Die ultimative Motorradtour im Sauerland
Das Sauerland liegt östlich des Ruhrgebietes und gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Wasserläufe, wie Ruhr, Lenne und Sorpe, haben sich zwischen die bewaldeten, bis zu 660 Meter hohen Bergrücken von Lennebergland und Ebbegebirge gedrängt. Im Hochsauerland erreichen die Gipfel sogar Höhen von 840 Metern. Die Naturparks Arnsberger Wald und Sauerland-Rothaargebirge sind landschaftlich reizvolle Erholungsgebiete, die mit einem dichten Straßennetz ideale Bedingungen für eine Motorradtour im Sauerland bereit halten.
Der Blick von der Hohen Bracht.
Typische Fachwerkhäuser im Sauerland.
Wer für eine Motorradtour ins Sauerland kommt, der lernt auf dieser Runde neben den tollen Bergstraßen auch die zahlreichen Stauseen der Region schätzen. Der Beginn der Industrialisierung und eine zunehmende Bevölkerungsdichte forderten große Mengen Trinkwasser und Energie. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ruhrverband gegründet und mit dem Bau zahlreicher Stauseen begonnen. Am westlichen Ufer des um 1930 entstandenen Sorpesees verläuft eine Panoramastrecke vom Feinsten, die sich jenseits von Amecke über die grünen Höhen des Lenneberglands nach Plettenberg schlängelt. Mit herrlich rundgefahrenen Reifen im Tal der Lenne angekommen, wartet hinter Finnentrop der zerklüftete Biggesee. Die hiesigen, über 600 Meter hohen Berge machen manch fetter Regenwolke das Leben schwer, zwingen zur Entschlackung und sorgen für hohe Pegelstände der in den Jahren 1956 bis 1965 entstandenen Talsperre. Kaum die Brücke bei Sondern gequert, gesellen sich Wiesen und Wäldchen an den aufwärts strebenden Weg. Die sich anschließende Bundesstraßenetappe findet ihr Ende mit dem Auftauchen von Burg Bilstein. Kurz darauf rechts in Richtung Altenhundem abgebogen, weist schon bald ein Schild zur Hohen Bracht. Doch es dauert noch eine kleine Ewigkeit, bis der grau geschieferte Aussichtsturm auf der fast 600 Meter hohen bewaldeten Bergkuppe erreicht wird.
Der Grund dafür ist die an eine große Portion Spaghetti erinnernde Streckenführung. Das Motorrad abgestellt, zeigen sich am Horizont das Ebbegebirge, das Lennebergland, die Saalhauser Berge und das nächste Ziel, das Rothaargebirge. Im nahen Kirchhundem der Ausschilderung Panorama-Park Sauerland gefolgt, schrauben sich wenige Kilometer später unzählige Serpentinen zum 1932 erbauten Rhein-Weser-Turm auf dem Kamm des waldreichen Rothaargebirges empor. Nach kurzer Pause auf griffigem Asphalt talwärts unterwegs, nimmt die Fahrbahnbreite immer weiter ab. Aus dem angrenzenden Edertal wird die radienreiche Bergetappe durch die »Wisent-Wildnis« in Angriff genommen. Ein 20 Hektar großes, naturbelassenes Areal, das einer Herde dieser Großrinder ausreichend Lebensraum schenkt. Kurz vor Schmallenberg erneut auf die Lenne getroffen, kommt die Hochsauerland-Höhenstraße unter die Räder und lädt zum ausgiebigen Kurvennaschen in der Mittelgebirgsregion rund um Winterberg ein. Auf dem 841 Meter aufragenden Gipfel des Kahlen Astens sorgt der Astenturm für eine fantastische Rundumsicht. Während in der benachbarten meteorologischen Station Wetterbeobachtungen durchgeführt werden, läuft die Kaffeemaschine im Berggasthof auf Hochtouren, denn der »König der sauerländer Berge« ist ein äußerst beliebter Bikertreff. Besonders, wenn er seinem Ruf, sonnenscheinärmster Punkt Deutschlands zu sein, nicht gerecht wird.
»Nirgendwo scheint es mehr Treffpunkte zu geben als im Sauerland. Ob an der Staumauer, am betagten Imbisswagen, im gemütlichen Biergarten oder im gepflegten Eiscafé – auf Motorradtour im Sauerland bleibt ein Biker selten allein. «
Die Hochsauerland-Höhenstraße punktet auch westlich von Winterberg mit zahllosen Biegungen, sanften Kuppen und lichten Wäldchen, die sich mit schmucken Giebeln, kunstvollem Fachwerk und gepflegten Vorgärten abwechseln. Im Weiler Oberschledorn lockt ein harmloser Seitensprung. Die ausgeschilderte Route verlassen und einer ehrlichen Landstraße nach Hessen gefolgt, fädelt sich das Teerband in Willingen zwischen den langen Beinen des fast hundertjährigen Eisenbahnviaduktes hindurch, um kurz danach auf verkehrsarmer Trasse bei Bruchhausen wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückzukehren. Am linken Spiegel ragen Langenberg und Hegekopf empor, zwar nicht das Dach der Welt, aber das Höchste im Sauerland. Ab Winterberg erneut auf der Höhenstraße unterwegs, heißt es nun treu zu bleiben und ihr auf unterschiedlichsten Belägen durch abwechslungsreiche Landschaftsbilder bis Westernbödefeld zu folgen. Nordwärts in weiten Radien Richtung Bestwig geeilt und unter den steil aufragenden, kühnen Pfeilern der Autobahnbrücke bei Nuttlar hindurchgeschlüpft, öffnet sich der weitläufige Naturpark Arnsberger Wald.
Mit Nachdruck geht es zur Nuttlarer Höhe hinauf, um bald in Kallenhardt ins beschauliche Warstein zum reich verzierten Braukessel vor der Warsteiner Brauerei abzubiegen. Die Gerstensaftproduktion ist im Sauerland weit verbreitet, man blickt stolz auf eine lange und meisterliche Tradition zurück. Zurück im Naturpark Arnsberger Wald serviert die Forstetappe reichlich Fahrspaß, der vorerst in Niederbergheim am Rand des Höhenzugs Haarstrang endet. Wenige Gasstöße später ist das nördliche Ufer des langgezogenen Möhnesees erreicht. Der im Sonnenlicht glitzernde XXL-Wasserspeicher hat schon über hundert Dienstjahre auf dem Buckel und wird gerne als Westfälisches Meer bezeichnet. Zum guten Schluss transportiert einen die Delecker Brücke trockenen Fußes hinüber nach Arnsberg, der alten Hauptstadt des Herzogtums Westfalen, historisches Eingangstor ins Sauerland, dem »Land der tausend Berge«. Der einprägsame Begriff tauchte erstmals in den 1930er Jahren in Publikationen auf und nennt eine viel zu geringe Zahl von Gipfeln. Einfach mal hinfahren und nachzählen!
Auf dem Weg durch die »Wisent-Wildnis«.
Pause vor der Warsteiner Brauerei.
Beliebte Routen für Motorradtouren im Sauerland
Die beschriebene Tour umfasst rund 320 Kilometer Länge und wurde unter Zuhilfenahme einer detaillierten Straßenkarte geplant. Darauf mit grünem Beistrich versehene Nebenstrecken verheißen schöne Landstriche mit meist hoher Kurvenfolge. Das dichte Netz solcher Straßen erlaubt eine individuelle Routenplanung unter Berücksichtigung von Fahrkönnen, Zeit und Wetter. Einige Eckpunkte im Navigationsgerät erfasst und los geht’s – das Sauerland hat viele schöne Ecken!
Tipps für die Planung und Vorbereitung der Motorradtour
Aufgrund seiner großen Beliebtheit ist die Motorradregion Sauerland im WorldWideWeb stark vertreten. Hier stehen auch zahlreiche Tourenvorschläge zum Download bereit. Wenn möglich, sollten Wochenenden und Feiertage gemieden werden. Über den Internetauftritt des Bundesverbandes der Motorradfahrer (bvdm.de) können Streckensperrungen abgefragt werden.
Sehenswürdigkeiten und Zwischenstopps für die Motorradtour Sauerland
- Die kurvenreiche Bergetappe zwischen Aue und Fleckenberg führt zum 2012 eingeweihten Naturerlebniszentrum »Wisent-Wildnis« Wittgenstein mit seinen zotteligen und gehörnten Bewohnern. Montag Ruhetag. Info: www.wisent-welt.de
- Neben den mächtigen Stauseen und den drei erwähnten Aussichtstürmen, die alle Gastronomie beherbergen, locken die Brauereien Warsteiner und Veltins. Besichtigungen sind in Warstein im Besucherzentrum am Waldpark (www.warsteiner-welt.de) oder in Grevenstein, dem Produktionsstandort der Privatbrauerei Veltins (www.veltins.de), möglich.
Empfehlungen für Unterkünfte und Restaurants im Sauerland
- Der zweiradbegeisterte Walter Saure und das Team des Sauerländer Hofs Willingen bieten nicht nur schmucke Zimmer und leckeres Essen, sondern auch alle anderen Annehmlichkeiten, die motorradelnde Gäste besonders zu schätzen wissen. Info: www.sauerlaender-hof-willingen.de
- Das von Annette und Uli Vanselow liebevoll geführte Hotel Haus Renke in Balve-Binolen ist eine echte Perle des Sauerlandes. Ruhige, komfortabel ausgestattete Zimmer, eine herausragende Küche, ein trockener Platz fürs Bike und super Tourenvorschläge bilden eine gute Grundlage für unbeschwerte Fahrtage. Info: www.haus-recke.de
- Der Heimathafen der Goldbäckerei Grote liegt in Amecke direkt am Ostufer des Sorpesees und verwöhnt täglich von 8 bis 18 Uhr mit Kaffee, Kuchen und Torten, sowie zahlreichen Snacks. Ob im Innenbereich und auf der großen Terrasse, der Ausblick ist das Sahnehäubchen obenauf. Info: www.heimathafen-grote.de
- Nirgendwo sonst scheint es mehr Treffpunkte zu geben als im Sauerland. Ob wilder Treff an der Staumauer, am betagten Imbisswagen, im gemütlichen Biergarten oder im gepflegten Eiscafé – ein Biker bleibt selten allein. Also einfach drauflosfahren und offen für Gespräche sein.
Sicherheitshinweise und Verkehrsregeln
Die landschaftlich und fahrtechnisch reizvolle Region zieht unzählige Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen aus nah und fern an. Von Streckensperrungen ist im Verlauf der Hochsauerland-Höhenstraße die B 236 von Oberkirchen bis zur Einmündung in die B 480 an Wochenenden betroffen! Die Aktion »Laut ist out« soll Lärmbelästigungen verringern und weitere Streckensperrungen verhindern.
Beste Reisezeit für eine Motorradtour im Sauerland
Angenehme Temperaturen herrschen von Anfang Mai bis weit in den Oktober.
TEXT & FOTOS: Frank Sachau