Nahweh statt Fernweh

Es muss nicht ans Ende der Welt gehen, um etwas zu erleben. Die schönsten Abenteuer beginnen direkt vor deiner Haustür. 3 Tipps für Nahweh in Deutschland.

Genau diese Frage haben wir uns auch gestellt: »Muss es immer in die Ferne gehen?« Auch wenn es einem in der gewohnten Routine der Urlaubsplanung und der Suche nach immer ausgefalleneren Destinationen erst schwer fallen mag, die Worte »Sehenswertes um Dresden« in Google einzugeben, überrascht es einen dann doch ein wenig, was die Suchmaschine alleine unter den Bildern einem alles ausspuckt! »Das ist wirklich Deutschland?« , kam es mir einige Male in den Kopf. Das Nahweh hatte mich gepackt. Mit war damit klar, dass Bettina und ich unser »good old Germany« mal etwas genauer unter die Lupe nehmen mussten – sie war sofort mit an Bord. Im wahrsten Sinne des Wortes, wie ihr weiter unten nachlesen könnt!
Um uns nicht nur auf eine Region zu begrenzten und am Ende auch dir zeigen zu können, dass es auch in deiner Region geniale Abenteuer zu erleben gibt, haben wir uns am Ende für drei Metropolen Deutschlands und ihr Umland entschieden: Berlin, Dresden und München.

#Nahweh Kampagne von Globetrotter mit Manuel und Bettina.

Nahweh-Tipp #1: Mecklenburgische Seenplatte

Nahweh-Tipp #2: Oldie, but goodie: Der Wanderklassiker Deutschlands, die Sächsische Schweiz!

Nahweh-Tipp #3: Herzogstand in Bayern

Mecklenburgische Seenplatte:

Wir starteten unsere Nahweh-Tour oben im Nordosten, in unserer schönen Hauptstadt Berlin. Den Fernsehturm, das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude kennt ja jeder. Aber wie sieht es aus, wenn wir eine knappe Stunde aus Berlin rausfahren? Dass hier 1117 natürliche Seen nur darauf warten, von dir entdeckt zu werden, hättest du nicht gedacht? Wir auch nicht! Außerdem bietet die Mecklenburgische Seenplatte in den heißen Sommermonaten eine wohlverdiente Abkühlung mit Wassersport, Hausboot fahren oder baden mitten in der Natur. Denn wir sind hier im größten vernetzten Wassersportrevier Europas!
Der Müritz Nationalpark, der zum UNESCO Weltnaturerbe gehört, hat nicht nur eine einzigartige Tier-und Pflanzenwelt zu bieten. Die unzähligen niedlichen Bootshäuser und Ferienwohnungen direkt am Wasser bringen den Kameraauslöser zusätzlich zum Glühen.

Hausboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte im Rahmen der Nahweh-Kampagne von Globetrotter Ausrüstung mit Manuel Dietrich und Bettina.

Der beste Weg, diese wunderschöne Landschaft zu genießen, führt ganz klar übers Wasser. Und zwar mit einem Hausboot! Nicht erschrecken, nein, du musst jetzt keinen Bootsführerschein machen oder eine Schulung durchstehen. Die meisten, der hunderten Hausboote, die sich entlang der Seenplatte mieten lassen, dürfen von jedem über 18 Jahren gefahren werden. Eine kleine Einweisung und schon kann es losgehen. Viele der Hausboot-Vermieter bieten auch die Möglichkeit die Hausboote für mehrere Tage auszuleihen. Wenn du schonmal in der Gegend bist, solltest du es dir also auf keinen Fall entgehen lassen den Schlafsack einzupacken und mindestens eine Nacht auf dem Hausboot zu verbringen. Ein unvergessliches Nahweh-Erlebnis! In völliger Ruhe, auf dem Wasser treibend, aufzuwachen und beim Frühstücken von Bibern und Eisvögeln begrüßt zu werden, ist ein unvergesslicher Moment. Ganz zu schweigen davon, sich mal wie ein Kapitän fühlen zu dürfen!

Um die Magie der Mecklenburgischen Seenplatte auch wirklich auszunutzen, empfiehlt es sich mit dem Sonnenaufgang aufzustehen und zu früher Stunde durch die Kanäle und Seen zu schippern. Dabei lässt sich bei gutem Wetter nicht nur ein schöner Sonnenaufgang bewundern, sondern mit etwas Glück auch eine Vielzahl an Tieren.

Sächsische Schweiz

Weiter geht es in Richtung Süden. Auch wenn Dresden definitiv einen Städtetrip wert ist, wird nicht nur das Herz von Nahweh-Outdoor-Fans knappe 30km weiter südlich höher schlagen. Denn hier wartet die Sächsische Schweiz mit ihren verrückten Felsformationen und einer der schönsten Wanderstrecken Deutschlands mit dem Malerweg, der Bastei und der Festung Königstein auf einen. Einige von euch kennen die Gegend vermutlich auch vom Globetrotter #Mädelstrek im letzten Jahr mit Rieke, Britta und Sonja.
Noch nicht einmal eine Stunde Fahrtzeit von Dresden und schon haben wir die nicht ohne Grund bekannteste Sehenswürdigkeit der Sächsischen Schweiz, die Bastei, vor uns. Von hier hat man einen genialen Blick über die Elbe, den Lilien- und Königstein. Die bizarren Felsformationen sind durch eine knapp 76m lange Brücke verbunden, die auf gefühlt jeder Postkarte und Urlaubsgruß abgelichtet ist. Doch auch wenn man sie vielleicht schon irgendwo gesehen hat, ist sie einen Besuch allemal wert! Denn es lohnt sich nicht nur für den Ausblick: auf der anderen Seite wartet nämlich auch die größte mittelalterliche Felsenburg der ganzen Region, die Felsenburg Neurathen.

Bastei in der Sächsischen Schweiz, aufgenommen von Manuel Dietrich während der Nahweh-Kampagne von Globetrotter Ausrüstung. Im Hintergrund erheben sich die Gesteinsformationen der Region.

Wer das Ganze aber eher aus der Ferne bestaunen will und die Aussicht lieber für sich alleine genießt, für den gibt es auch noch einen Geheimtipp. Während die meisten Besucher vom Bastei Parkplatz schnurstracks zur Bastei navigieren, gibt es am östlichen Ende des Parkplatzes auch einen kleinen Pfad, der in Richtung der Schwedenlöcher führt. Auf diesem Weg halten wir uns aber immer zu rechts und so gelangen wir nach gerade einmal 15-20 Minuten zur Süd-Aussicht auf die Wehlnadel. Meiner Meinung nach, die schönste und unberührteste Aussicht, die die Bastei zu bieten hat. Von hier kann man in aller Seelenruhe die beeindruckenden Formationen genießen. Für alle die es noch ein bisschen besonderer haben wollen: wer es zum Sonnenaufgang zum Aussichtspunkt schafft, kann bei gutem Wetter ein traumhaftes Bastei-Glühen erleben, das einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht.

Ein weiterer Spot, den ich wirklich nur jedem empfehlen kann, ist der kleine Winterberg. Gestartet werden kann die Wanderung entweder vom Parkplatz der Neumannmühle oder aber am Parkplatz des Lichtenhainer Wasserfalls. Letzteres wäre die kürzere, aber nicht weniger schöne Variante, mit der man nach schon 1,5 Stunden und 3,2 Kilometern den atemberaubenden Ausblick vor sich hat. Nachdem man über eine Brücke auf die andere Seite der Kirnitzsch gelangt ist, zieht sich der erste Teil der Wanderung über einen ziemlich schlichten Forstweg, den hinteren Kuhstallweg, der in den Habichtsgraben übergeht. Nach etwa 2,1km kreuzt man die Zeughausstraße und erreicht nach wenigen Metern eine Kreuzung, an der wir uns rechts halten und dem Fremdenweg für weitere 1,1km folgen. Hier beginnt der etwas anstrengendere Part der Wanderung. Über einen verschlängelten Treppenaufgang gewinnt man ziemlich schnell an Höhenmetern. Sobald man es aber schließlich zum kleinen Winterberg, auf etwa 500m, geschafft hat, ist die kleine Anstrengung aber schon wieder vergessen. Hier oben liegt einem der Nationalpark der Sächsischen Schweiz wort wörtlich zu Füßen.

Wer es bis zum Sonnenaufgang nach oben geschafft hat, was ich wirklich nur jedem empfehlen kann, bekommt hier bei gutem Wetter einen traumhaften Sonnenaufgang zu sehen. Die Sonne geht direkt vor einem auf und taucht die ganze Landschaft langsam in warmes, goldenes Licht. Da will man am liebsten einfach nur die Zeit anhalten und gar nicht mehr zurück! Ein absolutes Nahweh-Highlight, wenn man so will.

Portrait einer jungen Frau in Outdoor-Klamotte vor der Landschaft der Sächsischen Schweiz. Bettina während der Nahweh-Kampagne von Globetrotter in der Sächsischen Schweiz.
Meine Freundin Bettina in der Sächsischen Schweiz.

Bayern

Nachdem wir uns von den beeindruckenden Felsformationen der Sächsischen Schweiz lösen konnten, hieß es für ein letztes Mal wieder Koffer packen und ab zur nächsten Location unserer Nahweh-Route. Unser Ziel dieses mal: Bayern, genauer gesagt die Voralpen-Region um den Herzogstand. Gerade einmal knapp über eine Stunde Fahrzeit ist dieses Wanderparadies von der Stadt des Bieres, München, entfernt. Für die motivierten Wanderer beginnt der Weg zum Herzogstand oder Martinskopf schon mitten auf dem Weg vom Kochelsee zum Walchsensee. Tipp: An der Kesselbergstraße 7 befindet sich ein kleiner Wanderparkplatz, von dem aus man die beiden Gipfel in etwa 3-4 Stunden erreichen kann. Die Wanderung an sich ist nicht sonderlich anstrengend und eignet sich auch perfekt für Familienausflüge. Entlang des ziemlich gut beschilderten Waldweges, der langsam in Almgelände übergeht, kann man immer wieder einen Blick auf den Walchensee erhaschen.

Aber auch für etwas fußfaulere Menschen oder eben jene Outdoorbegeisterte, die eine solch ausgiebige Wanderung aus verschiedensten Gründen nicht schaffen, gibt es eine großartige Möglichkeit, die Aussicht von dort oben zu genießen. Die Herzogstandbahn bringt einen ab 9 Uhr morgens zuverlässig auf den 1600m hohen Fahrenberg. Von hier aus ist es nur noch etwa eine halbe Stunde Fußmarsch zum Martinskopf, von wo aus man auch schon einen traumhaften Blick über den Walchensee hat. Ungefähr eine Stunde dauert es von der Bergstation zum Herzogstand. Nachdem bei uns leider der Wettergott nicht ganz so mitgespielt hat, wie wir uns das erhofft haben und wir oben an der Station in einer einzigen Wolke gefühlt 2cm Sichtweite hatten, entschieden wir uns heute nur den kurzen Aufstieg zum Martinskopf zu wagen. Dort angekommen, stellte sich diese Entscheidung auch zum Glück als die richtige heraus. Nach ein paar ernüchternden Minuten brachen die Wolken plötzlich auf und das komplette Panorama über die Voralpen kam zum Vorschein. Einfach ein wahnsinnig schöner Anblick. Manchmal hat man einfach Glück!

Mit jeder Menge Nahweh-Fotos im Kasten machten wir uns wieder auf den Abstieg. Um den Hunger und Durst nach der Wanderung zu stillen, gibt es wohl keine bessere Möglichkeit, als beim Berggasthaus Herzogstand Halt zu machen. Mit der Sicht über den Walchensee schmeckt der Kaiserschmarren doch gleich doppelt so gut!
Doch nicht nur für Wanderfans ist diese Region ein Muss: Auch Wassersport-Begeisterte bekommen hier einiges geboten. Gerade der türkisblaue Walchensee ist ein echter Traum für Wind-oder Kitesurfer. Falls es nicht gleich ganz so sportlich zugehen soll, ist der See natürlich auch eine top Gelegenheit, um sich im Sommer einfach eine Abkühlung im kühlen Nass zu holen.

Mit der letzten Etappe unserer Deutschlandtour ist uns nun eine Sache wirklich klar geworden. Nämlich wie schön und vielfältig unsere Heimat eigentlich ist und wie schnell man sich, egal von welcher Metropole aus, in ein kleines Mikroabenteuer stürzen kann! Manchmal muss man einfach nur die Augen aufmachen und den Schritt vor die eigene Haustür wagen. Da draußen wartet so viel mehr als nur das nächste Schwimmbad oder Kino. Ich hoffe, ich konnte auch dem letzten Zweifler mit diesem Beitrag zeigen, dass ihr die Fernreiseangebote zum Wellenreiten auf Hawaii oder Heliskiing in Kanada aus eurem Briefkasten und E-Mail Postfach getrost in den Papierkorb hauen könnt.

Text: Manuel Dietrich | Frederieke Krippeit
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