hiker!

Dont‘s:

  • Neugierig auf Thru-Hiking? Vielleicht nicht gleich auf dem GDT an seine Grenzen kommen. Fangt lieber klein an und arbeitet auf den GDT hin!
  • Nicht gleich aufgeben! Jeder erreicht den Punkt, wo Aufgeben leicht erscheint. In solchen Momenten nicht schwach werden, eine Pause machen und überlegen warum man das macht. Meistens wandert es sich danach leichter.
  • Viel Wasser schleppen – 1 Liter Wasser ist 1 Kilo zusätzliches Gewicht, das ihr schultern müsst. Stattdessen wenn ihr eine Wasserquelle passiert, einfach eine Menge trinken und so das Wasser (wie ein Kamel) im Körper tragen.
  • Nicht zu spät buchen! Die kanadischen Rockies sind beliebte Ausflugsziele, sodass man sich frühzeitig um Unterkünfte in den Städten entlang des Trails bemühen muss.
  • Flüsse nicht blindlinks queren! Nehmt euch Zeit und versucht den Fluss zu »lesen«. Wenn man den Fluss etwas auf oder ab geht, findet man oft Stellen, die sich besser eignen, zum Beispiel weil der Fluss sich in kleinere Arme aufteilt oder ein paar Stämme quer liegen.

Was sind die Kosten für einen Thru-Hike auf dem Great Divide Trail?

Das ist schwer zu beziffern, da jeder eigene Präferenzen und Standards hat. Thru-hiking kann teuer sein, ist aber meistens sehr günstig. Die Kosten setzen sich zusammen aus:

  • Flug: 600-800€
  • Anreise / Transport: Kostenlos (wenn man die Geduld zum Hitchhiken mitbringt)
  • Permits: 45€ Parks Canada Discovery Pass und nochmal ca. 160€ Permits zum Übernachten
  • Versorgung: 800€
  • Unterkünfte: 50-100€ / Nacht pro Person in einfachen Hostels in den Städten entlang des Trails.
  • Ausrüstung: mindestens 2 Paar Schuhe (ca. 300€), GPS-Tracker 250€

Insgesamt muss man so mit ca. 2.500€ rechnen.

Der Autor und sein Bezug zum Great Divide Trail:

Torge Fahl

Torge Fahl, Fotograf und Medizinstudent

Torge Fahl war 2019 auf dem Great Divide Trail unterwegs und denkt noch heute sehnsüchtig an die Zeit zurück. Ursprünglich kommt er aus dem norddeutschen Flachland, hat aber über die Jahre seine Leidenschaft für die Berge entdeckt. Jeden Sommer erkundet er zu Fuß neue Regionen, während er im Winter in den Bergen mit Splitboard unterwegs ist und neue Projekte plant. Als Student der Humanmedizin sind seine Projekte in den Bergen der Ausgleich zu sterilen Operationssälen. Nebenbei arbeitet er als freiberuflicher Fotograf mit anderen Kreativen zusammen um entlegene Orte auf eine authentische Art und Weise zu dokumentieren oder ehrgeizige Projekte für ausgewählte Klienten zu realisieren.

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