Planer: Kultur- und Wanderreise in Georgien

Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles was du über eine Wander- und Kulturreise nach Georgien wissen musst, findest du in diesem Artikel.

Inhalt:

Georgien liegt in Vorderasien im Südkaukasus. Im Norden grenzt es an Russland, im Süden an die Türkei und Armenien, im Osten an Aserbaidschan. 

Globetrotter Infos: deine Georgien-Reise

Sprache: Georgisch
Einwohner: ca. 3,7 Mio. (Berlin hat 3,6 Mio.)
Größe: ca. 57.215 km² ( ohne Abchasien und Südossetien).
Bevölkerungsdichte: 65,2 Einwohner pro km² (ohne Abchasien und Südossetien)
(Deutschland: 233 Einwohner pro km²)
Geld: Lari (GEL)
Zeitverschiebung: MESZ +3 Stunden
Reisezeit: ideal: Mai bis Oktober, ganzjährig möglich
Reisebudget: ca. 350 €/Woche

2 Fakten zu Georgien

1)  Die Regionen Südossetien und Abchasien gehören völkerrechtlich zu Georgien, verfügen jedoch über eigene, unabhängige staatliche Strukturen.

2) 87 Prozent des Landes sind mit Gebirge bedeckt. Der höchste Berg Georgiens ist der Schchara (5201 m) und liegt im Hauptkamm der Großen Kauskasus an der Grenze zu Russland.

Reiseplaner Georgien Wein und Turm

Warum sollte man nach Georgien reisen?

Was macht ein Land zum Reiseland? Mildes Klima, warmes Wetter, Strand und Berge. Harmonische Landschaften, spektakuläre Monumente. Am besten all das in großer Vielfalt auf kleinem Raum. Feines Essen, guter Wein. Eine spannende Geschichte, die ihre Spuren im Straßenbild hinterlassen hat. Gastfreundschaft, ein offenes Miteinander. Soweit einige Vorschläge zur Beantwortung dieser Frage. Wählt aus, was euch wichtig ist, was euch die Reise wertvoll macht, und ihr werdet eure persönliche Top-Destination finden. Oder ihr reist nach Georgien. Da gibt’s alle guten Gründe im Paket. Und außerdem: Kulturen treffen aufeinander, Kontinente reiben sich im äußersten Osten Europas. Wer nicht im Kaukasus war, wird immer nur einen Teil dessen verstehen, was Europa ausmacht. Wer wandern geht, bucht keine Bildungsreise. Vielleicht aber doch?!

Wann ist die beste Reisezeit für Georgien?

Eine Outdoorreise in Georgien unternimmt man je nach Destination am besten zwischen Mai und Oktober. Trotz der kleinen Landesgröße treffen in Georgien gleich drei Klimazonen aufeinander. Das Tiefland des Westens ist subtropisch-mediterran geprägt und auch die zum Meer exponierten Gebirge verzeichnen reichlich Niederschläge. Der Osten des Landes wie auch das Hochplateus des Kleinen Kaukasus sind kontinental geprägt. Besonders östlich von Tbilisi herrscht aufgrund geringer Regenmengen Steppenklima, die Winter sind auch in tieferen Lagen kalt.

Die höheren Lagen des Großen Kaukasus im Norden hingegen bekommen viel Schnee ab, hier diktiert alpines Klima den Rhythmus der Menschen. Auf höherliegenden Trails im Großen Kaukasus trifft man bis weit in den Juni hinein auf Schnee(reste), hier sind die besten Monate Juli, August und September (bis zur Monatsmitte). Regionen mittlerer Höhe in Ratscha, Niederswanetien oder im Kleinen Kaukasus sind im Früh- oder Spätsommer ideal. In den Herbst- und Wintermonaten bringen schwere Wolken vom Schwarzen Meer immer wieder viel Regen. Der Oktober oder gar der November eignet sich daher eher für Touren im dann schon kühlen Ostgeorgien.

Brauche ich ein Visum für Georgien?

Bis zu 360 Tagen ist die Einreise für Deutsche visumfrei. Es genügt der Reisepass oder Personalausweis. Bei Einreise über Land, See oder auch bei Flügen via Istanbul ist es auch in jüngster Zeit zu Problemen bei der Anerkennung des Personalausweises gekommen. In diesen Fällen besser den Reisepass mitführen.

Was muss ich in Georgien unbedingt gesehen haben?

Wer mit dem Flieger kommt, landet entweder in Kutaisi oder Tbilisi. Und ist damit gleich mittendrin, im Land zwischen den Bergen. Die geographischen Distanzen sind gering, der Weg an die ausgefransten Ränder des Nordens jedoch kann sich ziehen. Wer in die Grenzregionen zu Dagestan und Tschetschenien will, sollte Zeit einplanen, und bei einem Kurztrip von unter zehn Tagen die Idee am besten verwerfen. Khevsureti, Tusheti und Lagodekhi warten im Norden mit großartigen Hochgebirgslandschaften, aber man sollte Zeit mitbringen. Wer wenig davon hat und dennoch in die hohen Berge will, bekommt in Kazbegi (von Tbilisi aus) und Swanetien (von Kutaisi) grandiose Szenerie auf dem Silbertablett serviert. Hat man die zwei bis vier Stunden Anreise hinter sich, ballen sich die Bergspitzen über Gletscherzungen. Zwischen tiefen Schluchten, saftig grünen Wiesen säumen fotogene Wehrtürme den Rand der Siedlungen. Soweit die High Alpine Classics. Doch Georgien hat viel mehr zu bieten: Die suptropisch-feuchten Wälder Adschariens liegen mythisch im Nieselregen. Kaum lugt die Sonne hinter den Wolken vor, steigt der Wasserdampf aus dem Immergrün des Mrtirala-Nationalparks. Mit jedem Kilometer lässt man das geschäftige Gewusel der Schwarzmeerküste mehr und mehr hinter sich, und freut sich insgeheim doch auf das nächtliche Bad am schwarzen Sandstrand von Magnetiti. Sehenswert sind auch die steppenartigen Landschaften des Kleinen Kaukasus. Die vulkanisch geprägten Hochplateaus rund um den Paravani-See, der tief eingeschnittene Khrami-Canyon an dessen Rand das mythische Samzshvilde thront. Überraschend schnell lässt man den touristischen Buzz hinter sich, verlässt man die Hauptstadt nach Süden oder Osten

Sollte ich mir Zeit für Tiflis oder andere Städte nehmen?

Auf jeden Fall! Seitdem das Gros der Urlauber über Kutaisi einfliegt, und von dort entweder ans Meer oder in die Berge startet, reicht es bei vielen oft nur für einen Kurztrip in den Osten des Landes. Auf dem Programm dann ohne Wenn und Aber: Tbilisi (dt. und türkisch: Tiflis). Diese Stadt atmet Geschichte! Und dabei geht es beileibe nicht nur um die alten Zeiten, als Perser und Türken im Transkaukasus um die Vorherrschafft kämpften. Moscheen, Synagogen und Kirchen zeugen von der religiösen Vielfalt über die Zeit. Und auch die letzten Jahrzehnte haben Spuren hinterlassen: Die Rustaveli Street und der anschließende Freedom Square sind Orte von Demokratie und Freiheit. Hier demonstrierten die Bürger in den gewaltvollen Neunzigern, hier kämpft das Volk auch heute noch für Demokratie. Im Stadtzentrum treffen traditionelle Altstadthäuser auf architektonisch gewagte Monumente der Saakaschwili-Ära. Zum Stadtrand hin erinnern Prestigebauten im Soviet Style und gewaltige Industrieareale an die kommunistische Vergangenheit. Und für alle, die einen gut gemixten Cocktail der Geschichtsstunde vorziehen: Entspannung nach einem anstrengenden Multiday-Hike findet man in Tbilsi nicht nur im Bettchen.

War da noch was? Achja, Batumi, das beharrlich an seinem Status als Touristenmagnet feilt. Dieser scheint jedoch eher auf russische und türkische Partyurlauber und Geschäftstouristen zu setzen. Viel (ausländisches?) Geld wurde in Glas, Beton und spektakuläre Architektur gegossen. Das Ergebnis kann man sich schonmal für ein paar Stunden ansehen. Wer Georgien auf der Suche nach Naturerleben und Authentizität bereist, wird in Batumi jedoch kaum lange bleiben.

Kathedrale Tiflis
Die Dreifaltigkeits-Kathedrale in Tiflis ist das größte Kirchengebäude in Transkaukasien.

Friedewnsbrücke Tiflis
Mostafa Meraji / Unsplash Die glasüberdachte Friedenbrücke über die Mtkwari verbindet die Tifliser Altstadt mit dem Rike-Park. 
Clock Tower Tiflis
Der Clock Tower am Puppentheater in der Altstadt ist eine der jüngesten Sehenswürdigkeiten von Tiflis.

Wie bereite ich einen Trip nach Georgien vor?

Die beste Vorbereitung einer Georgien-Reise liegt in harter Verhandlung mit dem Arbeitgeber. Es lohnt sich eine weitere Extrawoche Urlaub rauszuschlagen. Ein entspanntes Reisetempo ist die beste Versicherung gegen Zeitstress und Frust, wenn mal was nicht so klappt wie geplant. Daheim lassen sollte man auch die Bucket List an zu erledigenden Sehenswürdigkeiten. Die wahren Stars des Landes sind die Kulinarik, die Vielfalt spektakulärer Landschaften und die Herzlichkeit der Menschen. Oft findet man das in Bestform außerhalb der touristischen Hotspots. Aber da hat ja jeder seinen eigenen Anspruch. Es lohnt sich immer in einen Reiseführer oder in einen der unzähligen Reiseblogs zu schauen. Ob man dann Bewährtes kopiert oder seine Route gerade um die heftig beworbenen Attraktionen herumplant, bleibt jedem selbst überlassen.

Wieviel Zeit sollte ich für Georgien einplanen?

Aufgrund der Flugdauer von plus/minus vier Stunden sollte sich eine sinnvolle Reisezeit schon aus ökologischen Gründen über mindestens zwei Wochen erstrecken. Georgien bietet mit reichlich Sowjet-Historie, den Schätzen jahrtausendealter Kultur und nicht zuletzt der Kultur-Metropole Tbilisi viel mehr als Trekking. Take your time! Praktisch alle Wandergebiete sind entweder vom Flughafen Kutaisi oder Tbilisi in maximal vier Stunden erreichbar. Damit lassen sich bei guter Vorplanung spektakuläre Hikes auch in eine kürzere Reise packen. Aber wer will das schon?!

Ist Georgien auch ein Reiseziel mit Kindern?

Auf jeden Fall! Die Georgier sind Familienmenschen und der Kern der Familie sind die Kinder. Reisen mit Kindern öffnet in Georgien Türen und Herzen. Je nach Reiseart gilt es einige Dinge zu beachten: Die Verfügbarkeit von Kindersitzen solltet ihr vorab mit eurem Mietwagenanbieter abklären. In vielen Guesthouses sind die Kinder der Gastgeber ohnehin präsent und fehlt mal ein wichiges Utensil, wird man euch nach Kräften helfen.

Wie reise ich nach Georgien?

Bis vor wenigen Jahren erforderten Flugverbindungen nach Georgien von Deutschland fast immer ein Umsteigen in Osteuropa oder der Türkei. Zum Game Changer wurde schließlich Wizz Air. Mit der ungarischen Billigfluglinie wurden Direktflüge von vielen mittel(ost)europäischen Airports bequem und bezahlbar. So wurde Kutaisi bis zu drei Mal die Woche von mehreren deutschen Flughäfen angeflogen, was besonders dem Landeswesten einen wahren Touristenboom bescherte. Wer Zeit hat und sich dem »Wilden Osten« langsam annähern möchte, kommt auch heute noch über die türkische Landbrücke oder nimmt die Fähre von der Ukraine aus. Doch Achtung, in Covid Times gelten bei der Einreise über Land meist striktere Einreise- und Quarantänebestimmungen. Die Flugdauer von Deutschland beträgt plus/minus vier Stunden, für eine Anreise via Balkan und Türkei sollte man mindestens eine, wenn es sich nach Urlaub anfühlen soll, besser drei Wochen, einplanen.

Mehr Georgien im Globetrotter Blog

Du planst eine Reise nach Georgien? Oder hast nun so richtig Lust bekommen, den südlichen Kaukasus mit seinen atemberaubenden Bergen und den gastfreundlichen Menschen zu bereisen. Wir haben weitere Inspirationsquellen in unserem Blogarchiv für dich:

Im Topf um die Welt – Georgien

Zu Gast im Kaukasus: Wir zeigen dir, wie du in deiner Outdoor-Küche die traditionellen Chinkali zubereitest.

Wie reise ich vor Ort in Georgien?

Waren Taxis oder überlandfahrende Kleinbusse (Marshrutki) lange das Transportmittel der Wahl, sind seit einem halben Jahrzehnt auch Mietwägen einfach zu bekommen. Der Verkehr in Tbilisi und Batumi ist dicht und chaotisch. Wer in einer deutschen Großstadt zur Rush Hour zurechtkommt und generell unverzagt durchs Leben geht, sollte auch in Georgien sicher durchs Getümmel steuern. Auf den Landstraßen wird immer noch wild überholt und freilaufende Nutztiere gehören in ländlichen Regionen nicht nur ins Straßenbild, sondern blockieren den Verkehrsfluss schon mal direkt hinter der Kurve. Wem Selberfahren zu stressig ist, steigt für größere Etappen auch heute noch ins Marshrutka und kommt ohne lange Wartezeit und schnellstmöglich (es wird wild überholt …) in die nächste Stadt. Vor Ort sind offizielle und halboffizielle Chauffeure zur Stelle, deren Dienste auch tageweise buchbar sind. Ein privates Taxi, für einen oder mehrere Tage gebucht, ist der entspannteste Weg, um das Land zu entdecken. Mehrtagestouren mit wechselndem Start-/Zielpunkt machen den Mietwagen ohnehin wenig nützlich. In der Ost-West-Traverse von Tbilisi nach Batumi ist der (Nacht-)Zug mit Liegewagen eine attraktive Option. Rechtzeitig buchen!

Wie gefährlich ist Georgien?

Sehr gefährlich. Der Kaukasus hat Suchtpotenzial, wer einmal da war, kommt immer wieder. Das Schöne an Georgien: Im Gegensatz zu den nordkaukasischen Republiken Russlands macht das Land nicht durch Geiselnahmen, erschossene Journalisten und archaisches Clanwesen von sich reden. Georgien ist ein freundliches Land und die Chance an (Klein-)Kriminelle zu geraten mit Sicherheit nicht höher als in den Touristenzentren Italiens oder Frankreichs. Eine Ausnahme stellt der Straßenverkehr dar: Der Fuhrpark ist deutlich älter, der TÜV nachlässiger und die Fahrweise oft wilder als in Deutschland. Und auch den Sicherheitsgurt im Marshrutka sollte man nicht zu lange suchen.

Reisplaner Georgien Dreifaltigkeitskirche
Timur Kozmenko / Unsplash Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche stammt vermutlich aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
Kazbegi Georgien
Julia Cheperis / Unsplash  Kazbegi (Stepanzminda) ist bekannt für seine Wander- und Trekkingmöglichkeiten.
Tuscheti Nationalpark
Gero Camp / Unsplash Ein alter Wehrturm im Tuscheti Nationalpark.

Lieber geführt oder individuell reisen?

Das ist wie in den meisten Ländern auch in Georgien eher Typsache. Wer in kurzer Zeit viel sehen, verstehen und erleben will, wird von einem guten Guide samt effizienter Logistik immer profitieren. Wer es vorzieht, sich seine Erlebnisse selbst zu erarbeiten, Abenteuer und spontane Begegnungen der professionellen Planung vorzieht, macht auf eigene Faust los. Generell ist es mittlerweile gut möglich, selbstorganisiert und planbar durchs Land zu reisen. Buchungsplattformen wie Booking, AirBnB oder TripAdvisor sind auch im Kaukasus das Mittel der Wahl. Wer an Gesellschaft, Geschichte oder einem professionellen Guiding zu den klassischen Sehenswürdigkeiten interessiert ist, findet in Georgien eine Reihe sehr erfahrener Guides. Gleiches gilt für Sportliches wie Trekking, Rafting, Skitouren.

Wie verständige ich mich in Georgien?

Die Georgier sind ein überaus gastfreundliches Volk. Egal ob professionelle Hosts oder Zufallsbekanntschaften am Wegesrand, man kommt leicht ins Gespräch und manches Mal füllt sich das Glas mit Tschatscha (so heißt der georgische Grappa) schneller als man »Bloßkeinalkohol« sagen kann. Wie gut man sich dabei versteht? In ländlichen Regionen ist Englisch oder gar Deutsch eher wenig verbreitet. Kommt die Kommunikation mit Händen und Füßen an ihre Grenzen, wird meist ein Verwandter in UK oder den USA angerufen, der übersetzt. Unterkünfte sind stets an internationale Touristen gewohnt und finden immer einen spontanen Übersetzer, wenn nicht ohnehin jemand aus der Familie Englisch oder Deutsch spricht. Die Generation 40 Plus spricht meist fließend Russisch, ein paar Brocken Slawisch sind auch für westliche Reisende eine gute Investition.

Was muss mit auf die Packliste für Georgien?

Wanderschuhe, Flipflops, Badehose und Hardshell-Jacke. Je vielfältiger die Klimate, desto größer die Wettergegensätze. Be prepared! Zelt und großer Rucksack werden nur für seriöse Mehrtagestouren benötigt. Oft sind in direkter Nähe der Guesthouses tolle Tageswanderungen möglich, was zum Reisen mit leichtem Gepäck einlädt. Ein Georgisch-Wörterbuch erweitert den Reisewortschatz. Möchte man nach herzlicher Begegnung seinen Gastgebern was zurückgeben, ist ein kleines Souvenir aus der Heimat eine nette Geste. Georgische Sim-Karten gibt es schon am Flughafen zu kaufen, hier tut ein Dual-Sim-Handy gute Dienste. Wer abseits viel begangener Pfade wandert – besonders im Kaukasus – trifft hin und wieder auf von Hunden bewachte Schafherden. Die Hütehunde nehmen ihren Job ernst und können eine echte Gefahr für die körperliche Unversehrtheit der menschlichen Eindringliche darstellen. Sobald der (meist) in der Nähe weilende Hirte von der Gefahrenlage Wind bekommt, ruft ein Pfeifen die Hunde zur Ordnung. Aber die Zeit bis dahin kann länger dauern als einem lieb, wie uns berichtet wurde, ließ sich glücklichweise mit dem Einsatz von Pfefferspray überbrücken. Je nach Route ein wichtiger Posten auf der Packliste!

Wo übernachtet man in Georgien am besten?

Wo schläft der Wanderer am Wegesrand? Bei Mehrtagestouren off the beaten track – zum Beispiel in den wenig besiedelten Höhen des Kleinen Kaukasus – ist das eigene Zelt die beste Wahl, zumindest wenn man Touretappen spontan festlegen möchte. In den klassischen Destinationen rund um Mestia oder den Tälern Adschariens hingegen gibt es in vielen Dörfern Guesthouses. Meist wohnt man mit der Familie im gleichen Haus, oft stehen den Gästen nur drei oder vier Zimmer offen und man isst in vielen Fällen am Wohnzimmertisch. Mit jedem Jahr werden die Gastgeber professioneller und an wenigen hochfrequentierten Routen (vor allem Mestia nach Ushguli) wurden die Kapazitäten rasant ausgebaut – hin und wieder unter Qualitätseinbußen. Doch gerade in wenig besuchten Regionen ist die Gastfreundschaft der georgischen Wirtsleute immer noch groß. Auch abseits der klassischen Trekking-Hotspots finden Traveller immer häufiger Guesthouses mit Geschmack – so wird in Ratscha oder Kachetien fast immer der eigene Wein aufgetischt. Einzelne Unterkünfte bieten gar Verkostungen an. In den Touristenzentren Tbilisi, Kutaisi und Batumi findet man eine große Auswahl von Hotels aller Preisklassen. Aber auch in den großen Städten beherbergen familiengeführte Guesthouses Urlauber – eine tolle Möglichkeit, georgische Alltagskultur in urbaner Atmosphäre zu erleben.

Wie bezahlt man in Georgien?

Landeswährung ist der Georgische Lari (auf Georgisch wörtlich »Schatz« oder »Eigentum«), die Untereinheit nennt sich Tetri. Ein Euro entspricht derzeit (August 2021) etwa 3,6 Lari. Der Lari ist frei konvertierbar und an keine Leitwährung gekoppelt. Das bringt immer wieder deutliche Wechselkursschwankungen mit sich. Veranstalter rechnen oft mit Euro- oder Dollarpreisen. Kleinere Unterkünfte weisen die Preise aber häufig in Lari aus. Kartenzahlung ist bei den meisten Unterkünften in der Provinz keine Option. Alle kleineren und größeren Städte verfügen mittlerweile über internationale Geldautomaten, das Abheben mit Visa oder Mastercard funktioniert meistens. Bei Reisen in abgelegenere Regionen sollte man aber immer eine Bargeldreserve mit sich führen.

Was isst man in Georgien?

Kulinarik in Südosteuropa wie Vorderasien gilt oft als fleischlastig. Ob ein würziges Barbecue (Mzwadi), der deftige Rindseintopf Ostri oder das in einer fantastischen Milch-Knoblauch-Soße gegartes Schqmeruli-Hühnchen – ein gutes Stück Fleisch krönt auch im Kaukasus jedes Dinner. Die wahren Stars der georgischen Küche kommen aber deutlich unscheinbarer daher: Es sind die Kräuter und Gewürze, die Georgiens Gerichte so ganz anders schmecken lassen, als es der deutsche Gaumen kennt. Frische Salatkräuter, die typische Chmeli Suneli genannte Gewürzmischung, Walnusssauce – ob am Hühnchen oder am Salat – und natürlich der allgegenwärtige Koriander. Die Cuisine Georgiens ist eine Abenteuerreise für sich, eine höchst geschmackvolle.

Und ganz wichtig, für alle, die on the road sind: Wenn heiß und fettig dann unbedingt ein Chatschapouri – ob mingrelisch im Pizza-Style oder Imeruli als geschlossene Teigtasche oder auf die adscharische Art mit Ei. Georgiens Hot Snack No. 1 ist immer eine gute Adresse. Außerdem ein Genuss-Muss: Khinkali, das bekannteste Fingerfood Georgiens. Die kaukasischen Maultaschen ordert man im (halben) Dutzend. Gefüllt mit Käse, Pilzen, Kartoffeln oder ganz klassisch mit Hackfleisch – die gekochten Teigtäschchen eignen sich zum Wettessen.

Was sind die besten Outdoor-Aktivitäten in Georgien?

Reiseplaner Georgien Esel

Hier geben die Berge den Takt vor. Der Große wie Kleine Kaukasus bieten unzählige Trekking-Routen, oft beschildert, nicht immer viel begangen. Die Hotspots hochalpinen Trekkings befinden sich in Mestia, Stepantsminda (Kazbegi), Mutso (Chevsuret) und Omalo (Tusheti). Neben klassischen, zum Teil schon überlaufenen Routen wie Mestia – Ushguli oder Mutso – Omalo gibt es unzählige, kaum begangene Routen, die nicht minder spektakulär sind. So sind verschiedene Querungen von Nieder- nach Oberswanetien möglich, die von Samegrelo in die Berge reichenden Routen (zum Beispiel zum See) sind immer noch wenig bekannt, ebenso der Multiday vom Nenskratal (Kvemo Marghia) nach Mestia. Wer es milder (und waldiger mag), wandert im Borjhomi-Khargauli-Nationalpark oder fährt von Kutaisi aus über die nach Süden strebenden Täler in den Kleinen Kaukasus.
An einigen Orten kann man mit Pferden oder Eseln wandern, so im Borjhomi-Nationalpark oder in Tusheti. Rafting wird an mehreren Flüssen angeboten. Wirklich empfehlenswert ist die Tour auf dem Rioni durch die Tvishi-Schlucht ab Alpana. Aber Achtung: Oft wird nur die viel leichtere, kurze Strecke des Unterlaufs angeboten.

Wie bereite ich mich auf eine Wandereise in Georgien vor?

In den letzten zehn Jahren hat sich Georgien zu einer überaus beliebten Trekkingdestination gemausert. Mittlerweile gibt es fast in jedem Winkel des Landes markierte Wege und eine Vielzahl an Apps hilft bei der Routenwahl. Qualitativ hochwertiges Outdoor-Equipment ist außerhalb von Tbilisi schwer zu bekommen, daher Packliste aufmerksam abhaken, in den Flieger und los. Es gibt immer noch reichlich Platz in den Bergen für Multi-Day-Hikes samt traumhaften wilden Zeltplätzen. Wer den Komfort eines Guesthouses nicht missen mag, findet in den klassischen Wanderregionen um Mestia und Ushguli, aber auch in Adscharien ein dichtes Netz an Unterkünften.

Kann ich spontan reisen oder muss ich alles vorplanen?

Die beiden letzten Jahre vor der Pandemie hat der Georgientourismus einen echten Boom erlebt und gerade für Qualität bekannten Unterkünfte waren teils Wochen vorher ausgebucht. Doch auch in Georgien gilt: Die meisten Touristen folgen ausgetretenen Pfaden, und auch nur dort ist viel los. Wer nicht gerade im Hochsommer nach Mestia muss, wird auch lastminute fündig. Ausnahme sind die wenigen gefragte Winkel mit relativ wenigen Unterkünften wie Mutso (Chevsureti) oder Omalo (Tusheti). Die Saison ist aufgrund der gebirgigen Lage sehr kurz, hier lohnt es sich zu rechtzeitig zu buchen. Gleiches gilt für den Nachtzug Tbilisi – Batumi. Insgesamt bieten die Tourismusregionen Georgiens eine wirklich große Zahl lohnender Unterkünfte und so wird es selten mal richtig eng.

Der Autor und sein persönlicher Georgien-Bezug:

Christoph Scheuermann | Erkundet seit 15 Jahren den Osten Europas mit dem Kajak

Christoph, in Paddelkreisen besser bekannt als Scheuer, hat seine Liebe zum Beruf gemacht. Die Leitmotive von Freizeit wie Hobby heißen Wildwasser und Südosteuropa; entweder oder, meist aber in Kombination! Seine Kayak Company Toros Outdoors entstand in den Toros Daglari, dem türkischen Taurusgebirge. In den letzten zehn Jahren stehen Balkan und Kaukasus im Fokus. Monatelange Reisen in Georgien, Armenien und dem Iran folgten, am liebsten in die vom Tourismus weniger stark ausgeleuchteten Ecken. Kanuschule und Paddelshop in München halten Scheuer in jüngerer Zeit öfter mal im Land. Doch wen der Osten mal gepackt hat, den lässt er nicht so schnell los!

Text: Christoph Scheuermann
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