ONTARIO

Bilderbuch-Kanada in schier endloser Ausdehnung

ONTARIO

Bilderbuch-Kanada in schier endloser Ausdehnung

Kayak Grafik Ontario Skyline

Wie gemalt wirkende Breitwandlandschaften, eine Menge wilder Tiere und vor allem viel Wasser in Tausenden Seen und Flüssen, das ist Ontario-Kino in Reinform. Lass dich mitreißen für das ultimative Erlebnis.

Eine unverwechselbare Skyline, die manchmal beinahe einer Fata Morgana gleich über dem Lake Ontario zu schweben scheint. Schon dieser Anblick Torontos ist ein Fingerzeig, was Ontario ausmacht: Eine gigantische Wasserfläche untermalt die Silhouette dieser trendy City. Alles ist ultraweit. Unbändige Wildnis ist quasi allgegenwärtig und trifft ohne großen Übergang auf urbanes und lässig stylisches Lebensgefühl. Jaja, die Einheimischen sind auch echte Chillmeister, anders ist es kaum erklärbar, dass es im Sommer der Volkssport schlechthin ist, im Muskoka Chair am See zu sitzen und zu grillen.

Toronto, die größte Stadt Kanadas und kräftiges Wirtschaftszentrum, ist hip, lässig, kulturell ansprechend.

Etwa im Royal Ontario, dem größten Museum Kanadas, das Kultur-, Kunst-, und Naturgeschichte der ganzen Welt ausstellt. Für wilde Hochgefühle sorgt dagegen der EdgeWalk auf dem CN-Tower, dem Wahrzeichen Torontos: eine Umrundung auf 365 Meter Höhe, sozusagen in freier Wildbahn ganz ohne Geländer. Wenn du nach diesem Kick cool runterkommen oder ein Local Brew genießen willst, bist du hier richtig: im angesagten Distillery District, entlang der flippigen West Queen Street oder auf dem Kensington Market. Auf jeden Fall kannst du dort irgendwo schon mal eine Kiste Bier mitnehmen, als Lagerfeuervorrat für den Camper. Denn wenn es losgeht, ist da draußen gleich ganz viel Wildnis.

Toronto – einfach lässig
stylisches Lebensgefühl


CAMPERTRIP

Wildnis im Rückspiegel

Ontario Vanlife
Van mit Schatten

Nur zwei, drei Stunden, und du kannst in dem Gefühl schwelgen, es habe die Zivilisation nie gegeben. Von Toronto nach Thunder Bay führt der ultimative Roadtrip knapp 1500 Kilometer durch pure Ontario-Wildnis. Erst folgst du dem Highway 69, dann der 17. Wobei das Wort »Highway« eine reichlich falsche Vorstellung suggeriert: Es ist eine Straße, an deren Seitenstreifen meist endlose Wälder lauern, die nur darauf warten, dich ganz und gar in ihren Bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Manchmal ersetzt den Wald auch für einige Hundert Kilometer ein See. Wie der Lake Huron oder der Lake Superior. Eine unermessliche Landschaft, geschliffen von monumentalen Gletschern, an der du dich kaum sattsehen kannst. Nur der sternenschwangere Nachthimmel überbietet diese scheinbare Endlosigkeit noch.

Kurzweilige Pausen von diesem vorbeiziehenden Breitwandkino gibt es ebenso zu Genüge.

In Sault Ste. Marie, das an einer Stromschnelle zwischen den beiden großen Seen liegt, kannst du in den Zug zur Tour durch den Agawa Canyon steigen. Ein Trip durch noch unberührtere Wälder, der dir das Herz der Wildnis – ganz besonders im Herbst, wenn es flammend rot und orange leuchtet – offenbart. So wird die Fahrt gern beworben, und dieses Versprechen hält sie. Versprochen! Oder du schlägst im Lake Superior Provinicial Park dein Lager auf, beobachtest Elche und Schwarzbären und tauchst in die Mythen der Felsmalereien am Agawa Rock ein. Oder gönnst dir noch mal Wildnis-pur-Zeit im Pukaskwa National Park mit seinem zerfurchten Uferpanorama und dem leicht im Wind schwingenden Blick von der White River Hängebrücke. Und es gibt den Highway entlang noch so viel mehr, Thunder Bay kann ruhig ein paar Wochen warten.


WANDERN

So weit die Füße tragen

bird ontario
Ontario-color-hiking

Je weiter du in Ontario hineinzoomst, desto offenbarer werden die weitläufigen Wandermöglichkeiten.

Jeder aus der Weit-oben-Perspektive noch so kleine Park hat dann schnell mal 100 Kilometer wanderbare Wege. Fragst du jemanden am Lagerfeuer auf dem Campingplatz, empfiehlt er dir vielleicht die folgenden.


Einmal über heiligen Boden wandeln? Für die heimischen Anishinaabe-Stämme ist ganz Manitoulin Island heiliger Boden. Und wunderschön ist die große im Lake Huron liegende Insel obendrein. Manitoulin Island sei der Rückzugsort für den Schöpfer Manitou, sagen die Anishinaabe. Es ist ein einzigartiges Erlebnis, die Insel aus ihrer Weltsicht zu Fuß zu erleben und zu entdecken. So folgst du Stammesangehörigen auf alten Pfaden in ihre Geschichte, Kultur und tief in die Mythen von Manitoulin Island. Und wenn du dich mal allein auf den Weg machen willst: Der Cup and Saucer Trail ist einfach umwerfend, denn irgendwann stehst du hoch oben auf der Niagara-Abbruchkante, und unter dir liegt die ganze heilige Insel.


Immer schön nah am Wasser bleibst du auf dem ganz schön toughen Lake Superior Coastal Trail. Die 65 Kilometer lange Wanderung ist eher nichts für zaghafte Gemüter, geht es doch meist über raues, zerklüftetes, felsiges Uferterrain. Aber wie die Nordamerikaner so schön sagen: »It’s rewarding.« Und das nicht nur wegen des Muskelkaters in den Oberschenkeln. Das merkst du spätestens, wenn du gemütlich vom Zelt aus auf die im See untergehende glühende Sonne stierst und ganz sanft einschläfst.

Fantastische Felsbögen, schroffe Klippen, an die sich uralte Zedern krallen, geheimnisvolle Grotten und Höhlen, das sind die Zutaten der Bruce Peninsula, die wie ein Finger in den Lake Huron ragt.

Die besondere Halbinsel erschließt sich in all ihrer Pracht auf dem Bruce Trail, der mit insgesamt knapp 900 Kilometern Länge durchaus sportlich ausfällt und nur ein kleines bisschen unterhalb dieser in Queenston nahe den Niagarafällen beginnt. Du kannst Abschnitte auf ihm wandern oder mit ein paar Tagen mehr Zeit von Queenston aus losgehen. Denn der Bruce Trail ist insgesamt recht schön, folgt manchmal sehr alten Pionierpfaden und ist fast ein weiteres Nationalsymbol. Zudem kannst du dich vorm Start noch kurz im Wassernebel der Niagarafälle erfrischen. Das ist doch was!


PADDELN

Raum für Heldengeschichten

Ontario-color-hiking

Land des schönen Wassers, das bedeutet »Ontario« in der Sprache der Ureinwohner.

Und das ist ziemlich tiefgestapelt. Dort draußen glitzert hinter so gut wie jeder Ecke ein See, und Flüsse schlängeln sich ungehindert in Tausenden von Schleifen durch Wälder, die noch nie zuvor betreten wurden. Hast du im Kanu jetzt womöglich noch deine Biberschwanz-Pelzmütze auf, bist du mit den Pionieren schon auf Du und Du. Dort draußen liegen die Stoffe für Legendenbildungen einfach so herum. Fantastische Kanurouten gibt es natürlich im bekannten Algonquin Provincial Park. Dort läufst du aber Gefahr, alle paar Tage mal auf andere Paddler zu treffen. In deutscher Übersetzung: Im Sommer wird es manchmal voll.
Wer also ganz, ganz viel Ruhe sucht und etwas Entdeckerdrang spürt, lässt sein Kanu etwas weiter nördlich im Wabakimi Provincial Park zu Wasser. Der gilt selbst nach örtlichen Standards als echtes Wildnisgebiet. Und als unglaublich schönes obendrein. So trägt das Buch über Kanurouten stolz den Untertitel »A Guide to Wilderness Canoeing at its very Best«. Hier steigt die Zahl der »How-are-you-Begegnungen« mit schwimmenden Elchen gegenüber anderen Paddlern sprunghaft an und du kannst voll in diesem wilden Stück Erde verloren gehen.

Wo wir schon bei »ganz weit weg von allem« sind: Es geht noch weiter weg, nämlich in die Wilderness North Lodge. Zum Hinkommen hast du zwei Möglichkeiten, entweder lange bis endlos paddeln oder etwas zeitsparender – und um nicht ganz verloren zu gehen – mit dem Wasserflugzeug von Thunder Bay aus. So ein kleiner Abenteuerflug kann ja auch ganz nett sein. Und dann sitzt du da abends auf der Lodge-Veranda ein kleines bisschen verträumt und entrückt von der Welt, und was passiert? 

Auf einmal senken sich smaragdgrüne Schleier vom Himmel herab – müssen wohl Nordlichter sein.