Planer: Atlantiküberquerung – Hand gegen Koje

Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles was du über eine Atlantiküberquerung per Anhalter wissen musst, findest du in diesem Artikel.

Inhalt:

Was heißt Hand gegen Koje?

Hand gegen Koje bietet Reisenden die Möglichkeit, auf einem Segelboot mitzusegeln. Als Gegenleistung übernimmst du als Crewmitglied je nach Fähigkeiten unterschiedliche Aufgaben auf dem Schiff: Nachtwache halten, kochen, Bootspflege, Baby sitten etc. Für die Überfahrt bezahlst du in der Regel nichts. Üblicherweise beteiligst du dich aber an den Kosten für Proviant und Hafengebühren.

Was sind die gängigen Routen für eine Atlantiküberquerung mit den Segelboot?

Von Ost nach West ist die gängigste Route ab Gibraltar zu den Kanarischen Inseln (vor allem Las Palmas auf Gran Canaria) und dann weiter in die Karibik. Manche Segelboote legen vor der großen Überfahrt noch einen Zwischenstopp auf Kap Verde ein. Hier ist Mindelo auf Sao Vincente der größte Hafen.

Ostwärts geht es meistens von der Karibik, Florida oder den Bahamas über Bermuda und die Azoren nach Gibraltar.

Wie lang benötigt man für eine Atlantiküberquerung mit dem Segelboot?

Die reine Überfahrt dauert etwa drei Wochen. Wenn du trampen möchtest, solltest du dir aber mindestens ein Zeitfenster von zwei Monaten für dein Abenteuer freimachen. So hast du ein Polster für die Wartezeit an den Häfen und für eventuelle Zwischenstopps auf den Inseln.

Zu welcher Jahreszeit segelt man am besten über den Atlantik?

Westwärst legen die meisten Boote zwischen Oktober und März ab. Von Anfang bis Mitte November findet zum Beispiel die jährliche ARC-Regatta statt. Hier segeln mehrere hundert Boote von Las Palmas in die Karibik.
Ostwärts geht es ab April/ Mai Richtung Europa.

Zwischen Juni und September segelt kaum ein Boot Richtung Südamerika oder zu den Kanarischen Inseln, denn in dieser Zeit des Jahres ist Hurricane-Saison.

Wo findet man eine Mitsegelgelegenheit über den Atlantik?

Inzwischen gibt es zahlreiche Intenetseiten, Blogs und Facebookgruppen, bei denen du online nach einem Boot suchen kannst. Hier eine Auswahl:

Trotzdem solltest du dich nicht voll auf die Onlineplanung verlassen: Private Kapitäne wissen oft gar nicht, ob sie es zum geplanten Startpunkt zur See schaffen. Besser ist es, in jedem Fall früh genug die großen Segelhäfen in Gibraltar oder auf den Kanaren anzusteuern und vor Ort nach einem Skipper samt Boot zu suchen.

Nach was für einem Boot/Qualifikationen sollte ich Ausschau halten?

Neben den maritimen Fähigkeiten des Skippers ist vor allem die zwischenmenschliche Ebene sehr wichtig. Du wirst mit diesem Menschen mehrere Wochen auf engstem Raum verbringen. Lernt euch also unbedingt ein wenig kennen, bevor es losgeht!

Für manche Segler*innen wird es die erste Atlantiküberquerung sein, andere haben diese schon mehrmals hinter sich gebracht. Wenn es dir ein ruhigeres Gefühl vermittelt, dass der Kapitän schon reichlich Erfahrung hat, kannst du das im Gespräch erfragen.

Was kostet einen Atlantiküberquerung als Mitsegler auf einem Segelboot?

Es kann vorkommen, dass du komplett umsonst mitgenommen wirst. Üblicher ist es jedoch, dass eine Beteiligung an Lebensmitteln, Hafengebühren und Treibstoff vereinbart wird. Manchmal wird auch ein Festpreis zwischen 5 und 15 Euro pro Tag festgelegt. Du kannst also mit etwa 150 bis 300 Euro rechnen. Zusätzlich kommen noch die Ausgaben an den jeweiligen Häfen, während du auf der Suche nach einem Boot bist.

Wie gefährlich ist eine Atlantiküberquerung?

Zwischen November und März ist die Ost-West-Route in der Regel sehr ruhig, denn der Passatwind sorgt für stetigen Schub ohne großen Turbulenzen. Die Überfahrt in die Gegenrichtung kann da schon etwas aufregender werden.

Es gibt gewisse Sicherheitsvorkehrungen an Bord, zum Beispiel das Tragen von Schwimmwesten, die Sicherung mit Karabiner um dich vor dem Herausfallen zu schützen usw. Wenn du dich an diese Safety-Regeln hältst, ist eine Atlantiküberquerung nicht gefährlich.

Wodurch erhöhe ich die Chancen, dass mich jemand mit seinem Segelboot über den Atlantik nimmt?

Einmal am gewünschten Starthafen angekommen, heißt es: Kontakte knüpfen! Du kannst in den Hafenbars, an Pinnwänden oder im Büro der Hafenverwaltung Zettel mit deinen Kontaktdaten verteilen und den Menschen zeigen, dass du ein Boot suchst. Der Aushang sollte Auskunft darüber geben, wer du bist, wohin du möchtest und was du an Hilfe anbieten kannst. Kochen, medizinische und fotografische Fähigkeiten sind oft besonders gefragt. Eigene Segelerfahrung kann natürlich hilfreich sein, ist aber kein Muss.

Die Hafenbars (z.B. Sailors Bay in Las Palmas) sind gute Orte, um die Menschen direkt anzusprechen. Hier kannst du dich mit anderen Bootssuchenden austauschen und SeglerInnen kennenlernen. Wir sind über die Anlegestege gelaufen und haben die Personen auf den Booten direkt angesprochen. Diese »Strategie« war für uns die erfolgreichste.

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Wie bereite ich mich auf eine Atlantiküberquerung vor?

Das Wichtigste ist: Nimm der genügend Zeit! Wie erwähnt musst du mit einiger Wartezeit an den Häfen rechnen, bis du ein Boot gefunden hast. Sitzen dir die ganze Zeit Anschlusstermine im Nacken, artet dein großes Abenteuer in Stress aus, bevor es richtig angefangen hat.

Sicher schadet es nicht, sich frühzeitig mit dem gängigen Segelvokabular vertraut zu machen. Fender, Fock, Steuerbord, Backbord – davon hast du noch nie etwas gehört? Dann schleunigst ran an das Segellexikon!

Die Überquerung dauert meist bis zu drei Wochen oder länger. Du hast also viel Zeit auf hoher See. Nimm Bücher und Instrumente, Schreib- und Bastelmaterial, Podcasts und Hörbücher mit. Wenn du noch nie auf einem Boot warst, könntest du vor der großen Überfahrt deine Seetauglichkeit testen. Ein paar Wochen seekrank auf dem Segelboot zu verbringen, ist wohl keine so schöne Vorstellung und unter Umständen eine Belastung ür die gesamte Crew.

Außerdem solltest du recherchieren, welche Karibikinsel du gerne ansteuern würdest, was du dort machen willst oder wie du weiter auf das Amerikanische Festland kommen kannst.

Wie ist der Tagesablauf an Bord?

Üblich ist es, sich unter den Mitsegelnden die Wach-Schichten aufzuteilen. Denn auch wenn die meisten Boote mit moderner Technik ausgerüstet sind, sollte der Ozean aus Sicherheitsgründer immer zusätzlich überschaut werden.
Zudem muss für die Zubereitung der Mahlzeiten gesorgt werden. Ab und zu müssen die Segel an die Windstärke angepasst werden, aber das übernimmt meistens die Skipperin oder der Kapitän.

Wenn es keine besonderen Absprachen gibt, wie zum Beispiel Kinder betreuen oder sonstige Aufgaben zu übernehmen, ist die Tagesgestaltung den Mitseglenden selbst überlassen. Wir haben unzählige Bücher gelesen, Hörbeiträge gehört, stundenlang auf das Meer und in den Himmel geschaut, den Geist streifen lassen und viele leckere Speien zubereitet.

Muss ich selber segeln können?

Nein. Es mag kann vielleicht die Chance erhöhen, um schneller ein Boot zu finden. Ein Muss ist es aber keinesfalls. Es kommt vor allem auf die zwischenmenschliche Ebene an. Wenn du den Menschen aufgeschlossen und freundlich begegnest und bereit bist, Aufgaben auf dem Boot zu übernehmen, dann wirst du bestimmt mitgenommen. Oft suchen SeglerInnen eine Crew, die ihnen bei den alltäglichen Dingen wie Kochen, sauber machen, Nachtausschau halten etc. hilft.

Muss ich kochen können?

Nein. Es gibt bestimmt genug andere Dinge, die du an Bord tun kannst.

Wie beschäftig ist man generell an Bord?

Du kannst deinem Einfallsreichtum freien Lauf lassen! Zeit gibt es an Bord im Überfluss und die Überquerung ist ein toller Anlass, um all das zu machen, wozu du sonst keine Zeit findest: Lesen, Malen, Musizieren, Schreiben, Fotografieren, Meditieren, eine neuen Sprache lernen … Was dir eben so einfällt.

Kochen und Essen waren für uns an Bord definitiv die Highlights des Tages 😉 Und sonst: Gemeinschaftsspiele spielen, angeln, träumen, Delfine und andere Meereslebewesen beobachten, Nachtwache halten, Musik hören, den Wellen lauschen, schwimmen gehen usw.

Was gehört auf meine Packliste für eine Atlantiküberquerung?

Zwischen Juni und September sind die Bedingungen auf dem Wasser ideal. Die Temperaturen sind angenehm warm und Stürme sehr selten. Deshalb wird die Route auch die »Barfußroute« genannt. Wenn du nicht an das Barfußgehen gewöhnt bist, solltest du ein paar rutschfeste Schuhe einpacken. Und dann ein paar Dinge, die du vielleicht sowieso schon in deinem Reiserucksack hast: Regenjacke, Schlafsack, Stirnlampe, Sonnenbrille, Sonnencreme, Sonnenhut etc.

Wieviel Gepäck darf man gewöhnlich mitnehmen?

Da gibt es keine festgelegten Beschränkungen. Es kommt sicher auf den Bootstyp an. Wenn du auf einem größeren Boot oder einem Katamaran landest, kannst du womöglich sogar dein Fahrrad mit über den Atlantik nehmen.

Kann ich unterwegs nach Hause telefonieren oder gibt es Internet?

Manche KapitänInnen haben Satellitentelefone an Bord, über die du Nachrichten verschicken oder kurz anrufen kannst. Die Minute wird jedoch sehr teuer berechnet. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du ein eigenes Satellitentelefon mit zu nehmen. Allerdings musst du dafür etwas tiefer in die Tasche greifen.

Heute gibt es auf manchen Booten Internet über Satelliten. Der Ozean ist aber einer der letzten wenigen Orte auf dieser Erde, an denen du die Chance hast, so richtig abzuschalten und zu erleben, was es wirklich heißt, entschleunigt zu leben.

Es gibt an Bord der meisten Schiffe das AIS System (Automatic Identification System). Auf der Webseite vesselfinder.com/de können deine Familienangehörige und Freundinnen die Position des Segelbootes nachverfolgen. Dazu musst du ihnen aber vorher die AIS-Nummer durchgeben.

Was sind die besten Tipps gegen Seekrankheit?

Sich die ersten paar Tage seekrank zu fühlen, ist Teil der Segelerfahrung. Selbst die erfahrensten KapitänInnen sind davor nicht gefeit. Es gibt zwar Medikamente gegen Seekrankheit, aber am Besten ist es, wenn sich dein Körper langsam an die Situation gewöhnt.

  • Verzichte in den ersten Tagen auf schwere Kost und Alkohol und iss viele kleine Häppchen über den Tag verteilt.
  • Gönne deinem Körper Ruhe und viel Schlaf. Während des schlafens ist der Gleichgewichtssinn quasi ausgeschaltet, wodurch sich die Symptome der Seekrankheit stark vermindern.
  • Meide das Bootsinnere. Die frische Luft und der Blick auf den Horizont tun gut und machen es dem Körper einfacher, sich zu orientieren.
  • Ingwerwurzel kauen und Ingwertee trinken lindern die Übelkeit ebenfalls.

Kann ich auch mit Kindern über den Atlantik segeln?

Definitiv! Wir haben viele Familien getroffen, die sogar permanent auf ihren Booten leben. Viele waren sogar mit Kleinkindern unterwegs. Für die Kids ist das eine super Möglichkeit, verschiedene Kulturen und Menschen auf der ganzen Welt kennenzulernen.

Allerdings dürfte es schwierig werden, als Mitsegler mit Kindern einen Platz auf einem Boot zu finden.

Gibt es auch Anbieter, bei denen ich eine Atlantiküberquerung buchen kann?

Ja. Wenn du deine Atlantiküberquerung etwas bequemer von zu Hause aus planen willst, anstatt vor Ort an den Häfen nach Booten zu suchen, gibt es die Möglichkeit, über einen Anbieter, wie zum Beispiel »Langsamreisen« zu buchen oder dich über die verschiedenen Webseiten direkt mit den KapitänInnen in Kontakt zu setzen.

Wie komme ich nach der Atlantiküberquerung wieder zurück?

Du kannst die nächste Segelsaison abwarten und im April, Mai oder Juni über die Ostroute auf dem Nordatlantik zurücksegeln. Die meisten Segelboote legen in der Karibik ab, fahren entlang der US-Küste Richtung Norden und von dort über die Azoren nach Europa. Eine andere Möglichkeit ist, mit einem Frachtschiff zurückzufahren. Diese legen während des gesamten Jahres ab. Und ansonsten besteht immer die Möglichkeit, ein Flugzeug zu nehmen.

Ohne Flugzeug um die Welt

Julia und Lisa Hermes

Julia und Lisa gehen der Frage nach, ob und wie man ein Leben außerhalb von Ausbeutung, Konsumzwang und Umweltzerstörung leben kann. Sie sind auf einem Segelboot über den Atlantik getrampt, durch den Amazonas gepaddelt und per Anhalter durch Südamerika bis nach Feuerland gereist.

Lisa ist Dokumentarfotografin und hat Projekte über die Stellung der Frau in Indien, den Krieg in der Ukraine oder Utopien in Berlin gemacht. Julia hat Psychologie studiert und in Frankreich und Italien gelebt.

Die Weltreise von Lisa und Julia kannst du auf ihrem Blog verfolgen: www.outthere.eu

Text: Lisa & Julia Hermes | Illustration: Susanne Mader
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