Kaufberatung Stechpaddel

Es gibt nichts Schöneres, als seine Ausrüstung in den Kanadier zu laden und entspannt durchs Wasser zu gleiten – sei es für ein kurzes Paddelvergnügen nach der Arbeit oder einen mehrtägigen Kanutrip. Aber egal, was du geplant hast, das richtige Stechpaddel kann dabei einen großen Unterschied machen.

Inhalt:

Kanadierpaddel gibt es in den verschiedensten Längen, Materialien, Gewichten und Preisen. Blattformen, Design und Verarbeitung spielen ebenfalls eine Rolle bei der Wahl des Paddels. Trotzdem ist der Kauf eines Stechpaddels keine komplizierte Aufgabe. In dieser Kaufberatung erklären wir dir, worauf du beim Kauf des wichtigsten Werkzeugs für Kanadierpaddler achten solltest. 

Was ist ein Stechpaddel?

Stolz wie Oskar; unterwegs mit Papas Stechpaddel.

Ein Stechpaddel dient zur Fortbewegung eines Kanadiers. Kanadier wurden ursprünglich von nordamerikanischen Indianern als Fortbewegungsmittel genutzt. Große und schwere Lasten konnten damit leicht durch die dicht bewaldeten und unwegsamen Gebiete Nordamerikas transportiert werden. Das Stechpaddel – oder Kanadierpaddel – besteht aus einem schlanken Schaft, an dessen einem Ende das Paddelblatt befestigt ist. Den Übergang von Schaft zu Paddelblatt heißt Schaftwurzel oder Blattwurzel. Am anderen Ende des Paddels befindet sich ein Griff oder Handknauf. So wird gepaddelt: Eine Hand fasst den Schaft, die andere den Knauf, dann taucht man das Paddel üblicherweise immer auf derselben Seite ins Wasser. Im Tandem paddelt einer links, der andere rechts und alle paar Minuten wird die Seite gewechselt.

Wie lang soll ein Stechpaddel sein?

Die »richtige« Länge eines Paddels ist der Schlüssel zu einem effizienten Paddelschlag. Ein zu kurzes oder zu langes Paddel lässt dich meist schneller ermüden. Wenn über die Länge eines Stechpaddels gesprochen wird, bezieht sich dies auf die kombinierte Länge von Griff, Schaft und Blatt. Die ideale Paddellänge hängt von vielen Faktoren ab: von der eigenen Paddeltechnik, dem Kanutyp, der Sitzhöhe und der Körpergröße. Es gibt zahlreiche Faustregeln und Hilfestellungen, um die richtige Länge zu ermitteln, doch kaum eine ist perfekt. Idealerweise probierst du das Paddel auf dem Wasser in deinem Kanu aus. Dann bekommst du das beste Gefühl für die »richtige« Länge.

  • Die einfachste Faustregel: Körpergröße minus circa 30 cm. Das bedeutet, wenn du stehst, sollte das Stechpaddel zwischen Brustbein und Kinn enden. 
  • Folgender Trick ist etwas genauer: Setz dich mit geradem Rücken auf einen Stuhl und halte das Paddel senkrecht nach oben, so dass der Griff den Sitz zwischen deinen Beinen berührt, während das Blatt in der Luft ist. Deine Augen sollten sich auf gleicher Höhe mit der Schaftwurzel (Übergang des Schafts zum Blatt) des Paddels befinden.
  • Eine genaue Längenbestimmung ist nur im Boot möglich: wenn das Paddelblatt vollständig im Wasser ist, sollte der Griff des Paddels je nach Fahrweise zwischen Schulter- und Augenhöhe sein.
Quelle: http://www.twv-kanusport.at So ermittelst du deine Stechpaddellänge,

Weitere Tipps zur Bestimmung der Paddellänge

  • Wichtig ist auch die Bootshöhe: bei flachen Booten darf das Paddel kürzer sein, bei hohen Sitzpositionen wählst du ein längeres. In einem breiten Kanu greifst du ebenfalls zu einem längeren Paddel. 
  • Wenn du im Knien paddelst, kann das Paddel tendenziell kürzer sein, als wenn du im Sitzen unterwegs bist.
  • Der Steuermann kann ein etwas längeres Paddel wählen. Das verschafft ihm einen besseren Hebel zum Steuern.
  • Ein längeres Paddel ist dort am besten, wo du lange, kräftige Schläge ausführen kannst und nicht schnell manövrieren musst – zum Beispiel auf Seen oder großen Flüssen.
  • Kürzere Paddel hingegen sind hervorragend für Kanufahrten in leichtem Wildwasser oder auf kleinen Flüsse mit vielen Kurven.
  • Du brauchst ein Paddel für deinen Kanu-Nachwuchs? Spezielle Kinderpaddel sind kürzer, haben einen dünneren Schaft und schmale Griffe, passend für kleine Kinderhände.

Wie schwer ist ein Stechpaddel?

Gängige Kanadierpaddel liegen etwa zwischen 500 und 1000 Gramm. Grob gesagt gilt für fast alle Paddel: je leichter, desto besser! Ein Paddel mit geringerem Gewicht bedeutet weniger Ermüdung während eines langen Kanutages. Bei jedem einzelnen Schlag musst du mit einem leichten Paddel weniger Gewicht bewege. Auch wenn es sich meist nur um wenige hundert Gramm Unterschied handelt, in der Summe aller Paddelschläge über eine komplette Kanutour verteilt, kann das eine Menge Kraft sparen. Ein leichtes Paddel ist also vor allem ideal, wenn du lange Distanzen zurücklegen oder sehr schnell paddeln willst. Holzpaddel sind oft leichter als Kunststoffpaddel mit Aluschaft.

Kaufe dein Paddel aber nicht nur nach Gewicht. Je nach Einsatzgebiet und Gewässer willst du vielleicht lieber ein robusteres Paddel, das in der Regel auch etwas schwerer ist. In seichten Gewässern oder im Wildwasser musst du mit vielen Grundberührungen rechnen. Dann ist ein solides, steifes (schwereres) Paddel von Vorteil. Und am Ende gilt immer die monetäre Faustregel: je leichter das Paddel, desto mehr musst du dafür investieren. 

Welches Paddelblatt für welches Gewässer?

Ein größeres Blatt erfordert mehr Muskelkraft, aber mit jedem Schlag bekommst du auch mehr Vortrieb. Kurze, breite Paddelblätter sind effektiver beim Steuern des Bootes und haben weniger Tiefgang. Deshalb eignen sie sich hervorragend zum Wildwasserpaddeln oder für Touren auf seichten Gewässern.

Lange und schmale Paddelblätter sind kräfteschonend und ideal für lange Touren auf großen Fließgewässern oder Seen, da die Paddel »weicher« ins Wasser eintauchen. Du musst zwar mit einer etwas höheren Schlagzahl paddeln, aber jeder Schlag erfordert weniger Kraftaufwand. Das schont auf lange Sicht deine Handgelenke und Schultern, besonders wenn du ein Boot paddelst, das mit schwerer Campingausrüstung vollgestopft ist. Gekehlte Paddelblätter (wie ein ganz flacher Löffel) bieten bei gleicher Blattgröße einen besseren Vortrieb.

Grudsätzlich sollten kleinere und nicht so kräftige Paddler und Paddlerinnen flächenmäßig kleine Paddelblätter wählen.

Breite und kurze Paddelblätter

+ ideal für kleine Flüsse und seichte Gewässer

+ jeder Schlag ist effektiver als bei einem schmaleren Blatt

+ schnelleres Beschleunigen, präziseres Manövrieren und viel Stützwirkung

– ermüdend

– windanfälliger

Lange und schmale Paddelblätter

+ Ideal für große Fließgewässer und Seen

+ schont Muskeln und Gelenke

+ weniger Windanfällig

– höhere Schlagfrequenz zur Aufrechterhaltung der Reisegeschwindigkeit erforderlich

– erschweren schnelle Manöver

Aus welchem Material sind Stechpaddel?

Stechpaddel werden in der Regel entweder aus Holz, aus einem Verbundwerkstoff (z.B. GfK oder Carbon) oder aus einer Kombination aus Alumimiumschaft und Kunststoffblatt hergestellt. Welches Material du bevorzugst, hängt von deinem persönlichen Geschmack und vom Einsatzgebiet ab.

Holz

Holzpaddel sind die Klassiker beim Kanufahren. Die optisch ansprechenden Holzpaddel liegen meist schön in der Hand verfügen über einen natürlichen Auftrieb und fühlen sich auch bei Kälte warm an. Synthetische Materialien können mit dieser Natürlichkeit, Flexibilität und Wärme nicht mithalten. Nachteil eines Holzpaddels ist der erhöhte Pflegeaufwand. Holzpaddel erfordern im Laufe der Zeit eine gewisse Wartung, wie gelegentliches Schleifen und Lackieren, um Beschädigungen durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Nicht alle Holzarten sind gleich. Esche ist ein sehr langlebiges Holz, das auch raueren Bedingungen standhält. Ahorn ist robust und flexibel, Kirsche ist haltbar und leicht. Walnuss ist steif, relativ schwer und eher teuer, überzeugt aber mit toller Optik.

Für viele Kanuten erste Wahl: ein Stechpaddel aus Holz. Passt auch gut zum selbstgebauten Kanadier aus Holz 😉

Paddel aus laminiertem Holz sind nicht dasselbe wie traditionelle Holzpaddel. Laminate kombinieren oft die besten Eigenschaften verschiedener Weich- und Harthölzer. Sie bestehen aus miteinander verleimten Holzstreifen und können hohl sein oder aus einer Mischung aus schwereren und leichteren Hölzern bestehen, so dass sie oft weniger wiegen. Laminierte Holzpaddel sind auch steifer. Aber was sie an Flexibilität und Stoßdämpfung einbüßen, machen sie durch ihre Stärke und Vielseitigkeit wieder wett. Viele laminierte Holzpaddel haben eine Glasfaserschicht über dem Blatt für zusätzliche Festigkeit und einen Kantenschutz zur Verbesserung der Haltbarkeit. Holzpaddel sind ideal für den Einsatz auf Seen und tiefen Flüssen. Weniger geeignet sind Stechpaddel aus Holz für seichte und verblockte Flüsse, denn sie nutzen sich bei Grundberührungen schneller ab.

Kunststoff und Aluminium

Kunststoffe wie Nylon, Polyethylen, ABS und Urethan werden zur Herstellung langlebiger, flexibler, wartungsarmer und in der Regel sehr erschwinglicher Paddelblätter verwendet. Diese Paddelblätter kommen meistens in Kombination mit einem robusten und preiswerten Aluminiumschaft. Solche dauerhaften und oft preisgünstigen Stechpaddel sind etwas weniger komfortabel und ansprechend als Holz, dafür aber sehr stabil. Sie eignen sich hervorragend im leichten Wildwasser, auf seichten Gewässern, als Einsteiger- oder Reservepaddel und auch Kanuverleiher setzen auf die beständigen Allroundpaddel.

Verbundwerkstoffe

Kanupaddel aus Verbundwerkstoffen wie Carbon, Aramid und Fiberglas sind extrem leicht und stabil, bieten viel Vortrieb und Kontrolle. Sie werden häufig beim Wildwasserpaddeln oder im Rennsport verwendet. Diese leistungsstarken Paddel sind in der Regel teurer als Paddel aus Holz oder Kunststoff/Aluminium. Außerdem sind solche laminierten Paddel empfindlicher für Beschädigungen. Eine Reparatur ist aufwändiger und man benötigt etwas Fachwissen.

Was für Griffe haben Stechpaddel?

Mit dem Griff des Stechpaddels kontrollierst du die Blattstellung und die Wirkung deines Paddelschlages. Die zwei gebräuchlichen Griffformen an einem Paddel sind ein klassischer Palm-Griff und der T-Griff. 

Palm-Griff:

Ein Palm-Griff hat die Form eines Tropfens und liegt gut in der Hand des Paddlers. Die Griff-Form passt sich der Handfläche ganz natürlich an und ist bequem für lange Fahrten. Der Palm-Griff wird fast ausschließlich bei Holzpaddeln verwendet.

Handschmeichler: der Palm-Griff.

T-Griff:

Der T-Griff gewährleistet viel Präzision und Kontrolle beim Führen des Paddels, einen sicheren Griff und erleichtert das Steuern. Daher ist der T-Griff erste Wahl bei sportlich orientierten Paddlern und Wildwasser-Kanuten.

Bietet viel Halt: der T-Griff.

Was für Unterschiede gibt es bei den Paddelschäften?

Paddelblatt und Griff werden durch den Paddelschaft miteinander verbunden. Viele Stechpaddel haben einen runden und geraden Schaft, aber es gibt auch Paddel mit ovalem Schaft. Besonders Personen mit kleineren Händen empfinden ovale Schäfte oft angenehmer zu greifen. Vor allem in bewegtem Wasser, wenn du viel Gefühl und Kontrolle beim Führen des Paddels benötigst, bietet ein ovaler Schaft oft einen bequemeren Griff und festeren Halt als die traditionelle runde Form. Manche Paddelschäfte sind teilbar. Diese zwei- oder mehrteiligen Paddel sind praktisch zu transportieren und zu verstauen. Sie eignen sich gut für die Mitnahme in den Urlaub, für Falt- und Schlauchboote oder als Reservepaddel.

Text: Globetrotter
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