Maggies wilde Reise

Erst will sie auf ihrem Mofa bis Sizilien, dann um die Welt. In der Türkei bleibt sie hängen, aber das tut Maggies Erlebnissen keinen Abbruch. Über einen furiosen Trip mit 30 km/h.

Neugier, Unternehmungslust und Furchtlosigkeit – aus diesen Zutaten werden AbenteurerInnen gemacht. Maggie Haselwanter ist ein besonders gelungenes Exemplar. Die Tirolerin arbeitet in der Gastronomie und im sozialen Bereich, als Radioredakteurin und als Filmemacherin. Alles gut, aber immer mit dem Gefühl, dass da noch mehr sein muss hinter dem Horizont. Reisen helfen, aber schließlich wandert Maggie aus – nach Nicaragua. Dort wäre sie wohl noch immer, »aber dann kam der Bürgerkrieg, ich musste sofort weg«.

In Tirol gestrandet, nimmt sie 2018 mit ihrem Vater zum Spaß am Ötztaler Mofamarathon teil – und lernt »die sehr coolen Jungs von mofakult.ch« kennen, die die Slowride-Szene mit Equipment versorgen. Als Maggie von ihrem Plan erzählt, mit einem alten Puch-Mofa bis nach Sizilien zu knattern, grinsen die coolen Jungs: »Liebe Maggie, in Sizilien ist nicht Schluss. Wir suchen nämlich jemanden, den wir mit einem Mofa um die Welt schicken. Und dieser Jemand bist du!«

Und was sagt Maggie dazu? »Bin dabei!«

Am 1. August 2019 startet sie die Weltreise auf ihrem eigens gebauten Mofa Sunny. Reisegeschwindigkeit: 30 km/h. Reisedauer: offen, aber ein, zwei Jahre könnten es schon werden. Maggie reist langsam und alleine. Nach einer kleinen Technikschulung kann sie einfache Reparaturen vornehmen, doch wie es sich bei Mofas gehört, brechen auch mal Auspuff oder Ölwanne. »Erst habe ich mich erschrocken, aber schnell gelernt: Bei Pannen passieren die magischen Momente.« Maggie sucht Hilfe – und findet Freunde. »Wo zuvor die Vorurteile und Warnungen am größten waren, da traf ich die tollsten Leute. In Albanien wurde ich gleich in die Familie meines Mechanikers auf­genommen, zehn Tage lang habe ich auf dem Gästesofa gewohnt.«

»Ich habe gelernt: Bei den Pannen passieren die magischen Momente.«

MAGGIE HASELWANTER

Ihre Erlebnisse schildert Maggie schon während der Reise auf ihrer Website, die Videos der gelernten Medienfrau nehmen ihre Follower buchstäblich mit.

Als Maggie im Winter 2019/2020 die Türkei erreicht, ahnt sie nicht, dass sie hier die folgenden 13 Monate bleiben wird. Corona wirft alle Planungen über den Haufen, und Maggie verbringt den ersten Lockdown in Kappadokien. Danach hofft sie auf eine Weiterreise in den Iran, aber die Pandemie lässt dies nicht zu. Stattdessen erkundet ­Maggie die hintersten Winkel Anatoliens: »So lange in einem Land zu bleiben, war nie geplant, aber nun bin ich völlig fasziniert von den Landschaften und den Menschen.«

Im Frühjahr 2021 kehren Maggie und Sunny schließlich zurück nach Mitteleuropa. Aber sicher nicht für lange …

Text: Stephan Glocker
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