Paddeln auf der Schwentine

Morgens um 11 Uhr trifft sich die gesamte Globetrotter-Redaktion beim Kanuverleih in Eutin. Die Temperaturen nähern sich den 30 Grad an und die Sonne brennt vom Himmel. Beste Voraussetzungen für drei Tage an der frischen Luft. Wir wollen die Schwentine runter paddeln. Der Flusslauf führt uns durch die wunderschöne Landschaft der Holsteinischen Schweiz von Eutin über die Plöner Seen nach Preetz und Raisdorf.


Die erste Hürde der Tour besteht darin, unsere Ausrüstung in die vier Boote zu bekommen. Natürlich hat jeder Globetrotter sein eigenes Lieblingszelt eingepackt und auch die Outdoorküche gibt wirklich alles her, was das Paddlerherz begehrt. Nach einigem Hin und Her sind die Boote dann aber doch gleichmäßig bepackt und wir stechen die Paddel in die Schwentine. Auf dem ersten Stück ist der Fluss noch sehr schmal und windet sich unter einem kühlenden Blätterdach entlang. Es wird noch der ein oder andere Paddelschlag geübt, denn für ein paar Kollegen ist es die erste längere Paddeltour. Doch schon als kurz darauf die Schwentine in den Kellersee übergeht haben sich alle in den Booten eingespielt. Es ist komplett windstill und die Kanus gleiten mühelos über den spiegelglatten See.

Für Finn ist es ein Trip in seine Heimat und er übernimmt gerne die Aufgabe des Guides und erzählt uns viele interessante Details über unsere Umgebung. Zum Beispiel über die Otterbrücken, die dabei geholfen haben, eine gesunde Otterpopulation hier im Naturpark wiederaufzubauen. Leider bekommen wir aber keinen der süßen Wassermarder zu Gesicht. Kurz bevor die Schwentine in den nächsten großen See, den Dieksee fließt, treffen wir auf eine Sperrung. Dem Kanuverleih ist diese wohl entfallen und so ziehen wir die Boote an Land, packen die Ausrüstung aus und tragen alles in mehreren Fuhren die Straße hinunter bis zu einem 500m entfernten Bootssteg am Dieksee.


Umtragen am Dieksee

Mittlerweile ist es auch schon Nachmittag geworden und so belohnen wir uns mit einem kalten Getränk, Fischbrötchen und einem Bad im See. Dann paddeln wir weiter und die mittlerweile sehr flache Schwentine gibt den Blick auf zahlreiche Fischschwärme frei. Barsche, Rotaugen, sogar einen kleinen Hecht sehen wir. Die nächste Umtragestelle ist mit Rollen versehen und so rutschen einige von uns gemütlich in den nächsten Flussteil. Gegen Abend gelangen wir auf den Großen Plöner See, unserem Tagesziel. Am anderen Ufer hebt sich das Plöner Schloss gegen die Abendsonne ab und wir genießen den Ausblick von den Booten aus.


Angekommen auf dem Campingplatz bauen wir unser Lager auf. Das dauert eine Weile, denn die Zeltwiese liegt ganz auf der anderen Seite des Platzes und so heißt es noch einmal Boote leeren und ein letztes Mal schleppen. Beim Zeltaufbau werden hilfreiche Tipps ausgetauscht und schnell verfallen einige in eine Diskussion über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Zelte und der diversen Gaskocher- und grills und auch der Komfort der verschiedenen Stühle wird getestet. Nach der Ruhe des Flusses ist der Campingplatz überraschend belebt. Während wir grillen, fahren die Dauercamper gegenüber in der Dunkelheit eine ausgewachsene Lasershow auf und lassen die Bäume hinter uns in wildesten Mustern aufleuchten. Wir wissen nicht ganz, was wir davon halten sollen und machen Pink Floyd an.

Lasershow der Dauercamper

Am nächsten Morgen verlassen die Ersten schon früh ihre Zelte und fangen an Kaffee in den Jetboils zu kochen. Spätestens als die Sonnenstrahlen die Zeltdächer erreichen sitzt die ganze Gruppe um die Essenskisten herum und genießt ihr Frühstück. Trotz der Hitze gibt es viel Tau und so legen wir die Zeltplanen nach dem Frühstück noch etwas in die Sonne und brechen erst spät auf. Zuerst gilt es den Plöner See zu überqueren, um wieder auf die Schwentine zu kommen. Diese hat hier einen so niedrigen Wasserstand, dass wir die Kanus ein Stück treideln müssen. Auf dem nächsten Abschnitt kommen wir an einem etwas morschen Badesteg mit Anlegestelle vorbei, wo wir eine frühe Mittagspause einlegen und unsere Sprungkünste üben.

Diese Stelle war eine gute Wahl zum Schwimmen, denn der Lanker See, in den wir anschließend paddeln, hat wieder einen so niedrigen Wasserstand, dass wir neben den Kanus herlaufen könnten. Dafür sehen wir hier große Gruppen Nonnengänse und sogar ein Seeadler zieht seine Kreise über uns. Mit einer Spannweite von bis zu 2,5 m ist der imposante Raubvogel der größte heimische Vogel der Holsteinischen Schweiz und auf jeden Fall ein besonderer Anblick. Später auf dem Steg des Naturcampingplatzes am Kirchsee bekommen wir auch noch einen großen Fischreiher zu sehen, der ganz entspannt das Geschehen beobachtet.


Die Zelte sind an diesem Abend im Rekordtempo aufgebaut, denn wir sind alle hungrig von der langen Paddelstrecke des heutigen Tages. Zum Abendessen probieren wir unser Trekkingessensortiment durch. Brüderlich und schwesterlich werden die Trek’n’Eat und Summit to Eat Tüten aufgeteilt und zum Nachtisch geht es an die Dessertversionen. Zusätzlich wird ein großer Pott Nudeln gekocht und es werden noch ein paar Maiskolben gegrillt. Man muss die Kocher ja auch nutzen. Es ist unser letzter Abend und so sitzen wir noch lange beim Schein der Gaslaterne zusammen und genießen die warme und stille Sommernacht.

Am dritten und letzten Tag müssen wir keine Seen mehr überqueren, sondern folgen der Schwentine nur noch gemütliche 8 km bis Raisdorf.

Eine Badepause unterwegs muss trotzdem sein. Der Fluss sieht an diesem Tag sehr tropisch aus und wir könnten auch in fernen Mangrovenwäldern unterwegs sein. Dichte Teppiche von Wasserlinsen bedecken die Oberfläche und die üppige Unterwasservegetation bremst unsere Boote aus. Stellenweise müssen wir sehr kräftig paddeln, um nicht stecken zu bleiben. Zahlreiche Libellen surren über unseren Köpfen durch die Hitze und das hohe Gras um uns herum erweckt den Eindruck, als würden wir durch einen grünen Tunnel fahren. Um das Bild perfekt zu machen, sehen wir sogar eine Wasserschlange und eine große Schnappschildkröte! Die Letztere wird wohl irgendwo ausgebüxt sein… Und dann sind wir auch schon in Raisdorf. Nach drei wundervollen Tagen und einer Paddel-Marathonstrecke ist unsere Tour wieder vorbei.

Text: Malin Klein
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