Roadtrips in Ostkanada

Drei Abenteuer
auf vier Rädern

Roadtrips und Kanada gehören zusammen wie Topf und Deckel: Die Straßen im zweitgrößten Land der Welt sind gut, endlos, meistens leer und die Vielfalt der Landschaft ist spektakulär. Wir zeigen drei erstklassige Roadtrips im Osten von Kanada.

Roadtrip:
Québec City – Percé

Québec City – Percé, 800 km, Highlight: Parc National de la Gaspésie

In Kanada gibt es noch immer jede Menge Straßen, die es – warum auch immer – nicht in die Best-of-Rankings schaffen. Die 800 Kilometer lange Route 132 von Québec City nach Percé ist so ein Fall.

Die Route 132 folgt dem Südufer des St.-Lorenz-Stroms und verliert Nordamerikas wichtigsten Wasserweg, der hier nur »le fleuve« genannt wird, nie länger als zehn Minuten aus dem Blick.
Auf weiten Teilen der Strecken fährt man hier auf Augenhöhe mit dem meist wabbeligen Nord-Atlantik und kann dabei zusehen, wie das raue Meer auf die Küste trifft. Winzige Siedlungen ducken sich in kleine Buchten, Häuser drängen sich zu dekorlosen Haufen mit Leuchtturm oben darauf zusammen, gleich dahinter beginnt die mehrere Hundert Meter hohe Steilküste.

Die Highlights auf dieser Strecke:

  • der raue Parc National de la Gaspésie, ein Paradies für Wanderer mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, einen Elch zu Gesicht zu bekommen.
  • der wunderbare Parc National de Forillon mit Bär- und Walbeobachtung
  • das fotogene Resortstädtchen Percé mit Walbeobachtung, Tölpelkolonie und berühmtem Rocher-Percé
  • Elch im Parc National de la Gaspésie
  • Parc de Forillon
  • Rocher-Percé

Ostkanada Roadtrip: Neufundland

350 km über Rose Blanche und Codroy Valley

Wer in Port aux Basques von der Autofähre rollt, hat in aller Regel die bekannteren Top-Acts weiter nördlich im Visier. Die meisten wollen den südwestlichen Zipfel von Neufundland schnell hinter sich lassen. Dabei ist die Gegend eine der facettenreichsten der ganzen Provinz.

Bereits in Port aux Basques kann man ostwärts auf eine herrliche Küsten-Kurverei gehen. Nach 50 Kilometern durch eine Welt aus winzigen Fischerhäfen, spärlich begrünter Felsen-Ödnis und Klippen und Schären aus hellem Granit endet die Straße 470 in Rose Blanche. Der landestypische 300-Seelen-Ort klebt an steilen Klippen, die engen Straßen hinab zu den Anlegestellen gehen nur im Schritttempo. Ehemalige Fischer organisieren von hier aus ganztägige Bootstouren zu verlassenen Küstengemeinden (Outports). Massentourismus? Fehlanzeige! Die einzige Übernachtungsmöglichkeit bietet das schöne Rose Blanche Lighthouse hoch über dem Ort.

Das Codroy Valley eine Autostunde nördlich von Port aux Basques fühlt sich dagegen fast wie Kalifornien an. Zumindest an warmen Tagen. Das nie wirklich beschriebene grüne Tal im Schatten der düsteren Long Range Mountains ist dank seiner sattgrünen Wiesen und Wälder ein Paradies für über 100 Vogelarten. Noch einen Katzensprung weiter nördlich, auf der kleinen Port-au-Port-Halbinsel, bietet der Park Boutte du Cap eine der atemberaubendsten Steilküsten in Neufundland.

  • Bilderbuch Neufundland: ein Leuchtturm in der Ferne in Channel-Port aux Basque
  • Rose Blanche Lighthouse
  • Codroy Valley

Sackville – St. Andrews

400 km auf dem New Brunswicks Fundy Coastal Drive

Der Fundy Coastal Drive beginnt im behäbigen Uni-Städtchen Sackville und endet in St. Andrews kurz vor Maine. Sämtliche Highlights unterwegs haben mit den Weltrekordgezeiten in der Bay of Fundy zu tun.

Zweimal am Tag drängen sich sich 160 Milliarden Tonnen Salzwasser in die Bay of Fundy und erzeugen einen Tidenhub von bis zu 16 Metern. Am besten sind die dramatischen Unterschiede zwischen Ebbe und Flut am Hopewell Cape zu sehen. Richtung Süden übernehmen endlose Wattlandschaften, bei Ebbe auf der Seite im Schlick liegende Fischkutter und bei Flut ihre Fließrichtung umkehrende Flüsse. In St. Martins, einem von einer Steilküste eingekesselten Refugium für Stadtneurotiker, bietet sich die Gelegenheit zu einem Abstecher auf den Fundy Trail Parkway. Die neue Panoramastraße verbindet den Ort mit dem knapp 30 Kilometer entfernten Fundy National Park. Sie führt in atemberaubenden Serpentinen steile Gebirgsfalten auf und ab und bietet grandiose Aussichten auf die letzte unbebaute Küstenlandschaft am nordamerikanischen Atlantik.

Letzter Höhepunkt ist St. Andrews-By-The-Sea. Das 1783 auf eine schmale Halbinsel gestellte Städtchen ist ein schnuckeliger Ort zum Entschleunigen, und zwar beim Whale Watching. Und beim Autofahren – bei Ebbe natürlich – auf dem Meeresboden nach Ministers Island!

TEXT: Ole Helmhausen

FOTOS: Destination Canada; Ole Helmhausen; istock: Instants, shaunl, edb3_16, Wirestock, AWSeebaran

Ole Helmhausen

Ole Helmhausen lebt seit 1993 in Montréal (Kanada) und berichtet von dort über Nordamerika und die Karibik. Der gebürtige Westfale und Halbdäne hat Völkerkunde und Soziologie in Münster studiert.

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