Kaufberatung Vanlife

Wer sein Auto zum Camper macht, spart sich teure Hotels, hat viel Platz für Outdoorausrüstung und genießt die maximale Freiheit »on the road«. Wir haben Tipps und Tricks zum Vanlife.

Was bedeutet »Vanlife«?

Vor allem jede Menge Flexibilität. Im Wohnmobil oder Campervan kannst du wie ein Nomade durchs Land ziehen und bleiben, wo es dir gefällt. Du bist nah dran an der Natur, hast aber trotzdem ein Dach über dem Kopf und bist in deinem Refugium auf Rädern vor den Elementen geschützt. Die Bandbreite ist dabei groß: Manche wohnen dauerhaft in ihrem Auto und haben Vanlife zu ihrem Lebenskonzept gemacht. Andere nutzen ihr modifiziertes Fahrzeug für spontane Wochenendtrips oder aktive Ferien.

Brauche ich zwingend einen voll ausgestatteten Campingbus?

Nein. Hinter dem Hashtag #vanlife stecken oft simple Abenteuer, bei denen die Protagonisten im Kombi oder Kastenwagen übernachten, um das Maximum aus einer kurzen Zeit in der Natur herauszuholen. Natürlich lebt und reist es sich in einem luxuriösen Wohnmobil sehr komfortabel, aber so ein Fahrzeug ist auch nicht eben günstig in Anschaffung und Unterhalt. Eine gute Alternative kann ein Dachzelt sein. Damit wird dein Auto zum rollenden Hotelzimmer – immer dann, wenn du es brauchst. Es gibt aber auch kostengünstigere Lösungen: Mit der richtigen Ausrüstung und kleinen Anpassungen lassen sich viele Alltagsfahrzeuge zum Mini-Camper umrüsten. Vanlife muss definitiv nicht am Geldbeutel scheitern.

Woher weiß ich, ob Vanlife etwas für mich ist?

Etwas spontan und flexibel sollte man schon sein. Oft weißt du morgens nicht, wo du abends stehen wirst, der Platz ist begrenzt und nicht immer spielt das Wetter mit. Aber für viele macht ja genau das den Reiz aus. Wer sich seiner Dirtbag-Qualitäten nicht ganz sicher ist, kann am Anfang mit einer guten Planung aber viel Druck rausnehmen: Auf einem vorab reservierten Campingplatz erleichtern die heiße Dusche und die frischen Brötchen am Morgen den Einstieg ins Autocampen.

Ist Vanlife familientauglich?

Unbedingt. Ein VW-Bus mit Aufstelldach ist nicht umsonst der Traum vieler Eltern. So ein Campervan bietet vier vollwertige Schlafplätze, oft eine integrierte Miniküche und viel Platz für Gepäck. Die allermeisten Kinder toben eh viel lieber draußen herum, als im Hotel zu sein, wo man leise sein und sich beim Essen benehmen muss 😉

Wie immer gilt beim Unterwegssein mit dem Nachwuchs: Eine Packliste hilft dabei, keine Basics zu vergessen. Je nach Jahreszeit und Alter der Kinder spielt auch die Ausstattung des Fahrzeugs eine Rolle. Standheizung und Campingtoilette zum Beispiel können das Leben »on the road« für alle deutlich entspannter machen.

Worin unterscheidet sich das Equipment von klassischer Rucksack-Ausrüstung?

Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, stößt zwangsläufig schnell an Platz- und Gewichtsgrenzen. Beim Vanlife muss diese Einschränkung nicht sein, hier kannst du aus dem Vollen schöpfen. Dreigang-Menü statt Tütenfutter und Himmelbett statt Penntüte lautet die Devise. 

Trotzdem gilt es, den Spagat zwischen Komfort und Minimalismus zu schaffen. Den ganzen Kleiderschrank braucht es im Auto oder Van nicht, für die stabilen Wanderstiefel ist aber sicher Platz. Der größte Vorteil am Vanlife ist aber, dass du jede Menge Sportausrüstung mitnehmen kannst: Morgens wandern, danach paddeln und am nächsten Tag biken – deine »Spielzeuge« sind immer dabei.

Wie sichere ich mein Equipment im Camper vor Diebstahl?

Wie immer gilt: Gelegenheit macht Diebe. Lass niemals Wertgegenstände offen im Auto liegen. Wenn du keinen kleinen Safe verbauen willst, macht ein verschließbares Gepäcknetz Sinn. Teure Teile kannst du in eine Tasche packen und diese dann an eine Öse im Kofferraum anschließen.

Ein Tipp: Verstaue dein Bike am besten im Auto, wenn du unterwegs bist. Falls das nicht geht, investiere zumindest in ein hochwertiges Schloss mit dem du dein Rad auf dem Heckträger sichern kannst.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, solltest du natürlich auch das ganze Fahrzeug adäquat sichern: Ein Lenkradschloss oder eine Radkralle sorgen dafür, dass dein Fahrzeug noch da ist, wenn du von deinen Abenteuern in der Natur zurückkomst.

Was brauche ich, um gut im Auto zu schlafen?

Die dicke Isomatte wiegt mehr als ein Ultraleichtmodell, bietet aber auch deutlich mehr Schlafkomfort und knistert nicht. Ist das Fahrzeug groß genug, kann man auch eine aufblasbare Doppelmatratze nehmen – darauf schläft es sich fast wie im Ehebett. Von Sea to Summit gibt es sogar ein Modell, dass perfekt in die Karosserieaussparungen des VW T5 und T6 passt. In einem gemütlichen Deckenschlafsack hast du mehr Platz als in der trekkingtauglichen Mumienform, in heißen Sommernächten reicht oft auch ein Inlett aus Seide, Baumwolle oder Mikrofaser. Gehen die Temperaturen in den Keller, sorgt eine Daunen- oder Wolldecke für kuschelige Wärme. Dazu noch ein bequemes Kissen und dein Auto wird zum Himmelbett.

Wer nach dem Konzert oder der Party in der Stadt im Auto schlafen möchte, tut das entspannter mit kleinen Helfern wie Ohrstöpseln und einer Schlafbrille. Für Sommernächte auf Waldstellplätzen dagegen ist ein zuschneidbares Moskitonetz hilfreich: Das hält bei geöffnetem Fenster Mücken und andere Quägeister draußen.

Wie statte ich meine mobile Küche sinnvoll aus?

Auch wenn du keine feste Küchenzeile in deinen Campervan einbauen möchtest, darf die Ausstattung komfortabler ausfallen als beim Rucksack-Trekking. Mit einem vernünftigen Zwei-Flammen-Kocher gelingt mehr als nur Tütensuppe, inzwischen gibt es auch viele Kochbücher speziell zum Thema Vanlife, die die passende Inspiration liefern und für Vielfalt auf dem Teller sorgen. Du kannst auch mehr Gas oder Brennstoff einpacken und musst so nicht so auf die Garzeiten achten.

Viele nehmen auch gleich einen Grill oder Dutch-Oven mit, um unterwegs auf offenem Feuer zu kochen. Die mobile Unterkunft vergrößert also auch die kulinarische Reichweite enorm. Auch auf Highlights wie einen Espressokocher, Toaster, echtes Besteck und nützliches Zubehör wie Schneidebrett, Wasserkanister und Spülschüssel musst du nicht verzichten. Und der Rotwein schmeckt nach einem langen Tag in der Natur aus echten Weingläsern mindestens doppelt so gut!

In einer hochwertigen Kühlbox bleiben Lebensmittel lange frisch. Der Kompressorkühlschrank von Dometic schafft über den 12-V-Anschluss bis 20 °C unter Umgebungstemperatur, an der 230-V-Steckdose kannst du die Temperatur von –15 bis +10 °C einstellen.

Um unangenehme Gerüche im Auto zu vermeiden, kannst du deinen Müllbeutel in einen ausgemusterten Packbeutel mit Rollverschluss stecken. So kannst du deinen Abfall geruchsdicht verschließen, bis du ihn an geeigneter Stelle entsorgen kannst.

Wie stelle ich die Wasserversorgung sicher?

Am komfortabelsten ist natürlich ein fest installierter Wassertank mit Außenanschluss. Besonders wer in trockenen Gegenden Südeuropas unterwegs ist, weiß einen ausreichend großen Wasservorrat zu schätzen.

Der lässt sich aber auch in Wasserkanistern oder –säcken transportieren. Der Vorteil eines solchen mobilen Systems: Du bist sehr viel flexibler und kannst deine Vorräte auch an weniger gut zugänglichen Wasserquellen auffüllen. Ein 15- bis 20-Liter-Kanister lässt sich noch relativ gut tragen und im Fahrzeug verstauen. Besonders bei fragwürdiger Wasserqualität hat ein System von mehreren Wasserbehältern einen Vorteil: Zum Spülen oder Duschen zapfst du einfach Wasser aus dem einen Behälter, sauberes Trinkwasser (gefiltert, chemisch behandelt oder gekauft) kommt aus einem separaten Kanister. Eine ausführliche Kaufberatung zum Thema Wasseraufbereitung gibt es hier.

Der tägliche Wasserbedarf eines Erwachsenen wird mit etwa 2,5 Litern angegeben. Beim Sport ist der Flüssigkeitsverlust jedoch groß – je nach Temperatur und Konstitution können locker ein bis zwei Liter pro Stunde dazukommen! Nicht eingerechnet ist dabei die Wassermenge zum Kochen, Spülen und für die Körperpflege. Insgesamt solltest du mit einem täglichen Bedarf von etwa acht Litern pro Person rechnen.

Was ist die Alternative zu einer Nasszelle im Wohnmobil?

Der nächste See oder Bach ist meist nicht weit weg. Auch mit speziellen Feuchttüchern kommst du relativ weit, sie sind aber ökologisch nicht besonders sinnvoll. Aber auch auf eine Dusche musst du nicht verzichten: In der Solardusche wird das Wasser durch die Sonne erwärmt, während du auf Tour bist. So kannst du abends den Staub vom Tag runterwaschen. Wenn du keine Toilette im Auto hast, solltest du zumindest eine Schaufel oder einen Klappspaten für den Notfall dabeihaben. Bitte bedenke dabei: Verrichte dein Geschäft mindestens 100 Meter entfernt von Gewässern oder Rastplätzen, grabe mindestens 15 Zentimeter tief und entsorge das Toilettenpapier keinesfalls in der Natur.

Wie halte ich Ordnung im Camper?

Packbeutel und Aufbewahrungsboxen in verschiedenen Größen und Farben sind unheimlich praktisch. Vor allem wenn mehrere Personen unterwegs sind, findet so jeder schnell, was er sucht, ohne das ganze Auto auf den Kopf stellen zu müssen. Auch eine Wäscheleine für nasse Klamotten oder feuchte Geschirrtücher ist Gold wert.

Verschiedene Karabiner, (Saug-) Haken und Netze helfen dir dabei, auf begrenztem Platz Ordnung in deiner Ausrüstung zu halten.

Wie stelle ich die Stromversorgung beim Autocamping sicher?

Wenn du regelmäßig fährst, reicht die Boardbatterie, die wird ja auf jeder Fahrt geladen. Wohnmobile haben in der Regel eine zweite Batterie für den Wohnraum, über die man Smartphone, Milchaufschäumer oder GPS-Uhr laden kann. Wer aber auch mal mehrere Tage an einem einsamen Ort ohne Stromanschluss verbringen möchte, sollte über ein Solarmodul auf dem Dach oder ein mobiles Solarpanel nachdenken.

Den erzeugten Strom kannst du inn einem großen Akkupack speichern. Die Yeti 200X Powerbank von Goal Zero etwa hat genügend Saft, um dein Smartphone ca. 16 mal aufzuladen. Eine sparsame Zeltlampe kannst du mit der Powerbank bis zu 42 Stunden lang betreiben. Mit ausreichend Gas und Frischwasser im Kanister bist du so auch über einen langen Zeitraum hinweg wirklich autark.

Was sind weitere praktische Helfer, die das Vanlife-Erlebnis komfortabler machen?

Mit Auffahrkeilen bzw. Levelers kannst du dein Fahrzeug auf unebenem Grund gerade ausrichten. Das sorgt nicht nur dafür, dass du nachts bequem liegst. Auf einer waagerechten Kochfläche klappt auch das Braten deiner Spiegeleier zum Frühstück besser, das du auf Stühlen und an einem Campingtisch genießt. Wer wenig Platz hat, nimmt einfach klein verpackbare Rolltische und faltbare Helinox-Stühle. Auch für eine Hängematte oder einen luftgefüllten Sitzsack ist im kleinsten Auto Platz.

Praktisch sind auch Bus- bzw. Autovorzelte, die stehen bleiben, wenn du tagsüber mit dem Fahrzeug unterwegs bist. Sie dienen als Materiallager, zum Kochen, Umziehen bei Schlechtwetter etc.

In die Königsklasse des Vanlife steigt auf, wer ein echtes Dachzelt auf dem Auto hat. Eine ausführliche Kaufberatung findest du hier.

Darf ich überhaupt überall im Auto schlafen?

Die Gesetze sind von Land zu Land unterschiedlich. Meist darfst du im Fahrzeug übernachten, »um die Fähigkeit zum Fahren wiederherzustellen«. Darunter fällt natürlich nicht das Campieren am abgelegenen Boulderspot. Vielerorts gibt es aber ausgewiesene Caravan-Stellplätze, auf denen du gegen eine geringe Gebühr die Nacht verbringen kannst. Oft gibt es dort sogar WC und Dusche und du darfst grillen und dein Vorzelt aufbauen. Ansonsten kann man viel für die Akzeptanz tun, indem man sich vernünftig verhält: keine Anwohner stören, den Müll mitnehmen und den Platz auch mal sauberer hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat.

Bin ich als Van-Nomade ein gern gesehener Gast?

Wer kein Hotelbett oder Campingplatz bezahlt, mit vollem Kühlschrank kommt und sein Geschäft im nächsten Busch verrichtet, ist Touristikern natürlich ein Dorn im Auge. Viele Destinationen haben aber längst erkannt, dass die Leute die mobile Freiheit nutzen, um Orte zu besuchen, an die sie sonst nicht reisen würden. Das bei der Unterkunft eingesparte Geld findet also durchaus seinen Weg in lokale Restaurants, Supermärkte, Geschäfte und touristische Angebote.

Wie finde ich einen geeigneten Stellplatz? Welche Apps helfen mir beim Planen meines Roadtrips?

Am wichtigsten ist sicher eine Wetter-App, damit du möglichst stets auf der Sonnen­seite unterwegs bist. Ein Regenradar kann auch sehr hilfreich sein, da manchmal schon ein Tal weiter die Sonne scheint, während du im Regen hockst. Es gibt zahlreiche Camping- und Stellplatz-Apps für einzelne Länder oder ganz Europa – auch kostenfrei.

Bei uns findest du außerdem eine große Auswahl an Stellplatzführern – auch hier reicht die Palette von einzelnen Regionen über Ländern bis zu ganzen Kontinenten.

Text: Globetrotter
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