Kaufberatung: Ultraleicht & Long Distance Hiking

Was ist die richtige Ausrüstung für richtig lange Wanderungen und Thruhikes? Ist leichter immer besser? Wir versorgen dich in dieser Kaufberatung mit Tipps und Tricks fürs Ultraleicht- und Long Distance Hiking.

Ultraleicht-Wanderer – waren das nicht die mit der abgesägten Zahnbürste? Ja, genau die waren das. Aber Ultraleicht (UL) Wandern ist noch sehr viel mehr. Ultraleichtes Wandern bedeutet zum einen, dass du das Grundgewicht deiner Ausrüstung möglichst geringhältst. Gleichzeitig musst du zuverlässige und ausreichend robuste Ausrüstung mitnehmen, die den lokalen Witterungsbedingungen standhalten. Damit, sich von allem das Leichteste zu kaufen, ist es also nicht getan. Folgend gehen wir dem Thema tiefer auf den Grund.

Inhalt:

Was ist Ultraleicht-Wandern?

Beim Ultraleicht-Wandern versuchst du das Gewicht auf deinem Rücken zu minimieren, um möglichst komfortabel und schnell lange Etappe zu erwandern. Dadurch ist das Thema Ultraleicht eng mit dem Thema Langstreckenwandern verbunden. Natürlich kannst du mit deiner ultraleichten Wanderausrüstung ebenfalls deutlich bequemer Tages- und Hüttentouren bestreiten, aber der Fokus dieser Kaufberatung liegt auf dem Einsatz auf langen Distanzen.

Tipp: Wenn du Probleme mit dem Rücken oder den Gelenken hast, ist die Investition in ultraleichte Wanderausrüstung definitiv auch für kürzere Abenteuer ihr Geld wert. Durch das geringere Rucksackgewicht vermindert sich die Belastung für deinen Körper.

Was ist Long Distance Hiking?

Long Distance Hiking ist der englische Begriff für das Langstreckenwandern. Da viele der ultralangen Wanderrouten in englischsprachigen Gebieten liegen, sind viele der gebräuchlichen Bezeichnungen innerhalb dieser Outdoor-Disziplin aus dem Englischen übernommen. Zu den bekanntesten Long Distance Trails gehören der AT (Appalachian Trail), PCT (Pacific Crest Trail) und der CDT (Continental Divide Trail) in Amerika sowie der TA (Te Araroa) in Neuseeland. Aber auch Europa hat mehrere großartige Langstreckenwanderungen zu bieten, wie zum Beispiel den E1. Wanderer, die einen Long Distance Trail in einem Stück erwandern, nennt man Thruhiker und diese Art des Wanderns »thruhiking«. Wer sich nur an einen Teil des Weges macht, ist »section hiking«.

Kaufberatung Ultralight
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Fredrik Marmsater Photography, LLC

Welche Ausrüstung brauche ich zum Ultraleicht-Wandern?

Du hast eine Tour vor Augen und nun geht es an die Ausrüstungsplanung. Da stellt sich zuerst die Frage: Was darf mit, was ist unnützer Ballast und was darf ich auf keinen Fall vergessen? Um dir einen Überblick zu verschaffen, haben wir dir zusätzlich zu dieser Kaufberatung auch eine Ultraleicht-Packliste fürs Langstreckenwandern zusammengestellt.

Das Basisgewicht

Wenn du deine ultraleichte Ausrüstung für eine Langstreckenwanderung zusammenstellt, wirst du schnell auf den Begriff Basisgewicht oder englisch »baseweight« stoßen. Damit gemeint ist das Grundgewicht deines Rucksacks ohne Wasser und Lebensmittel. Der Trick ist es, dieses Basisgewicht möglichst gering zu halten. Natürlich gibt es keine echte Regel, wie hoch dein Basisgewicht sein darf, aber ein guter Orientierungswert für UL-Touren sind 4,5 kg. Dies erreichst du nicht nur durch den Einsatz von Ultralight-Ausrüstung, sondern auch durch den bewussten Verzicht auf Luxusartikel und alles, was du nicht unbedingt dabeihaben musst. Multifunktionalität ist hier das Zauberwort. Hat ein Ausrüstungsgegenstand gleich zwei oder noch mehr Funktionen, sparst du weitere Ausrüstung ein. Hat ein Ausrüstungsgegenstand gleich zwei oder noch mehr Funktionen, so sparst du weitere Ausrüstung ein. Ein gutes Beispiel hierfür sind Systemkocher wie der Primus Lite, denn sie sind Kocher, Topf und Becher in einem. Am Ende wirst du wahrscheinlich immer noch mehr mitnehmen, als du wirklich brauchst und einige Teile unterwegs aussortieren.

Die Big Four

Hinter den berühmten Big Four verstecken sich Zelt, Schlafsack, Isomatte und Rucksack. Also die vier schwersten und voluminösesten Ausrüstungsteile, die du mitnimmst. Sie bilden das Grundgerüst deiner Ultralight-Ausrüstung und sollten mit Sorgfalt ausgewählt und aufeinander abgestimmt werden. Schließlich sollen sie dich auf den längsten Trails gar mehrere Tausend Kilometer weit begleiten. Beachte bei der Wahl nicht nur das Gewicht, sondern auch das Packmaß. Denn je kompakter die Ausrüstung, desto kleiner und entsprechend leichter kann auch wiederum der Rucksack sein.

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Welcher Rucksack ist zum Langstreckenwandern geeignet?

Für Langstreckenwanderungen mit ultraleichtem Gepäck benötigst du natürlich auch einen leichten Rucksack. Ob der richtig ultralight sein muss, ist eine absolut persönliche Entscheidung. Denn neben federleichten Materialien und dem Verzicht auf Reißverschlüsse, Taschen und andere Ausstattungsmerkmale, ist es vor allem das Tragesystem, welches die entscheidenden Gramme vom Rucksackgewicht ausmacht. Bei den leichtesten der ultraleichten Rucksäcke gibt es weder einen Rahmen oder eine feste Rückenplatte noch einen Hüftgurt. Dadurch wird der Rucksack aber deutlich instabiler und bietet eine schlechtere Lastenverteilung. Wenn deine Ausrüstung nicht absolut minimalistisch ist, empfiehlt es sich für längere Touren einen ultraleichten Rucksack mit richtigem Tragesystem zu wählen. Diese wenigen Extragramme rechnen sich gegen den Tragekomfort locker auf.

Der Ultraleichtrucksack Exos von Osprey für Männer.
Der Ultraleichtrucksack Eja von Osprey für Frauen.

Dein Ultraleicht-Rucksack sollte nicht nur perfekt zu deinem Rücken passen, sondern auch zu deinem Ausrüstungsvolumen. Die meisten Long Distance Hiker nutzen Tourenrucksäcke oder kleinere Trekkingrucksäcke mit einem Volumen zwischen 38 und 58 Litern. Gerade wenn das Volumen des Rucksacks eher klein gewählt ist, bieten sich Modelle mit großen, elastischen Meshfächern an den Seiten an. So kannst du zum Beispiel große Wasserreserven für besonders heiße und trockene Etappen gut außen am Rucksack anbringen. Ein beliebter Tourenrucksack, den es in allen drei Volumina gibt, ist der Osprey Exos bzw. für Frauen der Eja.

Wenn du Hilfe beim korrekten Einstellen und Bepacken des Rucksacks benötigst, findest du praktische Tipps in unserer Kaufberatung für Wanderrucksäcke.

Was ist besser geeignet: Zelt oder Tarp?

Je nach Klima und Terrain hast du beim Ultraleicht-Trekking die Wahl, in einem Zelt oder unter einem Tarp zu schlafen. Ein Zelt hat den Vorteil, dass es auch auf ausgesetzten Passagen einfacher aufgestellt werden kann und deutlich mehr Wärmerückhalt bietet. Um das Gewicht des Zeltes zu minimieren, haben einige Modelle ein federleichtes Gestänge, welches oftmals nur Bleistift-dick und im besten Fall freistehend ist. Andere Modelle verzichten komplett auf ein Gestänge und sind so konstruiert, dass du sie mit Hilfe deiner Trekkingstöcke aufstellen kannst. Da Ultraleicht-Zelte meist aus einem sehr dünnen Material bestehen, solltest du zusätzlich ein Footprint mitnehmen, um den Zeltboden zu schützen.Ein Tarp kannst du dagegen besonders gut in warmen, baumreichen Regionen verwenden und in langen Mittagspausen als Sonnensegel nutzen. Um deine Isomatte zu schonen und deine Ausrüstung vor Feuchtigkeit zu schützen, solltest du auch beim Tarp ein Footprint oder eine Plane zum Drauflegen nutzen. Viele Ultraleicht-Trekker genießen bei einem Tarp auch, dass sie keine Zeltwand zwischen sich und der Natur haben. Bist du kein Freund von nächtlichen Mäusebesuchen, ist ein Tarp in Kombination mit einer Hängematte eine gute Alternative für dich.

Das Fly Creek HV 2 Carbon von Big Agnes ist das mit Abstand leichteste Zelt im Globetrotter Sortiment.
Das Mesh House 1 von MSR bietet Schutz vor Insekten und kann mit einem Tarp kombiniert werden.
Wenn Bäume in der Nähe sind, ist auch ein Tarp mit Hängematte eine gute Kombination.

Welche Isomatte ist ultraleicht?

Bei der Wahl der richtigen UL-Isomatte für deine Tour solltest du das passende Verhältnis aus Gewicht, Volumen und R-Wert im Blick haben. Der R-Wert gibt an, wie hoch der Wärmerückhalt der Isomatte ist. Ein hoher R-Wert bedeutet also eine hohe Isolierleistung. Zum Ultralight-Hiking eignen sich sowohl einfache Isomatten zum Falten als auch leichte aufblasbare Thermomatten. Die Ersteren überzeugen mit einem günstigen Einsteigerpreis, geringem Eigengewicht, ihrer Robustheit und einem mittleren R-Wert (z. B. die Canisp von Frilufts). Du kannst sie dir auf die für dich passende Länge zuschneiden und sie zwischendurch auch als Sitzkissen verwenden. Allerdings sind Faltmatten sperrig vom Packvolumen und müssen daher außen am Rucksack befestigt werden. Ultraleichte Thermomatten können dagegen sehr klein zusammengerollt werden, sind nur minimal schwerer oder genauso schwer wie die Faltmatten und haben einen sehr guten R-Wert. Der Nachteil an ihnen ist, dass sie deutlich empfindlicher und teurer sind. Dafür schläfst du auf ihnen auch viel komfortabler. Von Therm-a-Rest gibt es z. B. die bei Thruhikern beliebte NeoAir Xlite- und UberLight-Serie, deren Matten unter 400 g wiegen und auf die Größe einer Wasserflasche zusammengerollt werden können.

Die Isomatte Canisp von Frilufts lässt sich falten und hat einen R-Wert von 1,8.
Die Thermomatte NeoAir XLite von Therm-a-Rest hat einen R-Wert von 4,2.
Die Thermomatte NeoAir UberLite von Therm-a-Rest hat einen R-Wert von 2,3.

Tipp: Wer noch mehr Gewicht sparen will, greift zu einer extra kurzen Matte und legt die Beine auf den leeren UL-Rucksack. Die NeoAir UberLight von Therm-a-Rest bringt beispielsweise in der kurzen 119 cm Version nur 170 g auf die Waage.

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Welcher Schlafsack ist die richtige Wahl beim UL-Trekking?

Beim Langstreckenwandern fällt die Wahl klar auf einen Daunenschlafsack. Denn dieser hat von Natur aus das beste Verhältnis von Wärme, Gewicht und Volumen. Verpackt werden sollte er in einem ultraleichten und wasserdichten Packbeutel mit Rollverschluss. Hochwertige, bauschkräftige Daunen, verkürzte Zipper und hauchdünne Stoffe machen die Schlafsäcke ultralight. Bei ultraleichten Schlafsäcken gibt es aber nicht nur die beliebte Mumienform, sondern auch Quilts. Dies sind Schlafsäcke ohne Kapuze. Einige Modelle haben keine klassische Sackform, sondern Bänder auf der Rückseite, um den Quilt mit der Isomatte zu verbinden. Quilts sind immer Teil eines durchdachten Schlafsystems und nicht für Trekkingtouren in kalten Gebieten gemacht. Die Wärmeleistung von Quilts ergibt sich aus der Kombination mit einer leistungsstarken Isomatte. Ultraleicht-Wanderer, die ein solches Schlafsystem nutzen, tragen zusätzlich eine Daunenjacke mit Kapuze oder eine warme Mütze beim Schlafen.

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Die federleichten Ultra-Sil Nano Dry Sacks von Sea to Summit mit Hypalon-Rollverschluss sind aus silikonisiertem Nylon gefertig.
Der Flyite von Western Mountaineering eignet sich durch ultraleichte Bauweise und kleines Packmaß ideal für minimales Gepäck.

Der Quilt Nanolite Sky Blue Quilt von Western Mountaineering vereint die Wärmefunktion eines Schlafsacks mit der Bewegungsfreiheit einer Decke.

Welche Bekleidung trage ich beim Long Distance Hiking?

Dies ist hängt ganz entscheidend davon ab, wo du wandern gehst. Wenn du dich über Funktionsbekleidung im Detail informieren möchtest, findest du hier dazu ausführliche Kaufberatungen. Generell gilt aber, dass du so wenig Kleidung wie möglich und so viel wie nötig mitnimmst. Auf mehrwöchigen oder mehrmonatigen Wanderungen ist das Wechseln der Wanderkleidung obsolet. Was du brauchst, hast du an. Sinnvoll sind zudem ein Extrapaar Socken und eine Unterhose zum Wechseln. Diese kannst du, wenn du deine restliche Kleidung unterwegs wäschst, in Kombination mit deiner Regenkleidung anziehen. Denn zuverlässige Regenklamotten gehören natürlich auch zur UL-Ausrüstung dazu. Achte hierbei auf die Rucksacktauglichkeit, einige ultraleichte Regenjacken sind nicht fürs Wandern mit Rucksack, sondern beispielsweise nur zum Trailrunning oder Radfahren gemacht. Ansonsten empfiehlt sich eine warme, leichtgewichtige Daunenjacke, je nach Region auch eine Mütze und leichte Handschuhe und in manchen Gegenden lange Funktionsunterwäsche zusätzlich zur Bekleidung, die du am Körper trägst, mitzunehmen.

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Welche Schuhe ziehe ich an?

Die Wahl fällt beim Long Distance Hiking meist auf hochwertige Trailrunner, oftmals in Kombination mit einfachen Kurzgamaschen. Letztere sorgen dafür, dass keine Steinchen im Schuh landen und sind natürlich kein Muss. Da Trailrunning-Schuhe deutlich luftiger und leichtgewichtiger als Wanderstiefel sind, läuft es sich in ihnen auch leichter. Durch das geringe Rucksackgewicht kann beim Ultraleicht-Hiking oftmals auch gut auf einen höheren Schaft zur Stabilisierung der Knöchel verzichtet werden. Durch das lange und weite Laufen werden die Knöchel zudem auch mehr trainiert. Allerdings sind Trailrunner nicht für jeden die richtige Wahl. Wenn du zum Umknicken neigst oder in sehr anspruchsvollem Gelände unterwegs bist, solltest du hier zu den bewährten Wanderstiefeln greifen.

Tipp: Wähle deine Schuhe nicht zu klein! Viele LangstreckenwanderInnen bevorzugen Modelle mit breiter Zehenbox, da sich die Füße, wenn sie besonders warm werden, und generell durch die Belastung vom langen, weiten Laufen, ausdehnen können.

Was gibt es beim Thema Ultraleicht noch zu beachten?

Denke immer daran, dass du beim Ultraleicht-Wandern oder Long Distance Hiking kein Back-Up dabeihast. Achte daher gut auf deine Ausrüstung und mache dich im Vorweg mit ihr vertraut. Probiere dein Schlafsystem am besten einmal im Garten bei niedrigen Temperaturen aus und stelle dir ein kleines Reparatur- und Erste-Hilfe-Set zusammen. Das lässt sich sehr gut wasserdicht und ultraleicht in einem Loksak verpacken. Ein schöner Trick ist es auch, um jeden deiner Trekkingstöcke etwas Gewebeband zu wickeln. Damit lässt sich vieles reparieren und da du das Tape auf diese Weise nicht im Rucksack trägst, fällt es auch nicht weiter ins Gewicht.

Text: Globetrotter -
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