Malin und ihr MSR-Zelt

In »Produkte, die Geschichte schreiben« stellen Globetrotter Mitarbeiter Ausrüstungsteile vor, die ihnen besonders ans Herz gewachsen sind. Diesmal: Malin Klein, Produktredakteurin, über ihr geliebtes Zelt FreeLite 3 von MSR.
Malin Klein Archiv

Dieses Zelt ist mir buchstäblich ans Herz gewachsen: Fast sechs Monate haben meine Schwester Annkatrin und ich darin übernachtet – und es täglich an einem neuen Ort aufgebaut. Tagsüber sind wir auf dem 4280 km langen Pacific Crest Trail (PCT) gewandert, der von Mexiko nordwärts durch die USA bis nach Kanada führt. Nachts haben wir auf den 3,66 Quadratmetern Zeltboden gewohnt, entspannt und geschlafen. 

Das FreeLite3 des US-Herstellers MSR (Mountain Safety Research) bietet zwei Mädels und ihren Rucksäcken einigermaßen Platz und wiegt dabei nur 1,5 Kilo. Das geringe Gewicht gab den Ausschlag, allerdings hatten wir anfangs schon Zweifel, ob ein leichtes Dreijahreszeiten-Zelt so eine Gewalttour mitmachen würde. Täglicher Einsatz, ständiger Auf- und Abbau, Wüste, Wälder, Hochgebirge. Extreme Temperaturunterschiede, Wetterwechel von Sandsturm bis Schneefall. Stress pur für ein Zelt. All das hat unser MSR aber wacker mitgemacht, ohne uns je im Stich zu lassen.

Dazu kamen Attacken von unerwarteter Seite. Unser Wildnispalast zog Mäuse und andere Kleintiere magisch an. Wenn die Nager kleine Löcher ins Zelt fraßen, konnten wir das mit Tape noch flicken. 

»6 Monate auf 3,66 Quadratmetern – dieses Zelt ist mit wirklich ans Herz gewachsen!«

Anders sah es aus, als uns einmal viel größere Tiere umzingelten: In Nordkalifornien gab es auf 40 Kilometer Weg nur eine Wasserstelle, und genau dort wollten wir natürlich zelten. Andere Hiker hatten uns schon gewarnt vor den Rehen an dieser Quelle – aber was soll bitte an süßen, kleinen Rehen gefährlich sein? 

Das Ende vom Lied: Wir saßen die ganze Nacht in der Apsis und fuchtelten mit den Trekkingstöcken Rehe und Hirsche weg, die an unsere Rucksäcke wollten. Deren schweißgetränkten Polster und Gurte sind nämlich so salzig, dass sich die Tiere wie Junkies darauf stürzten. Hufe auf dem Außenzelt, Geweihe in der Apsis – wir konnten unser MSR schließlich verteidigen, taten in dieser Nacht aber kein Auge zu. 

Kurz vor dem Ziel gaben dann doch die Reißverschlüsse auf, wahrscheinlich die meistbelasteten Teile am ganzen Zelt. Wir versuchten es noch mit Sicherheitsnadeln, akzeptierten dann aber die Mäuseparty im Zelt – schließlich waren wir bester Laune, weil wir den PCT geschafft hatten. 

Oft werde ich gefragt, ob ein Zelt nach so einer Extrembelastung nicht durch ist, also entsorgt werden muss. Die Antwort ist nein. Zuhause wurden die Reißverschlüsse repariert – und seither ist das MSR schon wieder viele Wochen unterwegs gewesen. Mal mit Annkatrin, mal mit mir. Es ist uns eben ans Herz gewachsen.

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STECKBRIEF

Name: Malin Klein (29)
Filiale: Zentrale Hamburg
Job: Redakteurin für Rucksäcke
Outdoorvorlieben: Wandern, Backcountry-Skitouren, Apnoe tauchen, Klettern. Am liebsten irgendwo in den Bergen, im hohen Norden oder in den USA.
Größtes Abenteuer: Mit meiner Schwester Annkatrin fünfeinhalb Monate auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada gewandert.
Wenn dein Zelt abhanden kämen, was wäre der Ersatz? Das MSR Hubba Hubba NX Tent V8 grün. Es ist dem MSR FreeLite 3 im Aufbau sehr ähnlich (selbsttragend, haltbares Gestänge, schneller Aufbau, 2 Apsiden) und auch ähnlich leicht. Dabei ist es als Zweipersonenzelt etwas kleiner in der Grundfläche als das Freelite 3.


Text: Globetrotter
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