Naturfaser Übersicht

Nachwachsende und altbewährte Rohstoffe der Textilindustrie erleben in innovativen Materialmixen ein Revival – eine Übersicht über Naturfasern.

Neue und auch altbewährte Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzen als Materialmix immer häufiger fossile Rohstoffe wie Polyester und Polyethylen. Das ist ein Blick in die Zukunft, denn Erdöl ist endlich. Einige Beispiele, die ihr auch im Globetrotter Sortiment findet:

HANF Die einjährige Pflanze lässt sich fast überall ohne Pestizide, Herbizide und extra Bewässerung anbauen. Sie ist eine der ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Im Anbau ist sie äußerst genügsam und laugt die Böden nicht aus. Vielen Menschen ist sie leider nur als Rauschmittel bekannt, dabei ist die Pflanze unglaublich vielseitig. Die Faser ist sehr langlebig und robust. Sie ist reißfest und stabil. Durch dichte Webart kann ein guter UV-Schutz erzielt werden. Hanf hat ein gutes Feuchtigkeitsmanagement und eignet sich besonders für Sommer-Textilien.

Hanf war lange Zeit »nicht angesagt« und wenig gefragt. Die kleine Nachfrage konnte mit bestehenden Verarbeitungsprozessen befriedigt werden. In nachhaltigere, ressourcenschonendere Prozesse wurde wenig investiert. Mit zunehmenden Bedarf wird wieder mehr Geld und Zeit in die Erforschung investiert.

Oft im Einsatz als Mischgewebe.


LEINEN Die Bastfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen. Auch sie besitzt eine lange Tradition. Von der Antike bis zum Mittelalter war Flachs neben Wolle das Material für Bekleidung. Die Hochzeit hatte die Faser im vorindustriellen Europa. Heute wird sie häufig für hochpreisigen Bettwaren und Hausstoffen eingesetzt. Dies ist vor allem auf die technisch anspruchsvolle Ernte und Weiterverarbeitung des Flachs zurückzuführen. Bis hin zur gesponnenen Faser sind wesentlich mehr Schritte präzise auszuführen als bei Baumwolle. Dies führte zur Verdrängung der Faser aus Textilien in den letzten Jahrzehnten. Dabei lässt sich Flachs in Mitteleuropa nachhaltig mit relativ wenig Düngereinsatz und Bewässerung anbauen. Die Faser muss also nicht um die halbe Welt transportiert werden. Diese Nachhaltigkeitsgedanken verschafften Leinen in den letzten Jahren ein Revival. Zu Recht, denn Bekleidung aus Leinen ist perfekt für den Sommer. Der luftdurchlässige Stoff ist glatt, fest und langlebig mit einem typischen Knitterlook. Nicht nur der Anbau ist nachhaltiger als bei Baumwolle. Die Langlebigkeit des Gewebes sorgt für weniger Abfall.


BIO-BAUMWOLLE Pestizideinsatz, chemische Entlaubung Gentechnik, hoher Wasser­verbrauch – der Baumwoll-Anbau hat einige Probleme. Trotzdem ist Baumwolle der bedeutendste Textilrohstoff der Welt. Größter Produzent ist China. In der EU wird nur in Griechenland nennenswert Baumwolle angebaut. Seit Jahren wächst der Bio-Baumwoll-Anteil im Textilmarkt – auch im Globetrotter Sortiment. Das ist gut, denn beim biologischen Anbau wird vieles besser gemacht. Im Gegensatz zum konventionellen Anbau ist der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln verboten. Gedüngt wird mit organischen Materialien. Dies fördert zusätzlich die Humusbildung und führt dazu, dass Wasser besser im Boden gehalten wird. Bewässerung kann so verringert werden und die Felder sind weniger erosionsanfällig. Bio-Baumwolle wird von Hand geerntet, dafür ist keine chemische Entlaubung notwendig. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind für den biologischen Landbau nicht zugelassen.


VISKOSE Trotz chemischer Verfahren ist es falsch, Viskose als Kunstfaser zu bezeichnen. Sie besteht aus natürlicher Cellulose. Diese Zellulose wird aus gewöhnlichen Holzarten wie Buche, Fichte oder Eukalyptus gewonnen. In einem chemischen Prozess wird aus dem Holz der Zellstoff gewonnen. Um den Zellstoff in eine viskose, spinnfähige Masse zu verwandeln, ist unteranderem der Einsatz von Natronlauge und Schwefelkohlenstoff und viel Energie notwendig. Dieses Verfahren ist seit den 1920er-Jahren bekannt. Sie wurde damals als Kunstseide vermarktet. Viskose basiert auf einem nachwachsenden Rohstoff. Es wird kein Erdöl verwendet und auf Pestizide kann beim Rohstoff-Anbau weitestgehend verzichtet werden. Besonders nachhaltig ist die Faser trotzdem nicht, dazu tragen der hohe Energieverbrauch und freigesetzte Chemikalien bei. Diese verschmutzen in den Produktionsländern Wasser und Luft.

Mittlerweile gibt es mit »Lyocell«, eine modifizierte Cellulosefaser, die durch ein organisches Lösungsmittel-Spinnverfahren im geschlossenen Kreislauf gewonnen wird und damit einen nachhaltigeren Ansatz verfolgt. Dazu gehören das von der Firma Lenzing vertriebene »Tencel« und »Lenzing« Modal (Es gibt auch »normales« Modal). Der Holzrohstoff wird in nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen.

Viskose ähnelt in der Haptik Baumwolle und besitzt ähnliche Eigenschaften. Durch die chemische Aufbereitung kann die Faser nach belieben angepasst werden. Sie kann länger, feiner oder stärker geformt werden. Das ist mit Naturfaser nicht möglich.


LYOCELL von TENCEL Durch erneuerbare Energie, Rückführung der Prozesschemikalien und nach­­­­haltige Forstwirtschaft die nachhaltigere Variante von Viskose. Die oberösterreichische Firma Lenzing hat den Europäischen Umweltpreis 2000 für die Entwicklung dieser Faser erhalten. Den Beginn der Produktionskette macht ein verantwortungsvoller Holzeinkauf aus zertifizierten, nachhaltigen Quellen. Als Basis dient Eukalyptus aus Südafrika (angebaut auf Flächen die zur Nahrungsmittel-Produktion nicht nutzbar sind) und Buchen- und Fichtenholz aus europäischen Wäldern, das beim Durchforsten anfällt und für den Möbelbau nicht nutzbar ist. Die Bearbeitung des Holzes erfolgt in einem hochmodernen Verfahren. Der Produktionskreislauf ist zu über 95 % geschlossen, damit fallen nahezu keine Prozess-Abfälle an. Das verwendete Lösungsmittel ist auf organischer Basis. Die Faser ist kompostierbar.

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