Kinotipp: »Der Bär in mir«

Bärenforscher David Bittner und Filmemacher Roman Droux haben drei Monate in der Wildnis Alaskas verbracht. Dabei ist der Film »Der Bär in mir« entstanden: Eine ergreifende und fesselnde Tierdoku, die hautnahe Begegnungen mit den Grizzlys und deren Leben in der Wildnis zeigt. Wir haben mit David über den Film gesprochen …

David, wovon handelt »Der Bär in Mir«?
Ich reise seit rund 20 Jahren fast jeden Sommer nach Alaska. Mit viel Respekt und Geduld ist es mir gelungen, zu einigen aussergewöhnlichen individuellen Bären ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Der Film zeigt diese Bindung zwischen Mensch und Bär. Der Filmemacher Roman Droux begleitet mich einen Sommer lang bei den Bären in der Wildnis Alaskas und will herausfinden, wieso ich einige Bären so stark »vermenschliche« und ihnen sogar Namen gebe. Wir begleiten einen alten Bekannte von mir, den Grizzly Balu, aber auch eine Bärenfamilie mit drei Jungen in ihrem stetigen Überlebenskampf. Mit wuchtigen und einzigartigen Bildern von wildlebenden Grizzly-Bären nehmen wir den Zuschauer mit auf eine Reise in eine vom Menschen noch praktisch unberührte Welt. 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Roman Droux?
Roman und ich lernten uns vor über 15 Jahren kennen, als er einen meiner Vorträge über Alaska und die Bären besuchte. Nach dem Vortrag hat er mich angesprochen und kurz darauf angefragt, ob ich Interesse hätte, ihn und seine Kamera einmal mitzunehmen. Wir haben jahrelang vergeblich versucht, finanzielle Unterstützung aufzutreiben. Trotzdem kam es 2013 zu dieser gemeinsamen dreimonatigen Wildnisreise, in der Hoffnung, dass Roman im Nachhinein die Finanzen regeln könnte. Die fehlende Unterstützung war schlussendlich auch der Grund, weshalb es weitere sieben Jahre dauern sollte, bis der Film fertiggestellt werden konnte. Ganz wichtig war, dass Roman und ich bereits vor dem Dreh befreundet waren. Obwohl er keine Erfahrung mit Bären hatte, war er das Draußensein gewohnt. 

Du bist ein ausgewiesener Bärenexperte. Was fasziniert dich an diesen Tieren?
Ich durfte entdecken, dass jeder Bär ein Individuum ist, mit einer eigenen Persönlichkeit und eigenen Charaktereigenschaften. Dass mich ein paar dieser Bären in ihrer Anwesenheit akzeptieren, ja sogar von sich aus die Nähe zu mir suchen und mir zeigen, dass ich keine Bedrohung für sie bin, ist mehr als erstaunlich. Sie fressen und schlafen an meiner Seite und es ist ein riesiges Privileg, aus dieser Nähe an ihrem Leben teilzunehmen. Luna, Balu und Co. sind mehr als einfach nur Bären. Jede Begegnung mit ihnen berührt mich emotional sehr stark. Ich versuche durch mein Arbeit, die Bären als das zu zeigen, was sie wirklich sind: nämlich weder unsere Feinde noch unsere Freunde. Sie sind hochintelligente, individuelle Wesen mit einem Bewusstsein. 

Ihr seid den Bären teilweise unglaublich nah gekommen – bzw. sie euch. Hast du in solchen Momenten keine Angst?
Das kommt ganz auf den Bären an (lacht). Wenn es sich um Luna handelt, ist nach so vielen nahen Begegnungen wirklich keine Angst mehr vorhanden. So wie sie mir vertraut und sich sichtlich ungestört annähert, so ruhig verbleibe ich in diesen wunderschönen Momenten. Anders sieht es mit einem Tier aus, welches ich (noch) nicht persönlich kenne. Da kommt durchaus eine gewisse Angst und Mahnung zur Vorsicht hoch. Tatsache bleibt, dass wir als Mensch nicht zum natürlichen Ernährungsspektrum der Tiere gehören und die Bären als Wildtiere sich dem Menschen gegenüber grundsätzlich äusserst vorsichtig verhalten und uns aus dem Weg gehen.  

Was unterscheidet »Der Bär in Mir« von anderen Naturfilmen?
»Der Bär in mir« unterscheidet sich klar von einem klassichen Tier- und/oder Naturfilm, indem der Film nebst den Geschichten einzelner Bären vor allem auch meine Begeisterung und meinen Enthusiasmus für diese faszinieren Tiere zeigt. Ich hoffe sehr, dass diese auf den Zuschauer ansteckend wirkt und eventuell sogar ein Teil des Publikums seine Haltung zum Thema Bären und deren Rückkehr zu uns nach Deutschland, in die Schweiz und auch Österreich anpassen könnte. Der Film zeigt auch, dass selbst in dieser scheinbar letzten Wildnis auf unserer Erde der Mensch präsent ist und wir von einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen teilweise noch sehr weit entfernt sind. »Der Bär in mir« ist ein lebendiger Naturfilm für die ganze Familie, fern oberflächlicher Erklärungsversuche. Ein Film, der aber auch Fragen aufwirft.

Bären sind wilde Raubtiere. Wie seid ihr während der Dreharbeiten mit dem Risiko eines Angriffs umgegangen? 
Wie immer versuche ich, mögliche und unnötige Risiken zu vermeiden. Das fängt mit der Wahl des Campingplatz an, geht weiter mit dem schützenden Elektrozaun um das Camp und der bärensicheren Lagerung der Lebensmittel. Und natürlich tragen wir Bärenabwehrmitteln (Pfefferspray, Leuchtfakel, ect) für den Fall, dass man vielleicht doch mal einem verhaltensgestörten Bären über den Weg läuft. Bei den täglichen Beobachtungen muss man den Tieren den nötigen Respekt entgegenbringen. Dazu gehört das Einhalten wichtiger Verhaltensregeln, zum Beispiel, dass man immer auf sich aufmerksam macht, um niemals einen Bären auf nahe Distanz zu überraschen. Obwohl es immer wieder mal eine etwas unangenehme Begegnung geben kann, sind diese Erlebnisse im Film sicher überrepräsentiert. Die Realität mit ihren unzähligen friedlichen Begegnungen würden aber vielleicht nicht so viele Zuschauer ins Kino locken (lacht).

Wie hat Roman reagiert, als er das erste mal einem Bären begegnet ist?
Ich denke, er hatte wie auch ich damals auf der ersten Wildnisreise ein mulmiges Gefühl. Im Unterschied zu mir, konnte Roman zu mir rüberblicken und aufgrund meiner Reaktion in Erfahrung bringen, ob es sich um eine dieser seltenen unangenehmen Begegnungen handelt. Durch meine Bestätigung, dass es sich beispielsweise um Luna handelt und dass alles in Ordnung ist, denke ich, dass Roman sich schnell wieder aufs Filmen fokussieren konnte.  

Teilnahmeschluss ist der 25. Oktober 2020. Es gelten die allgemeinen Gewinnspiel-Teilnahmebedingungen.

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