Paddelperlen in Europa

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Globetrotter zeigt dir sechs erstklassige Kanureviere in Europa. Von einer gemütlichen und anfängerfreundlichen Flusswanderung in Frankreich bis zum waschechten Seekajak-Abenteuer in Island ist alles dabei …

#1 Loire – zwischen Schlössern und Widniss

Mehrtägige, bis zu 330 Kilometer lange Paddeltour auf einem wildromantischen, ruhig strömenden, naturbelassenen Fluss – was will das Paddlerherz mehr?

Die Loire ist ein Urstrom. So muss es vor Jahrhunderten überall in Europa ausgesehen haben: Inseln, wohin das Auge blickt, dazwische­­n mäandern Seitenarme. Man sieht Biber schwimmen und Sterntaucher eine Brutstätte suchen. Dann plötzlich überragt ein pittoreskes Schloss das Ufer – Kultur im Kanu, sozusagen. 

Bei einer Paddeltour auf dem lohnendsten Abschnitt der Loire durchquert man einen großen Teil Zentralfrankreichs. Los geht’s im Naturschutzgebie­­t »Val de Loire«, das Finale führt in die zum UNESCO-Welterb­­e erklärte Region zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes-sur-Loire – schöner paddeln geht kaum.

Info: Paddeln wie Gott  in Frankreich. Auch wenn man trödelt, kommt man gut voran. Für gemütliche Ferienpaddler dürfte die Tagesleistung bei 30 bis 35 Kilo­metern liegen. Wildcampen macht den Reiz einer Loire-Tour aus. Aber: Nicht im Naturschutzgebiet zwischen Charité und Tracy übernachten und nicht zur Zeit der Seeschwalbenbrut im Frühjahr. Feuer auf den Inseln ist tabu, ein Campingkocher daher Pflicht. Die Loire kann über Nacht stark steigen. Deshalb das Zelt mindestens einen Meter über dem Wasserspiegel aufstellen und die Boote weit aus dem Wasser ziehen. Von Köln bis zum Einstieg in Charité-sur-Loir­e sind es 710 Kilometer. 

Mehr Infos gibts in den Paddelführern vom Thomas-Kettler-Verlag: KANU KOMPAKT LOIRE 1 und KANU KOMPAKT LOIRE 2



#2 Tagliamento – der letzte Wildling Europas

Ihr seid auf der Suche nach einem kindgerechten Paddelabenteuer der Extraklasse? Wie in Kanada, aber mitten in Europa gelegen? Mit Wildnis, Lagerfeuer und einer Prise Wildwasser? Willkommen auf dem Tagliamento. Und im Anschluss vielleicht ein Stadtbummel durch Venedig? Im Kanu natürlich.
Michael Neumann Durch die Ausläufer der Friauler Dolomiten windet sich der Tagliamento Richtung Adria.

Nach einem langen, kalten Winter beginnt für Paddel­eltern mit schulpflichtigen Kindern spätestens an Pfingsten die Freiluftsaison. Südfrankreich steht dann meist ganz oben auf der Liste möglicher Fahrtenziele. Wer jedoch die Anfahrt scheut und/oder sich nicht über zwei Wochen Schulferien – wie etwa in Bayern und Baden­-Württem­berg – freuen kann, dem sei folgendes Duett empfohlen, das sich gut in einer Woche re­alisieren lässt: erst tagelanges Weitwandern auf dem Tagliamento, dann – wenn man eh schon in der Gegend ist – ein Stadtbummel der ganz besonderen Art durch das wunder­ schöne Venedig.

Etwas Know­-How im Umgang mit Strömung, Seilfähre und Stechpaddel vorausgesetzt, sind beide Touren wie dafür gemacht, um den Nachwuchs von den Vorteilen des Paddelns als Familiensport zu begeistern – sei es durch das Robinson­-Crusoe­-Feeling auf den einsa­men Flussinseln im Tagliamento, XXL­-Sand­kasten inklusive, oder das »Herr­-der­-Diebe«­ Feeling in Venedig, wo man dank Kanu das Weltkulturerbe aus einer völlig neuen Per­spektive erlebt. Und das geht so …

Die große Reportage hier im Blog lesen: Tagliamento mit Kajak und Kindern



#3 Masuren – Kanufahren auf der Krutynia

Eine Paddeltour auf der Krutynia zählt zu den beliebtesten Kanuwanderungen in Pole­n.

Der Wanderfluss ist eine idyllische Mischun­g aus langsam fließenden Flussabschnitten und mittelgroßen Seen. Ausgedehnte Wälde­r  und grüne Wiesen erstrecken sich entlang der Ufer. Die Infrastruktur für Wasser­wanderer ist perfekt – der Nachwuchs kann problemlos mit an Bord.

Die Strecke lässt sich beliebig ein­teilen, da in kurzen Ab­ständen Wasserwanderstationen Rast- und Übernachtungs­möglichkeiten bieten. In viele­­n Orten gibt es Kanuverleiher und auch die Park- und Rückholmöglich­keiten sind gut. Die Popularität der Route zeigt sich vor allem im kurzen masurischen Sommer – dann kann es auf dem Wasser schon mal voll werden. Die Masurische Seenplatte im Osten Polens ist ein perfektes Anfänger- und Familienrevier und beispielsweise von Berlin aus in gut acht Stunden erreichbar.

Mehr Infos gibts in den Paddelführer vom Conrad Stein: POLEN: KANUTOUREN IN MASUREN



#4 Islands Westfjorde per Seekajak

Eine begeisternde Seekajakwoche in menschenleerer Wildnis am Polarkreis – um das zu erleben, muss man keine krasse Expedition auf sich nehmen. Es genügen eine bunte Truppe, ein Guide mit All-inclusive-Qualitäten und ein verkanntes Paddlerparadies: die isländischen Westfjorde.

Klar ist Island toll! Ein Outdoorwunderland aus Feuer und Eis. Weit, wild und einsam. Mit den größten Gletschern Europas, mit Vulkanen, deren Namen kein Mensch aussprechen kann, und mit einer dramatisch schönen Küste. Aber zum Seekajakfahren? Ist der Nordatlantik nicht viel zu stürmisch? Die Wellen halsbrecherisch und das Wasser eisig? Die Mücken eine Plage und der Regen ein Dauerärgernis? Außerdem so dünn besiedelt – da bedar­f es doch sicher einer ausgefeilten Logistik, um nicht zu verhungern oder den Kältetod zu sterben? Oder etwa nicht?

Schon beim Blick auf eine Islandkarte ahnen wir, dass alles halb so kompliziert sein könnte. Da ragt ganz am Rand die Westfjorde in die Grönlandsee, ein weit verzweigtes System aus Landzungen und Meeres­armen. Ein Teil davon, die sogenannten Gletscherfjorde (»Jökulfirðir«), wird sogar fast vollständig von einer Halbinsel namens Hornstrandir umgeben und somit abgeschirmt gegen das offene Meer mit seinen Brechern. Außerde­m sehen wir auf der Karte Buchten und Landzungen, die sich als Zelt­plätze geradezu aufdrängen. Zwischen den Fjorden lassen eng gestaffelte Höhenlinien auf imposante Berge hoffen. Anzeichen von Zivilisation hin­gege­n muss man mit der Lupe suchen. Auf jeden Quadratkilometer West­fjorde kommt nicht einmal ein Einwohner. 

Die große Reportage hier im Blog lesen: Island per Seekajak



#5 Dordogne – ein Traum für Wanderpaddler

Zu schön, um wahr zu sein? Die Dordogne ist der Traum eines jeden Wanderpaddlers: ungebändigt, verwunschen und flankiert von märchenhaften Schlössern. Leinen los zu einem Familienabenteuer der Extraklasse.
Michael Neumann

Dordogne? Schönster Fluss Frankreichs, aber in der Hochsaison völlig überlaufen. So schallt es unisono aus dem paddelnden Bekanntenkreis, als wir von unseren Pfingstplänen berichten. Vier Familien, vier Kanadier, zwei Kajaks, zwölf Kinder, zehn Tage Zeit und ein naturnaher Weitwanderfluss. Eher überlaufen wir die Franzosen mit unserer Armada. Doch dann kommt die Entwarnung. Wann ist in diesem Jahr doch gleich Pfingsten? Ahhh, Ende Mai, das passt, denn voll ist es auf der Dordogne primär von Anfang Juli bis Mitte September.

Kaum sind wir auf dem Wasser, werden wir auch schon von einem Gewitter überrascht. Beim Beladen der Boote auf dem Campingplatz in Argentat schien noch die Sonne durch die Bäume, doch jetzt hat uns eine dunkle Wolkenmasse eingeholt, die vom Zentralmassiv über unsere Köpfe geblasen wird. Schnell legen wir an der Kaimauer von Argentat an und erreichen gerade noch rechtzeitig die schützende Markise einer Pizzeria. Auch hier gibt es große Augen. Wie viele seid ihr? Doch dann werden Tische zusammengeschoben und Stühle organisiert und alle bekommen einen Platz im Trockenen und eine leckere Pizza.

Die große Reportage hier im Blog lesen: Paddeln auf der Dordogne



#6 Die kroatische Adria im Seekajak

Inselhopping per Seekajak, einsame Strände und exklusive Übernachtungsbuchten: Klingt nach einem fernen Paradies, gibt’s aber mitten in Europa. Ab zum Paddeln in Kroatien!

Wer braucht schon die Karibik? Da sind die Strände auch nicht weißer und das Wasser an der Adria­küste ist wohl noch glasklarer als vor Barbados. Vom ökologischen Fußabdruck der Anreise aus Mitteleuropa ganz zu schweigen. Kroatien ist ein wahrer Traum zum Paddeln für Sonnenhungrige sind, hat sich rumgesprochen. Der Zuwachs von Urlaubern in der Region alleine in den letzten zwei Jahren ist gewaltig. Die großen Campingplätze an den Buchten der Inseln Krk, Rab und Cres sind zu Hotspots für Reisende aus allen europäischen Ländern geworden.

Doch mit unseren Seekajaks auf dem Autodach muten wir neben all den Gummibooten und bunten Aufblaseinhörnern an wie Exoten. Und das sind wir auch. Denn wir wollen nicht bleiben und unseren Caravan für die nächsten zwei Wochen blick- und winddicht auf dem Campingplatz verschanzen. Wir wollen dem Trubel die kalte Schulter zeigen und eintauchen in die einsame Inselwelt der Kvarner Bucht. Ganz ohne Motor, ohne Beschallung an den Promenaden, gar ohne Dusche und fließend Wasse­­r und vor allem: ohne Einhorn.

Die große Reportage hier im Blog lesen: Kroatien per Seekajak

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