Ortovox: Tourenplanung

Eine gute Tourenplanung setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. In diesem Kapitel bringen wir sie dir Schritt für Schritt näher.

Inhalt:
Vorbereitet sein!
Risikomanagement
Bergwetter
Klettertopo
Kletterskalen
Den Kletterrucksack richtig packen
Den Rucksack richtig einstellen


Vorbereitet sein!

Die eine perfekte Linie an der mächtigen Felswand lässt dich nicht mehr los: kühnste Kletterei in herrlicher Exposition an kompaktem Fels. Doch wie jede alpine Klettertour erfordert sie im Vorhinein gute, sorgfältige Planung. 

Eine durchdachte und realistische Tourenplanung ist essentieller Bestandteil jeder alpinen Tour. Sie gehört zu spärlich abgesicherten alpinen Klassikern genauso wie zu gut eingebohrten Mehrseillängentouren. Nur so können Alpintouren sicher gemeistert, Gefahren rechtzeitig erkannt und schwerwiegende Fehler vermieden werden. 

Eine gute Tourenplanung setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. In diesem Kapitel bringen wir sie dir Schritt für Schritt näher: von der Auswahl der Klettertour und dessen Schwierigkeitsgrad über den Wetter- und Gebietscheck, der Zeitplanung bis hin zur Interpretation eines Topos und dem richtigen Packen deines Kletterrucksackes.


Risikomanagement

Verhältnisse und Gelände

Ein Tourenziel wird anhand verschiedener Aspekte ausgewählt und geplant. Die eigenen klettertechnischen Fertigkeiten und die deines Seilpartners spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie das Einschätzen der Verhältnisse, ausreichend Informationen, passende Zeitplanung und das richtige Material. Gute Planung und die Erfahrung potenzielle Gefahrenstellen zu erkennen, setzen so die Grundlage für Sicherheit. 

Folgende zehn Schritte sind wichtige Anhaltspunkte, die du bei einer Tourenplanung beachten solltest. Natürlich sind sie nicht in Stein gemeißelt und müssen je nach Tour und Seilschaft ergänzt oder angepasst werden

1. Die richtige Seilschaft wählen

2. Das Wetter richtig einschätzen

3. Auswahl des geeigneten Gebiets

4. Route aussuchen und Informationen suchen

5. Weitere Informationsbeschaffung

6. Die richtige Zeitplanung

7. Ausweichziel definieren und Rückzugsmöglichkeit festlegen

8. Materialcheck und Rucksack packen

9. Tourenziel einer dritten Person mitteilen

10. Abgleich der Planung mit realen Bedingungen

Bergwetter

Zentraler Bestandteil der Tourenplanung

Das Wetter ist ein extrem wichtiger Faktor einer jeden Berg- und Klettertour, vor allem, wenn es um die Sicherheit geht. Daher spielt die Wetterprognose bereits bei der Tourenplanung eine entscheidende Rolle. Aber auch die eigenen Wetterbeobachtungen sind entscheidend, um Gewitter rechtzeitig zu erkennen und entsprechend frühzeitig passende Entscheidungen zu treffen.


Klettertopo

Lesen und interpretieren

Wer in alpine Wände einsteigt, braucht möglichst detaillierte Informationen über Fels und Route. All das liefert ein Topo: Es ist die grafische Darstellung einer Kletterroute und wird meist aus dem Kletterführer oder bestimmten Websites entnommen. Der Vorsteiger hat das Topo in der Wand immer griffbereit.

Um Felsinformationen wiederzugeben, werden in einem Topo – ähnlich wie bei einer Landkarte – Symbole verwendet. Anhand dieser standardisierten Symbole, der Kletterrichtung, der Länge jeder Seillänge sowie der Anzahl und Art der eingetragenen Sicherungspunkte kann sich der Kletterer orientieren. Zusätzlich sind der logische Routenverlauf, die Gesteinsqualität sowie Spuren im Fels Indizien, die bei der Orientierung helfen.


Kletterskalen

Schwierigkeit und Ernsthaftigkeit einer Tour

Eine Schwierigkeitsskala beschreibt die Schwierigkeit von (Sport) Kletter-, Boulder-, Eis- oder Mixed-Routen. Beim Alpinklettern ergibt sich die allgemeine Schwierigkeit aus der schwierigsten Seillänge der gesamten Tour. Dabei gibt es je nach Gebiet und Land beim Klettern verschiedene Bewertungsskalen. Am verbreitetsten im Alpenraum sind die UIAA-Skala sowie die französische Skala. 

Im Gegensatz zum Sportklettern ist es beim Alpinklettern nicht die Schwierigkeit allein, die die Route ausmacht. Derselbe Kletterer kann eine gut gesicherte Tour im sechsten Grad ohne Probleme klettern, während er im kaum abgesicherten, ausgesetzten alpinen vierer nicht zurechtkommt. Deshalb kommen beim Alpinklettern Ernsthaftigkeitsbewertungen hinzu, wie zum Beispiel die E-Skala. Sie beschreibt nicht die klettertechnische Schwierigkeit, sondern die Absicherung, das Risiko eines Unfalls und die psychischen Anforderungen. 

Schwierigkeit einer Route

Vorab muss gesagt werden: Die Schwierigkeitsbewertung einer Route ist immer subjektiv. Zudem existieren von Land zu Land, genauso wie von Gebiet zu Gebiet Unterschiede in der Bewertung. Ist ein Ort unbekannt, sollte man Reserven einkalkulieren. 

ES GILT: Die Schwierigkeitsbewertung in der Halle lässt sich keineswegs auf Routen im alpinen Gelände übertragen. Daher: Langsam beginnen!

Ernsthaftigkeit einer Route

Die E-Skala soll die Ernsthaftigkeit einer Route wiedergeben. Anzahl, Qualität und Abstand der Zwischensicherungen sowie Felsqualität und Abgeschiedenheit der Route fließen hier mit ein.

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BerwertungErklärung
E1

“Eingebohrte, sportkletterähnlich abgesicherte Route: geringe Hakenabstände”
S“=Sportkletterniveau;”R” = sehr gering, kaum obj. Gefahren oder Stürze mit ernsten Verletzungen möglich; ”P“= sehr gerng”

E2

“Überdurchschnittlich gut abgesicherte Route: gutes Material vorhanden, nur wenig eigene Absicherung nötig, z.T. größere Hakenabstände”
S” = Grundlagen mobiler Sicherung; ”R” = geringe, gefährliche Stürze teilweise möglich aber unwahrscheinlich, kaum objektive Gefahren; ”P “= gering”

E3

“Durchschnittlich abgesicherte Route: zusätzliche Absicherung ist nötig, noch relativ einfach”
S” = durchschnittliches Können mit Fixpunktschaffen; ”R” = gefährliche Stürze lassen sich mit eigener Absicherung weitgehend vermeiden, geringe objektive Gefahren; ”P “= mittel”

E4

“Alpine, schlecht abgesicherte Route: für Absicherung muss selbst gesorgt werden, auch an schwierigen Stellen”
S” = sicherer Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln; ”R” = mit konse- quenter Sicherungstechnik gefährliche Stürze weitgehend vermeidbar, runouts in leichtem Gelände, evtl. objektive Gefahren oder schwierige Rückzugsmöglichkeiten; ”P “= mittel-hoch”

E5

“Schlecht abzusichernde Route: die Route ist schlecht abgesichert und kann auch stellenweise nicht oder nur schwierig abgesichert werden – lange runouts müssen bewältigt werden”
S” = sicherer Umgang mit allen Sicherungsmitteln; ”R” = auch in schwierigen Passagen sind Stürze gefährlich; ”P “= hoch”

E6

“Sehr ernste Route: bei der längere Passagen auch in den schwierigen Seillängen nicht abgesichert werden können. An den kritischen Stellen werden Stürze fatale Folgen haben.”
S” = perfekter Umgang mit allen – auch exotischen – Sicherungsmitteln; ”R” = gefährliche Route mit sehr hohem Unfallrisiko; ”P “= sehr hoch”

S

“Wie gut muss der Begeher mit (welchen) Sicherungsmitteln umgehen können?”

R

“Wie hoch ist das Risiko eines Unfalls oder einer Verletzung (vor allem, wenn man sich überschätzt hat?)”

P

“Welche Anforderungen werden an die Psyche bzw. an die mentalen Fähigkeiten eines Begehers gestellt?”


Den Kletterrucksack richtig packen

Alpinkletterer sind leicht unterwegs. Ob beim Zustieg oder in der Wand: Für maximale Bewegungsfreiheit wird nur das Material mitgenommen, was wirklich benötigt wird. So darf bereits beim Rucksackpacken auf jedes Gramm geachtet werden. Dabei sollte der Rucksack clever gepackt werden und optimal sitzen

Rucksack packen

Deckelbereich:
Kleinigkeiten wie Handy, Nüsse oder der Kletterführer sind im Deckelfach gut aufgehoben und schnell erreichbar.

Rückenbereich:
Schweres Material wie Exen, Klemmgeräte oder anderes Klettermaterial liegen möglichst nahe am Körper ohne, dass die Metallteile in den Rücken drücken können (quer hineinlegen). So wird die Last über den Hüftgurt optimal auf das Becken übertragen. Gleichzeitig sollte das schwere Material nicht zu weit oben liegen, weil der Rucksack sonst zu schwanken beginnt.

Frontbereich:
Mittelschweres Gepäck wie Kleidung kann nach außen oben. Gurt und Schlingen finden außen unten Platz.

Bodenbereich:
Leichtes Material wie Biwaksack, erste Hilfe oder die Hardshell liegen unten. Dank eines umlaufenden Reißverschlusses ist es schnell erreichbar.

Zum Schluss können wir das Seil von oben in den Rucksack drücken oder mit Seilfixierung unter dem Deckel befestigen (zwischen Bereich 1 und 2/3). Der Helm wird entweder auf das Seil in den Rucksack gelegt oder kommt bei einer Seilfixierung unter das Seil als letztes in den Rucksack. 

Check deine Ausrüstungsliste

Alles dabei? Welches Material die Seilschaft für die Tour braucht, sollte aus der Führungsliteratur entnommen und mit der folgenden AUSRÜSTUNGSLISTE abgeglichen werden.


Rucksack richtig einstellen

Je besser ein Rucksack an die individuelle Passform des Kletterers angepasst ist, desto leichter trägt er sich und kann ausreichend Bewegungsfreiheit am Fels geben. 

In folgenden fünf Schritten stellst du den Kletterrucksack optimal ein:

Schritt 1:
Alle Schnallen öffnen und Riemen lockern

Das beinhaltet die Schulterträger, Lastenkontrollriemen sowie Hüft- und Brustgurt

Schritt 2: Hüftflosse platzieren

Auf der Hüfte liegen 2/3 des Rucksackgewichts. Deswegen ist die richtige Position des Hüftgurtes ausschlaggebend: 

  1. Rucksack aufsetzen
  2. Beide Hüftflossen mittig über die Hüftknochen platzieren
  3. Schnalle schließen und Gurt straffziehen

Schritt 3: Schulterträger festziehen

Die Schulterträger sollen mittig an den Schulterblättern anliegen. Beim Anziehen nicht zu stramm einstellen, da die Hauptlast auf der Hüfte liegt. Die Schultern sollen 20 bis 30 Prozent der Last tragen.

Schritt 4: Lastenkontrollriemen abziehen

Mit den Lastenkontrollriemen kann die Lage des Rucksackes verstellt werden. Bei schwierigem Gelände werden die Riemen eng angezogen. So sitzt der Rucksack nah am Körper und schaukelt nicht. 

Schritt 5: Brustgurt schließen und anpassen

Damit die Schulterträger nicht rutschen, wird der Brustgurt geschlossen. Dieser wird nur leicht zugezogen und in einer bequemen Höhe platziert. 


Text: Ortovox
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