Nachhaltigkeit leicht gemacht: Wie die Outdoor-Branche für mehr Transparenz sorgen möchte

Mehr Transparenz: Das ist das Ziel eines gemeinsamen Projektes zahlreicher Akteure der Outdoor-Branche. Foto: Rab.

Um ihren Kunden mehr Transparenz zu bieten, fragen Outdoor-Einzelhändler zunehmend Nachhaltigkeitsinformationen von den Marken an, deren Produkte sie verkaufen. Doch die Daten sind komplex und oft nicht einheitlich. Ein branchenweites Projekt versucht, dieses Problem zu lösen.

Der Outdoor-Einzelhandel ist seit jeher ein entscheidendes Bindeglied zwischen Marken und Anwendern. Eine wichtige Aufgabe dabei ist es, Wissen und eigene Einschätzungen zu Produkten verschiedener Hersteller zu vermitteln, einen Vergleich und schließlich die richtige Wahl möglich zu machen. Hier geht es neben Informationen zu Funktionen, Material und Einsatzbereichen inzwischen auch immer mehr um Nachhaltigkeitsaspekte: Unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen wurde ein Produkt produziert? Wie ist sein CO2-Fußabdruck? Woher stammt das Material? Verständliche Fragen, deren Beantwortung jedoch komplex ist:

Debbie Read, Leiterin der Abteilung Unternehmenskommunikation und CSR beim britischen Unternehmen Equip Outdoor Technologies.

“Die Verbraucher verlangen, dass wir als Branche deutlich machen, wie nachhaltig unsere Produkte sind”, erklärt Debbie Read, Leiterin der Abteilung Unternehmenskommunikation und CSR beim britischen Unternehmen Equip Outdoor Technologies (Rab, Lowe Alpine). “Viele wünschen sich ein Label oder klare, leicht verständliche und vergleichbare Aussagen. Das Problem ist, dass Nachhaltigkeit eben nicht so einfach ist. Die Bereitstellung von umfassenden Daten für viele unterschiedliche Einzelhändler ist ressourcenintensiv und fehleranfällig, da die Informationen falsch interpretiert werden können.”  

Einheitliche Fragebögen für die ganze Branche

Sowohl die Marken als auch der Handel wollen dem Verbraucher also durchaus bessere Information und Vergleichbarkeit in Sachen Nachhaltigkeit bieten. Nur macht die Heterogenität der Daten die Erfassung oft auf beiden Seiten zu kompliziert und aufwändig. Was aber wäre, wenn es hier eine einheitliche Methode gäbe? Diese Frage stellte sich ein gemeinsames Projektteam der Branchenorganisationen BSI (Bundesverband der Sportartikelindustrie) und EOG (European Outdoor Group) und entwickelte einen harmonisierten Fragebogen für Nachhaltigkeitsinformationen, der im vergangenen Jahr unter dem Titel SDEX (Sustainability Data Exchange Project) präsentiert wurde.

“Natürlich muss jede Lösung anerkennen, dass jeder Einzelhändler und jedes Unternehmen unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit hat”, sagt Maïté Angleys, CSR-Beraterin beim BSI, und zusammen mit Katy Stevens (EOG) Leiterin des Projektes. Allerdings habe man schnell festgestellt, dass die Akteure im Grunde an denselben oder sehr ähnlichen Informationen interessiert sind, jeder aber seine eigene Formulierung oder Metrik habe. “Alle fragten dasselbe, nur auf unterschiedliche Weise”, so Maïté Angleys. Offensichtlich macht das den Prozess so zeitaufwändig.

Maïté Angleys, CSR-Beraterin beim BSI.

So begann das SDEX-Team, eine breite Palette von Fragebögen bei den großen Einzelhändlern wie REI, Globetrotter, Intersport und Zalando zu sammeln, um zu sehen, ob dies tatsächlich der Fall war. Und tatsächlich gab es erhebliche Überschneidungen. In der Folge wurden die Fragebögen der Einzelhändler akribisch abgebildet und schließlich zu einem harmonisierten Fragebogen zum Nachhaltigkeits-Datenaustausch zusammengefasst. Nach zwei Beta-Testrunden mit 22 Marken und Einzelhändlern wurde der SDEX-Fragebogen finalisiert. Schließlich entwickelte man zusammen mit dem deutschen IT-Unternehmen Outtra eine entsprechende Plattform, auf der zukünftig alle Daten erfasst und öffentlich zugänglich gemacht werden können.

Fabian Nendza, CSR Manager bei Globetrotter, berichtet: “Das Projekt ist wichtig, um in unserer Branche Transparenz und Nachhaltigkeit beim Einkauf voranzutreiben. Wir haben daher die Entwicklung des Abfrage-Templates unterstützt und sind jetzt einer der ersten Einzelhändler, die den Fragebogen aktiv testen und eine Integration in unsere Systeme prüfen. Wir hoffen sehr, dass das Projekt dazu beiträgt, dass die Angabe von verlässlichen Nachhaltigkeitsattributen zu Produkten zukünftig zum Standard wird. Bislang gehören derartige Informationen leider nicht zu den Produkt-Stammdaten – wir bei Globetrotter fragen diese Daten jedoch bereits seit vielen Jahren im Rahmen unserer “Eine grünere Wahl”-Evaluierung ab.”

Maïté Angleys zufolge hat diese Entwicklungsphase alle Erwartungen übertroffen. Die Tests hätten gezeigt, dass das Potenzial für Zeiteinsparungen für Marken in der Tat enorm sein kann. Und dass Einzelhändler mit der SDEX-Plattform die Datenqualität und -vergleichbarkeit erzielen können, nach denen sie suchen – zum Vorteil ihrer Kunden. Dennoch bleibt sie vorsichtig: Was, wenn der SDEX nicht alle bestehenden Fragebögen ersetzt, sondern nur zu einem zusätzlichen Bericht und Aufwand wird? Hier gilt es, die Branche von den Vorteilen der harmonisierten Erfassung zu überzeugen und SDEX zum Standard zu machen. 

“Das Zeiteinsparungspotenzial ist enorm”, sagt Maïté Angleys. Einsparungen, die wiederum in tatsächliche Nachhaltigkeitsmaßnahmen fließen können.

Text: Jonathan Fraenkle-Eidse, Philipp Olsmeyer

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