Paddeln mit Kindern auf der Altmühl
Altmühl statt EM
Was tun, wenn der Nachwuchs lieber gegen den Ball statt in Papas Paddler-Fußstapfen tritt? Ganz einfach: Mit einem tollen Kanuabenteuer Eindruck schinden und ein hoffentlich nachhaltiges gemeinsames Erlebnis schaffen. Das geht kaum irgendwo besser als auf der Altmühl.
TEXT: Philip Baues
FOTOS: Michael Neumann
Zeig mir deine Playlist, und ich sag dir, wer du bist. In meinem Fall offensichtlich ein Papa von zwei fußballverrückten Jungs. Top-Compilation der letzten Monate: »Bundesliga-Hymnen«, Top-Lied: »Stern des Südens«, der offizielle Song des FC Bayern München. Das trifft weder meinen Musikgeschmack noch meinen Sporttypus. Ich bin lieber in der Natur unterwegs. Beim Paddeln, Mountainbiken, Skifahren oder Wandern. Zugegeben, all das habe ich auch schon mit Anton (6) und Oskar (4) gemacht und beide hatten jede Menge Spaß dabei. Aber jetzt also die Fußball-Phase. Zumal auch noch die Euphorie der Heim-EM nicht vor dem Kindergarten Halt macht. Da kann man nichts machen … Oder doch?
»Habt ihr Lust auf eine Kanutour mit Übernachtung im Zelt, Lagerfeuer und allem drum und dran?« Natürlich ahnen die kleinen Kicker nichts von meinem sportpädagogischen Interventions-Hintergedanken und stimmen begeistert zu. Ha! – ausgetrickst. Der passende Fluss ist auch schnell gefunden. Die Altmühl in Mittelfranken gilt als einer der populärsten und schönsten Tourenflüsse Deutschlands. Nur eine gute Fahrtstunde von Augsburg entfernt schlängelt sie sich besonders im Oberlauf idyllisch durch blühende Wiesen und an mächtigen Jurafelsen vorbei. Die Altmühl ist zahm und damit absolut anfänger- und familientauglich. Ein- und Aussteige sowie die wenigen Gefahrenstellen wie Wehre oder Bootsrutschen sind ideal beschildert. Dazu kommt eine perfekte Infrastruktur für Paddler:innen: Eine Vielzahl von Anbietern verleiht nicht nur Boote, sondern organisiert auf Wunsch auch den Shuttle zurück zum Einstieg. Alternativ bietet sich der begleitende Altmühl-Radweg zum umweltfreundlichen Fahrzeug-Umstellen an. Und das Beste: Direkt am Wasser gibt’s viele Zeltwiesen und Campingplätze mit Feuerstelle.
Wir haben uns für die Etappe von Pappenheim bis Dollnstein entschieden. Wo sich an schönen Sommerwochenenden und in den Ferien Heerscharen von Schulklassen, Ausflugsgruppen und Freizeitkapitänen tummeln, haben wir unter der Woche Ende Juni die Altmühl fast für uns allein. Vor dem Einbooten könnte man sich in Pappenheim die imposante Burganlage samt Folterkammer anschauen. Doch diese Büchse der Pandora bleibt fürs Erste verschlossen – ich will ja Freude statt Schrecken verbreiten und außerdem wartet am Einstieg ein Mitpaddler auf uns. Thomas Einsiedel (www.kanuga.de) kennt auf der Altmühl jeden Fisch und jeden Reiher beim Namen und baut vor allem die schönsten Holzkanadier, die man sich vorstellen kann. Während ich noch ein Stoßgebet zum Himmel schicke, dass ich keine Kratzer in das edle Boot fahre, haben Anton und Oskar weniger Berührungsängste: Lautstark und mit Körpereinsatz wird darum gestritten, wer das längere Paddel nehmen darf. Brüder eben. Zumindest scheint die Motivation zu stimmen …
Wenige Augenblicke später holt Oskar mich in die Realität zurück: »Boah, sieht das langweilig aus!«, ist sein wenig diplomatisches Urteil beim Anblick der träge dahinströmenden Altmühl an der Einbootstelle. Das kann ja heiter werden. »Darf ich schon mal reinspringen? Ich hab doch ne Schwimmweste an!« »Dann bist du klitschnass und kalt, bevor wir auch nur einen Meter gepaddelt sind. Keine gute Idee, Oskar.«, appelliere ich vergebens an die Vernunft eines Vierjährigen. Zum Glück bremst ihn sein großer Bruder ein und fängt einfach an zu paddeln. Unser Altmühl-Abenteuer beginnt.
Ich hatte damit gerechnet, den mit Zelt, Schlafsäcken, Isomatten, Campingstühlen, Proviant und Klamotten beladenen Kanadier mehr oder weniger allein paddeln zu müssen. Aber offensichtlich haben meine Frau und ich einen guten Job gemacht und das ein oder andere Paddler-Gen an den Nachwuchs weitergegeben. Anton und Oskar langen auf ihrer Seite kräftig zu, so dass ich kaum steuern muss. Die Kids haben Spaß und Papa ist stolz!
Im Nu haben wir das erste Wehr erreicht. Dank komfortabler Stege und kurzer Wege sind die Umtragen auf der Altmühl eher willkommene Abwechslung als mühsame Unterbrechung. Zur Stärkung gibt’s ein paar Kekse und schon sind wir wieder unterwegs. Kurz vor Solnhofen erzählt Thomas, dass er hier schon oft Biber gesehen hat. Die Jungs werden hellhörig, stellen das Paddeln ein und halten Ausschau nach den putzigen Nagern. Jetzt kann Papa also doch noch beweisen, dass er das Kanu auch allein auf Kurs halten kann. Wir sehen Enten, Reiher und Libellen, hören Frösche und Vögel, doch der Biber zeigt sich nicht. Dafür zeugen einige gefällte Bäume vom Fleiß und von der Bisskraft der Tiere.
Ein weiteres Highlight der Etappe sind die »Zwölf Apostel«, eine imposante Felsformation aus dolomitischem Schwammkalk, die kurz vor Esslingen aus dem Juratrockenhang emporragen. Erwartungsgemäß hauen derartige geologische Finessen meine Jungs nicht gerade vom Hocker. Sie interessiert vielmehr, wann es jetzt endlich Lagerfeuer und Marshmellows gibt. »Je mehr ihr paddelt, desto schneller sind wir da.« Motivation kann ich.
Luftlinie sind es nicht mal zwei Kilometer bis zum Zeltplatz Hammermühle. Doch weil die Altmühl so schön naturbelassen mäandert, brauchen wir noch über eine Stunde bis zum Etappenziel. Beim Anblick der spritzigen Bootsrutsche kommt kurz Hektik bei einem Teil meiner Besatzung auf, die aber schnell in Anfeuerungsrufe umschlägt: »Los Papa, wir wollen da runterpaddeln!«, krakeelen Anton und Oskar in ungewohnter Eintracht. Ich nehme schon Kurs auf die Durchfahrt, da fällt mir ein, dass wir in einem handgefertigten 8000-Euro-Kanadier sitzen. Zum Glück kommt gerade ein Pärchen in einem robusten Luftkajak an den Steg gepaddelt. Also raus aus dem Kanadier, rein ins Gummiboot und in die reißenden Fluten. Oskar und Anton kreischen vor Freude. Wir sind noch nicht ganz unten angekommen, da vernehme ich schon ein vehementes »Nochmal!«. Ist da etwa jemand angefixt? Mein manipulativer Plan scheint aufzugehen.
Nachdem die nasse Badehose mit dem trockenen Fußballtrikot (was sonst!) getauscht ist, besinnt sich zumindest mein Erstgeborener seiner wahren Bestimmung. »Können wir Fußball spielen?« Wie blöd, dass ich doch glatt den Ball vergessen habe. Bevor die Stimmung kippt, ziehe ich den Joker: »Wer will Marshmellows?«
Für das versprochene Lagerfeuer fehlen leider die Zeit und trockenes Holz. Aber der Gaskocher tut’s auch und schon bald hocken die Kids eingemümmelt in ihre Schlafsäcke vor dem Zelt und lassen sich vom Zucker aufputschen. Bis sie an diesem Abend im Zelt liegen, soll es noch eine Weile dauern. Erstmal gibt es noch viel zu erzählen. Anton überlegt, ob die Ratte, die wir gesehen haben, nicht vielleicht doch ein Biber war. Und Oskar will wissen »wieso die Bayern eigentlich nicht bei der EM mitspielen«. Das fragt Markus Söder sich wahrscheinlich auch. Der erste Versuch, die Kinder ins Bett zu bringen, scheitert daran, dass Oskar noch mal pinkeln muss. Keine große Sache, nur sind inzwischen draußen die Fledermäuse unterwegs und fangen Mücken zum Abendessen. Das ist natürlich höchst aufregend und darf auch Anton auf keinen Fall verpassen. Also alle raus aus dem Zelt und Blick zum Himmel. Der zweite Anlauf wird von einem Phänomen vereitelt, das wir in meiner niederrheinischen Heimat »nach möd kommt blöd« nennen. Na ja, es gibt ja auch viel zu verarbeiten. Irgendwann schlafen aber alle. Ob Anton und Oskar von Hackentricks oder schon von Ziehschlägen geträumt haben, bleibt ein ungelöstes Rätsel.
Zumindest ist die Laune am nächsten Morgen trotz der kurzen Nacht hervorragend. Nach dem Müsli wird kurz die Forderung laut, das Fußball-Dress anzubehalten. Am Ende stecken beide Jungs aber in ihren Neos und wir stechen wieder in See beziehungsweise in die Altmühl. Nach einer halben Stunde schwant mir, dass ich die Kids mit der gestrigen Wildwasser-Einlage womöglich »versaut« habe. Für ihren Geschmack ist es heute zu viel Idylle und zu wenig Action. Natürlich bleibe ich knallhart und preise die Tugenden von Geduld, Ausdauer und Disziplin. Insgeheim feiere ich Anton und Oskar aber für ihre abenteuerlustige Attitüde. Thomas versucht, die Jungs mit erdgeschichtlichen Fakten bei der Stange zu halten. Ob wir eigentlich wüssten, dass während der Eiszeiten die Donau hier durch den Naturpark Altmühltal strömte? Ich schmunzle und kann die Gedanken meiner Kinder lesen: »Donau? Nie gehört. Eiszeit? Klingt lecker, sagt mir aber nichts.« Formulieren tun sie ihr Desinteresse so: »Wann können wir endlich schwimmen?!«
Zum Glück endet unsere zweite Tagesetappe schon kurz hinter Dollnstein. Anton, der bald in die Schule kommt, kann schon ein paar Wörter lesen. Als ich ihn am Einstieg auf ein Schild aufmerksam mache, dauert es einen Moment – dann fangen seine Augen an zu leuchten. Da steht FREIBAD!
So endet unsere Paddeltour mit glücklichen Kindern und einem glücklichen Papa. »Jungs, wollen wir bald mal wieder paddeln gehen?«, frage ich sie auf der Rückfahrt. Oskar ist längst eingeschlafen, aber Anton spricht für beide: »Auf jeden Fall! Nur nicht dienstags, da ist Fußballtraining.« Damit kann ich leben.
Philip Baues …
… ist Teilzeit-Redakteuer und Vollzeit-Papa. Ihm selbst wurde das Paddeln von seinem Vater in die Wiege gelegt – jetzt arbeitet er daran, die Familientradition an seine beiden Söhne weiterzugeben. Am Ende ist es ihm aber egal, womit die Jungs glücklich werden. »Nur keine Stubenhocker – das wäre schade!«
Vorteil Kunstfaser-Schlafsack
Wenig nervt auf Tour mehr als ein nasser Schlafsack. Vor allem für Kids sollte das Übernachtungs-Equipment »wasserdicht« sein. Bei Kanutouren versteht sich von selbst, dass man die Ausrüstung im Boot wasserdicht verpackt – denn die nächste Kenterung kann jederzeit passieren. Trotzdem setzen viele Paddler beim Schlafsack auf Kunstfaser statt Daune. Der Vorteil liegt auf der Hand: Synthetische Isolation ist feuchtigkeitsunempfindlich und wärmt auch noch in nassem Zustand. Wer im Kanadier unterwegs ist, verschmerzt zudem locker das etwas höhere Gewicht im Vergleich zur Daune. Die Beladungskapazität ist enorm – wer mag, kann sogar seinen Dutch Oven einpacken. Ein weiterer Pluspunkt: Egal ob Pipi-Unfall oder verschüttete Apfelschorle – bei (kleinen) Kindern geht gern mal was daneben. Kunstfaserschlafsäcke sind pflegeleicht und können ohne größere Vorsichtsmaßnahmen in der Waschmaschine gereinigt werden.
All diese Vorteile spielt der Marmot-Kinderschlafsack »Kids Trestles Elite Eco« mit Bravour aus. Er ist nicht nur schick und funktional, sondern auch zu 100 % aus recyceltem Polyester hergestellt. Das spart Energie, Chemikalien und Wasser in der Produktion. Und hat der Schlafsack irgendwann ausgedient, kann er dank Monomaterial problemlos und nahezu komplett recycelt werden.