Unterwegs in Ostkanada

Niagarafälle: 5 Top-Aktivitäten

Die Niagarafälle, anderthalb Autostunden südlich von Toronto gelegen, sind eines der größten Touristenspektakel in Nordamerika: Mehr als 10 Millionen Besucher finden jedes Jahr den Weg hierher. 2,6 Millionen Liter Wasser stürzen pro Sekunde in die Tiefe und erzeugen Nebelschwaden, die bei gutem Wetter sogar vom CN Tower in Toronto aus zu sehen sind.

Etwa neun Zehntel der Wassermenge entfallen auf die kanadischen Horseshoe Falls (56 Meter hoch, 670 Meter breit) und nur ein Zehntel auf die American Falls (54 Meter hoch, 323 Meter breit). Die kleine Insel Goat Island teilt die Fälle zwischen Kanada und den USA auf. Kaum weniger beeindruckend als die Wasserfälle selbst ist der menschliche Geschäftssinn, der es ermöglicht, sie aus allen Perspektiven zu erleben. Die Stadt Niagara Falls (90 000 Ew.) lebt von den Fall-Süchtigen aus aller Welt: Es gibt Themenparks, ein Vergnügungsviertel, ein Kasino und Unterkünfte und Restaurants für jedes Budget. Man muss jedoch nicht alles mitmachen. Die beste Show bietet immer noch Mutter Natur. Die hier vorgestellten Attraktionen können einzeln oder in verbilligten Combos bei Niagara Parks gebucht werden.

»Unaufhaltsam rauscht das Wasser Richtung Kante. Spätestens jetzt verliert es seine Lieblichkeit. Wie ein dicker, harter Teppich gezogen über eine Teppichstange, rollt es über die Verwerfung in die Tiefe und kracht donnernd in das Flussbett. Nebelschwaden, hunderte Meter breit, steigen auf. «

Ole Helmhausen, Autor
Geologisch sind die Niagarafälle relativ jung. Vor circa 12.000 Jahren, am Ende der letzten Kaltzeit schmolzen die letzten großen Gletscher. Ihr Wasser brachte den Eriesee zum Überlaufen. Aus dem Überlauf entstand der Fluss Niagara, der sich über die Niagara-Schichtstufe in den Ontariosee ergießt. Eine geologische Besonderheit der Schichtstufe und damit einhergehende Erosion führt dazu, dass sich die Fälle mit etwa 1,8 Metern pro Jahr in Richtung Eriesee bewegten. Seit ihrer Entstehung haben sich die Fälle so 11 Kilometer in die Niagara-Schichtstufe hineingearbeitet. Durch Umleitung der Wassermassen zu Wasserkraftwerken und eine Reduzierung der herunterstürzende Wassermenge ist dieser stetige Erosions heute verringert. Um die Naturattraktion für Touristen nicht zu schmälern unterzeichneten die USA und Kanada 1950 einen Vertrag, der die Wasserentnahmemengen regelt. Während der Touristensaison müssen mindestens 50 % der Wassermenge im Fluss verbleiben, außerhalb der Touristensaison sind es nur 25%.
Tipp 1

Niagara City Cruises

Den obligatorischen roten Plastik-Poncho möglichst wasserdicht übergestreift, dann gehts ab in die Waschstraße! Während der 20-minütigen Bootstour tief ins tosende Inferno der Horseshoe Falls fühlt man die unglaubliche, magnetische Kraft der Fälle körperlich. Auch Fotoapparate und Smartphone wasserdicht verpacken! Es wird nass …

Tipp 2

Journey behind the Falls

Auf der Reise hinter die Fälle steigt man im Table Rock House in einen Fahrstuhl und wird 40 Meter tiefer in einen 130 Jahre alten Tunnel entlassen. Man spürt das Donnern der Fälle lange bevor man sie sieht. Die Beobachtungsplattform ist nass und glitschig, doch der Blick auf den gigantischen Wasservorhang der Fälle ist unvergesslich.

Tipp 3

Niagara Parks Power Station

Das alte, 1905 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk oberhalb der Fälle wurde 2021 als Touristenattraktion wiedereröffnet. Von der Turbine bis zum kleinsten Detail wird der Betrieb erklärt. Ein gläserner Aufzug fährt zu einem 600 Meter langen Tunnel, der zu einer Beobachtungsplattform führt.

Tipp 4

White Water Walk

Der kurze Niagara River verbindet den Lake Erie mit dem Lake Ontario und ist einer der wasserreichsten Flüsse der Welt. Die rohe Kraft des reißenden Flusses ist auf dem 400 Meter langen White Water Walk aus nächster Nähe zu sehen. Der Plankenweg folgt dem Ufer dicht über dem Wasser und passiert dabei einige der garagegroßen Kategorie-6-Stromschnellen.

Tipp 5

Niagara Falls Zipline

Zipline, auf deutsch Seilrutschen, sind auch in Nordamerika en vogue. Die hiesige Seilrutsche folgt dem Flußverlauf. Unterwegs haben Gäste das Gefühl, direkt auf die Fälle zu zurasen. Adrenalinschübe sind garantiert!


TEXT: Ole Helmhausen

FOTOS: Destination Canada

Ole Helmhausen

Ole Helmhausen lebt seit 1993 in Montréal (Kanada) und berichtet von dort über Nordamerika und die Karibik. Der gebürtige Westfale und Halbdäne hat Völkerkunde und Soziologie in Münster studiert.

Inhaltsverzeichnis
Inhalts-
verzeichnis