Mecklenburg-Vorpommern: Neue Erlebnishorizonte

Alle Sinne aufgesperrt – der Sommer wird actionreich, gefühlig, verträumt, luftig, lange nachhallend. Tipps für eine einzigartige Zeit in Mecklenburg-Vorpommern.

Tipp #1 | Heißkaltes Vergnügen auf Mecklenburgs Wasserstraßen

Leise tuckert der Bootsmotor. Ab und an springt ein kleiner Fisch aus dem fast unbewegten Wasser. Still liegt der Kanal in der flachen Landschaft nordwestlich von Berlin. Die überhängenden Äste von Birken und Buschwerk ziehen gemächlich an der ­Sauna vorbei. Sauna? – Richtig gelesen! Die Hausbootvermieter von Kuhnle-Tours an der Mecklenburgischen Seenplatte haben sich etwas einfallen lassen, um das ohnehin schon meditativ-beruhigende Erlebnis »Hausboot-Urlaub« noch entspannender zu machen: eine schwimmende Ferienwohnung inklusive Sauna und Sonnendeck. Ahoi, das klingt ein bisschen nach Outdoor und Wellness vereint – auch keine schlechte Idee für einen ­l­ockeren Mädelstrip.

Selbst ohne Bootsführerschein darf man auf unzähligen der weitläufigen Wasserwege zwischen Schwerin und dem nördlichen Berlin umherschippern. Man stoppt in abgeschiedenen Buchten, springt nach der Sauna von Deck in das erfrischende Wasser. Legt in kleinen Dorfhäfen an, bewundert das zartrosa Abendrot über der Müritz, schaut den Fischreihern beim Jagen zu oder freut sich über die romantische Schönheit des langsam vorbei­gleitenden Schloss Mirow. Ob Hausboot mit oder ohne Sauna, in jedem Fall sammelt man viele Geschichten, um nach dem Törn sein Seefrauengarn zu spinnen.

Mecklenburgs Wasserstraßen
Marina Granzow
Ostsee Surfcamp
TMV/Tiemann
Surfhostel Mecklenburg-Vorpommern
TMV/Tiemann

Tipp #2 | Ummanz – Lautlose Action

Aus den Boxen der Tikibar wummern die Beats. Cocktails gehen über den Tresen. Aloha auf der Rügeninsel Ummanz. Hier trifft man sich nach dem Kitesurfen. Eine Gruppe unterhält sich lebhaft. Für sie – trotz Musik – kein Problem, sie nutzen Gebärdensprache. Sie besuchen einen Kitekurs der Surfschule »DeafVentures«, der ersten und bislang einzigen zertifizierten Surfschule für Gehörlose in Deutschland. 2018 wurde sie von den Freundinnen ­Marie, einer selbstständigen Gebärdensprachdolmet­scherin, und Pia, einer Kitelehrerin, gegründet.

Der Schaproder Bodden im Westen der Insel ist das größte Stehrevier Deutschlands. Das ideale Revier, um Surfen zu lernen. Weit draußen, im knietiefen Wasser, stehen sie und üben – noch ohne Board –, den Lenk­drachen in der Luft zu halten. Bald werden sie ihre ­ersten Versuche mit dem Brett machen und irgendwann werden auch sie über das Wasser fliegen, der untergehenden ­Sonne entgegen.

Tipp #3 | Mecklenburgische Seenplatte – Auf die leichte Tour

Mit über 1000 natürlichen Gewässern ist die Mecklenburgische Seenplatte das größte geschlossene Seengebiet Europas. In weitgehend ungestörter Natur sind seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet, wie zum Beispiel die berühmten Kraniche des Müritz-Nationalparks oder die bis zu 1000 Jahre alten Ivenacker Eichen.

Neben der gigantischen Natur sind die vielen Residenzen, mächtigen Burgen und herausragenden Kunstsammlungen und Schlösser sehens- und besuchenswert. Kulturhistorische Juwele, die hervorragende Geschichten­erzähler sind. Naturbelassene Alleen führen in leichtem Auf und Ab durch das Land. Knorrige Eichen und majestätische Kastanien säumen die Wege. Immer wieder tauchen Seen hinter Büschen oder wogendem Schilf auf. Das Land ist weit. Sehr weit. Da ist es naheliegend, sich die schöne Gegend mit E-Bikes zu erschließen. Plötzlich schrumpfen die Distanzen auf ein für normalsterbliche Radelnde machbares und vor allem vergnügliches Maß zusammen.

Familie Radwandern Meckelnburg Vorpommern
Timo Roth
Mecklenburg Vorpommern

Tipp #4 | Mecklenburg-Schwerin – Kulinarik am Wegesrand

Imposante Hörner stechen in die Luft. Aus tiefschwarzen Augen blicken die Auerochsen einen an. Manche strecken ihre rote Zunge heraus, als wollten sie demonstrieren: Ja, wir sind es, schau genau hin, wir sehen so aus wie auf dem Wappen Mecklenburgs! Die Auerochsen, von denen hier die Rede ist, gehören zur Herde des Vielanker Brauhauses und können auf einer ­»Safari« bestaunt werden. Die Krönung eines Tages im Biosphärenreservat des nahen Elbetals ist ein Picknick mit Spezialitäten des Brauhauses. ­Feinste Auerochsenschinken und Fassbrausen sowie verschiedene Liköre und ­Biere lassen einen kulinarisch in die Aromen des Landes eintauchen.

Kuscheliger geht es auf dem Hof Birkenkamp zu. Hier laden Alpakas zur Teatime. Während Besucher auf die feine englische Art Gurkensandwiches und Scones mit Clotted Cream genießen, stecken die kuscheligen Tiere ihre Köpfe zusammen und beäugen aufmerksam, wie es den Zweibeinern schmeckt. Wer sein Picknick ohne tierischen Beistand genießen möchte, könnte sich im Schlosspark Ludwigslust seinen Korb befüllen. Auch das Schweriner Schloss ist eine perfekte Kulisse für ein kulinarisches Outdoorbuffet. Am besten auf einem gemieteten Hausboot mit Blick auf die Schlossinsel.

Tipp #5 | Rostocker Zoo – Tierisch gut

»Aki!« – Mit einem leichten Ruck setzt sich eine halbe Tonne Eisbärzottelmasse in Bewegung. Trottet zum Gittertor. Der Tierpfleger, der den Eisbärnamen in die weite Tundra des Rostocker Zoos gerufen hat, heißt Matthias »Petz« Petzold und hat an diesem Tag einen kleinen Zoobesucher als Gast dabei. »Exklusive Tierbegegnung« heißt das Angebot, bei dem man hinter die Kulissen in den Alltag der Tierpfleger blicken kann. Den Tieren ganz nah sein, den Pflegerinnen über die Schulter gucken und etwas über Lebensraum und ­-weise lernen, das ist die Idee hinter dem besonderen Angebot des Zoos.

Nicht nur in Rostock gibt es diese exklusiven Ein­blicke. In verschiedensten Erlebniszentren kann man die Natur erleben und über ihre Wunder staunen. Zum Beispiel in der interaktiven Ausstellung des Müritzeums. Hier sprudelt und rauscht es schon im Eingangsbereich multimedial von riesigen Leinwänden, bevor es auf ­große Entdeckungstour durch den Lebensraum von Störchen und Moränenlandschaften geht.

Eisbär im Rostocker Zoo
TMV/Tiemann

Weitere Tipps findest du oben in der Karte oder hier:

Text: Christiane Flechtner, Ingo Hübner, Tom Jutzler