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Zu Besuch bei Ortlieb

Von Franken in die Welt

Seit über 40 Jahren made in Germany: Für einen Blick hinter die Kulissen muss man bei Ortlieb nicht ans andere Ende der Welt radeln. Bei einem Werksbesuch im fränkischen Heilsbronn erfahren unsere Redakteur:innen Claudia und Daris wie Hartmut Ortlieb die Welt des Radreisens revolutionierte und weshalb Nachhaltigkeit für das Unternehmen kein leeres Versprechen ist.

Unablässig fällt der Regen, während ich, Daris, keuchend eine einsame Bergstraße im Süden Japans hinaufstrample. Meine Kleidung hat ihren Widerstand gegen das Wasser längst aufgegeben und tropft nun selbst im Rhythmus des Regens. Nicht so mein Gepäck. Dass zumindest meine Wechselkleidung nicht zum Opfer launischer Wettergottheiten wurde, verdanke ich meinen Fahrradtaschen – einem Paar schwarzer Back-Roller von Ortlieb. Besonders überrascht über die Möglichkeit, diese Taschen am sprichwörtlichen anderen Ende der Welt zu bekommen, war ich dabei nicht. Schließlich ist das wasserdichte Gepäck aus Deutschland von keiner Radreise mehr wegzudenken, ob auf heimischen Feldwegen oder im fernen Osten. Und das aus gutem Grund.

Radfahrer mit Ortliebtaschen im Regen

Schmuddelwetter ist Teil der Ortlieb-DNA  © Ortlieb

Eine Idee jagt die nächste

Die große Bandbreite von Fahrradtaschen, Duffles, Pack- und Rucksäcken, die das Unternehmen heute anbietet und in über 50 Länder liefert, wäre nicht möglich gewesen ohne den Erfindergeist des Firmengründers Hartmut Ortlieb.

Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer war Ortlieb Anfang der 80er Jahre nur allzu vertraut mit Schmuddelwetter und nasser Ausrüstung. Zum Leidwesen aller Radreisenden gab es damals noch keine zuverlässig wasserdichten Fahrradtaschen. Doch das würde sich bald ändern. Auf einer seiner Touren kam Ortlieb beim Anblick eines vorbeifahrenden LKWs die zündende Idee: Warum nicht fürs Fahrrad nutzen, was sich schon beim Brummi bewährt hat? Ortlieb setzte sich an die Nähmaschine seiner Mutter und bastelte den ersten Prototypen einer Fahrradtasche aus Planenmaterial. Eine echte Weltneuheit! Und die nächste Innovation sollte schon bald folgen.


Ortlieb Fahrrad am Strand

Bewährtes Erfolgskonzept: Verschweißtes Planenmaterial, Rolltop-Verschluss, Tragegurt und Reflektoren. © Ortlieb


Die Fahrradtaschen hatten nämlich noch ein weiteres Problem: Sie waren genäht. Und Nähte sind Schwachstellen, durch die Wasser eindringen kann. Die Lösung fand Ortlieb im Hochfrequenzschweißen, einem Verfahren, mit dem Kunststoffe durch Erhitzen miteinander verbunden werden können. Zur Ortlieb Tasche, wie wir sie heute kennen, fehlte jedoch noch ein entscheidendes Detail: Ein wasserdichter Verschluss. Auch den erfand Hartmut Ortlieb. Heute ist der sogenannte Rolltop-Verschluss aus der Welt der Rucksäcke und Fahrradtaschen nicht mehr wegzudenken.

Hinter den Kulissen

Trotz des globalen Erfolges ist Hartmut Ortlieb seinen fränkischen Wurzeln treu geblieben. Das Unternehmen, das in einem Nürnberger Hinterhof seine ersten Schritte tat, brauchte zunehmend mehr Platz und zog 1997 ins beschauliche Heilsbronn, gut 25 km vor den Toren Nürnbergs. Weniger beschaulich geht es schon im Inneren der Produktionsstätten zu: Verteilt auf mehrere Hallen sorgen etwa 300 Mitarbeiter:innen an dutzenden Stationen dafür, dass Reisende auf der ganzen Welt für jedes Wetter gerüstet sind. Mit technischer Präzision und viel Geschick stanzen, schweißen und schrauben sie Einzelteile zu Taschen, Rucksäcken und Duffles zusammen.

Viele der Maschinen, die dafür notwendig sind, wurden im Werk eigens für die Produktion der wasserdichten Taschen und Rucksäcke entwickelt. Seinen großen Erfolg hat Ortlieb nicht zuletzt der Entwicklung dieser Geräte zu verdanken und ihr genauer Aufbau bleibt ein wohlgehütetes Geheimnis. Nichtsdestotrotz durften wir einen kleinen Blick auf die spannende Technik hinter den Taschen werfen. Besonders beeindruckt hat uns dabei ein Gerät zum Hochfrequenzverschweißen. Mit großen Augen beobachten wir, wie eine Mitarbeiterin mit flinken Händen Stoffzuschnitte in eine Aufnahme legt. Ein kurzer Knopfdruck und die Aufnahme verschwindet samt Zuschnitten im Inneren der Maschine. Wenige Sekunden später kommt die fertig verschweißte Hülle eines Back-Rollers zum Vorschein. Aus drei wird eins; ohne Nähte, ohne Tapes, und komplett wasserdicht.

Globetrotter Redakteur:innen bei Ortlieb

Globetrotter Redakteur:innen Claudia und Daris vor Ort  © Claudia Seebothe

Made in Germany

Alle Ortlieb Produkte werden weiterhin vor Ort in Heilsbronn hergestellt. Auch die Materialien, die dabei zum Einsatz kommen, werden zu einem großen Teil direkt aus Deutschland bezogen. Und die wasserdichten Reißverschlüsse, die zum Beispiel im Atrack oder der Frame-Pack verbaut sind, kommen sogar vom direkten Nachbarn. Der Grund: Weil bis dato verfügbare Reißverschlüsse den Ansprüchen Hartmut Ortliebs nicht genügten, entwickelte er kurzerhand seine eigenen wasserdichten Reißverschlüsse und platzierte die Produktionsstätte logistisch klug gleich nebenan. Dank der Nachbarschaft der Werke werden die benötigten Teile nun täglich per Handkarren zu Ortlieb geschoben. Weniger Transportweg geht nicht.


Frame Pack von Ortlieb

Kurze Wege: Ortliebs Reißverschlüsse kommen direkt vom Nachbarn. © Ortlieb


Doch im Ortlieb Werk wird nicht nur produziert. Jede neu eingetroffene Materialcharge wird ausführlich getestet. Mithilfe spezieller Geräte wird das Material auf Reiß- und Abriebfestigkeit, Faltresistenz, Wasserdichtigkeit und UV-Beständigkeit geprüft. Durch die ausgiebigen Tests wird sichergestellt, dass deine Taschen dich so lange wie möglich auf deinen Abenteuern begleiten, ob du sie nun auf Weltreise mitnimmst oder täglich auf dem Weg zur Arbeit. Auf unserem Rundgang war die Teststation nur eines von vielen Beispielen, das uns den Stellenwert von Langlebigkeit im Hause Ortlieb demonstrierte.


Ortlieb Materialtest

Materialtests bei Ortlieb: Ordentlich Zug und tausende Faltvorgänge. © Claudia Seebothe

Aus alt mach neu

Ein wichtiges Kriterium für die Langlebigkeit eines Produktes ist die Möglichkeit, es zu reparieren. Das gilt nicht zuletzt für Fahrradtaschen, die im Laufe ihres Lebens so einiges aushalten müssen. Die Öffnung wird tausende Male gefaltet. Grobe Schotterpisten zerren an der Aufhängung. UV-Strahlen nagen unermüdlich am Material. Denn auch für die besten Taschen gilt: Früher oder später geht etwas kaputt. Für Ortlieb ist das jedoch kein Problem, schließlich ist Reparierbarkeit bei jeder Produktentwicklung ein fester Bestandteil der Design-Philosophie. Das Unternehmen bietet bereits seit seiner Gründung einen Reparaturservice an und repariert mittlerweile 18.000 Produkte im Jahr. Selbst liebgewonnene Erinnerungsstücke aus den 80ern und 90ern landen heute noch auf der Reparaturbank und werden mit neuem Leben zurück auf die Straßen und Trails dieser Welt geschickt.


Reparatur im Ortlieb Werk

Ein Ortlieb-Mitarbeiter bei der Reparatur eines Back-Rollers. © Claudia Seebothe

Repair Partner Globetrotter

Um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können, hat Ortlieb ein Netzwerk von Repair Partnern aufgebaut – natürlich auch bei Globetrotter! Die Repair Partner werden in der fachgerechten Reparatur gängiger Schäden geschult, vom Löcherflicken bis zum Austausch von Reißverschlüssen. Dadurch kannst du deine Tasche einfach vor Ort bei deiner Globetrotter Filiale abgeben. Das spart Zeit und CO2. Und du bist schneller wieder unterwegs – mit trockener Ausrüstung.

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